30/5  Salzbewusst

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:40

Wir essen immer noch zu viel Salz. Das ist eines der obersten Ziele der regierungsnahen Gesundheitsorganisationen weltweit: den Salzgehalt in der Nahrung zu reduzieren, denn zu viel Salz ist eine Ursache für zahlreiche gesundheitliche Gefahren. In der Schweiz haben sich namhafte Produzenten (Mirgos und coop) freiwillig verpflichtet, im Rahmen von „actionsanté“ ihre Brote weniger zu salzen.

Es gibt Länder, in denen allerdings das „klassische“ Natriumchlorid nicht reduziert sondern ersetzt wird durch andere Salzverbindungen, die aber oft den Einsatz von weiteren Zusätzen nötig machen, um geschmackliche Defizite auszugleichen.

Anlässlich eines internationalen Kongresses in Genf haben Nahrungsproduzenten u.a. diese Frage diskutiert. Dabei hat der Leiter der innovativen Forschungsabteilung von Leatherhead Food, Wayne Morley, unter anderem zu bedenken gegeben, es sei besser, anstatt das herkömmliche Salz zu ersetzen, es in verringerter Menge „cleverer“ zu verwenden, so dass die geschmacklichen Aspekte – vor allem in Backwaren – weiterhin gut, wenn nicht besser zur Geltung kämen.

Wie das genau geschehen soll, dazu war in den Berichten nichts zu vernehmen. Aber offenbar gibt es Mittel und Wege, dieses Ziel zu erreichen. Lassen wir es uns also schmecken.




29/5  Soylent – nicht Green

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 13:57

Es gab in den Siebzigern einen Film mit Charlton Heston in der Hauptrolle. Es war eine Scinece-Fiction-Story mit demTtitel Soylent Green. Es war einer der ersten Oeko-Thriller und spielte in der damals noch „fernen“ Zukunft von 2022… Das Thema war makaber genug. Die Menschheit war mit selbstverschuldeten Nturkatastrophen konfrontiert und musste sich von synthetisch hergestelltem Food ernähren. Bei Recherchen im Zusammenhang mit einer unter mysteriösen Umständen „verschwundenen“ Person stellt sich am Schluss heraus, dass diese künstliche Nahrung aus der Verarbeitung von menschlichen Leichen gewonnen wird. Recycling total, würde man heute sagen.

Nun – vierzig Jahre später – scheint die Realität die Fiktion eingeholt zu haben. Denn es taucht ein synthetisches Nahrungsmittel am Markt auf – oder doch in der konkreten Planung – , das den filmisch belasteten Namen SOYLENT trägt. Die Erfinder des Produkts werden zwar nicht müde, zu betonen, dass sich in diesem Mahlzeiten-Ersatz keinsterlei Bestandteile von verstorbenen Menschen befänden, dass alles sauber, natürlich, biologisch einwandfrei, auf pflanzlicher Basis, sogar vegan-konform und allergiefrei sei… Und sie sind überzeugt, dass sich mit diesem Angebot die Problematik des Welthungers lösen lasse.

Ob sich mit dieser Kunstpappe (im Film waren es, wenn ich mich richtig erinnere, kleine quadratische Tafelblöcke aus gepresstem Material, das aussah wie Tofu) effektiv die ganze Esskultur – nicht nur des Abendlandes, die ohnehin bald keine mehr ist, sondern auch des Orients ersetzen lässt, ist eine andere Frage. Einschlägige Erfahrungen haben ja wir Dicken reichlich gesammelt mit den verschiedensten Formula-Diäten, in denen normale Mahlzeiten ersetzt wurden durch Shakes, Suppen und Riegel… solange das Zeug noch neu ist, mag es schmecken, nach einer gewissen Zeit (und gemäss internationalen Statistiken sind dies im Durchschnitt 28 Tage) stellt sich der Überdruss ein und der Wunsch nach Abwechslung ist stärker als der Durchhaltewille.

Man müsste, um die Zukunft von SOYLENT einzuschätzen, mal davon kosten können.




28/5  100 Kalorien

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:09

Da kommt wieder mal eine neue Diät. Sie klingt „einfach“, aber es dürfte nicht ganz leicht sein, sie in der Praxis durchzuhalten. Ausgangspunkt ist eine Reduktion der Kohlenhydrate in der täglichen Nahrung.

Autor des neuen Buchs „The 100“ ist Jorge Cruise. Seine Botschaft ist simpel: wer täglich nicht mehr als 100 Zucker-Kalorien zu sich nimmt, der kann abnehmen, und zwar bis zu 9 Kilos in zwei Wochen (!). Dabei geht es nicht nur um den Zucker an sich, sondern um alle raffinierten Kohlenhydrate, die bei der Verdauung in Zucker umgewandelt werden können.

In reinen Zucker umgerechnet, würde dies rund 25 Gramm täglich ausmachen. Das ist etwa die Kohlenhydrat-Menge, die auch bei einer modifizierten ketogenen Ernährungsweise empfohlen wird, alle Kohlenhydrat-Kalorien mit eingerechnet, die aus Gemüse oder sehr kleinen Brot- oder Teigwaren-Anteilen stammen können.

Ernährungsspezialisten weisen allerdings darauf hin, dass es heikel sein könnte, das Augenmerk einseitig nur auf die Anzahl der Zuckerkalorien zu fixieren. Entscheidend sei doch, meinen sie, dass die Anzahl Kalorien insgesamt tiefer sein muss als der effektive Verbrauch. Wenn jemand zwar pingelig genau auf die Menge der Zucker-Kalorien achte, daneben jedoch für über 3’000 Kalorien Fleisch und Fett vertilge, so habe der kaum eine Chance, wirklich Gewicht zu verlieren…

Erstaunlich ist, dass es immer wieder neue Publikationen gibt (die auch gekauft werden), welche die uralten Erkenntnise in immer neuem Aufguss anpreisen… und die Mehrzahl derer, die sich danach zu handeln vornehmen, bleiben trotzdem dick…




27/5  Steuerliche Anreize schaffen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:51

Steuern auf Lebensmitteln sind nicht beliebt. Eine Umfrage hat gezeigt, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung einer Erhebung von extra Steuern auf „ungesunden“ Lebensmitteln oder Lebensmittel-Bestandteilen kritisch gegenübesteht.

Auf der andern Seite herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass das wirksamste Hilfsmittel, um eine Veränderung zu bewirken, das Portemonnaie ist: wenn es ums Geld geht, wird es ernst. Mit finanziellen Anreizen kann die Menschheit motiviert werden.

Der Chef der englischen Gesundheitsbehörde schlägt deshalb in einem eben veröffentlichten Leserbrief an das British Medical Journal eine alternative, geradezu revolutionäre Methode vor. Da drei Vietel aller Lebensmittel über 5 Grossverteiler-Ketten verkauft werden und diese mittels Karten (à la Cumulus und Supercard) genau erfassen, wovon ihre Kunden wie viel einkaufen, sollte es möglich sein, das Kaufverhalten eines Grossteils der Bevölkerung zielich exakt zu erfassen.

Wenn die Menge der verkauften „gesunden“ Lebensmittel ein bestimmtes Mass übersteigt, kann der Staat dem entsprechenden Unternehmen eine steuerliche Erleichterung gewähren. So ist die Ladenkette interessiert daran, möglichst viel „gesundes“ Food zu verkaufen und wird seine Werbe-Anstrengungen in die entsprechende Richtung verstärken… Dies könnte dann wiederum zu einer Verbilligung der gesundheitsförderlichen Produkte führen.

Der Experte räumt allerdings ein, dass es nicht ganz einfach sein dürfte, ohne grosse Konflikte die Trennlinie zwischen „gesund“ und „ungesund“ zu ziehen… – Aber die Idee ist doch zumindest provokant und innovativ.




26/5  Wunder der Chemie

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 18:14

Wir haben uns mit der Erkenntnis abgefunden. Es gab und gibt keine „ultimative Pille“ zum Abnehmen. Die Nebenwirkungen bei allen Präparaten, die im Hirn die Lust aufs Essen beeinflussen, sind so ausgeprägt, dass niemand das Risiko eingehen will, so ein Produkt auf den Markt zu werfen. Immerhin: es sollen – soviel man bis jetzt weiss – über 40 Hormone bzw. Botenstoffe sein, welche das Essverhalten steuern. In dieses diffizile System einzugreifen wird als zu heikel, ja gefärlich angesehen.

Und nun lesen wir im SonntagsBlatt, dass da ein Chemiker in Holland eine Pille entwickelt hat, welche bei Frauen die unbändige Lust auf Sex weckt. Und als einfältiger Mann stellt man sich natürlich sofort verfängliche Fragen: Wie kann es sein, dass die Lust aufs Essen ohne schlimme Nebenwirkungen nicht beeinflussbar ist, während sich die Lust auf Sex so ohne weiteres medikamentös manipulieren lasst?!

Kann es sein, dass unser Geschlechtstrieb viel einfacher zu kontrollieren ist als unser Trieb, durch Nahrungsaufnahme zu überleben? Das Eine ist doch ohne das andere nicht möglich. Was nützt mir das geilste Kopulations-Verlangen, wenn ich am Verhungern bin? Werden da menschliche Grundbedürfnisse mit ungleichen Ellen gemessen?

Von gewissen Nebenwirkungen ist im Artikel schon die Rede: Kopfweh und ein leichtes Schwindelgefühl, das freilich bei Tests von einzelnen Probandinnen als „angenehm“ bezeichnet worden sei… – Kopfweh war bisher ja eher im gegenteiligen Zusammenhang aufgetreten. Und beides ist nichts im Vergleich mit den Depressionen und der Suizidgefahr, die mit gewissen Appetitzüglern in Verbindung gebracht werden.

Noch ist das Präparat nicht marktreif. Sollte es sich durchsetzen, würde zumindest die Chance auf vermehrte körperliche Aktivität etwas vergrössert, was als Nebenwirkung ja auch nicht zu verachten wäre.




24/5  Mini-Bildschirm

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:01

Kinder sollten sich mehr bewegen. Darin sind sich alle einig. Und eigentlich würde das auch für die Erwachsenen gelten. Und die Zeit, in der man sich bewegt, sollte zulasten der Zeit gehen, die man vor dem Fernseher oder dem PC verbringt. Diese Empfehlung ist wissenschaftlich untermauert.

Doch das war einmal. Die technische Revolution ist zügig vorangeschritten. Mobile Geräte haben die Haushalte erobert, Tablets und Smartphones ersetzen die klassischen „Bildschirme“ mit immer raffinierteren Angeboten.

Eine US-Analyse des Umgangs mit den kleinen Kommunikationsgeräten hat ergeben, dass mehr als 50% der Amerikaner einmal täglich und mehr ihren Mini-Bildschirm anklicken und per App durchs Netz surfen, Spiele machen, Infos austauschen, sich in sozialen Netzwerken tummeln.

Dies tut man vorzugsweise im Sitzen oder Liegen, um sich voll auf die Kommunikation konzentrieren zu können. Aber da sich diese Geräte ja „Mobile“ nennen, kann man sie auch in Bewegung nutzen. Es ist ja frappant, wie viele Leute bereits durch die Städte gehen mit gesenkten Köpfen, den Blick aufs Handy, mit einem verstohlenen Abstecher an den Boden, um zu sehen, wo man hintritt… wie blinde Hühner laufen sie quer über die Strasse, erschrecken, wenn das Tram klingelt, rempeln ansdere Fussgänger an… dass es nicht viel häufiger zu Unfällen kommt, ist ein Wunder.

Zwei Stunden pro Tag würden die meisten Amerikaner sich mit ihren Smartphones und Tablets beschäftigen… zusätzlich zum Computer, an dem viele ihren Arbeitstag verbringen. Eine happige Alternative zur empfohlenen Bewegungsdauer… aber es ist nicht anzunehmen, dass es hier bald zu einem Umdenken kommt, es sei denn, eine neue Generation von Apps ist so konstruiert, dass sie nur funktionieren, wenn sich der User in Bewegung befindet.

Die neue Google-Brille als sozusagen implantierte Internet-Verbindung wäre ein Anfang in dieser Richtung.




23/5  Fit im Nu

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:27

Fit zu sein bedarf es wenig. So lautet eine aktuelle Botschaft. Kein teures Fitnesscenter-Abo, keine luxuriöse und modische Sportbekleidung, keine raffinierten Geräte aus dem TV-Shop… einfach 12 kleine Übungen, jeweils eine halbe Minute lang gemacht, dazwischen 10 Sekunden zum Verschnaufen, und schon ist man physisch top. Noch besser ist es, wenn man diesen Zyklus mehrmals pro Tag absolviert.

Nehmen wir die 12 Bewegungs-Empfehlungen unter die Lupe:
1. Hüpfen und den Hampelmann machen
2. gegen die Wand lehnen, Knie angewinkelt
3. Liegestütze
4. Situps liegend
5. je ein Bein auf einen Stuhl stellen
6. in die Hocke gehen und aufstehen
7. Armbeuge rückwärts an Stuhl
8. wie ein Brett auf die Unterarme abgestützt
9. an Ort rennen
10. Ausfallschritt und in die Knie gehen
11. Liegestütz einarmig und seitlich
12. sich seitlich auf Unterarm stützen

Das liest sich alles sehr unkompliziert und einfach. Aus meiner persönlichen Sicht muss ich allerdings anmerken, dass ich allerhöchstens drei dieser 12 Übungen machen könnte: die 2, die 5 und ein wenig die 9. Bei allen anderen wäre es mir schon rein physisch nicht möglich, die Ausgangsposition einzunehmen, verchweige denn, eine solche Übung 30 Sekunden lang durchzuhalten.

Daraus folgt, dass man eigentlich schon recht fit sein muss, um diese Übungen überhaupt zu können… und dass es wohl weniger darum geht, fit zu „werden“, als fit zu „bleiben“. Was natürlich auch eine gute Sache wäre.




22/5  Alter Chinese!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:24

Es ist eine Wucht. Dass die Chinesischen Kaiser schon immer einen Hang zum Gigantismus hatten, vergleichbar mit dem der pyramidenbauenden Pharaonen, dazu genügte es, auf dem Satellitenbild die Chinesische Mauer zu sehen… Aber über welche Raffinesse die alten, früheren Kulturen in China schon verfügten, das wird einem bewusst, wenn man in Bern die Ausstellung Qin (ausgesprochen: Chin) besucht.

Es war eine mehr routinemässige Generalversammlung des Dachverbands gemeinnütziger Organisationen, in deren Anschluss jeweils noch ein kuturelles „Event“ geboten wird. Da die Versammlung diesmal in Bern stattfand, lag es nahe, den Terrakotta-Kriegern in der Sonderschau im Historischen Museum einen Besuch abzustatten, mit freundlicher Unterstützung des Qin-Sponsors UBS.

Gezeigt werden nicht nur einige dieser prachtvollen, lebensechten Tonfiguren in ihrem rekonstruierten Umfeld, die Ausstellung vermittelt mit einer Fülle von weiteren Exponaten einen Einblick in den Alltag im alten China. Ein raffiniert angelegter Parcours führt dabei durch die Zeit dieses ersten Beherrschers des ganzen Chinesen-Reichs und gibt einen Eindruck von der Handfertigkeit, dem Kunstsinn und dem erfinderischen Wagemut, mit dem bereits vor mehr als 3’000 Jahren das Leben bewältigt wurde, als unsere Vorfahren noch in Ötzis Lederbekleidung herumstapften und Steine klopften.

Die Möglichkeit, all diesen kulturellen Reichtum in seinem historischen Zusammenhang zu erleben, direkt vor der Haustüre, ohne dass man dazu vor Ort zu reisen braucht, ist eine gewaltige Chance zur Erweiterung des Horizonts, die man nicht versäumen sollte.

Einen Wermutstropfen hat es allerdings: in der ganzen Ausstellung gibt es keinen einzigen Stuhl, keine Bank, keinen Sitzplatz, wo man die vom anspruchsvollen Parcours strapazierten Glieder und Gelenke etwas ausruhen könnte… Ich habe den Direktor darauf angesprochen. Es gäbe, sagt er, am Eingang kleine Klappstühle, die man individuell beziehen und mitnehmen könne. Aber man habe bewusst auf stationäre Sitzmöglichkeiten verzichtet, um nicht mit der Feuerwehr in Konflikt zu geraten und um in Stosszeiten mehr Besucher durchschleusen zu können. Das ist eine redliche, ehrliche Antwort. Ich habe nicht gefragt, bis zu welchem Gewicht die Stühle belastbar wären.




21/5  Fischwurst oder Wurstfisch…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:46

Jetzt wir’s gesund. Fettliebhaber aufgepasst! Vorbei die Zeiten, da wir uns ein schlechtes Gewissen machen mussten, weil wir die ungesunden Fleischerwaren so gerne mögen und uns der gesunde Fisch nicht so richtig schmecken mag wie er es sollte…

Das deutsche Fraunhofer-Institut hat exklusiv für den Verteiler EDEKA ein Verfahren entwickelt, um „normale“ Wurstwaren mit den gesundheitsförderlichen Omega-3-Fettsäuren so anzureichern, dass sie den gleichen positiven Effekt auf Cholesterin und Herz-Kreislauf haben wie der regelmässige Verzehr von Fisch, zu dem die Ernährungslehre rät.

Das Verfahren hat in Fachkreisen international Beachtung gefunden, wie der Branchendienst FoodNavigator aktuell berichtet. Das Hauptproblem habe darin bestanden, den Fischgeschmack zu unterdrücken, was schliesslich gelungen sei. Zudem sind die Omega-3-Substanzen gegenüber dem aus Fischen gewonnenen Ausgangsprodukt so potenziert worden, dass der Fettgehalt in den Wurst- und Fleischwaren insgesamt sogar reduziert werden konnte.

Die neue Technik soll es später auch erlauben, Brot und Teigwaren mit Omega-3-Fettsäuren anzureichern. Damit sollte die empfohlene Tagesmenge von 250 Milligramm pro Tag locker erreicht werden können, wird spekuliert.




20/5  Schritt-Zwang

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:27

Eine kleine Meldung nur. Am Rand auf Seite 69 des Wissens-Teils, wo es auch um Medizinisches geht. Die amerikanische Krankenkasse Blue Care Network soll übergewichtige Versicherungsnehmer vor die Wahl gestellt haben, entweder 20% höhere Prämien zu bezahlen, oder sich für ein Bewegungsprogramm zu verpflichten.

Mehr als 6’500 Versicherte sollen daraufhin dieses Programm gewählt haben, nach dem sie täglich 5’000 Schritte gehen sollten, was mit einem digitalen Schrittzähler kontrolliert wurde. (Den Vergleich mit der elektronischen Fussfessel erspare ich mir jetzt aus Gründen der geschmacklichen Pietät.)

Nach einem Jahr hätten – so der Bericht – gegen 97% der „Wanderer“ täglich sogar 6’500 Schritte zurückgelegt und das Programm machte zwei Dritteln derer, die es absolvierten, sogar Spass. Bloss ein Drittel gab an, sich durch dieses Vorgehen „genötigt“ zu fühlen.

Was lernen wir aus diesem Versuch? Wenn es ums Geld geht, ist mancher bereit, ein Opfer auf sich zu nehmen, das er „gratis“ nicht erbringen würde… Auf der andern Seite bleibt uns die Zeitungsnotiz auch wesentliche Informationen schuldig: wie gross war/ist die Zahl derjenigen Übergewichtigen, die sich nicht für das Bewegungsprogramm entchieden, sondern lieber den Aufschlag bezahlten? Wie viel haben diejenigen, die dann mit dem Zähler gelaufen sind, effektiv abgenommen? Wie hat sich deren Gesundheitszustand verändert? Wurde dies überhaupt erfasst?

Erst wenn es verlässliche Antworten auf diese und weitere Fragen gibt, kann beurteilt werden, ob die Zwangs-Marschiererei zur Nachahmung empfohlen werden soll.