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Von Heinrich von Grünigen um 17:00 |
Vorübergehend ist es etwas ruhiger geworden in der Debatte um die Suche nach Formulierungen, die einen Sachverhalt umschreiben, ohne Betroffene zu verletzen. Political Correctness hiess die Zauberformel, nach welcher man nicht mehr von „Dicken“ reden sollte, sondern von Menschen, die „horizontal herausgefordert“ sind. Ein Spleen, der in den 90er-Jahren aus Amerika kam und der rasch Verbreitung fand, der aber auch zu scherzhaften Auswüchsen führte, bis zu „extrem pigmentiert“ statt „schwarz“, wenn es um Menschen aus Afrika ging… Vielleicht haben wir die politische Korrektheit schon so weit internalisiert, dass sie uns im Alltag gar nicht mehr auffällt.
Bezüglich der horizontalen Herausforderung zeigt sich nun aber ein neuer, aktueller Aspekt: im englischen Liverpool haben Schulverantwortliche bei der Stadtverwaltung vorgeschlagen, man möge doch in Zukunft im Zusammenhang mit übergewichtigen Kindern und Jugendlichen nicht mehr von „Obesity“ (Adipositas) sprechen, sondern nur noch von „ungesundem Gewicht“. Denn der Begriff „Obesity“ sei negativ besetzt und könnte die Kids verletzen und demotivieren.
Der Vorschlag werde geprüft, lässt die Verwaltung verlauten, aber Adipositasspezialisten sind skeptisch. Sie fürchten, durch eine solch „beschönigende“ Formulierung könnte die Tragweite des Befundes verharmlost, ja verniedlicht werden. Wenn ein Problem bestehe, müsse man es auch als solches benennen, und „adipös“ sein nun einmal „adipös“, da gebe es nichts zu kaschieren. – Allerdings sieht es so aus, als würde die Stadtverwaltung der Idee positiv gegenüberstehen und im kommenden Monat entsprechend entscheiden. Gleichzeitig sei geplant, Sport-Stars als „food heroes“ einzusetzen, um in den Schulen eine gesunde Ernährung zu propagieren. Der alt-sozialistische „Held der Arbeit“ hat es wahrlich weit gebracht…
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Von Heinrich von Grünigen um 15:56 |
Für einmal sei hier ein Printprodukt gelobt, deas es wirklich in sich hat. Am Kiosk erhältlich für CHF 11.50, 122 Seiten stark, das ist die aktuelle Ausgabe des Stern-Sonderheftes Gesund leben. Es gilt dem Thema Übergewicht, enthält Erfahrungsberichte und vor allem 100 Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um Ernährung und ums Abnehmen… da wird nichts ausgelassen, in einfachen Worten wird erklärt, humorvoll und immer wissenschaftlich belegt.
Aufschlussreich die Schilderung der Entstehung und des Funktionierens von Fettzellen, anschaulich illustriert und beschrieben. Berührend die Geschichten rund um die Selbstwahrnehmung des eigenen Körpers, informativ ein historischer Rückblick auf Schönheitsideale im Lauf der Menschheitsgeschichte. Und auch das Thema Bewegung kommt nicht zu kurz. – Natürlich weiss „man“ Vieles von dem, was beschrieben ist, aber als Nachschlagewerk und als Ratgeber ist das Heft allemal empfehlenswert.
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Von Heinrich von Grünigen um 23:46 |
Mit dem Namen von Frau Bölsterli verbinden wir Erinnerungen an alte Dialekthörspiele aus dem Studio Zürich: Wo sonst im realen Leben kommen Leute vor, die so heissen?
Und nun taucht ihr Pendant plötzlich auf der Titelseite des Gratis-Abendblattes auf: Eine ansehnliche junge Frau von 22 Jahren, die eben zur Miss Ostschweiz gekürt wurde und der die Redaktion den Ehrentitel verpasst hat: Miss Pölsterchen. – Warum das? Weil sie nicht so ausgemergelt untergewichtig aussieht wie die meisten Dämchen, die sich ums Krönlein bewerben. Sie stammt aus dem ländlichen Amriswil TG und weist zwar nicht üppige aber doch sichtbare Rundungen auf, dort wo sie sein sollen.
Sie ist nicht dick, allenfalls „chäch“ und es ist erfreulich, dass die meisten Feedbacks auf diesen Zustand positiv ausfallen. Sie selber erklärt sich zwar bereit, einige Kilos abzuspecken, wenn es denn sein müsse, aber sie würde nie unter ihr Wohlfühlgewicht gehen, das dann doch nicht.
Und das ist eine positive Botschaft, dass sich jemand gegen einen allmächtigen Trend zur Wehr setzt, sich und seine Weiblichkeit akzeptiert, gegen den fatalen Schlankheitswahn hält und so zum Vorbild werden könnte für junge Menschen, die nur zu leicht einem Gruppendruck erliegen und zu Opfern werden. Danke, Michelle Schefer.
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Von Heinrich von Grünigen um 16:36 |
Unter den allgemein bekannten Ess-Typen ist der Nightly Eater – der nächtliche Esser – der geheimnisvollste. Wir haben ihn in unserer Informationsbroschüre eher anekdotisch beschrieben als jemanden, der in der nacht plötzlich beim offenen Kühlschrank erwacht und eine Cervelat in der Hand hält… Nun ist in einem Bericht der New York Times zu lesen, dass dieses Phänomen zwar nicht häufig auftritt, aber extreme Auswirkungen haben kann.
Etwa zehn Prozent der Erwachsenen, heisst es, litten an irgendwelchen Schlafstörungen, von Nachtwandeln bis zu Alpträumen. Höchstens ein Prozent davon leide unter nächtlichen Ess-Attacken, ohne dies bei Bewusstsein zu erleben, vor allem Frauen. Zitiert wird eine 54-jährige Patientin, die schildert, wie sie alle Oster-Süssigkeiten, die sie für die Familie eingekauft hatte, in der Nacht aufass. Dbei hatte sie ihren Mann noch gebeten, die Schokolade gut zu verstecken… aber offenbar hatte sie sie gefunden und am Morgen war das Geschenkpapier zerknüllt im Kehrichteimer… sie konnte sich an nichts erinnern.
Es gebe, sagt der Schlafspezialist Dr. John W. Winkelman, Leute, die bis zu fünfmal pro Nacht an den Kühlschrank gehen, mit einer Vorliebe für süsse, fettige und stark kalorienhaltige Speisen, oft in merkwürdigen Kombinationen. Auch komme es vor, dass Nagellack getrunken werde oder dass sich jemand die Zähne ausbeisse an Tiefkühlkost… In manchen Fällen werde es den Betroffenen erst am Morgen bewusst, wenn sie Speisereste in ihrem Bett finden. Dann sei die Beschämung gross und lange werde gezögert, deswegen medizinische Hilfe zu suchen. Man nehme an, dies sein ein sehr persönlicher Tatbestand und man sei selber Schuld daran… deshalb scheue man vor dem Arztbesuch zurück und rede mit niemandem.
Dabei seien solche Fälle heilbar, wenn man sie gezielt angehe. – Es sei, schreiben Leserinnen in den entsprechenden Foren, tatsächlich ungerecht und empörend: da schlage man sich den Bauch voll mit leckerem, wenn auch verbotenem Junkfood… und habe nicht mal etwas davon, kein Bewusstsein und keinen Genuss… Wenn schon gegen alle Regeln und die guten Vorsätze verstossen werde, dann sollte das doch wenigstens mit möglichst viel Lust geschehen können! – Das hat was für sich.
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Von Heinrich von Grünigen um 23:25 |
Es ist eine Binsenwahrheit: Wer sich nicht bewegt wird schwer – und wer zu schwer ist bewegt sich nicht mehr (gern). Ein Teufelskreis. Und wenn noch gesundheitliche Handicaps dazu kommen, Atemnot, schmerzende Gelenke, überhaupt die Kraftanstrengung, quasi Tag und Nacht eine Packung von 80 Kilos oder mehr mit sich herumzuschleppen… welcher normalgewichgtige Mensch bei klarem Verstand würde sich dies freiwillig antun? Wir Dicken tun es, unfreiwillig zwar, schleppen unser Gewicht die Treppen rauf und runter, stemmen uns vom Wirtshaustisch oder vom Bettrand hoch, wuchten uns unter die Dusche… eigentlich sind wir die Schwerathleten des Alltags und müssten eine Medaille kriegen für besondere sportliche Verdienste. Aber da wir es keinesfalls mehr schaffen, täglich 10’000 Schritte zu gehen, haben wir das Loser-Etikett um den Hals.
Und nun lese ich in einer Wellness-Plattform, es sei allein nur eine Frage der richtigen Motivation, und die Ausreden, die man gemeinhin ins Feld führe, um sich nicht gesundheditsförderlich bewegen zu müssen, seien allesamt ebenso faul wie diejenigen, die sie bringen. – Schauen wir uns diese fünf „faulsten“ Ausreden einmal näher an:
1. Ich fühle mich nicht wohl. – Wenn man nicht gerade mit einer schweren Krankheit im Bett liege, sollte ein Unwohlsein uns nicht davon abhalten, ins Schwitzen zu geraten, denn dabei werden oft auch Schadstoffe ausgeschieden, so dass wir uns nachher besser fühlen…
2. Ich bin zu müde. – Diese Ausrede ist häufig nach einem Arbeitstag… aber Fakt sei – sagt die Fitnesstrainerin – dass gerade die sportliche Betätigung die beste Medizin sei gegen Müdigkeit und Schlappheit.
3. Es ist zu früh oder es ist zu spät. – Nein, sagt die Expertin, es ist nie zu früh und nie zu spät, aber besser ist es, frühmorgens seine Portion Fitness zu holen, damit man erfrischt ist für den ganzen Tag. Ist man jedoch ein Nachtmensch, kann man es auch abends machen… aber dann sollte man genug Zeit verstreichen lassen bis zum Zubettgehen, damit der Körper wieder seine Ruhe findet.
4. Ich bin auf Reisen. – Auch das sei nur eine Willenssache. Wer in Hotels absteigt, soll solche Wählen, die einen Fitnessraum haben; sonst soll man einige DVDs mit Fitness-Übungen einpacken und im Zimmer turnen…
5. Ich habe keine Zeit. – Dies sei die falulste aller Ausreden, wird gesagt, denn Zeit habe man so viel, wie man sich nehme. Aber wenn man nicht trainieren wolle, werde man auch nie Zeit dafür finden. Wenn man sich einmal daran gewöhnt habe, Zeit frei zu schaufeln, dann werde die entsprechende Planung zur Gewohnheit, denn es sei so oder so ein Gewinn, „Zeit für sich selber“ zu haben.
All diese Begründungen und Argumente sind klug und einleuchtend. Aber sie gelten leider nur für die, die noch einigermassen svelt und beweglich sind, schmerzfrei und nicht allzu schwer. Gewissermassen im Sinne der Prävention. Für uns Dicke mit den Standschäden braucht es andere Übungen und andere Lösungen. – Die Schweizerische Adipositas-Stiftung SAPS ist dabei, eine entsprechende Publikation zu erarbeiten, mit konkreten Anleitungen und Tipps… bin selber gespannt, was daraus wird.
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Von Heinrich von Grünigen um 19:59 |
Er war ein Mann der direkten Rede, damals, unser Sportlehrer am Gymnasium. Die Legende ging, dass er einst auf Radio Beromünster eine Frühturn-Rubrik betreut habe, live, weil man noch keine Sendungen aufzeichnen konnte, so dass direkt auf den helvetischen Aether und in die geschockten Ohren gegangen sei, wie er seinem Publikum frohgemut zugerufen haben soll: Lüpfet öier Füdle! Worauf er seines Radiojobs verlustig ging.
In jenen Zeiten legte man noch Wert auf einen gepflegten Wortschatz. In Schule und Kindergarten war es verpönt, die Kleinen zum abhocken aufzufordern, gesessen musste werden, auch wenn der Volksmund als solcher weit authentischer sprach. Und dieser Lehrer war es auch, der beim Handball jeweils ins Schwärmen geriet, wenn einer unser Mitschüler, grossgewachsen und stark, den Ball von weit weg aufs gegnerische Tor schleuderte: Dr Blaser, sagte „Schöre“ Mischon anerkennend, Dr Blaser het Häng wie Schiissitechle! Warum preichsch de gopfertami nid!?
An den Vergleich der Handgrösse mit WC-Deckeln muss ich jedesmal denken, wenn ich – so wie heute wieder – mit einem solchen in physischen Konflikt gerate. Leider ist es eines der Probleme, mit denen zu kämpfen hat, wer nicht nur zu schwer ist, sondern wer deswegen in seiner rückwärtigen Partie auch etwas ausladender geraten ist. Jemand, dessen Hinterbacken sich nach allen Seiten raumverdrängend auswuchten, sobald man irgendwo absitzt.
Zur Seite hin geht es ja noch. Aber nach hinten trifft das geschwungene Heck auf den Widerstand des hochgeklappten Deckels. Nun waren diese Deckel vormals aus hartem Holz und mit eisernen Scharnieren im Porzellanrand der Kloschüssel verankert, so dass man es sich getrost bequem machen konnte. Aber heutzutage bestehen die Dinger in der Regel aus Plastic, und der gewichtige Sitzer hört, noch bevor er sein ganzes Gewicht auf der Brille ruhen lässt, einen verräterischen Knacks.
Zwei unterschiedliche Laute lassen erahnen, um welchen Klodeckel-Typ es sich handelt: Da ist das weiche Blobb, mit dem sich der Deckel von einer Nute löst, auf die er mit zwei offenen Klammern aufgesteckt war. Dies ist das angenehme System, das man hinterher mit einem gleichen Laut sanft wieder andrücken kann, so dass keiner was merkt. – Das zweite System ist tückischer. Hier ist der Deckel mit zwei Plastik-Dornen seitlich in eine Achse eingefügt, die unter dem Druck entweder mit trockenem Knack abbrechen oder sich so verbiegen, dass sie beim Versuch, sie wieder einzuklicken, definitiv zu Bruch gehen.
Dies sind die Lokalitäten, aus denen ich mich diskret davonstehle, den Kollateralschaden meiner Erleichterung dadurch vertuschend, dass ich den Deckel passgenau auf die Brille lege und hoffe, der nächste Kunde warte, bis ich das Haus verlassen habe.
Einmal (bis jetzt) hat mich das Malheur im SBB-Zug ereilt. Dort sind die Kabäuschen und die WC-Trichterlein ohnehin so weit miniaturisiert, dass man sie als sanitäre Prototypen für eine Weltraumstation halten könnte.. mit lautem Knall zerbarst hinter mir der untere Deckelrand aus hartem Kunststoff, und ich war heilfroh, dass ich mir keine Verletzung zugezogen hatte. Zu meiner Beruhigung redete ich mir ein, das Ding sei bereits gesprungen gewesen, denn so etwas war mir auf meinen vielen Zugsreisen vorher noch nie passiert, nicht einmal im Flugzeug.
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Von Heinrich von Grünigen um 23:34 |
Mit dem Buch und dem Film The Da Vinci Code ist es in aller Leute Wahrnehmung geraten: das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern einnahm, wie es Leonardo gemalt hatte, seinerzeit.
Nun ist eine Kontroverse unter Ernährungsspezialisten um dieses Bild entstanden. Kurz vor Ostern hat Brian Wansink, ein renommierter Wissenschafter, im International Journal of Obesity das Resultat seiner Studien veröffentlicht: Er hat 52 der bekanntesten Darstellungen des letzten Abendmahls im Lauf von 1’000 Jahren analysiert, die darauf abgebildeten Lebensmitttel, die die Jünger verzehrten, mit modernen Methoden vermessen und ihr Volumen bestimmt und die Tellergrösse gemessen… Und so hat er herausgefunden, dass in den 1’000 Jahren die Nahrungsmenge auf den Bildern um 69% zugenommen hat, die Teller um 66%, die Brote um 22% grösser geworden sind.
Ausgehend von der Annahme, dass in diesen Bildern im Lauf der Zeit jeweils Nahrungsmitttel und Teller in der aktuell üblichen Grösse gemalt wurden, leitete der Forscher daraus die Erkenntnis ab, dass die Menschen im Verlauf der letzten tausend
Jahre kontinuierlich mehr gegessen und demzufolge auch immer dicker geworden seien. Unsere Übergewichts-Epidemie sei also nicht unerwartet gekommen, sondern habe sich der Menschheit mit fortschreitender Zivilisation sachte genähert…
Eine kühne Theorie, die so ziemlich allen logischen Erkenntnissen über die zeitliche und geografische Ausbreitung der Adipositas weltweit widerspricht. Und tatsächlich liess die Replik auf Wansinks These nicht lange auf sich warten: Kunstsachverständige meldeten sich zu Wort und wiesen nach, dass Grösse und Art der Darstellung der Lebensmittel nichts zu tun haben mit dem jeweiligen Lebensstil, sondern in erster Linie mit dem gerade aktuuellen Trend in der bildenden Kunst. Richtig üppig sei das letzte Abendmahl erst geworden seit der Perfektionierung der Kunst des Stilllebens in den verschiedenen Epochen der Kunsgeschichte. Und die Darstellungen aus dem 20. Jahrhundert, die ja eigentlich am reichhaltigsten sein müssten, zeichneten sich aus durch besondere Kargheit, oft überhaupt das Fehlen von abgebildetem Essen.
Würden die Jünger sich zeitgemäss ernähren, müssten sie heutzutage Hamburger und Pizza verdrücken… Und das haben wir bis jetzt noch nicht gesehen.
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Von Heinrich von Grünigen um 14:29 |
Es ist ein absolut unrühmlicher Entscheid, den das Bundesgericht am 19. März 2010 gefällt hat, ein eigentliches Strafgericht für schwer adipöse Menschen, die nicht mehr das Glück haben, knackig und jung zu sein.
Es geht um die bariatrische Chirurgie, also die Magenband- und Bypass-Operationen zur Gewichtsreduktion. Die Schweiz hat hier schon die strengsten Auflagen in ganz Europa: Der BMI muss grösser sein als 40, der Patient darf nicht älter sein als 65 und er muss schon alle anderen Methoden zur Reduktion seines Gewichts ausprobiert haben – ohne Erfolg und unter ärztlicher Aufsicht. Nur dann, und wenn zudem schwere Begleiterkrankungen vorliegen, sind die Krankenkassen bereit, die Kosten zu übernehmen.
Nun hatte ein 66jähriger Patient in Genf eine Ablehnung gerichtlich angefochten und das kantonale Versicherungsgericht hatte seine Einsprache gutgeheissen. Darauf hatte die betreffende Krankenkasse gegen dieses Urteil beim Bundesgericht rekurriert… Und das Bundesgericht hatte als höchste Instanz im Lande der Kasse Recht gegeben. Die Begründung – so wie sie von der NZZ zitiert wird – ist abenteuerlich und unglaublich zugleich. Es sind keine rechtlichen Erwägungen, die hier geltend gemacht werden, sondern „medizinische“ Aspekte. Wörtlich heisst es (gemäss NZZ), die Ablehnung der Operation sei zu Recht erfolgt, da ab einem Alter von 60 Jahren das Operationsrisiko zunimmt, während gleichzeitig die auf Fettleibigkeit zurückzuführende Mortalität signifikant sinkt.
Aus welcher Quelle die Richter (die einstimmig so entschieden haben) diese Erkenntnis schöpften, ist im Artikel nicht ersichtlich. Aber die Perspektive ist erschreckend und beängstigend: Wenn für die Gewährung einer medizinischen Leistung nur noch die Überlebenswahrscheinlichkeit den Ausschlag gibt, dann würde dies bedeuten, dass ein grosser Teil unseres Gesundheitswesens neu definiert werden müsste. Gerade eine schwere Adipositas hat massivste Auswirkungen auf die Lebensqualität eines Menschen. Sein ganzer Alltag muss sich nach den Erschwerungen und Komplikationen richten, die sein Übergewicht ihm auferlegt. Wenn er zudem an Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 leidet, so ist er zu dauernder Medikamenten-Einnahme verurteilt. Lebt er – was heute immer häufiger vorkommt – noch 20 bis 25 Jahre, so kostet dies die Öffentlichkeit und die Kassen ein Vielfaches dessen, was die Operation gekostet hätte, abgesehen davon, dass das Leben des Patienten wieder lebenswert würde…
In welcher Zeit sind wir denn, dass ein kurzsichtiges Renditedenken der profitgierigen Kassenwarte ganze Patientengruppen verunglimpfen und diskriminieren kann… und dass diese menschenverachtende Haltung von der obersten Gerichtsbarkeit noch gedeckt wird?
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Von Heinrich von Grünigen um 15:05 |
So verdienstvoll es ist, dass die First Lady in Washington sich persönlich um die Gewichtskontrolle der US-Kids kümmert, so heikel ist ihre Mission offenbar in der öffentlichen Wahrnehmung. So musste sie sich für das traditionelle Oster-Kindertreffen inm Park des Weissen Hauses etwas einfallen lassen. Normalerweise gab es dort in früheren Jahren Süssigkeiten bis zum Abwinken… Nun stand Michelle plötzlich vor der Entscheidung, wie sie ihre Glaubwürdigkeit wahren sollte, wie das Wall Street Journal berichtet.
In den Parkanlagen wurden Spiele veranstaltet unter Leitung berühmter Sportsgrössen und jedes der teilnehmenden Kinder (es gab 30’000 Besucher) erhielt einen kleinen Sack zum, Mitnehmen, diesmal allerdings gefüllt mit – Früchten! – Eine ungewohnte Begegnung wohl für viele, die es nicht gewohnt waren, sich „natürlich“ zu ernähren. Und entsprechend fielen auch die Reaktionen einzelner Besucher aus. Kritik wurde in den Medien laut: Die First Lady gebärde sich als „Gouvernante der Nation“, vergälle den Kindern die Freude am Osterfest und wolle sich nun von Stats wegen ins individuelle Essverhalten einmischen…
Was auch immer sie unternommen hätte, wäre ihr um die Ohren geschlagen worden… Aber offenbar haben sie und ihre Berater dieses Dilemma vorausgesehen, denn ganz unten im Papiersack, unter den Früchten, fand sich noch eine kleine Schokoladentafel und eine vernünftige Menge an Schleckzeug, so dass auch die süsse Seite der Leckermäuler auf ihre Rechnung kommen konnte. Viele Kritiker hatten diese Zusatz-Gabe wohl gar nicht realisiert. Die Konsequenz im Weissen Haus ist jedenfalls beachtlich und vorbildhaft.
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Von Heinrich von Grünigen um 15:06 |
Als ich vor 45 Jahren meine Studiensemester in England absolvierte, lief gerade eine nationale Werbekampagne über die Plakatwände in der Stadt. Riesengross war ein Ei abgebildet, auf dem ein Männlein in zügigem Schritt zu marschieren schien, erläutert durch den Satz „Go to Work On an Egg!“
Man war damals also der MEInung, es sEI gut, zum Frühstück EIn HühnerEI zu verspEIsen. – Diese öffentlich dargestellte Auffassung wird heute durch aktuelle Forschungen bestätigt. Einer Gruppe von Männern wurden an verschiedenen Tagen unterschiedliche Frühstücks-Varianten vorgesetzt, anschliessend wurde ihr Essverhalten während des Tages erfasst.
Am einen Morgen erhielten sie ein protein-reiches Frühstück mit Rührei (aus drei Eiern) und einem halben Stück Toast; am andern Tag gab es ein kohlenhydrat-reiches Morgenessen mit Brötchen, Frischkäse und Magerjoghurt. Beide Mahlzeiten enthielten exakt gleich viele Kalorien. Die Nährwert-Zusammensetzung war jedoch unterschiedlich: Das Eier-Frühstück enthielt 22% Kohlenhydrate, 55% Fett, 23% Eiweiss; das Brötchen-Frühstück dagegen 72% Kohlenhydrate, 12% Fett und 16% Eiweiss.
Nach einem Eier-Frühstück assen die Männer an einem Mittagsbuffet im Schnitt 112 Kalorien weniger als nach einem Brötchen-Frühstück; auf 24 Stunden assen sie durchschnittlich 400 Kalorien weniger. Die Blutanalyse zeigte, dass das Hunger-Hormon Ghrelin nach dem Brötchen-Frühstück deutlich stärker vorhanden war.
Dieser Befund bestätigt die Erkenntnis, dass eine Eiweiss-Mahlzeit nachhaltiger sättigt als eine Kohlenhydrat-Ernährung, was Wasser ist auf die Mühle der Low-Carb-Verfechter und was auch eine klare Absage darstellt an eine rein „physikalische“ Interpretation des Stoffwechsels: vom Brennwert her mag eine Kalorie durchaus „eine Kalorie“ sein… aber die durch das entsprechende Nahrungselement ausgelöste „Wirkung“ kann unser Essverhalten günstiger oder weniger günstig beeinflussen. Und das ist ein wesentliches Element für eine erfolgreiche Gewichtskontrolle. – Beginn den Tag mit einem Ei… oder zwei. Ist also nach wie vor aktuell.
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