27/3  Appell von Bellinzona

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:04

Weit über hundert Kinder zwischen 10 und 15 Jahren haben sich heute bei strahlendem Sonnenschein in der Tessiner Hauptstadt versammelt, um an einem Kongress aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums des Schweizer Kinderhilfswerks Terre des hommes einen Appell zu verabschieden. Dieser gilt dem Respekt vor den Rechten der Kinder in der ganzen Welt und soll sie in ihrer Integrität und ihrer Persönlichkeit schützen. Die jungen TeilnehmerInnen des Kongresses sind die Botschafter für Solidarität und Mitgefühl, für Hilfe an jenen, die nicht das Glück haben, auf der Sonnenseite des Lebens aufzuwachsen.

In eindrücklichen Szenen haben Kindergruppen das schwere Schicksal derer nachgespielt, die aus Armut zu Kinderarbeit verkauft werden, die im Müll leben müssen, um eine Existenz zu finden, die sich ohne Eltern und Familie auf der Strasse durchschlagen müssen und oft nicht wissen, ob sie den Abend erleben werden. Und gar nicht zu reden davon, ob sie an diesem Tag etwas zu essen bekommen werden.




26/3  Rattenzucker

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:07

Da der Mensch im Grunde genommen keine Ratte ist, sind die Resultate dieser Studie mit Vorsicht zu geniessen. Aber sie geben doch zu denken, in verschiedener Hinsicht.

Es geht um Kalorien. Um den Brennwert von Zucker. Landläufig herrscht ja die Meinung, im Stoffwechselprozess sei Hans was Heiri bzw. Kalorie was Kalorie. Dem Körper sei es egal, woher die Kalorien stammen, es gebe keine „bösen“ und keine „guten“, dies jedenfalls ist das Credo des Adipositasforschers Leoluca Criscione, der eine strenge Auffassung bezüglich der Mechanik des Energiehaushaltes im menschlichen Körper vertritt.

Die Studie zeigt – vereinfacht – dass Fructose-Zucker, der aus Mais gewonnen wird (und der in USA etwa 40% aller Süssungsmittel ausmacht), deutlich dicker macht als „gewöhnlicher“ Kristallzucker. Wenn man Ratten von frei verfügbarem Maiszucker fressen liess, so wurden diese übergewichtiger als Vergleichstiere, die sich von der gleichen Menge Kristallzucker ernährten. Die Mais-Ratten wiesen überdies Anzeichen des Metabolischen Syndroms auf. – Fazit: Die gleiche Kalorienmenge von Zucker aus Mais macht dicker als jene aus Kristallzucker, womit der Beweis erbracht wäre, dass Kalorie eben doch nicht Kalorie ist. – Den Ratten dürfte das allerdings schnuppe sein.




25/3  Neu: Rechtsberatung

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:04

In eigener Sache ist anzumerken: Dieser Tage erscheint die neue Ausgabe des SAPS-Magazins saps.ch. Die Titelgeschichte gilt den verschiedenen Formen von Diskriminierung, welcher adipöse Menschen weltweit noch immer ausgesetzt sind. Wer massiv übergewichtig ist, muss mit vielen Handicaps kämpfen und wird immer wieder ausgegrenzt, sei es als Kind in der Schule, bei der Berufswahl, bei Anstellung und Arbeit, aber auch in der Beziehung und in der medizinischen Betreuung.

Hier kann die Schweizerische Adipositas-Stiftung SAPS eine neue Service-Leistung anbieten: Ab kommender Woche steht eine Rechtsberatung zur Verfügung für Fragen des Arbeitsrechts, bei Mobbing, Entlassung oder Benachteiligung im Zusammenhang mit dem Job, in Fragen der Krankenkassen oder der Sozialversicherung. Diese Dienstleistung ist für Gönner der SAPS gratis; für andere Ratsuchende gelten abgestufte Tarife, die sich nach den fianziellen Möglichkeiten der Fragesteller richten. Falls erforderlich steht ein Sozial-Pool zur Verfügung, der durch Sponsoren geäufnet wird.

Die Rechtsberatung findet – nach Vereinbarung – persönlich, telefonisch oder schriftlich statt, weitere Informationen gibt es auf der SAPS-Homepage. Als Beraterin wirkt eine Expertin, die aus eigener Erfahrung mit der Problematik vertraut ist. Ich bin gespannt auf die Nachfrage und auf das Echo.




24/3  Kein Vorbild

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:50

Lange wurde lamentiert darüber, dass die superschlanken, klapprigdürren Models in der Werbung und auf den Laufstegen ein völlig falsches, verzerrtes Idealbild des weiblichen Körpers abgäben. Als dann noch einige davon im Job zusammenklappten und verstarben, brach Ratlosigkeit aus und man glaubte, ein Umdenken würde einsetzen. Erste Signale kamen von der Front der Modezaren an den Catwalks. Die Kosmetikfirma Dove warb als erste mit „normalformatigen“ Frauen und erntete dafür viel Lob und Anerkennung.

Nun sorgt eine Studie über die Wirkung der verschiedenen Frauenformen als Kaufanreiz für Verwirrung und Enttäuschung. Es sei, so lautet die Schlussfolgerung, wenig wahrscheinlich, dass in Zukunft Models mit Übergrösse auf dem Markt Furore machen würden. Denn beim Betrachten der Werbung würden die Kundinnen automatisch sich selber mit den abgebildeten Damen vergleichen. Beim Anblick einer schönen, schlanken Figur würden sie vom guten Gefühl der Hoffnung erfüllt, durch den Erwerb des beworbenen Gegenstandes könnten sie auch so schön und schlank werden, sie identifizieren sich mit der Präsentatorin und sehen sich ihrem Wunschziel instinktiv schon etwas näher…

Beim Betrachten einer fülligeren Figur erfasst die Kundin eine unbewusste Furcht, nach dem Erwerb des gezeigten Kleides oder Gegenstands könnte sie selber an Gewicht zulegen, könnte man sie für übergewichtiger halten, als sie sich selber schon fühlt… daher meidet sie die Produkte, die auf diese Weise gezeigt werden. – Dieses Resultat wurde durch Befragung erhoben von Kundinnen, die sich einen Kauf überlegten, die kauften und die auf den Kauf verzichteten. Und der Befund war durch alle Gruppen im Ergebnis ähnlich.

Haben wir uns also zu früh über Einsicht und Vernunft gefreut? Geht es nun im Gleichschritt zurück in die Gauklerwelt von Lug und Trug, als die wir die Werbung in unserer Einfalt wahrnehmen?? – Noch sind die gesellschaftlichen Konsequenzen und die Strategien, die aus diesem Befund abzuleiten sind, nicht ausgeheckt. Es bleibt noch einiges zu forschen.




23/3  Nackt und dumm

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 19:58

Das ist eine ganz spezielle Verleumdungs-Story, nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL-Magazins, in der Rubrik Die Geschichte hinter der Geschichte. Berichtet wird von einem bekennenden Nudisten, der jeweils auf Nebenstrassen im Adamskostüm Velo zu fahren pflegt. Wird er dabei erwischt, so wurde er bisher mit freundlichen Worten ermahnt, sich doch die einschlägigen Stellen wieder zu bedecken, sobald er durch bewohnte Gegenden rolle, was er jeweils auch anstandslos tat.

Dies eine Mal, von dem nun die Rede ist, wurde er auf weiter Heide von einer Autofahrerin überholt. Diese hielt an, liess ihn an sich vorbei fahren, überholte ihn dann nochmals, stoppte wiederum, liess ihn wieder an sich vorbei rollen, überholte abermals… dies insgesamt fünfmal hintereinander, wobei sie dauernd ihr Handy am Ohr hatte und aufgferegt telefonierte. Bald kam die Polizei mit Blaulicht angerauscht, der Mann wurde wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verklagt und vom Gericht verurteilt.

Dies wollte er nicht auf sich sitzen lassen, ging – bekleidet – in die Berufung… und wurde freigesprochen. Dass sich die eine und einzige Frau über sein Nacktsein aufgeregt habe, sei noch kein ausreichendes Indiz dafür, dass diese Erregung „öffentlich“ gewesen sei. Der Mann hatte unter anderem auch damit argumentiert, wenn der Dame sein blosses Hinterteil (mehr war offenbar an Anstössigem nicht zu erkennen) nicht gefalle, so handle es sich um eine subjektive Geschmacksfrage… er könnte sonst ja auch all die übergewichtigen und dicken Menschen verklagen, deren Anblick ihm nicht behage.

Dies allerdings halte ich für eine infame Verleumdung, gegen die wir uns zur Wehr setzen müssen. Wenn der nackte potenzielle öffentliche Erreger unser Dicksein gleichsetzt mit seinem offensichtlichen Verstoss gegen ein überliefertes Schamgefühl, und wenn dies von einem Gericht als entlastendes Argument anerkannt wird, dann haben wir eine neue Stufe des Dicken-Bashings erreicht. Hier gilt es mehr als nur den Anfängen zu wehren! Wobei der Mann von mir aus herumfahren darf wie er will… er sollte nur nicht so saudumm daher schwatzen.




22/3  Das Church-Rezept

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:37

Ein Abnehm-Konzept, das besticht: Charlotte Church ist eine englische (walisische) Sängerin und Entertainerin, mit 12 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag, heute ist sie 24, Mutter von zwei Kindern, erfolgreich im Showbusiness, ein Platten- und TV-Star.

Nach der Geburt ihres zweiten Kindes hatte sie an Gewicht zugelegt. Schon vorher hatte sie im wahrsten Sinn des Wortes für zwei gegessen und ging dabei auf wie ein Pfannkuchen. Sie fühlte sich wohl in ihrer Haut, rundum zufrieden, niemand ermahnte sie, auf ihr Gewicht zu achten, bis sie selber zur Erkenntnis kam, dass weniger Kilos ihr ein gesünderes Leben geben würden, das sie möglichst lang mit ihren Kindern verbringen wollte.

Sie war 75,6 Kilo schwer, als sie begann abzunehmen. Nach 15 Monaten wog sie noch 50,4 Kilo. Wie hatte sie das geschafft, wollten nun alle wissen. Was war das Geheimnis ihres Erfolgs? – Keine Pillen, keine Operation, nicht einmal eine Diat… auch nicht ein raffineirtes Bewegungs-Programm: Zwar hatte sie sich einen Coach zugelegt für ein intensives Fitness-Training, aber nach zwei Lektionen wusste sie, dass „Sport“ nie ihr Ding sein würde.

Wie also hatte sie es geschafft? – Es war ganz einfach, sagte sie gegenüber dem Mirror, ich ass einfach weniger. Und besser. Kein Junk Food mehr, aufs Fett achten, kleinere Portionen, mageres Fleisch, Salat und Gemüse… – Mit jedem Pfund, das sie verlor, steigerte sich die Lebenslust und mit Stolz berichtet sie über ihren Erfolg. So simpel es auch klingt, das Church-Rezept funktioniert offenbar, kann funktionieren, wenn man Glück hat. Charlotte ist jetzt am Ende der 15-monatigen Strecke angelangt. Wie es in fünf Jahren aussieht, wird man sehen müssen. Noch hat sie kein Buch geschrieben.




21/3  Ein Hauch von Lust

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:38

Vor dreiviertel Jahren habe habe ich hier über Versuche geschrieben, per Spray oder so eine bestimmte Geschmacksempfindung zu simulieren, damit bei aufkommenden Gelüsten ein kaloreinfreier Genuss möglich würde, der ohne spätere Reue und ohne Frust das Wohlbehagen der Erfüllung einlösen könnte.

Nun ist dieser Genuss auf dem Markt. Er heisst Le Whif und sieht aus wie eine kleine Knallpetarde oder ein etwas gross geratener Lippenstift. Man setzt ihn an den Mund und inhaliert – und schon strömt der gewählte Gout aromatisch an den Geschmacksknospen und den Schleimhäuten vorbei… Völlig kalorienfrei, aber vom Empfinden her befriedigend, wenn man den Berichten glauben darf. Zuerst gab es die Röhrchen mit dem Schokoladengeschmack, dann kam Kaffee (mit den Koffeingehalt einer Tasse Espresso), zudem die Schoko-Varianten mit Himbeer und mit Pfefferminz.

Der Name leitet sich wohl her vom englischen Wort „whiff“, das als Verb soviel bedeutet wie paffen und als Hauptwort soviel wie Hauch. Ein einzelnes Röhrchen kostet drei Dollar und wenn man vorsichtig einzieht, kann man es bis neunmal benutzen. Die Nachfrage nach dem Simulationsprodukt soll enorm sein, zumal es sich offenbar nicht um künstliche Aromen handelt, sondern um so kleine Partikel der effektiven Substanz, dass diese von der Luft mitgetragen werden und sich in der Mundhöhle direkt als intensiver Geschmack manifestieren.

Ich habe das Zeug noch nicht probiert. Im Lauf des Jahres soll es nach England kommen. Dann ist es bis zu uns nicht mehr weit. Aber irgendwie ist mir die Vorstellung sympathischer, einen tüchtigen Happen eines Lindt-Gold-Osterhasen auf der Zunge zergehen zu lassen, als mir diesen durch die Nase zu whiffen…




20/3  Lenkung wirkt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:28

Vor drei Jahren erliess die Londoner Gemeinde Waltham Forest eine Planungsrichtlinie, nach der es nicht mehr gestattet war, im Umkreis von knapp 400 Metern von Schulen einen Fast Food-Verkauf zu eröffnen. Gleichzeitig wurde an den Schulen selber gesündere Kost angeboten. Drei Jahre später ist die Bilanz poitiv: Die Anzahl der übergewichtigen Unterstufenschüler ist – wie der London Evening Standard berichtet – von ehedem 22,6 auf 20,8 Prozent gesunken.

Der Adipositas-Beauftragte der lokalen Behörde, Dr. David Haslam, gibt zu bedenken, dass dies ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen die Übergewichts-Epidemie ist, dass Kritiker die Massnahme zwar als zu dirigistisch bezeichnet hätten, dass aber der Gewinn die Wahl der Mittel durchaus rechtfertige und dass ein bisschen Dirigismus besser sei als ein allzu liberales Laissez-faire. Es wäre eine Lektion, die sich unsere Anhänger der IG Freiheit, die sich gegen jede gesundheitspräventive Regelung aufbäumt, gründlich hinter die Ohren schreiben sollten.




19/3  Fette Boni und so

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:17

Es ist ein diffuses Unbehagen, das mich beschleicht, wenn ich in der ARENA höre, mit welcher Verachtung die Votanten von den „fetten“ Boni sprechen. „Fett“ ist voll dabei, zum hassbesetzten Unwort zu werden. Noch vor kurzer Zeit stand der Begriff „vollfett“ für höchstes Lob und Anerkennung, so à la „Super der Extraklasse!“ In der Musik wummerten die „fetten Bässe“ und niemand dachte sich was Schlechtes dabei.

Zugegeben, es sind nicht nur die Boni und die Abzockerei, die den Begriff „fett“ in Misskredit gebracht haben. Es ist auch die orchestrierte Hatz der Gesundmenschen auf alles was fett und dick ist, als wäre dies allein schon ein Verbrechen am wohlproportionierten Volkskörper… dabei hat in der sprachlichen Frühgeschichte das Wort „dick“ einmal einfach „viel“ bedeutet, völlig wertfrei.

Bleibt zu hoffen, dass nach der ganzen Aufgeregtheit wieder Ruhe und Bedacht einkehren, und dass „fett“ und „dick“ wieder zu sachlich neutralen Adjektiven werden, die man ohne Hintergedanken aussprechen und schreiben kann.




18/3  Sidibe forever

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:23

Nun haben wir Übergewichtigen wieder eine Hollywood-Ikone, eine Sympathieträgerin, auch wenn sie am Oscar vorbeigeschrammt ist: Gabourey „Gabby“ Sidibe spielt im Film Precious. Sie ist schwarz, 26 Jahre alt und stark adipös. Sie spielt eine 16jährige, die von ihrem Vater vergewaltigt und von der Mutter misshandelt wird, eine tragische Heldin auf der Suche nach ihrem Platz im Leben.

Nach ihrer Oscar-Nomination ist in den US-Medien ein heftiger Disput entbrannt: während die einen sie überschwänglich für ihre Performance lobten, warfen die anderen ihr Talentlosigkeit vor: Sie sei allein durch ihre Unförmigkeit aufgefallen und hätte nichts zu tun gehabt ausser sich so zu zeigen, wie sie war, sie sei quasi mehr ein Requisit gewesen als eine Schauspielerin… Dies wiederum brachte ihr Unterstützung von prominenten Kolleginnen.

Auch eine Schlankheitsfirma profilierte sich, indem ihr ihre Dienste anbot, unter Hinweis auf die gesundheitlichen Gefahren, die ihr Gewicht mit sich bringe… Diese Offerte habe zu einer massiven Umsatzsteigerung geführt und gleichzeitig eine Debatte darüber ausgelöst, wie „normal“ Übergewicht in USA inzwischen geworden sei – oder nicht.

Gabby jedenfalls ist auf das Angebot nicht eingegangen, sie will ihre Karriere als gewichtige Schauspielerin fortsetzen.