11/1  Nussschale

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:55

Es ist ein Begriff aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch: in a nutshell (in einer Nussschale) und bedeutet, einen Sachverhalt so kurz und bündig zu formulieren, dass er eben in der Schale einer Nuss Platz hätte. Das ist nicht immer leicht, wenn darob nicht zuviel an Substanz verloren gehen soll. Mit diesem Problem hat jedes Lexikon zu kämpfen.

Die Problematik von Übergewicht und Adipositas auf Nussschalengrösse zu komprimieren, das ist ein ambitioniertes Unterfangen, das in gemeinsamer Anstrengung recht leidlich geglückt ist. – Auf verschiedenen Online-Portalen zu Gesundheits- und Präventionsthemen sind in diesem Tagen Kurz-Videos aufgeschaltet, in denen u.a. auch die SAPS zu Wort gekommen ist. Zweimal 3 Minuten mussten reichen, um die wichtigsten Informationen zu vermitteln.

Wie diese kleinen videos in die verschiedenen Websites eingebaut sind ist interessant zu sehen. Nachzuschauen bei: Sprechzimmer.ch (Adipositas), Sprechzimmer.ch (Chirurgie), Schweizer Familie, Gesundheit.ch, Symptome.ch, Ratschlag24




10/1  Unterm Messer

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:38

Auf den 1. Januar 2011 wurden die Kriterien verändert, die erfüllt sein müssen, damit die Krankenassen die Kosten für eine Magen-Operation übernehmen. Das Schweizer Fernsehen SF hat am Dienstagabend eine Club-Sendung zum Thema angesetzt und ihr den Untertitel gegeben: Dicke – unters Messer statt abnehmen?

Dieser Titel ärgert mich. Welche Ignoranz klingt da aus diesen wenigen Worten!? Gerade umgekehrt wäre es richtig in der Kausalität: Die Dicken nehmen eine risikoreiche Operation auf sich, um endlich und dauerhaft abzunehmen!

Natürlich ist die Redaktion ja nicht blöd. Sie hat genau gewusst, dass sie es nicht so meint. Wenn von Abnehmen die Rede ist, dann geht es hier ums Diäthalten, um eine ausgewogene und massvolle Ernährung, kombiniert mit genügend Bewegung… und – so wird unterstellt – um diesem mühevollen Weg zu vermeiden werde nun die „einfachere“ Abkürzung einer Operation gewählt. Das unterstellt diese Formulierung.

Eine Operation kann auch gemäss der neuen Regelung nur durchgeführt werden, wenn vorher während Jahren alle anderen Bemühungen, abzunehmen, wirkungslos geblieben sind. Gründe dafür kann es viele geben, die der Patient nicht immer selber unter Kontrolle hat. Ihm einfach fehlende Willenskraft vorzuwerfen, das ist die billigste und dümmste Argumentation, die in diesem Zusammenhang denkbar ist.

Das Thema ist komplex und differenziert, und ich hoffe, dass dies auch in der Diskussion zum Ausdruck kommen wird. Ich bin eingeladen, mitzureden. Ich hoffe, dass es mir gelingt, cool zu bleiben.




9/1  Tiergerecht

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:32

Spannende und engaagierte Diskussion heute Abend in der ARD-Runde Anne Will: Es geht ursächlich um den Dioxin-Skandal und darum, wie dieses hochgefährliche Gift mit Wissen der handelnden Firma ins Tierfutter und schliesslich in die Lebensmitttel gelangen konnte.

Doch bald kommt man auf die Tierhaltung ganz allgemein zu sprechen, auf die gesetzlichen Regelungen in Deutschland und anderswo, auf die Fleischindustrie ganz allgemein und die Verantwortung bzw. die Möglichkeit der KonsumentInnen, darauf Einfluss zu nehmen.

Ein interessanter Aspekt war die Frage nach der „richtigen“ Tierhaltung. Artgerecht sollte sie sein, monierte die Tierschützerin. Nein, hielt der Industrie-Vertreter dagegen, dies sei das falsche Wort. Tiergerecht müsse es heissen, denn wollte man die Tiere „artgerecht“ halten, so müsste man sie aussetzen und in der freien Natur als Wildtiere laufen lassen. Und der Vertreter der Landwirte, ein altgedienter und europa-erprobter SPD-Politfuchs, wurde nicht müde, darauf hinzuweisen, dass bei der Tierhaltung in den 50-er Jahren die wahren Missstände geherrscht hätten, die heute glücklicherweise überwunden seien, dank fortschrittlicher Gesetze, und dass es auf europäischer Ebene diesbezüglich schwierig sei, da die Mentalitäten und die Einstellung zum Tier von Land zu Land vällig anders aussehen würden.

Die Einspielung einer kurzen Dokumentation über extrem brutale Vorgänge bei der Schlachtung von Schweinen und Rindern sorgte für erhitzte Gemüter und endete am Schluss im Appell einerseits, auf den Verzehr von Fleisch aus Massentierhaltung ganz zu verzichten bzw. viel selektiver einzukaufen und bei den Lebensmitteln jedem Billigangebot grundsätzlich zu misstrauen… – Eine Forderung, die denkbar schlecht zum Kampf der herabgesetzten Preise passt, der hierzulande bei Jahresanfang in eine weitere Runde gegangen ist.

Die Sache mit dem Unterschied zwischen „tiergerecht“ und „artgerecht“ geht mir nicht aus dem Kopf. Wäre das Leben der Tiere wesentlich „besser“, wenn sie in freier Wildbahn ihren natürlichen Feinden ausgesetzt wären? Wenn sie bei Nahrungsmangel verhungern müssten? Was ist das Leiden eines Rindes auf der Schlachtbank, das mit dem ersten Bolzenschuss noch nicht tot ist, verglichen mit dem Todeskampf in den Fängen von wilden Wölfen? – Jede Zeit muss ihren eigenen Umgang mit der lebendigen Kreatur finden. Eine möglichst „schonende“, respektvolle Behandlung wäre ein guter Ausgangspunkt und eine vernünftige Forderung, die nur durchzusetzen ist mit vermehrter Aufklärung und Transparenz.




8/1  Gott hilft

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 18:54

Sich so zu akzeptieren wie man ist – das fällt oft schwer, wenn jemand übergewichig ist und deswegen sogar in der Familie oder in der Partnerschaft unter Druck steht oder Spott ertragen muss. Ein eindrückliches Beispiel erzählt die TV-Sendung Fenster zum Sonntg. Eine junge Frau blickt auf ihr Leben zurück. Sie ist attraktiv, wenn auch nicht modelmässig schlank. Als Kind hatte sie Gewichtsprobleme, erhielt früh von den Eltern Unterstützung, auch durch Ernährungsberatung. Das verhinderte aber nicht, dass ihr Bruder sie auslachte, ihr Elefant! und anderes nachrief… Als sie in die Pubertät kam, beherrschte die Sorge ums Gewicht ihren Alltag. Sie auferlegte sich strenge Essregeln, nahm ab… dann kam der Frust und sie ass wieder zuviel, nahm zu – der ewige tückische Teufelskreis.

Als junge Frau geriet sie an einen Freund, dem ihr Aussehen wichtig war, der sie ständig bedrängte, weniger zu essen und sich modischer zu kleiden… bis er ihr schliesslich fremd ging und es zur Trennung kam. – Die junge Frau fand über eine Freundin Trost bei Gott und Jesus. (Schliesslich handelt es sich um eine Sendung des Evangeliumsrundfunks.) Und als sie merkte, dass Gott und Jesus sie so liebten wie sie war, konnte sie sich auch selber wieder akzeptieren und so bejahen, wie sie war. – Das ist eine tröstliche Botschaft, die einem erbaulichen TV-Magazin gut ansteht. Für unsere Bedürfnisse ist sie allerdings nur bedingt tauglich, denn Dania, so heisst die junge Frau, ist nicht wirklich übergewichtig. Bei der Wahl zur Miss Molly hätte sie keine Chance. Sie ist zwar nicht so zickendünn wie viele Szenen-Girlies, aber sie ist attraktiv und sympthisch. Sie hat es Gott leicht gemacht, ihr beizustehen.




7/1  Wege zum Glück

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:34

Was könnte schöner sein als ein einfacher Wegweiser, der uns zum Glücklichsein führt? – Es gibt ihn, in Buchform, zunächst in englischer Sprache. Autor des Buches ist – unter anderen – Bob Greene, sein Titel lautet The Life You Want: Get Motivated, Lose Weight and Be Happy (Das Leben, das du willst: Motiviere dich, nimm ab und sei glücklich).

Das tönt herrlich einfach, so ein wenig à la Yes, We Can! – Wenn man nur genügend motiviert ist, funktioniert es schon. Und wenn man abgenommen hat wird man automatisch glücklich. Eine spannende Verknüpfung von Lebensumständen zeichnet sich hier ab. Greene geht es denn im Kern um die emotionalen Aspekte. Viele Menschen, sagt er, möchten zwar abnehmen, aber sie schaffen es nicht, die emotinale Barriere zu überwinden, die sich daran hindert, sich mehr zu bewegen und gesünder zu essen.

Dass Abnehmen „im Kopf beginnt“, ist eine allgemeine Erkenntnis. Dieses „im Kopf Beginnen“ kann mit Motivation gleich gesetzt werden. Greene verweist auf ein Experiment, das in Portugal durchgeführt wurde: übergewichtige Frauen wurden in zwei Gruppen eingeteilt, beide erhielten die gleichen Empfehlungen für Ernährung und Bewegung, aber eine der Gruppen wurde angehalten, für sich eine Art emotionale Belohnung auszudenken, damit sie aktiv bliebe. Nach einem Jahr hatte die Gruppe mit dem emotionalen Anreiz im Schnitt 6 Kilo abgenommen, während die Vergleichsgruppe es nur auf anderthalb Kilo brachte… Dies beweise, folgert Greene, dass die innere Motivation bewusst gefördert werden könne.

Darauf baut er sein Buch auf und gliedert dessen Inhalt in fünf Stufen:

  1. Programmiere dein Gehirn neu, um deine Esslust zu mässigen
  2. Überwinde deine Abneigung gegen Bewegung
  3. Zähme dein Verlangen nach Zucker, Fett und Salz
  4. Verändere dein Körperbild
  5. Werde glücklicher

Alles klar? Vielleicht müsste man das Buch doch kaufen!? Denn Gewichtsverlust ist hier nicht Selbstzweck, sondern ein robustes Instrument zum Glücklichwerden.. – In der Bibliothek meiner Mutter stand ein Büchlein mit dem Titel Neurotisch – und doch glücklich! – Wäre es nicht an der Zeit, dass wir Übergewichtigen lernen würden, dick, und doch glücklich zu sein?




6/1  Haut haut hin

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:36

Der Anfang dieses Jahres und die Unterschrift von BR Didier Burkhalter unter einer Neuregelung für die Kostenübernahme bei bariatrischen Operationen sind ein Lichtblick in der Therapie schwerst übergewichtiger Menschen in der Schweiz.

Auf den 1. Januar wurden die Richtlinien des Bundesamtes für Gesundheit an den internationalen Standard angepasst, was die BMI-Schwelle betrifft (Magen-Operation möglich bei BMI über 35). Zudem wurde eine Alterslimite – nach oben wie nach unten – fallen gelassen. Dies ist ein markanter Schritt in Richtung „Ent-Diskriminierung“ schwer adipöser PatientInnen. Fallen gelassen wurde auch die Auflage, dass die Zustimmung der Kasse zur Operation von einem Gutachten des Vertrauensarztes abhängig gemacht wird.

Geblieben ist die Bedingung, dass jemand vor einem opeerativen Eingriff zwei Jahre lang erfolglos versucht haben muss, auf „konventionelle“ Weise, mit Umstellung der Ernährung und mit mehr Bewegung sein Gewicht zu reduzieren und unter Kontrolle zu behalten. Obwohl satistisch welthweit erwiesen ist, dass bei dieser Therapie die Rückfallquote nach 5 Jahren bei über 80 Prozent liegt, wird dieser Passus beibehalten.

Eine wichtige Auflage ist weiter die, dass die Operation in einem speziell dafür zertifizierten Spital ausgeführt werden muss, damit die Erfordernisse einer interdisziplinären, umfassenden Beratung und Betreuung gewährleistet sind. – Die Zertifizierung erfolgt durch die Standesorganistion SMOB (Swiss Study Group for Morbid Obesity), die entsprechende Richtlinien ausgearbeitet hat.

In der neuen Regelung nicht angesprochen und als brennendes Problem noch nicht gelöst ist eine Frage, die im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht: wenn nach erfolgreicher und massiver Gewichtsabnahme die Haut sich nicht zurück bildet und in überschüssigen Lappen am Körper herunter hängt, wer kommt dann für die chirurgischen Massnahmen auf, die nötig sind, um den Körper einigermassen wieder herzustellen? Kosmetische Schönheitsoperationen sind es im eigentlichen Sinne nicht, denn es geht hier tatsächlich um die Wiederherstellung eines ursprünglichen Zustandes (wie nach einem Unfalll mit entstellenden Folgen). Nach einem nach wie vor wegweisenden Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts aus dem Jahre 2006 sind die Kassen nicht verpflichtet, solche Operationenzu bezahlen.

Wenn – was anzunehmen ist – die Anzahl der chirurgischen Eingriffe zunimmt, dann wird auch die Anzahl der Folgeprobleme mit überschüssiger Haut zunehmen (eine Chance besteht darin, dass mit der Senkung der Schwelle auf BMI 35 mehr jüngere PatientInnen operiert werden, bei denen die Aussicht auf eine Rückbildung der Haut in der Regel besser ist). So oder so besteht hier noch Handlungsbedarf.




5/1  Coupon-Wirtschaft

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:40

England hat wieder mal die Nase vorn und lanciert eine Aktion, die bisher ihresgleichen sucht. Im ganzen Land werden Gutscheine im Wert von 50 Britischen Pfund verteilt, mit denen man Lebensmittel bestimmter Firmen, aber auch Gemüse und Früchte verbilligt beziehen kann. Insgesamt werden 5 Millionen solcher Coupons verteilt. Die Aktion wurde von der Regierung in Zusammenarbeit mit der Lebensmittelindustrie und weiteren Partnern (wie etwa Medien) ausgeheckt.

Kritiker machen zwar geltend, hierbei handle es sich keineswegs um eine Aktion im Interesse der Volksgesundheit, sondern lediglich um eine verkappte Image- und Marketing-Kampagne der beteiligten Unternehmen. – Diese Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen. Aber immerhin gelangen auf diese Weise 250 Millionen Pfund als indirekte Finanzspritze auf den Markt und weil die Waren „günstiger“ sind, kauft vielleicht mancher gewisse Lebensmittel ein, um ein Schnäppchen zu machen, die er sonst nie erstehen und verzehren würde. Und selbst wenn nicht alles aufgegessen wird, so finden vielleicht Viele Geschmack an frischen Früchten und Gemüsen oder Vollkornprodukten… und das wäre langfristig doch ein Schritt in die richtige Richtung

Bei uns hat das Bundesamt für Gesundheit BAG mit actionsanté eine vergleichbare Plattform eingerichtet für gemeinsame (und freiwillige) Aktionen mit der Industrie. Vielleicht wird demnächst nach britischem Muster etwas Ähnliches umgesetzt. Das wäre verdienstvoll.




4/1  Dünn und tot

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:49

Mit sechs Wochen Verspätung ist die Nachricht heute in die Schlagzeilen gekommen: Isabelle Caro, das wohl berühmteste Anorexie-Modell, hat sich Mitte November zu Tode gehungert. Sie war 28 Jahre alt. Ihre erschreckende Erscheinung hat 2007 weltweit Aufsehen erregt im Rahmen einer Plakat-Kampagne mit Bildern des Starfotografen Oliverio Toscani, die auf die Problematik der untergewichtigen Models im Mode-Business aufmerksam machte.

Zuletzt wog Isabelle noch 31 Kilo, was einem BMI von 11,5 (!!) entsprach. Dadurch waren ihre Abwehrkräfte so sehr geschwächt, dass sie an einer Lungenerkrankung verstarb. – Zahlreiche Aktionen rund um die Thematik untergewichtiger Mädchen auf den Laufstegen hatten die französische Modeindustrie bewogen, vor einiger Zeit einen Kodex zu formulieren, der aber weltweit in der Branche keinen Widerhall fand.

Caro wurde einerseits zur Verkörperung der Anorexie und zum abschreckenden Beispiel schlechthin, anderseits avancierte sie in einschlägigen Foren der Magersüchtigen zur bewunderten Ikone… Hin und her geworfen zwischen Abscheu und Verehrung machte sie vorübergehend ihre Krankheit zum Beruf, aber Linderung oder gar Heilung fand sie nicht. So blieb sie bis zuletzt ein Objekt des Schauderns und der Propaganda.

Hat ihr Tod – und das plakative Leben zuvor – etwas bewirkt und einen Beitrag leisten können auf der Suche nach einem unbelasteten und „normalen“ Umgang mit dem eigenen Gewicht? Zu befürchten ist, dass nicht.




3/1  Hosenbund

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:37

Er ist zwar nicht das Mass aller Dinge, aber doch eines der wichtigeren. Er bestimmt – vgerlässlicher als der BMI – das Risiko gesundheitlicher Nebenwirkungen von Übergewicht: Der Bauchumfang. Und an ihn muss sich der Hosenbund anpassen.

Man kann sich den Hosenbund auch bildlich vorstellen… (Nett finde ich übrigens die Bezeichnung Whale tail (= Walfisch-Schwanz) für ein Tanga, das sichtbar über den Hosenbund hinausragt…). – Mein persönlicher Hosenbund ist ein Botschafter in Sachen Gewichtskontrolle. Ich habe bis jetzt darauf verzichtet, meine Hosen an Hosenträgern zu befestigen, um deren Sitz zu sichern. Das wäre zwar manchmal bequemer, aber irgendwie käme ich mir dabei lächerlich vor.

Männer mit Bauch haben ja in der Regel zwei Optionen: Sie können den Hosenbund „unter“ der Fettschürze tragen, also quasi ihre Wampe über die Hose hängen lassen. Das wirkt zwar auf eine sportliche Weise salopp, wenn auch unästhetisch… während die anderen ihre Hose oben, über dem sich unterhalb vorwölbenden Bauchgehänge zuknöpfen. Fällt die Hose frei, so kaschiert sie wohltätig den hängeden Unterbauch.

Das bedeutet aber, dass Bund und Gürtel ziemlich passend sitzen müssen, um zu verhindern, dass das ganze Beinkleid ins Rutschen kommt. Hier hilft ein elastischer Gurt, der sich notfalls auch einem wechselnden Körpergewicht anpassen kann, das sich bei mir immer sofort in der – wörtlich verstandenen – Ausbauchung meines Leibes manifestiert (oder eben: ventrifestiert).

Ich erkenne also jeden Morgen nach dem Aufstehen beim Aufziehen des Hosenbundes, daran, wie satt er sich an meine Bauchhaut schmiegt, den Zustand meines aktuellen Gewichts. Schwierig wird es erst, wenn die Hose dauerhaft zu knapp wird, wenn sie spannt und zwickt und sich in den Nähten überdehnt. Auch das haben die findigen Herrenschneider bedacht, indem sie den Elasto-Stoff erfanden, der in vernünftigem Masse nachgibt und immer akkurat sitzt.

Nun gibt es dasselbe auch für die Frau, und zwar ausserhalb der herkömmlichen Schwangerschafts-Kolletion. Der letzte Schrei im TV-Verkauf ist offenbar die Pyjama-Jeans. Eine Hose für Frauen, die wie eine modisch enge Jeans aussieht und sich doch bequem tragen und stretchen lässt wie eine weiche Pyjama-Hose… Es gibt sie in acht Grössen, von XS bis 3XL (sorry, ich müsste 5XL haben!)

Sie passen, sagt die Werbung, zu jeder Figur. Allerdings: wer dick ist, bleibt auch in der Pyjama-Jeans-Hose dick. Sie täuscht nichts vor und schummelt keine Pfunde weg. Sie ist offenbar eine ehrliche Hose. Ich befürchte jedoch, dass sie nicht als Botschafterin des Übergewichts taugt. Sie signalisiert lässige Bequemlichkeit, wo sie längst Alarm zwicken müsste. So gesehen mag sie angenehm zu tragen sein, aber sie nimmt dem Hosenbund eine seiner wichtigsten Funktionen. Oder hat jemand diesbezüglich andere Erfahrungen gemacht?




2/1  Dänische Küken

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:42

Im Kampf gegen die Festtagspfunde überbieten sich die Medien mit guten Ratschlägen. Die SonntagsZeitung propagiert heute unter anderem die Dänen-Diät. Sie bringt auf einen gemeinsamen Nenner, was heute so generell für empfehlenswert gehalten wird und ist insofern keine neue „Entdeckung“. Vereinfacht gesagt wird eine möglichst ausgewogene Kost empfohlen mit viel Eiweiss (vorzugsweise von Fisch, weissem Fleisch oder fettarmen Milchprodukten), mit Vollkornpasta, Gemüse, Hülsenfrüchten… und am Abend keine oder bloss ganz wenige Kohlenhydrate. (Es gibt dann noch eine extreme Variante davon, mit der man in 13 Wiochen 20 Kilo abnehmen könne… was aber völlig ungesund wäre.)

Angetan hats mir ein Menü-Vorschlag für einen Tag. Der differenziert beim Fleischverzehr wie folgt: zum Mittagessen gibt es „Hähnchenbrust“ und am Abend dann „Poulet“… Abwechslung muss schliesslich sein. Und die Zeiten sind längst vorbei, als das Geflügel mit Hormonen gemästst wurde, so dass den Männern Brüstchen wuchsen, wenn sie dem Federvieh zu ausgiebig zugesprochen hatten. Aber trotzdem befällt mich ein unangenehmer Gedanke: da haben wir uns nun jahrzehntelang eingesetzt für eine natürliche, tiergerechte Haltung der Flatterviecher, haben teuer bezahlt für Bio-, Bodenhaltungs- und Auslaufproduktion. Und nun wird der Konsum dermassen rund um die Uhr propagiert, dass es gar nicht genügend freie Grünflächen im Lande gibt, um all die Picker gross zu ziehen.

Je mehr wir davon verspeisen, umso intensiver muss deren Haltung sein. Und zuletzt importiert man sie aus Ländern, deren Tierschutzgesetze das wieder erlauben. – Ob der Strauss auch ein Geflügel wäre, habe ich mich gefragt. Rein theoretisch wohl schon, aber wenn ich das sattrote Fleisch anschaue, mit dem eine Verteilerkette wirbt, dann ist es entweder chemisch eingefärbt oder sonst ungesund.

Vielleicht sollten wir uns wirklich vornehmen, im kommenden Jahr versuchsweise mit etwas weniger Fleisch auszukommen. Auch das Eiweiss aus Sojaprodukten soll bekömmlich sein. Denn sonst ist gegen die Dänen-Diät wenig einzuwenden, ganz m Sinne des Wortspiels, das uns aus dem bezaubernden Film Wir Kellerkinder noch in Erinnerung ist: So gut geht es denen und denen, denen Dänen gewogen sind…