5/6  Unverbesserlich?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:10

Das ist eine traurlge Nachricht für Optimisten. Und für jene, die gedacht oder geglaubt oder wenigstens gehofft hatten, die Ernährungslage würde ich verbessern, wenn der Staat den Gastrobetrieben vorschreibt, dass sie den Nährwert- und Energiegehalt ihrer Speisen anschreiben müssen. In vielen Staaten und Städten Amerikas gibt es inzwischen diese Deklarationspflicht. Ziel war es in erster Linie, dem mündigen Bürger die „gesunde Wahl“ zu erleichtern. Insgeheim mochte man auch gehofft haben, durch eine gesgteigerte und gezielte Nachfrage würden dann auch „bessere“ Angebote ins Sortiment aufgenommen.

Aber da ist die Enttäuschung herb: Eine Marktbeobachtung hat gezeigt, dass in den US-Speisetempeln nach wie vor die alten fetten und übergrossen Kalorienbomben im Angebot sind. Die Nachfrage hat sich nicht verändert, die Leute essen weiterhin das, was ihnen schmeckt, „trotz“ der warnenden Energie-Angaben…

Der Markt liess sich also durch diese Regulierung nicht steuern. Der alte Adam verharrt in der Sünde und vertilgt weiterhin seine Leibspeise, die ihn dioch gemacht hat. Erst wenn das junge Adämchen und das Evchen gelernt haben werden, mit ihren Lebensmitteln neu und anders umzugehen, wird sich etwas ändern. Das ist der Grund für ein diskretes Hoffen.




4/6  Fit oder fett?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 20:58

Das ist eine interessante Frage, die da durch einen aktuellen Diskussionsbeitrag im British Medical Journal aufgeworfen wird: Für die Gesundheit sei es weit gefährlicher, sich nicht körperlich zu betätigen als übergewichtig zu sein. Bewegungsmangel sei der Ursprung von mehr Krankheiten als das Übergewicht. Was auf den ersten Blick wie ein merkwürdiger Widerspruch aussieht, ist eigentlich nur eine Frage der Logik. Denn Bewegungsmangel ist auch eine der wesentlichen Ursachen für Übergewicht.

Die These bestätigt nichts anderes als den bekannten Spruch: Lieber fett und fit als schlank und schlapp! Es ist durchaus möglich, dass ein übergewichtiger, ja adipöser Mensch, der sich mit regelmässigen Übungen fit hält, weniger gesundheitlichen Risiken ausgesetzt ist als jemand, der zwar normalgewichtig ist, daneben sich ber kaum bewegt und „ungesund“ lebt, aber nicht zunimmt, weil ihm die genetischen Voraussetzungen fehlen, Gewicht zuzulegen.

Die Sache hat aber auch einen Haken. Als ich vor zehn Jahren mein Gewicht von 165 Kilo auf 130 reduziert habe, erreichte ich eine Phase des Stagnation, es ging und ging einfach nicht mehr weiter nach unten. Ich war nie ein ausgesprochener Bewegungsmensch. Ich dachte, mit gezielter Befolgung der bekannten Empfehlungen könnte ich es schaffen, weiter abzunehmen. Ich schnallte mir einen Schrittzähler an und begann, am Abend nochmals raus zu gehen und Runden zu laufen… – mit der Folge, dass bald meine Knie zu schmerzen begannen. Das gebe sich, dachte ich, und lief weiter, um bald zu merken, dass sich in den Gelenken eine böse Arthrose eingefressen hatte.

Zuerst erhielt ich medikamentöse Erleichterung, denn mein Arzt meinte, schmerzfreies Gehen sei ein Menschenrecht. Ich musste mir aber sagen, dass die Unterdrückung des Schmerzes keine Lösung sein konnte, denn ich „fühlte“ ja trotzdem, wie in meinen Knien die Knochenflächen gegeneinander knirschten und ich stellte mir vor, wie sich das abgeriebene Knochenmehl irgendwo in den Beinen sammeln würde…

Vor zwei Jahren liess ich mir im rechtren Knie eine Prothese einsetzen. Das war kein kleiner Eingriff, und auch wenn ich jetzt rechts wirklich schmerfzfrei bin und mich einigermassen an die leicht reduzierte Beweglichkeit gewöhnt habe, so zögere ich doch noch, mir die Operation des zweiten Knies auch anzutun… lieber laufe ich vorsichtig, machen physiotherapeutische Übungen, um die Muskulatur rund ums Gelenk zu stärken, aber es ist klar: Jeder Schritt shmerzt mich auf eine besondere Weise und ich versuche tunlichst, weitere Gehstrecken zu vermeiden. Dadurch fehlt mir nun die Beweguung, ich nehme wieder zu, so wenig, wie ich mich nicht bewege, kann ich gar nicht essen…

Die Fragen lässt sich also nicht eindeutig beantworten. Am besten wäre wohl: Fit und schlank… Aber schon Churchill hat gesagt: No sports!




3/6  Gemüsetag

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:00

Ich finde die Idee interessant: Einen Wochentag zum Gemüsetag erklären, an dem landauf-landab kein Fleisch gegessen wird. Dadurch liessen sich gewaltige Mengen an CO2 einsparen, zugunsten des Klimaschutzes, denn von allen Lebensmitteln gehört Fleisch zu denjenigen, bei deren Herstellung am meisten Umweltgift anfällt.

Die TV-Wissenssendung Einstein hat ausrechnen lassen was das Modell, das im Ausland bereits erprobt ist, in der Schweiz bringen würde. Das Resultat ist beachtlich: es wären 600’000 Tonnen CO2-Aequivalent, das entspricht einem Prozent unseres ganzen Ausstosses. Der Filmbeitrag über den Vegi-Donnerstag im niederländischen Gent ist hier zu sehen.




2/6  Ein zweites Leben

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:19

Die Frage wurde in einem Ernährungs-Blog aufgeworfen: Könnte es beim Abnehmen etwas bringen, wenn man die neuen Social-Communications-Mittel zu einer Art von fremdbestimmter Selbstkontrolle einsetzen würde?

Anders gesagt: Wenn jemand über sein tägliches Essverhalten auf facebook oder twitter oder sonst einer Plattform laufend berichten müsste (würde), könnte dies dann auf ihn insofern einwirken, dass er sich schämen würde, zugeben zu müssen, dass er „schwach“ geworden ist, sein Ernährungsprogramm nicht eingehalten hat, wieder zugenommen hat?

Wäre der öffentliche Druck durch das persönliche „Profil“ stark genug, diese Person davor zu bewahren, gegen die eigenen Ziele und Regeln zu verstossen? – Die Frage wird im genannten Blog sehr kontrovers, eher ablehnend diskutiert. In einer Abstimmung überwiegt die Skepsis, die Mehrheit meint, so etwas könnte höchstens kurzfristig wirken und würde dann auf Dauer unterlaufen, nur jeder Fünfte gibt der Idee eine Chance.

eBalance-User können das aus eigener Erfahrung beurteilen. Die Selbstkontrolle durch Protokollführung und gelegentliche Berichte im Forum oder im Blog kann durchaus wirken, unter günstigen Voraussetzungen. Aber das System macvht es auch einfach, die Wirklichkeit zu frisieren, „Sünden“ zu beschönigen oder ganz zu cachieren… wer will oder kann das kontrollieren? Es besteht die reale Gefahr, dass man in eine parallele Selbstwahrnehmung abdriftet und sich viel besser darstellt, als man wirklich ist. Die virtuelle Welt erlaubt den Persönlichkeitswandel und entzieht ihn der Überprüfbarkeit. Ebensogut könnte man – wie einer der Diskussionsteilnehmer schreibt – so richtig erfolgreich auf Second Life abnehmen… rein viortuell, avatarmässig, und dabei im Diesseits doch dick bleiben.




1/6  Bomben-Shake

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 13:34

Auf Platz 1 der „schlimmsten Getränke Amerikas“ steht eine Flüssigkeit, die so richtig dazu einlädt, dass man sie schlürft… Es ist ein eiskalter Glace-Shake mit Namen Cold Stone PB&C, wobei die Buchstaben stehen für Peanut-Butter and Chocolate, also eine Kombination, die für sich allein schon Angstzustände auslöst.

Der Becher fasst knapp 7 Deziliter und diese enthalten sage und schreibe 2’010 Kalaorien (das ist der gesamte Tagesbedarf einer erwachsenen Frau), 131 Gramm Fett (davon 68 Gramm gesättigte Fettsäuren, bei denen das Tages-Limit 20 Gramm beträgt) und 153 Gramm Zucker. – Eine Kalorien-Bombe allererster Güte also, und – so sagen die Leute von EatThisNotThat, einer ernährungskritischen Plattform von MensHealth – besonders schlimm an der Sache sei, dass die Firma Cold Stone kein einziges Milchshake-Getränk anbiete, das weniger als 1’000 Kalorien auf die Waage bringt.

Flüssigkalorien gehören zu den bösartigsten Dickmachern. Eine beonders heimtückische Eigenart, die sie auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie meist ausserordentlich lecker schmecken und ein hohes Suchtpotenzial haben. Wasser ist da nur eine eingeschränkte Alternative.




31/5  Moppel-Konjunktur

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:20

Eigentlich hätte man mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen müssen, dass da irgendwo in deutschen Landen an einem deutschen TV ein Model-Casting stattgefunden hat unter dem Motto: Wir suchen das Moppel-Model.

Aber als ich gestern per Zufall in das Programm geriet, habe ich reflexartig weitergezappt. Dabei hätte ich mich ja von Amtes wegen infoprmieren müssen, was bzw. wer da wie läuft. Aber langsam hängen mir diese Dicken-Formate zum Hals heraus. Es ist ja nicht, dass die Sender jemandem einen Gefallen tun oder helfen möchten. Es geht doch immer nur darum, diese schwellenden Leiber in möglichst schrillen Farben so auszustellen, dass sie Schiessbudenwert bekommen, Jahrmarktzauber, damit all jene, die noch nicht so dick sind, sich beruhigt noch eins reinstopfen können und mit sich selber wieder zufrieden sind.

Wir danken dir, Herr, dass wir nicht so fett sind wie jene, seufzen sie pharisäerhaft und bestaunen all die Kolosse, die sich in den Talkshows von ihrer Breitseite zeigen. – Es ist schon recht, man soll durchaus selbstbewusst zu sich stehen, man braucht sich nicht zu verstecken, wenn man zu schwer ist. Es muss nicht sein, dass ein junger Mann, der 135 Kilo wiegt, sich nicht mehr aus dem Haus und unter die Leute traut, wie mir kürzlich jemand an unserer Helpline berichtet hat. Aber die Art und Weise, wie Übergewichtige inzwischen zur Show gestellt werden, geht mir heute auf den Geist. Und da spreche ich nicht von Victor Giacobbo und Mike Müller.




30/5  50 > 54

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:04

Das ist die ungesunde Geschichte von Rapper 50 Cent. Ein Bild von einem Mann, ein „Fetzen“, wie man umgangssprachlich sagen würde, muskulös und gut gebaut, strotzend vor Gesundheit. Für eine Rolle im Film Things Fall Apart – er mimt einen Footballspieler, der an Krebs erkrankt – sollte er abnehmen. So unterzog er sich einer rigorosen Saftkur und lief jeden Tag drei Stunden lang auf dem Laufband. So nahm er in nur neun Wochen 54 Pfund ab, das sind rund fünfundzwanzig Kilo!

Das ist eine Wahnsinns-Parforce-Diät, die niemandem zu empfehlen ist. So wirksam war sie, dass seine Fans, als sie ihn zu Gesicht bekamen, erschraken, weil sie meinten, er sei wirklich sterbenskrank. Die Gewichtsreduktion war extrem hart und um sich zu motivieren, habe er stets Tom Hanks, Robert de Niro und Renée Zellweger vor Augen gehabt, die sich alle für bestimmte Filmrollen dramatischen Abmagerungskuren unterzogen hatten. Aber Vorbildcharakter kann sowas trotzdem nicht haben. Vielleicht schärft es im Gegenteil das Bewusstsein für die Problematik. Unterdessen habe er schon wieder zugenommen.




29/5  WM-Prävention

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:43

Weitherum in Fankreisen werden die Tage gezählt, bis „es“ losgeht, und bald sind wir so weit, wenn die letzte Unklarheit bezüglich public viewing beseitigt ist, dann kann der Anpfiff gegeben werden und das Runde darf in Südafrika das Eckige suchen.

Es wird die hohe Zeit des Snackens sein: Tonnen von Chips, Nüsschen und Gebäck werden in den Mündern der Tifosi verschwinden, Hektoliter von Bier gurgeln aus Büchsen und Flaschen in die Schlünder der durstigen TV-Gucker und -Gröler… und wieviel werden sie am Ende zugenommen haben, wenn der letzte Pfiff vergellt ist und der Siegestaumel verrauscht? Man wird es nie wissen.

Aber man kann es zu kontrollieren versuchen, indem man alternative Verköstigung anbietet – oder doch zumindest die Möglichkeit offen lässt. In verdienstvoller Weise hat die Aktion 5 am Tag, die sonst für den geordneten und ausreichenden Verzehr von Früchten und Gemüse wirbt, auch für die WM ein booklet publiziert, das eine Fülle von leichten und überraschenden Speisen, Häppchen, Snacks und Getränken bereit hält. Für jedes der am Wettbewerb teilnehmenden Länder ein „nationales“ Gericht, einige etwas ungewohnt zwar, aber interessant, ein lohnender Abstecher in eine fremdländische Küche.

Natürlich lassen sich die Snacks nicht einfach im Supermarkt auf Vorrat kaufen, jemand muss sie am Herd sorgfältig und liebevoll zubereiten… und für manchen Fussballfan ist wohl schon klar, wer das sein würde. Aber versuchen kann mans doch. Das Rezept-Heft (mit integriertem Protokoll für die Siege) kann hier heruntergeladen werden.




28/5  Mexican Style

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:34

Ein interessantes Experiment beginnt derzeit in Mexiko. Das Land in Mittelamerika, in dem weltweit die meisten Kinder übergewichtig sind, hat in einem Radikal-Entscheid beschlossen, an den Schulen jede Art von Junkfood zu verbieten. Das ist insofern von Bedeutung, als es an mexikanischen Schulen praktisch keine Kantinen für eine gesunde Gemeinschaftsverpflegung gibt, sondern es sind fliegende Händler und ihre Stände, welche die Jungen mit Nahrung versorgen, die meist zu fettig und zu süss ist.

Auf der Schwarzen Liste stehen fortan gefüllte Fleischpasteten (nur noch Gemüse und Geflügel-Füllungen sind erlaubt), alle fetten Gebäcke, Süssgetränke, Schokoladendrinks, gebratener Speck, gesüsste Fruchtsäfte… – Bloss: Noch weiss man nicht, was die Kinder anstelle der verbotenen Speisen essen sollen. Und offenbar gab es das gleiche Problem schon Anfang Jahr, als die Regierung dekretierte, jedes Kind müsse ab sofort pro Tag eine Stunde lang Schulsport treiben. Da fragten die Schulen: Wie denn? Dazu brauchten wir doch Spielplätze, Sportlehrer und eine minimale Ausrüstung…

Radikale Lösungen sind nur so gut, wie sie sich umsetzen lassen.




27/5  Auf den Rippen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:22

Das ist mir heute bei einer TV-Reportage mit übergewichtigen Kindern aufgefallen: In Deutschland habe jedes dritte, in USA jedes zweite Kind zu viele Pfunde auf den Rippen. Das ist eine gängige Formel, um Übergewichtigkeit zu beschreiben. Ich selber habe sie in meinen bisherigen Blogs insgesasmt zwölfmal verwendet, und Google meldet bei entsprechender Eingabe 7’260 Belege für diese Formulierung.

Aber wenn man den Sachverhalt genauer bedenkt, ist dies eine eetwas fragwürdige Beschreibung eines eindeutigen Zustandes. Da ist Fett im menschlichen Körper, Fett unter der Haut, Fett im Bauchraum zwischen den Organen und Fett am Steiss, der sich weit ausladend nach hinten wölbt, Fett auch in der Fettschürze, die vorne herunterhängt… aber auf den Rippen? Das einzig wirklich ausgeprägte Fettgewebe auf Rippen findet sich in mehr oder weniger solider Form bei Frauen und wird dort normalerweise nicht als störend empfunden.

Woher also kommt die Bedeutung für „Übergewicht“? Ich erkläre es mir aus der Umkehrung: Ist jemand brandmager und ausgemergelt, so „sieht man seine Rippen“. Dünn spannt sich die Haut über die gewölbten Knochen… „man kann alle Rippen zählen“, „er hat nichts auf den Rippen“, sagt man dann. – Da ist es logisch, dass „etwas auf den Rippen haben“ gleichbedeutend ist mit dem Gegenteil von mager. Und der dickmachende Stoff kann doch nichts anderes sein als eben FETT.