11/6  Donuts-Attacke

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 11:23

Es gibt kein Entrinnen mehr. Seit einigen Tagen hat direkt nebenan an unserer Strasse ein neuer Shop eröffnet. Früher war dort eine kleine Bäckerei-Filiale mit diskretem Angebot an schlichten Backwaren, etwas Konfekt, einem Mandelgebäck mit dem (mir) sympathischen Namen „Heinerli“, aber im Vorbeigehen oder wenn man beim direkt daneben angebrachten Bancomaten sein Bargeld bezog, hatte man nicht den Eindruck, dass der Laden besonders gut lief.

Kürzlich stand ein Umzugswagen davor auf den Trottoir, es wurden Regale und gläserne Theken ausgeladen und in das Verkaufslokal geschafft. Ein Kleber im Schaufenster zeigte nur zwei Worte, in abgerundeten Grossbuchstaben, orange und pink: DUNKIN‘ DONUTS. Am nächsten Morgen war die Neu-Installation abgeschlossen. Neben der Eingangstür, die halbwegs hinter einer stützenden Säule verborgen liegt, welche das Hotelgebäude trägt, war eine mobile Absperrung montiert, wie man se vom Flughafen oder von anderen Orten kennt, wo Menschen sich in Warteschlangen einreihen müssen, um dranzukommen.

Und seitdem ist von früh bis spät eine Gruppe von Leuten auszumachen, die sich an dieser Absperr-Strecke sammeln und geduldig warten, bis sie an der Reihe sind und eintreten dürfen in den kleinen Tempel der Gaumenfreude und der Zuckerlust: tropfenweise kommen sie wieder zurück, drängen sich an den Wartenden vorbei, mit glänzenden Augen der Vorfreude, in der Hand eine pink und orange bedruckte Tüte, grössser oder kleiner, je nachdem.

Auf einem Stellplakat neben der Tür prangen farbenfroh die verschiedenen Modelle der crèmegefüllten Teigringlinge… und ich konnte natürlich nicht anders, als probeweise der Verführung nachzugeben. Wir haben uns ein Exemplar mit Marzipanverzierung erstanden und ich habe davon genascht. Und muss neidlos eingestehen: das Zeug hat Suchtpotenzial!

Nun sind also auch wir an diesen weltweiten Luxus des Nasch-Rausches angeschlossen. Zum Glück legt mir mein Essensplan in dieser Hinsicht straffe Zügel an, sonst würde ich der Versuchung beim täglichen Vorbeigehen kaum auf Dauer widerstehen können. Insgeheim frage ich mich, auf welche anderen Kalorienbomben all die Leute nun verzichten, die da immer in der Warteschlange stehen. Oder werden die jetzt auch einfach dicker?


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