23/8  Leave Them Kids Alone

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:25

Es ist der Refrain aus dem Pink Floyd-Song „Another Brick In The Wall“. Nur ist der Appell hier nicht an die Lehrerschaft gerichtet, dass sied die Kinder verschonen solle mit trockenem Schulwissen, sondern an den globalen Diät-Anbieter Weight-Watchers, neuerdings nur noch WW genannt.

WW hat in USA eine App auf den Markt gebracht (bzw. die entsprechende Firma übernommen), welche gezielt für Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren gedacht ist und diese dabei unterstützen soll, sich „richtig“ zu ernähren. Das wäre ja an sich keine dumme Sache, denn im kindlichen Übergewicht manifestiert sich die weltweit nach wie vor zunehmende Adipositas-Epidemie: wer schon in jungen Jahren massiv zuviel Gewicht zulegt, wird später mit grosser Wahrscheinlichkeit an Adipositas erkranken.

Trotzdem hat sich in USA massiver Widerstand gegen die WW-App formiert. Ernährungswissenschafter und Pädiater werfen der App vor, sie sei zu sehr dem Ansatz der WW-Diät-Philosophie verhaftet und könnte das Selbstwertgefühl der Kinder beeinträchtigen, indem ihnen suggeriert wird, dass mit ihrem Körper etwas nicht stimmt, wenn sie nicht abnehmen. Zudem könnte die App zu Essstörungen führen. Schon haben über 80’000 Menschen eine Petition unterzeichnet, in der zum Boykott der WW-App aufgerufen wird.

Bis jetzt ist die App hierzulande noch nicht angeboten worden. Bei uns profiliert sich WW mit einem Angebot von Familien-Rezepten für eine gesunde und ausgewogene Ernährung.




22/8  Ersatz-Butter

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:23

Der Streit ist noch nicht entschieden. Ob nun „echte“ Butter gesünder und besser sei als Margarine und ähnliche Aufstriche, ist nach wie vor regelmässig ein Thema engagierter Debatten unter Befürwortern und Gegnern… – In unserer Jugend gab es eigentlich keine Alternative zum kompakten Milchfett: der Milchmann brachte am Morgen mit seinem Wägelchen den frischen „Kuh-Saft“ und füllte damit den Krug, den wir am Vorabend ins Milchkästlein gestellt hatten (lustig, dass man dem bei den heutigen multifunktionalen Brief- und Paketanlagen im Hauseingang immer noch so sagt…). Die Mutter goss die Milch in eine Schüssel um, auf der Oberfläche bildete sich nach einiger Zeit eine kompakte hellgelbliche Schicht, die sich mit einem flachen Löffel abschöpfen liess. Und aus diesem „Niiidel“ machten wir in einem speziellen Glasgefäss mit Schwingmechanismus unsere Butter. Etwas besseres gab es nicht.

Die Milchindustrie hat dann das ursprüngliche Naturprodukt in vielfältigster Weise umgestaltet, gemischt, gepanscht und mit zahllosen Hilfsstoffen versetzt, so dass wir heute eine breite Auswahl haben, von der süssen „Käsereibutter“ (die noch immer einen natürlichen Zustand vorgaukelt), über die Koch- und Bratbutter bis zur salzigen Butterstange nach angelsächsischem Vorbild. Allesamt kamen sie in den 70er Jahren in Verruf, als das „Fett“ als grosser Bösewicht auf die Anklagebank für alle möglichen gesundheitlichen Probleme geschoben wurde.

Vor 20 Jahren hatten wir uns in der Stiftung noch zum Ziel gesetzt, uns zu erkundigen, wie es mit dem Import eines aromatisierten Stoffs aus USA stehe, das „besten Butter-Geschmack“ versprach, ohne Fett zu enthalten. Die Nachfragen verliefen damals im Sand. Inzwischen wurde das Fett in der Nahrung quasi rehabilitiert und die gute alte Butter kam, in welcher Form auch immer, wieder auf den Tisch.

Umso überraschender, dass nun plötzlich und aktuell über das Ergebnis eines US-Forscherteams an der Cornell-Universität berichtet wird, das einen Brotaufstrich entwickelt hat, der zu 80 Prozent aus Wasser besteht, zu kleinen Teilen aus pflanzlichem und aus Milchfett, und das im Geschmack und in der Viskosität der Butter absolut gleichkommt, jedoch keinerlei künstliche Zusätze und Stabilisatoren enthält.

Darüber, ob diese Erfindung nicht zu spät kommt, da ja das Fett nicht mehr unter Generalverdacht steht, sind sich die Experten wieder nicht einig, jedenfalls werden dem neuen Produkt durchaus Marktchancen eingeräumt. Vielleicht bildet sich ja noch rechtzeitig eine neue Form von Butter-Allergie heraus…




21/8  Alles über Paleo

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:54

Essen wie in der Steinzeit. Die Meinungen über die sogenannte Paleo-Diät gehen auseinander. Während die einen sie preisen als eine naturnahe Form der gesunden Lebensweise, machen andere geltend, dass der Mensch „seinerzeit“, also vor 2-3 Millionen Jahren, in einer völlig anderen Umwelt gelebt habe und überdies eine sehr kurze Lebenserwartung hatte.

Auf einem medizinischen Online-Portal habe ich eine informative Darstellung gefunden, wie heute eine Paleo-Ernährung in der Praxis aussehen könnte und was dabei zu beachten ist. Es geht vor allem darum, nur jene Produkte zu essen, die den früheren Menschen im Alltag zugänglich waren, die sie erjagen oder sammeln konnten (also noch ohne die Segnungen der Landwirtschaft und der Viehzucht). Dazu gehörten neben dem Fleisch der erlegten Tiere aller Art vor allem viel Gemüse und Früchte (saisonal und regional). In diesem Zusammenhang ist allerdings schwer nachvollziehbar, weshalb auf der entsprechenden Darstellung – Tafel 4 – eine Avocado gezeigt wird, die ja wohl kaum schon damals flächendeckend verfügbar war…

Die Paelo-Diät entspricht im wesentlichen einer relativ konsequenten No-Carb-Ernährung, weil sämtliche  Arten von Brot und Milchprodukten ausgeschlossen sind, auch jede Form von Zucker, sofern er nicht in Früchten oder im Honig vorkommt. Wesentlich ist im Blick auf das heutige Lebensmittel-Angebot der empfohlene Verzicht auf „hochverarbeitete“ Nahrung. Was ja eigentlich nicht überrascht, aber in der Praxis dennoch nicht leicht und vor allem nicht konsequent umzusetzen ist, es sei denn, man lebe auf dem Land und habe sich als kompletter Selbstversorger etabliert…

Wenn die in der verlinkten Darstellung genannten medizinischen und gesundheitlichen Vorteile dieser Ernährungsform effektiv zutreffen, fragt man sich allerdings, weshalb unsere Vor-Vor-Vor-Vorfahren denn so jung verstorben sind. Es kann nicht nur der Säbelzahntiger sein, der sie in der Blüte ihrer Jahre ausgerottet hat… Aber am Essen kann es definitiv nicht gelegen haben.




20/8  Depressiv

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:01

Wir kennen das Cliché von „fröhlichen Dicken“. Bekannt ist die Figur von Falstaff, den Shakespeare in den Lustigen Weibern von Windsor als versoffenen und verfressenen Dickwanst mit amourösen Ambitionen und unbändiger Lebenslust gezeichnet hat, das Sinnbild des Genussmenschen schlechthin und fern von jeder depressiven Anwandlung…

Aber dieses Bild trügt. Eine aktuelle Langzeit-Studie aus England mit über 600’000 Adipositas-Betroffenen zeigt, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen Adipositas und Depressionen. Und zwar ist dieser ausgeprägter, je höher der BMI in der entsprechenden Gruppe ist. Bei einem BMI von 60 ist das Risiko, an einer Depression zu erkranken, um 98 Prozent höher als bei einem BMI von 30. Die beiden Krankheiten bilden in fortgeschrittenem Stadium quasi ein Kombi-Paket. Und fatalerweise besteht auch eine gegenseitige Abhängigkeit: wer adipös ist, neigt häufiger zu Depressionen und wer an Depression leidet, läuft Gefahr, noch weiter zuzunehmen.

Eine fatale Aufwärts-Spirale, die nur scher zu durchbrechen ist. Fazit des Forscherteams: Adipositas-Therapie bedeutet in vielen, vor allem in den ausgeprägten Fällen nicht einfach „Gewicht zu verlieren“, sondern bedingt einen ganzheitlichen Ansatz, der auch mentale Gesundheit zwingend mit einbezieht.

Umgekehrt allerdings sagt sie Studie nichts über eine gegenläufige Wechselwirkung aus: verliert sich auch die Depression, wenn man Gewicht verliert? – Möglich wäre es, wenn man bedenkt, wie „heilsam“ eine Gewichtsreduktion für andere Begleiterscheinungen der Adipositas sein kann.




15/8  Ungezuckert

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:35

Man muss es immer wieder sagen. Zwar beginnt sich die Erkenntnis langsam in unseren Köpfen festzusetzen: zuviel Zucker ist ungesund. Aber bis wir unser Handeln nach dem theoretischen Wissen ausrichten, dauert es in der Regel eine Weile. Und in der Zwischenzeit muss man es eben immer wieder sagen…

Wie Zucker-Verzicht im Alltag umzusetzen ist, dafür gibt es verschiedene Rezepte. Das radikalste ist sowohl das einfachste wie das schwierigste zugleich. Ich selber versuche es seit nunmehr vier Jahren zu praktizieren: vollständiger Verzicht auf alles, was süss ist und Zucker enthält. Einzige Ausnahme sind einige Früchte mit moderatem Gehalt an Fruktose. Aber das ist eine knifflige Sache, denn der Blick auf die Nährwert-Etikette zeigt: es gibt kaum ein verarbeitetes Lebensmittel, das nicht einen grösseren oder kleineren Zucker-Anteil enthält, der zudem nicht überall komplett ausgewiesen ist, da unsere Gesetzgebung in dieser Hinsicht einen bedauerlichen Spielraum gelassen hat. Man kann sich mit der Zeit zu einem richtigen Zucker-Detektiv entwickeln und des fatalen Süssstoff auch in seinen verborgensten Verstecken aufspüren… Aber klar: das schränkt die Palette der verfügbaren Nahrung ziemlich ein und bedingt auch einen Verzicht auf lustbringenden Genuss.

Daneben gibt es natürlich verschiedene Abstufungen in der bewussten Ernährung, um die tägliche Zucker-Menge zu reduzieren, je nachdem, wie „streng“ man es nehmen will oder kann. Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz hat ein Merkblatt herausgegeben: „Zucker: Weniger ist mehr“. Darin wird in Kurzform über die verschiedenen Zuckerarten informiert und es werden einige Tipps vermittelt, wie sich Zucker reduzieren lässt. Sie sind simpel: statt gesüsster Getränke jeder Art nur noch Wasser oder ungesüssten Tee trinken; statt fertiges Fruchtjoghurt selber Naturejoghurt mit Früchten mischen, statt Fertig-Müesli-Mischung selber etwas aus Haferflocken, gemahlenen Nüssen und frischen Früchten mixen; Fruchtsäfte mit Wasser verdünnen; „Süsses“ nur noch „in kleinen Mengen konsumieren“. (Letzteres ist allerdings eine Empfehlung, an die sich viele nicht werden halten können: wer kennt nicht die Erfahrung, dass eine Tafel Schokolade subito „verschwunden“ ist, kaum hat man die erste Reihe intus…)

Lesenswert ist auf jeden Fall die August-Ausgabe des Info-Magazins des Schweizerischen Verbandes der Ernährungsberater/innen SVDE, die komplett der Zucker-Thematik in all ihren Facetten gewidmet ist.




14/8  Werben und Sterben

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:56

Es ist makaber. Die Gesundheitskommission des Ständerates hat sich für eine Verschärfung des Werbeverbotes in Sachen Rauchen ausgesprochen. Das ist bemerkenswert, denn bisher hatten die Tabak-Lobbyisten unter den Ständeherren jede einschränkende Regulierung zu verhindern gewusst.

Umgehend reagieren Wirtschaftsverbände und jaulen auf: dies sei ein Angriff auf die freie Marktwirtschaft, die Werbung werde wieder einmal zum Sündenbock gemacht, ein allfälliges Verbot der Tabak-Werbung würde den Medien überlebensnotwendige Finanzmittel entziehen. Zudem würde die „Hoheit der Erziehungsberechtigten“ beschnitten, wenn durch ein solches Verbot Kinder und Jugendliche vor Tabakwerbung geschützt werden sollten… (wie strunzblöd kann man argumentieren??).

Und die analoge Argumentation wird ins Feld geführt, wenn von Regulierungen im Zusammenhang mit der Ernährung die Rede ist, wenn es um eine Zucker- oder Fettsteuer geht. Sofort wird die Entmündigung des Bürgers beschworen, wird die Selbstverantwortung des Einzelnen emporstilisiert, wird behauptet, Werbung verpuffe ja ohnehin völlig wirkungslos (wozu geben die Konzerne dann ihre Milliarden aus?) und ein Verbot bringe deshalb sowieso nichts.

Verständlich, dass die Werbewirtschaft an sich froh wäre, wenn sie sowohl „für“ wie „gegen“ etwas die Propagandatrommel rühren könnte… aber in diesem Kampf hätten die „Guten“ und die „Bösen“ leider nicht gleich lange Spiesse. Es obliegt der staatlichen Autorität, die gesetzlichen Rahmen zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger so zu definieren, dass offensichtlich schädigende Einflüsse minimiert werden können. Ganz ausschliessen lassen sie sich ohnehin nicht. Einen ganz besonderen Schutz brauchen Kinder und Jugendliche, nicht nur vor Tabakwerbung. Hoffen wir, dass die Räte hart bleiben,  wenn die Lobbyisten weiterhin mit der Gesundheit unserer Jugend pokern.




13/8  Aus eigener Kraft

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:32

Er sagte es nicht ohne Stolz. Neulich war ich bei einem ehemaligen Kollegen zu Besuch. Es war ein gemütlicher Ausflug in vergangene Zeiten. Aber es gab auch ein Thema, das uns beide aktuell beschäftigt. Der Kollege hatte, wie die meisten von uns im Alter, langsam aber stetig Gewicht zugelegt. Bis er eines Morgens realisierte, dass er etwas unternehmen müsste. Aber was? Nach einer Konsultation bei der Ernährungsberatung stellte er die Weise, wie er sein Essen zu sich nahm,  um. Von Vorteil war, dass seine Gemahlin gerne und gut kocht. Und so beschloss das Paar, einen neuen Weg in der Verpflegung zu beschreiten. Die Schritte auf diesem Weg sind simpel, einleuchtend und auch praktikabel:

Weitgehender – aber nicht totaler – Verzicht auf Kohlenhydrate (Brot, Teigwaren und Zucker). – Begrenzung der Essensportionen schon bei der Zubereitung, indem nur soviel eingekauft wird, wie verbraucht werden kann. Zubereitet wird nur gerade die Menge, die ausreicht für zwei mässige Portionen, so gibt es keine Reste und es kann vor allem auch nicht nachgeschöpft werden. Das proteinreiche Frühstück besteht aus Magerquark mit Früchten – Buttergipfeli mit Konfitüre sind passé…

Mit dieser klaren Begrenzung der Verpflegung hat der Kollege in kurzer Zeit 20 Kilo abgenommen und fühlt sich nicht nur erleichtert, sondern auch fitter und unternehmenslustiger.

Ich halte dies für eine interessante, von der Ernährungsberatung unterstützte Methode, sich selber auf den richtigen Kurs zu bringen: nachahmenswert!




9/8  Sorry, Einstein

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:34

Das war des grossen Namensgebers unwürdig. Erst heute bin ich auf einen Beitrag im SRF-Wissenschaftsmagazin aufmerksam gemacht worden. In einem 6-Minuten-Filmchen wurde Ende Januar ein „Fall“ dargestellt von einer jungen, lebenslustigen Frau, die im Internet auf die Influencer-Empfehlung gestossen ist, wenn man fit bleiben oder werden wolle, solle man beim Essen auf Kohlenhydrate verzichten: Low Carb.

Was das ist, zeigt Einstein in einem kleinen Animationsfilmchen, das leider die (seit Atkins) veralteten Prinzipien „keine Früchte, kein Gemüse, keine Teig- und Backwaren, dafür viel Fett, Fleisch und Milchprodukte“ kolportierte. Wie streng die Protagonistin die Anweisung befolgte, wird nicht gezeigt. Dafür trainiert sie auf Teufel komm raus im Fitnessstudio… und bald stellen sich schlimme Nebenwirkungen ein: Kopf- und Bauchschmerzen, Haarausfall, Antriebslosigkeit und Depression… Bei einem Ernährungsguru, der Leistungssportler berät, findet sie Hilfe. Er eröffnet ihr, wie unverzichtbar Kohlenhydrate doch für eine gesunde Lebensweise sind. Jetzt geht es ihr wieder gut.

Fazit für die Zuschauenden: Verzicht auf Kohlenhydrate kann Ihre Gesundheit gefährden!

Das ist – in dieser Verallgemeinerung – Blödsinn. Low Carb-Ernährung ist ein absolut tauglicher, zunehmend akzeptierter Weg zur Gewichtsreduktion, wenn dieses Ziel bei Übergewicht und Adipositas oder bei anderen Stoffwechselstörungen angestrebt wird. Dabei gibt es verschiedene Abstufungen, von der teilweisen Reduktion des Zucker-Anteils in der Nahrung insgesamt, bis zu einer Hardcore-Lösung mit fast völligen Verzicht. Der führt dann zu einer ketogenen Ernährung, die den Körper veranlasst, die notwendige Energie in Form von Ketonkörpern selber zu produzieren und damit die Fettreserven effizient aufzubrauchen.

Im Einstein-Beitrag sah die Akteurin keineswegs so aus, als müsste sie ihr Gewicht reduzieren. Ein massiver Kohlenhydrate-Verzicht war also grundsätzlich nicht angezeigt. Überdies powerte sie sich im Fitnessstudio noch zusätzlich aus, was ihren Organismus extrem strapazierte. – Kurz: ein eindeutiger „Sonderfall“ einer verfehlten Praxis wurde als allgemeines Beispiel präsentiert, das in einer generellen Warnung vor einer Low Carb-Ernährung mündete. Das muss alle, die nach Möglichkeiten zu einer wirksamen Gewichtsreduktion suchen, unnötig verunsichern.

Die einzig legitime Botschaft, die hätte (und zwar deutlich) formuliert werden müssen: Lasst euch nicht von Influencern zu einem falschen Verhalten verleiten, konsultiert Fachleute und lasst die Finger von unbedachten Diäten, die euch nicht von ausgewiesenen Experten empfohlen werden. – Hier geht es zum Einstein-Beitrag.




8/8  Vertikale Landwirtschaft

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:15

Da bahnt sich etwas an. Auch wenn mein halbes Bauernbuben-Herz dabei blutet: die Zukunft wird sich wohl anders nicht bewältigen lassen. Es geht um neue Technologien für die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln. Eine davon ist das „vertical farming“, also quasi „senkrechte Landwirtschaft“.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt ein informatives Kurzvideo: in einem geschlossenen Gebäudekomplex werden auf über einander hängenden Plateaus, die in einem Paternoster-Mechanismus rotieren, verschiedene Nahrungspflanzen gezogen. So lässt sich auf begrenztem Raum eine grosse Fläche anbauen, unabhängig von aktuellen Klima und völlig ohne Pestizide, reinstes Bio-Gemüse.

Die Produktion ist zudem nicht von verfügbaren Freiflächen abhängig, sondern kann mitten in urbane Komplexe verlegt werden, nahe zu den KonsumentInnen, womit Transportwege verkürzt werden und keine Umweltbelastung verursacht wird…

Das klingt ein wenig nach schöner neuer Welt und beim Betrachten des Filmchens habe ich mich an die Debatten erinnert, die wir geführt haben, als die ersten „hors-sol“-Tomaten auf den Markt kamen: das sei der Untergang der gesunden Ernährung, ein dermassen künstlich aufgepäppeltes Gezücht könne ja naturgemäss nur schlechter sein als das, was im heimischen Garten und auf der eigenen Scholle heranwächst… Inzwischen haben wir uns an diese Erzeugnisse gewöhnt und haben zur Kenntnis genommen, dass die intensive Bewirtschaftung beim traditionellen Gemüsebau und der konventionellen Landwirtschaft zu einer unheilvollen Verseuchung des Bodens mit Killergiften geführt hat, mit einer noch nicht abzusehenden Langzeitwirkung auf unser Trinkwasser und damit auf unseren generellen Gesundheitszustand.

Unser ganzes agrarisches Versorgungskonzept muss radikal überdacht und reformiert werden. Auch hierzulande hält das Bauernsterben weiterhin an, die Konzentration zu immer grösseren Komplexen ist nur aufzuhalten mit neuen Technologien…

Wir tun gut daran, uns rechtzeitig mit einem vorurteilsfreien Umdenken zu befassen.




7/8  Worauf verzichten?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:16

Das Klima-Thema ist allgegenwärtig. Nicht nur wetterbedingt. Greta besucht den Friday-Kongress der Jungen in Lausanne und kommt nicht darum herum, in allen Medien aufzutauchen. Cool finde ich ihre Antwort auf die Frage des ZDF-Reporters, was sie zu Donald Trump sagen würde, wenn sie vor ihm stünde. Dass der Klimawandel real schon näher bei uns ist, als es manche wahr haben möchten, zeigt eine Recherche im Newsportal Infosperber: er kommt nicht, er ist bereits da.

Wer nicht ideologisch verblendet ist wie ein gewisser – wenn auch chancenloser – Ständerats-Kandidat im Kanton Zürich, der muss sich ernsthaft Gedanken machen, was denn sein persönlicher Beitrag sein könnte und sein muss auf dem Weg zu einer CO2-freien Gesellschaft. Dabei wird rasch klar (und darüber wird wohl auch in Lausanne derzeit diskutiert), dass es künftig nicht nur kein Wachstum mehr gegen darf, sondern dass in allen Bereichen VERZICHT angesagt ist. Nach dem schlichten Motto: Weniger ist mehr.

Aber: Worauf verzichten? Bahn statt Flugzeug? (Wie lautete doch einst der SBB-Werbeslogan: „Der Kluge reist im Zuge.“ Dem fügten wir auf Berndeutsch jeweils bei: „Der Klugere nimmt die Flugere.“) Oder gar nicht mehr Reisen? Von jeder unnötigen Mobilität absehen? (Aber was wäre denn unnötig? Einst machte man sonntags sogenannte Pässefahrten…)

Wie schwierig Verzicht im Alltag sein kann, wissen alle, die sich in ihrem Bemühen, ihr Gewicht zu reduzieren, bei der Nahrungs-Aufnahme einschränken sollten oder es versuchen: nur kleine Portionen schöpfen, kein Nachschlag, schon beim Einkauf auf zu grosse Mengen verzichten, sparsam mit den Lebensmitteln umgehen, kein Dessert nehmen, nicht snacken…

Neben dem Verzicht auf Kunststoffverpackungen (der ja noch relativ leicht fällt), könnte eine kleine aber doch wirksame Massnahme der bewusste Umgang mit Esswaren sein: der Kampf gegen Foodwaste. Ich war überrascht, heute in einem Newsletter zu lesen, wie breit und vielfältig entsprechende Aktionen und Angebote hierzulande sind! Also, verzichten wir.