14/2  10 mal verloren

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:43

Jetzt wird wieder abgespeckt. Seit Anfang Februar läuft – als Jubiläum gefeiert – die 10. Staffel des Abnehm-Wettbewerbs The Biggest Loser. Sat 1 führt Dicke vor: In einem Bootcamp hungern und turnen sie sich dünner, mit mehr oder weniger Erfolg. Gefeiert wird, wer am meisten Gewicht abwirft.

Super-Held ist im Moment Mario, der in einer einzigen Woche 17,6 Kilo abgenommen hat.

Ist er nun für die Community der Adipösen ein Vorbild, dem es nachzueifern gilt? Müssen alle Übergewichtigen es ihm jetzt gleichtun, da er es doch so erfolgreich vorgemacht hat?

Die Fachwelt ist sich einig: solche Konkurrenz-Shows zur Gewichtsreduktion sind reiner Schwachsinn. Denn jeder Fall von Übergewicht und Adipositas ist individuell begründet und einzigartig in seinen Ursachen bzw. deren Zusammenspiel. So muss jeder Patient und jede Patientin differenziert und einzeln abgeklärt, beurteilt und therapeutisch begleitet werden. Und jede/jeder kann völlig unterschiedlich auf die eine oder die andere Methode reagieren. Dies äussert sich vor allem auch im Tempo, mit welchem Gewicht abgebaut werden kann.

Werden also Menschen mit ganz unterschiedlichen Konstallationen quasi über den gleichen Kamm geschert und der gleichen „Behandlung“ unterzogen, gibt es von Anfang an eine ungleiche Ausgangslage: der eine kann rasch und viel verlieren, bei der anderen geschieht dies nur in kleinen Schritten und zögerlich, auf lange Dauer verteilt – aber das heisst nicht, dass der „Schnelle“ irgendwie „besser“ wäre! Er hat jetzt einfach das Glück, auf die angewendete Methode gut zu anzusprechen.

Lasst euch also zu keinen Kurzschusshandlungen hinreissen und straft diesen Menschenzirkus am besten mit Nichtbeachtung. Die grössten Verlierer sind hier auf jedem Fall die Übergewichtigen.




11/2  Dick im Geschäft

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:38

Wer hätte das gedacht. Die grösste Gefahr, unerwünschte Pfunde zuzulegen, lauert ausgerechnet dort, wo viele von uns fast ihren ganzen Arbeitstag verbringen: im Büro!

Zu diesem Schluss gelangt jedenfalls der patente Online-Doktor Samuel Stutz, Erfinder der „Aeschbacher-Diät“, in seinem jüngsten Newsletter, wo er aufwartet mit einer Latte von Ratschlägen, Tipps und Empfehlungen, wie sich diese Fallen für die Gewichtszunahme wirkungsvoll umgehen und vermeiden lassen.

Vieles von dem, was er empfiehlt, ist manchen von uns bestens vertraut (wenn auch nicht konsequent praktiziert), anderes ist zwar einleuchtend, wird aber vom inneren Schweinehund wirkungsvoll bekämpft, wie etwa die Aufforderung, im Büro mindestens stündlich mal „in die Hocke zu gehen“… gewöhnungsbedürftig!

Aber insgesamt macht uns diese Aufstellung, auch wenn wir keine Aeschbacher-Adepten sind, bewusst, wie viele kleine und kleinste Verhaltensweisen – beziehungsweise deren Unterlassung – sich im Alltag zu einer Gewichtszunahme summieren können. Und wenn es uns gelimngen würde, auch nur einige davon gezielt in den Griff zu bekommen, und dies konsequent und lebenslang, dann hätten wir uns ein gutes Stück weit selbst geholfen…




8/2  Schöne neue Food-Welt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:33

Ein kühner Blick in die Zukunft. Nestlé wirft ihn. CEO Marco Settembri, zuständig für den Sektor Europa und Nahost, hat an einem Hearing in Brüssel postuliert, die Lebensmittelindustrie müsse durch neue Technologien einen wesentlichen Beitrag leisten zur gesunden Ernährung der Bevölkerung im Rahmen einer nachhaltigen Produktion, und sich dabei gleichzeitig an die sich laufend verändernden Erwartungen der Konsumenten anpassen. Nestlé wolle diese Herausforderung annehmen und so einen Beitrag leisten „zur Begrenzung oder Beseitigung von Adipositas“. (Das haben wir gehört!)

Bereits heute habe Nestlé durch Neuformulierungen seiner Rezepturen 18’000 Tonnen Zucker aus seinen Produkten „herausgenommen“. Die Reduktion von Zucker und Salz soll dabei schrittweise erfolgen, um den Gaumen der Konsumenten „umzuschulen“. Nach positiven Erfahrungen in England soll das Angebot sukzessive auf andere EU-Länder ausgedehnt werden. Zudem werden die Rohstoff-Zulieferer angehalten, umweltverträglich zu produzieren.

Bis 2025 habe man sich das Ziel gesetzt, nur noch rezyklierbare Verpackungen zu verwenden: bei den täglich 1,2 Milliarden Produkten, die weltweit über die Ladentische gehen, bestehe ein enormes Potenziel, in der Verpackung den Kunststoff-Verbrauch zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten.

Die grosse Innovation der Ernährungs-Zukunft bestehe allerdings in der Personalisierung und Individualisierung: dass man jedem Kunden das von ihm gewünschte Essen massgeschneidert anbieten könne. Daran werde mit Hochtouren gearbeitet. Dazu sollen allenfalls auch 3-D-Drucker verwendet werden, mit denen jeder sein persönliches Essen „ausdrucken“ kann…

Als ich beim Lesen der Zusammenfassung der Ausführungen von Settembri an diesem Punkt angelangt war, beschlich mich ein merkwürdiges Gefühl: wenn jeder sein „personalisiertes individuelles“ Essen nach seinem Gusto herstellt, wo ist denn da der Unterschied zur aktuellen Aufforderung, auf hochverarbeitete Lebensmittel zu verzichten und wieder vermehrt mit originalen Materialien „selber zu kochen“? Was soll daran besser sein, wenn mir der teure 3-D-Drucker ein täuschend echtes Spiegelei ausdruckt, als wenn ich das auf dem Markt frisch vom Bauern gekaufte Ei selber in die Pfanne schlage und es so lange brutzeln lasse, bis es so ist, wie ich es am liebsten mag?

Das hätte ich den Herrn Settembri gern gefragt…

 




7/2  Schrumpfende Stars

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:38

Themensuche auf Umwegen. Ich hatte gelesen, dass eine neuerliche Analyse des Mageninhalts der Gletschermumie „Ötzi“ den Beweis erbracht habe, dass der „Eismann“ sich nicht, wie anfänglich vermutet, vorwiegend vegan ernährt habe, sondern dass er ausgiebig tierische Fette und und Wildbret gefuttert habe, nebst Pflanzen und Körnern. Eine insgesamt ausgewogene Nährstoff-Mischung, abestimmt auf seine Lebensbedürfnisse.

Auf der Suche nach einer deutschen Quelle zu diesem Thema bin ich unausweichlich auf eine lange Liste von Berichten gestossen, die sich nicht mit dem Mann aus dem Eis befassten sondern mit dem singenden Burschen mit der gestrickten Kappe, der den Namen des Gletschermannes annektiert hat und sich „DJ Ötzi“ nennt: dieser hat in kurzer Zeit 11 Kilo abgenommen und die Gazetten überschlagen sich vor Bewunderung.

Und gleichzeitig berichten die Glanzhefte auch über viele andere Promis, die ihr Übergewicht teilweise losgeworden sind… einer davon ist mein alter Weggefährte Ottfried Fischer. Wir hatten uns vor Jahren einmal geschworen, „nie abzunehmen“, wenn wir uns jeweils im Rahmen von Kabarett-Tagungen begegnet sind. Und nun hat uns beide das Leben eines anderen, besseren belehrt: aus Gründen der Gesundheit mussten wir uns verschlanken, wie offenbar so viele andere auch.

Spannend wird es sein, zu verfolgen, wer mit welcher Methode wie viel schafft, und vor allem: wie lange der so belobigte Erfolg dann effektiv anhält. Wir drücken uns die Daumen.




6/2  Schaufeln lernen!?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:26

Kürzlich nahm ich an einem Workshop teil. Wir waren als ExpertInnen eingeladen worden, um erste Resultate eines nationalen Forschungsprojektes zu diskutieren. Dabei ging es um die Frage, mit welchen Massnahmen und Anreizen sich eine „richtige“, gesunde Ernährung und gleichzeitig die nahhaltige, umwelt-bewusste  Produktion von Lebensmitteln fördern liesse.

Zunächst wurden die Resultate diverser Befragungen und Analysen präsentiert, wie sie dann im Schlussbericht aufscheinen werden. Im Experten-Gespräch über die Zusammenhänge zwischen gesunder und umweltverträglicher Ernährung wurde darüber diskutiert, welche Empfehlungen auf welcher Ebene einen positiven Einfluss auf die gewünschte Entwicklung haben könnten.

Dabei kamen zahlreiche Ideen und Anregungen auf den Tisch. Eine davon betraf die Schaffung und Einführung eines neuen „Umwelt-Labels“ für Lebensmittel, das die KonsumentInnen darüber aufklären würde, wie gross oder klein der ökologische Fussabdruck eines bestimmten Produktes ist. Dies könnte den Kauf-Entscheid beeinflussen und sich so positiv auf die Herstellung des Produktes auswirken…

Ich trat dieser Auffassung entschieden entgegen. Ich bin klar der Meinung, dass eine nachhaltige und umweltbewusste Produktion nicht auch noch an den Konsumenten delegiert, sondern nur auf dem Gesetzweg durch strikte Regulierung erzwungen werden kann. Um das zu illustrieren gebrauchte ich ein Bild aus unserer Alpenwelt. Dieser Vorschlag komme mir vor, sagte ich, wie wenn man in den Bergtälern bewusst darauf verzichten wollte, Lawinen-Verbauungen zu erstellen, und dafür der Bevölkerung in den Dörfern Schnee-Schaufeln verteilte, verbunden mit einer Instruktion, wie man diese möglichst effizient benutzt. Und wenn es hoch kommt, gibt es pro Gemeinde noch einen Bernhardiner Barry.

Das kann nicht die Lösung sein. Hier ist die Politik in der Verantwortung. Im Herbst sind Wahlen.




31/1  Vive la France!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:07

Ein Staat bekennt Farben. Es geht um die Grün-Gelb-Rot-Kennzeichnung der Lebensmittel nach dem NutriScore-System. In Spanien, Belgien und Frankreich ist diese einfach lesbare Deklaration („front of package“) bereits in Anwendung.

Nun hat die französische Gesundheitsbehörde im Rahmen ihrer revidierten Empfehlungen für eine gesunde, ausgewogene Ernährung ganz offiziell auch den Rat aufgenommen, man solle die NutriScore-Etiketten beachten, um beim Einkauf die richtige, gesunde Wahl zu treffen.

Dies ist nicht die einzige Empfehlung. Sie werden in drei griffigen Rubriken zusammengefasst:

  1. Nimm mehr: Früchte und Gemüse (5 am Tag); Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen, Kichererbsen; Nüsse
  2. Bevorzuge: Raps- und Olivenöl; Bio-Produkte; saisonale und lokale Gemüse und Früchte; ausreichend aber in kleiner Menge Milchprodukte; Vollkorn-Produkte (Brot, Pasta, Reis, Mehl)
  3. Nimm weniger: Produkte mit NutriScore-Auszeichnung „D“ und „E“; verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren; Süssspeisen und gezuckerte Drinks; Produkte mit hohem Salz-Gehalt, Fleisch (Schwein, Rind, Kalb, Lamm…)

Hier wird also quasi „von Staates wegen“ auf die Bewertung eines Produktes durch NutriScore hingewiesen. Diese berücksichtigt nicht nur die reine Kalorien-Zahl oder die Menge eines bestimmten Inhaltstoffs, sondern ebenso die Zusammensetzung insgesamt, auch die Mikronährstoffe und die Nahrungsfasern. Und vor allem: die NutriScore-Wertungen werden nicht von der Lebensmittel-Industrie selber vergeben, sondern durch eine unabhängige Kommission festgelegt. Das führt nach der Erfahrung in den Ländern, wo NutriScore bereits angewendet wird, dazu, dass die Rezepturen für einzelne Produkte entsprechend angepasst werden, um eine günstigere Bewertung zu erhalten.

PS: Wer mehr zum Thema wissen möchte: am 19. Februar bringt der Kassensturz einen Beitrag dazu, u.a. mit einem Gespräch mit Dr. Michael Beer vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV.




30/1  Der Kanada-Teller

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:45

Ich habe kürzlich hier erwähnt, dass Kanada keine Milch mehr empfiehlt. Nun sehen wir im Blog von Marion Nestle anschaulich, wie die neue Verzehr-Empfehlung für Kanada aussieht, zudem im Veregleich mit dem US-Standard-Teller.

Vier Botschaften werden hier eindrücklich vermittelt: „Nimm viel Früchte und Gemüse!“ (das macht den halben Teller aus), „Iss eiweisshaltige Nahrung!“ (Fleisch, Fisch, Nüsse, Tofu, Eier, Quark, Hülsenfrüchte… machen einen Viertel des Tellers aus), „Wähle Vollkorn-Produkte!“ (Brot, Pasta… machen den restlichen Viertel aus), sowie: „Mach Wasser zum Getränk deiner Wahl!“ (Wasser ersetzt hier die Milch in der amerikanischen Teller-Version).

Dazu gibt es eine Reihe weiterer Empfehlungen für eine gesundheitsbewusste Ernährung:

  • Mach dir deine Essensgewohnheiten bewusst
  • Koche öfter selber
  • Geniesse dein Essen
  • Iss gemeinsam mit anderen
  • Beachte die Etiketten auf der Verpackung
  • Schränke deinen Konsum von Salz, Zucker und Fett ein
  • Lass dich nicht vom Food-Marketing erwischen

Das klingt zwar nach Gemeinplatz, kann aber für ein gutes Leben entscheidend sein. Und kann von jeder und jedem in Eigenverantwortung praktiziert werden. So gut!




29/1  Kühne Gesamtschau

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:31

Man müsse „gross denken“. Dann vor allem, wenn es darum geht, die weltweite Adipositas-Epidemie zu bekämpfen. Und zwar in sehr grossen Zusammenhängen. Und übegreifend: denn die weitere weltweite Ausbreitung von Adipositas könne nur dann eingegrenzt werden, wenn gleichzeitig auch zwei weitere Bedrohungen wirksam angegangen würden, nämlich der Welt-Hunger und der Klima-Wandel.

Das fordert eine internationale Expertengruppe von 43 Gesundheits-Spezialisten aus 14 Ländern in einem Bericht, der am Sonntag in der medizinischen Fachschrift The Lancet publiziert wurde. Er trägt den Titel: The Global Syndemic of Obeity, Undernutrition, and Climate Change.

So gewagt dieser Ansatz auch scheint, die Experten halten ihn für realistisch. Aber wenn man ihn realisieren will, bedingt dies ein komplettes Umdenken und eine Neu-Orientierung in allem, was die heutige Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln betrifft. Es braucht völlig neue Lösungen für die weltweiten Transportsysteme und es bedingt, dass die KonsumentInnen bereit sind, für diese neuen Produkte einen fairen Preis zu zahlen. Vor allem aber brauche es Regierungen in allen Ländern, die den Mut haben, sich mit neuen Gesetzen gegen die multinationalen Produzenten von „Big Food“ zu stellen.

Die Zahlen sind erdrückend: rund zwei Milliarden Menschen leiden weltweit an Übergewicht und Adipositas und trotz der Kostenexplosion im Gesundheitwesen hat noch kein Land eine Strategie gegen die weiter zunehmende Fettsucht gefunden. 815 Millionen Menschen leiden weltweit an Unterernährung und 200 Millionen Kinder sind von Armut und Hunger betroffen. Die Art und Weise, wie heute Nahrung produziert wird, beschleunigt den Klima-Wandel und führt zunehmend zu Naturkatastrophen. Es muss ein globales, gesellschaftliches Umdenken stattfinden, sagt die Expertengruppe.

Dieses Umdenken müsse im Kleinen beginnen (etwa durch die Einführung einer Zuckersteuer) um in der Summe weltweit Wirkung zeigen. Die ganze Lebensmittel-Versorgung müsse ähnlich rigoros geregelt werden wie der Tabak-Konsum, vor allem, was das schrankenlose Marketing betrifft.

An drei Beispielen illustriert ein Bericht in der Los Angeles Times diese übergreifenden Zusammenhänge: die Automobilität begünstigt unseren Bewegungsmangel und damit das Übergewicht, und produziert bis zu 25% des Treibhausgases; der exzessive Weizen- und Mais-Anbau führt zu hochverarbeiteten, dick machenden Lebensmitteln und verursacht gleichzeitig bis zu 30% des Treibhausgases; die Fleisch-Produktion führt zu Waldrodung und heizt damit den Klima-Wandel an, die intensive Viehwirtschaft ist die Folge von zu hohem Fleischverzehr, der wiederum Übergewicht begünstigt, während das gestörte Klima in Schwellenländern zu Naturkatastrophen wie Trockenheit und Überschwemmungen führt, was für arme Völker Hungersnöte bedeutet.

Angesichts dieses Panoptikums – dafür wird neuerdings der Begriff „Syndemie“ verwendet, ein Zusammenzug aus „Synchron“ und „Pandemie“ – möchte man sich wünschen, dass weltweit möglichst viele Gretas auftreten und mit jugendlicher Kraft zum Massenprotest anfeuern…




28/1  Alles mit scharf?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:06

Gelobt sei, was scharf ist. An diesen – leicht abgewandelten – Spruch musste ich denken bei der Lektüre des aktuellen Newsletters von Fern-Mediziner Dr. med. Samuel Stutz. Es geht um seine „Aeschbacher-Diät“ und um Erläuterungen dazu. In der jüngsten geht es um Schärfe – beim Essen: „Scharf macht schlank“.

Und da erinnere ich mich gleichzeitig an einen Kollegen von früher, einen waschechten Walliser. Wann immer wir uns zum gemeinsamen Mittagessen trafen – damals, im „Rendez-Vous“ – bestellte er die Tages-Pizza, und zwar „extra scharf“. Das bedeutete, dass man ihm ein spezielles Gefäss brachte, gefüllt mit geschnittenen Peperoncini in Öl, die er dann zusätzlich zu den bereits aufgelegten halben Peperoncini noch dick auf seiner Pizza verteilte. Wenn er dann herzhaft in die Stücke biss, liefen seine Wangen, Schläfen und die Stirne dunkelrot bis blau an, seine Augen tränten und Schweiss perlte auf seiner Haut…

Der Kollege hatte keinerlei Gewichtsprobleme. Er war hochgewachsen, von kräftiger Statur, wirkte durchtrainiert und sportlich gestählt. Der leibhaftige Beweis für die Wirksamkeit der scharfen Verköstigung, wie im Stutz-Newsletter beschrieben.

Und noch eine weitere Erinnerung steigt auf: als ich (vor nunmehr einem halben Jahrhundert) in der nordenglischen Industriestadt Sheffield studierte, stammte einer meiner Kommilitonen aus Indien. In seiner Studenten-Klause betrieb er eine kleine Küche, wo er traditionelle indische Speisen zubereitete. Er lud uns regelmässig zum Essen ein und ich war einer der Wenigen, die seine Kost ohne Augenverdrehen, Hecheln und Nach-Wasser-Rufen verzehren konnte. Er ass konsequent fleischlos, aber die Art, wie er das Gemüse würzte, liess jeden Gedanken an Fleisch vergessen… und ich war damals so schlank wie man nur sein konnte. Es muss also was dran sein.




25/1  Kleinere Flasche

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:23

Nun wird gejammert. Es sei Betrug an den KonsumentInnen, eine versteckte Preiserhöhung, und überhaupt! KonsumentInnen-Organisationen schimpfen, Medien empören sich, befragte Passanten stimmen ein…

Was ist passiert? CocaCola lanciert seine Brause in einer neuen, schlankeren Flasche. Statt eines halben Liters haben darin nur noch 4,5 Deziliter Platz. Stein des Anstosses: der frühere Preis bleibt der gleiche. Darüber könnte man sich ärgern, wenn es sich um ein existenzielles Grundnahrungsmittel handeln würde. Aber es geht ja um eines der vermaledeiten Süssgetränke, von denen im Interesse des gesundheitlichen Wohlbefindens ohnehin weniger getrunken werden sollte!

Da kann man es doch nur begrüssen, wenn die Trinkmenge eingeschränkt wird. Ein kleines Rechenexempel (am Beispiel der originalen Zucker-Cokes): wer bisher täglich zwei Fläschlein getrunken hat (5 Dezi enthalten 54 Gramm Zucker), der „verzichtet“ nun dank der neuen Flasche auf täglich 40 Zucker-Kalorien (1 Gramm Zucker hat 4 Kilokalorien). Aufs ganze Jahr hochgerechnet ergibt das eine Summe von 14’600 Kalorien, dies entspricht betr. Körpergewicht einer Menge von 2 Kilo Fett.

Und auf der andern Seite fordern wir eine Zuckersteuer, die zu einer Verteuerung zuckerhaltiger Nahrungsmittel führen müsste… Was sollen wir also aufbegehren, wenn CocaCola diese bereits vorzieht? (Einziger Makel: der „Ertrag“ fliesst nicht präventions-wirksam in die Mittel des Gesundheitswesens sondern bleibt beim Mutterkonzern.)

Doch auch dieser kann aufklären und informieren, wie seine Website zum Thema „Zucker“ beweist…