20/1  Rettung naht

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:27

Seit heute Morgen bin ich geimpft. Als mehrfach betroffener Risikogruppen-Angehöriger (zu alt, zu dick, mit Herzinfarkt) habe ich mich heute Vormittag bei meiner Hausärztin unter die Nadel gelegt. Es war ein kurzer, schmerzloser Pieks, keine Minute insgesamt, mit ein paar klärenden Informationen, nachdem ich das Formular unterzeichnet hatte, dass man mich aufgeklärt habe.

In genau vier Wochen kommt die zweite Spritze. Aber schon nach 10 Tagen, sagte sie mir, sei ich zu fast 50 Prozent geschützt. Das ist ein gutes Gefühl, darf uns aber nicht zu Leichtsinn im Umgang mit den Hygiene-Vorschriften verführen, denn noch weiss man zu wenig über die Art und Weise, wie sich die Virus-Mutanten verbreiten und was diese auslösen können.

Ich habe das Gefühl, als wäre ich einer bedrohlichen Umgebung entflohen und hätte mich an einem geschützten Ort in Sicherheit gebracht. Es ist wie Auf- und Ausatmen nach einer Art Verfolgungsjagd. Noch ist es nicht ausgestanden, aber die Gefahr scheint zu bändigen zu sein. Und dann höre ich am point de presse mit dem Bundespräsidenten meine lieben Kollegen von der Medienzunft, wie sie mit empörtem, vorwurfsvollen Ton wissen wollen, wie denn der Bundesrat dazu komme, sich selber impfen zu lassen, wo er doch keiner Risikogruppe angehöre, und dies erst noch in aller Heimlichkeit getan habe, als wolle er mit schlechtem Gewissen eine Schandtat verbergen..!?

Geht es noch? Haben wir keine brennenderen Fragen? Jedes Staatsoberhaupt der Welt hat sich öffentlichkeitswirksam gegen Corona impfen lassen. Zum einen mit Vorbild-Effekt, um den allenfalls noch zögerlichen Bürgern zu zeigen, dass keine gravierenden Nebenwirkungen zu befürchten sind, und zum andern, um selber so rasch wie möglich geschützt zu sein, weil die Funktion, die man innehat, für das ganze Land von Bedeutung ist und nicht mutwillig in Gefahr gebracht werden soll.

Was, wenn die Bundesrät*innen sich NICHT hätten impfen lassen? Die gleiche Presse hätte aufgeheult und dies als Beweis dafür angesehen, dass dem Impfstoff doch nicht zu trauen sei, dass die feigen Beamten zuerst das einfache Volk als Kanonenfutter ins Impf-Experiment schickten, um abzuwarten, ob die Sache wirklich so harmlos sei, wie die Hersteller und die Experten behaupten…

Als Adipositas-Betroffene sind wir quasi ex officio in der Risikogruppe. Wir tun gut daran, uns so rasch wie möglich in Sicherheit zu bringen, wenn nötig mit einem ärztlichen Attest.




11/1  Armes Velo

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:07

Das ist mir schon länger nicht mehr passiert. Als ich heute Vormittag auf dem Weg ins Büro beim kleinen Trafik meinen Lesestoff besorgt hatte, wieder auf die Strasse trat und mich daran machte, aufs Fahrrad zu steigen, kam mir ein dürres Männchen entgegen, das mit seinen Armen gestikulierte und dazu rief: „Armes Velo..!“

Was er damit meine, fragte ich ihn. Er guckte mich über den Rand seiner Covid-Maske hinweg an und machte mit beiden Händen eine ausladende Bewegung. Mit leicht südländischem Akzent sagte er: „Du so gross und schwer…“ – Da wusste ich, was sein Problem war. Du hast gut reden, sagte ich, du schmaler Wurf. Schau zu, dass du nicht verhungerst! Mit meinem Fahrrad hatte ich kein Mitleid. Es ist ein Flyer mit extrastarker Rahmenkonstruktion, den ich vor zehn Jahren erstanden hatte, als ich noch 180 Kilo wog.

Wie sind solche Feedbacks zu bewerten? Ist es Dicken-Diskrimination? Oder einfach eine spontane, leicht naive Bekundung eines Eindrucks? Ich konnte es dem Männchen nicht übelnehmen. Es trifft zu, dass ich in der letzten Zeit über die Feiertage wieder etwas zugelegt habe… aber ein wesentlicher Anteil meiner offenbar opulenten Erscheinung war meines Erachtens der dicken Vermummung geschuldet, in die ich mich auf Empfehlung unserer Medien gehüllt hatte, um mich gegen die Kälte zu wappnen, die akut über uns hereingebrochen ist.

Ich schwang mich auf den Sattel und rollte davon, nicht ohne dem mageren Warner nochmals zuzuwinken. Nebenwirkungen des übergewichtigen Alltags? Man muss damit leben. Sich ärgern bringt nichts.




4/1  Ein Übergang

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:00

Zwangsläufig innehalten: Rückblick und Ausblick. Die Betriebsferien, kombiniert mit der privaten Kontakt-Restriktion, haben zu einem Zustand des gepflegten Verfaulens geführt. Vom Bett ins Bad, vom Bad in die Küche, von der Küche zurück ins Bett, wo Lektüre wartet oder der Fernseher läuft: das ist die schlimmstmögliche Karikatur eines unstrukturierten Rentnerdaseins, zu dem du verurteilt bist durch landesweit verhängtes Dekret. Und daneben stellt Essen und Snacken die einzige effektive Abwechslung dar…

Für Viele war es ein hartes Jahr, mit existenzieller Bedrohung in einem Ausmass, das man sich vor Jahresfrist noch nicht hätte vorstellen können, trotz aller Hilfsprogramme, bei denen wohl die Bedürftigsten leer ausgegangen sind. Wenn ich auf dem Weg zum Büro die langen Schlangen derer gesehen habe, die für einen Sack Gratis-Lebensmittel angestanden sind, habe ich mich weit weg in einem Schwellenland gewähnt. Und nur ein paar Schlauen ist es gelungen, als der Krise Kapital zu schlagen.

Auf dem Bett liegend hast du die Zukunft reflektiert: da sind zwangsläufig neue Wellen der Pandemie angesagt, heftiger und tödlicher als die vorangegangenen, mit mutierten Erregern, einer gefährlicher als der andere… Gleichzeitig kramen die Historiker in der Seuchen-Geschichte und erklären uns, dass in früheren Zeiten jeweils fast die Hälfte der damaligen Weltbevölkerung von Pest und Cholera dahingerafft worden seien… was ist da schon das mickrige knappe Prozent, das heute zur Diskussion steht?!

Wir haben Respekt vor der Gefahr und halten die Vorschriften ein, bleiben im Zweifelsfall zuhause, schränken unsere Kontakte ein: wir wollen 2021 überleben, auch oder gerade weil es mit der Impferei bis heute noch nicht so richtig klappen will und keiner weiss, was die nächste Zukunft bringen wird.




22/12  Der Weihnachtsbraten

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:56

Alles ist anders, dieses Jahr. Die Corona-Regeln schreiben uns bis ins Detail vor, ob und wie weit wir die Feiertage noch geniessen dürfen. Prävention durch Verzicht ist angesagt. Familiäre Treffen haben bzw. hatten sich auf ein Minimum zu beschränken. Zum Glück wird wenigstens nicht jedes einzelne Enkelkind ganz gezählt.

Aber: Was auf den Tisch kommt, das ist immer noch frei vom Viren-Diktat. Allenfalls schränkt die Verzehr-Auflage die Art und Weise ein, WIE wir das Festessen konsumieren dürfen. Keine gemeinsamen Töpfe, nix mit Kappeler Milchsuppe und ob das Sterilisieren der Fonduegabel in einem Glas mit Kirsch wirklich die Pandemie stoppen kann, das steht auf einem anderen Blatt.

Unbedenklich ist da ein gutes Stück Fleisch (sofern in der Familie nicht der Vegetarismus das Szepter führt), lecker zubereitet, mit frischem Gemüse garniert, diskret in Portionen aufgeteilt, die sich in sicherem Abstand zum nächsten Mitesser verspeisen lassen, sei es nun auf der Veranda, im Garten oder doch im grossen Wohnzimmer am ausgezogenen Tisch.

Wir haben uns vor einem Jahr schon mal mit der fettreduzierten Zubereitung von Frittiertem befasst, indem wir ein neues Modell einer «Luft-Fritteuse» getestet haben… Damals hatten uns die leckeren Poulet-Flügeli überzeugt. Nun hat das patente Küchengerät ein Update erfahren und wir wurden eingeladen, seine Vorzüge auszutesten. Wieder haben wir die ganze Palette der anspruchsvollen Rezepte durchfrittiert: Spareribs, die von den Knochen schlüpfen, ein ganzes Poulet, ein grosses und trotzdem butterzartes Lammrack, einen «Tessinerbraten», aussen mit knusprigem Speck ummantelt, innen perfekt gegart… dazu auch diesmal alle Arten von Gemüse-Beilagen und Ofen-Pommes, kurz: ein perfektes Gaumenvergnügen.

Das neue Modell des Airfryer von Philips bietet eine Reihe von Annehmlichkeiten: so gibt es für bestimmte Gerichte jeweils ein smartes Programm, das automatisch die richtige Dauer und die richtige Temperatur einstellt und signalisiert, wann die nächste Handlung fällig ist. Auch kann das System für selbst entwickelte Kochabläufe programmiert werden. Eine nützliche Küchenhilfe für alle, die beim Essen darauf achten wollen, Ihren Fettkonsum unter Kontrolle zu halten. – Der Weihnachtsbraten kann kommen!




9/12  What About The Children?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:51

Es geht ums Kindswohl. Ums Wohlergehen der Jungen und der Heranwachsenden. Das Titel-Zitat stammt von einem altgedienten Aktivisten des Schweizer Kinderhilfswerks Terre des hommes, das ich einige Jahre lang präsidieren durfte. Wenn sich der Stiftungsrat in hitzigem Argumentieren über organisatorische, strukturelle oder ethische Probleme stritt, warf er diesen zentralen Satz mit seiner ruhigen Stimme in die Debatte: Und was ist jetzt mit den Kindern?

Diese Frage ging mir durch den Kopf, als ich las und hörte, wie kürzlich in unseren Räten über das zu revidierende Tabakproduktegesetz diskutiert wurde. Da waren es vor allem die strammen Rechtspopulist*innen, die sich zwar doppelzüngig zur Wichtigkeit des Schutzes der Jugendlichen bekannten, sich aber gleichzeitig gegen jede weitergehende Regulierung verwahrten, welche die kommerziellen Interessen der Tabakindustrie tangieren könnte.

Was sich hier mit dem Schadstoff Nikotin abspielte, läuft vergleichbar auch ab bezüglich der Werbung für sogenannte „HFSS“-Lebensmittel (= High Fat, Sugar and Salt), die gezielt an Kinder und Jugendliche gerichtet ist. In den letzten Jahren hat sich der Medienkonsum der Jungen zunehmend weg von den klassischen Angeboten wie Radio, TV und Presse in die Sozialen Medien und Streaming-Plattformen sämtlicher Spielarten verlagert. Die geltenden Bestimmungen bezüglich Schutz der Jugendlichen vor „ungesunder“ Werbung und entsprechendem Marketing sind aber nach wie vor auf die linearen Angebote ausgerichtet.

Hier besteht ein enormer Nachholbedarf, denn die technische Entwicklung in den digitalen Angeboten schreitet rasant voran mit personalisierten Werbe-Botschaften, die zielgerichtet auf die jeweiligen User*innen abgestimmt sind. Die WHO – Büro Europa – hat einen sehr informativen, 70 Seiten starken Bericht zu dieser Thematik erstellt, der aufzeigt, wie diese Mechanismen funktionieren und wo die Staaten durch geeignete Gesetzgebung Einfluss nehmen können.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat sich dieses Problem mit hoher Priorität auf die Fahnen geschrieben. Das ist verdienstvoll und wichtig. Wenn ich aber an gewisse Voten im Parlament denke, wird mir flau im Magen und ich frage mich, wie „wirksam“ eine Schweizer Regelung letztlich dann sein wird, nachdem sie durch die Kompromiss-Mühle gegangen ist…

Es wird viel Überzeugungsarbeit und hartes Lobbying unsererseits brauchen, um der geballten Marktmacht der Lebensmittelindustrie entgegen zu treten. Und unser Leitmotiv muss die Frage sein: What about the children?




2/12  Dick am Radio

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:20

Ein Akzent zum Übergewicht. Gesetzt hat ihn Radio SRF 1, gestern Abend und heute Vormittag. In der Abend-Sendung „Doppelpunkt“ vom 1. Dezember wurde die „Fett-Aktivistin“ Melanie Dellenbach vorgestellt. Nach einer belasteten Zeit als „dickes Kind“ hatte Melanie schliesslich Frieden mit ihrem Körper geschlossen und sich voll und ganz darauf konzentriert, für mehr Akzeptanz der „hochgewichtigen“ Menschen – wie sie sagt – zu kämpfen, gegen Diskriminierung und die allgemeine Benachteiligung, der Menschen immer noch ausgesetzt sind, die nicht der – vermeintlichen – von der Gesellschaft akzeptierten „Norm“ entsprechen.

Unter dem Label Yes2Bodies hat sie eine Bewegung ins Leben gerufen, um übergewichtige Menschen zu motivieren, es ihr gleich zu tun und sich zu ihrem voluminösen Dasein zu bekennen und den ihnen gebührenden Respekt einzufordern. Sie gibt einen Newsletter heraus und bietet Workshops an. Dabei geht es nicht nur um die Gewichtsdiskriminierung, sondern ebenso um Inclusivity, die gegenseitige Akzeptanz aller Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrer Sexualität.

Wir hatten Melanie 2011 in unserem saps-Magazin kurz vorgestellt. Sie bot damals spezielle Bauchtanz-Kurse an: „Tribal Fusion for Beautiful Curves“. Es ist bewundernswert, dass sie ihren Kampf so konsequent fortgesetzt hat… und gleichzeitig bedauerlich, dass dies immer noch nötig ist, sogar in zunehmendem Masse, dass es trotz Anstrengungen auf allen Ebenen noch immer nicht gelungen ist, der Diskriminierung von schwergewichtigen Menschen wirksam paroli zu bieten. Ihr Bekenntnis in der Sendung „Doppelpunkt“ ist anregend und hörenswert.

Und am 2. Dezember wird das Thema fortgesetzt. In der Vormittags-Rubrik „Treffpunkt“ geht es um die Frage nach dem „Idealgewicht“ und nach der Bedeutung des Körpergewichts im Wandel der Zeit. Befragt wird u.a. der Evolutionsmediziner Prof. Frank Rühli. – Im Nachmittagsprogramm werden die Zuhörer*innen aufgefordert, über ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit ihrem Körpergewicht zu berichten. Kein Wunder, dass sich als erster ein „fitter“ Zeitgenosse meldet, der sich rühmt, schlank und sportlich zu sein…




30/11  Gegen-Rebellion

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:09

Es sind beängstigende Nachrichten. Sie erreichen uns aus verschiedenen Ländern, vornehmlich aus Deutschland: in grosser Zahl rotten sich da die Corona-Skeptiker, die sich selber «Querdenker» nennen, zusammen und demonstrieren gegen die angeordneten Sicherheits- und Hygiene-Massnahmen. Unter dem Vorwand, für Freiheit und Selbstbestimmung einzustehen, formiert sich ein bunter Haufen, der von Verschwörungs-Spinnern und Neonazis unterwandert ist. Die redlichen «kritischen» Geister, die sich ernsthafte Sorgen über die aktuelle Lage an der Corona-Front machen, scheinen in der Minderzahl zu sein. Wer den Dialog sucht, wird niedergebrüllt.

Auch hierzulande gibt es Demos von «Masken-Verweigerern», die sich in merkwürdiger Hysterie dagegen auflehnen, sich selbst und andere zu schützen. Da werden auch die angedrohten Bussen von bis zu 300 Franken wenig nützen. Für Adipositas-Betroffene, bei denen nachweislich ein grösseres Risiko besteht, in einem Ansteckungs-Fall mit einem schwereren bis schweren Verlauf der Krankheit rechnen zu müssen, gilt daher ultimativ: Haltet euch von solchen Manifestationen konsequent fern! Meidet jeden Kontakt mit den selbsternannten Corona-Rebellen, auch wenn ihr persönlich noch so kritisch eingestellt seid, tut es eurer Gesundheit und eurem Überleben zuliebe. Das Risiko ist viel zu gross und die Pandemie leider noch länger nicht vorbei.




2/11  Hallo, ihr lieben Kilos!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:40

Die Viren-Krise hat uns wieder. Erneut ruft uns Vater Staat zu häuslichem Verweilen auf, empfiehlt neben Maskenpflicht und distanziertem Benehmen auch den Verzicht auf freie Bewegung, insbesondere auf den Weg zur Arbeit. Home Office ist erneut angesagt. Wer es kann hält sich dran.

Das hatten wir ja schon, inklusive die sozusagen unausweichliche Gewichtszunahme, die viele von uns im Frühjahr während des Lockdowns ereilt hatte: 4 Kilo waren es im Schnitt, aus USA hört man, dass das Volk in dieser Zeit bis zu 8 Kilogramm zugelegt hatte. Die Gründe liegen auf der Hand: selbst wer sich zuvor nur mässig bewegt hat, schränkte nun seine Schritt-Zahl drastisch ein, vom Bett in die Küche zum Tisch und wieder ins Bett… Und vor allem: dass der Kühlschrank, prall gefüllt, weil auch der Gang in den Supermarkt zur Risiko-Parcours geworden war, an 7 Tagen während 24 Stunden verführerisch zur Verfügung stand, das hat uns zu einem Snack-Verhalten verführt, wie wir es im Büro nur ausnahmsweise ausleben können.

Seit dem Ende des ersten Lockdowns habe ich durch wiedergewonnene Disziplin fast acht Kilo wieder abgenommen. Ein Erfolgserlebnis an sich. Aber nun soll es wieder losgehen im alten Stil?

Habe ich aus der ersten Phase etwas gelernt, um den Kollateralschaden auf Rippen und Hüften zu vermeiden? An guten Ratschlägen fehlt es derzeit in den Gazetten nicht: Essen nur zu Fixzeiten, Intervallfasten ausprobieren, professionelle Hilfe suchen, vorübergehend auf vegane Ernährung umstellen, auf Alkohol verzichten, wenn möglich kein oder nur wenig Zucker, kein Fastfood holden sondern selber kochen… eigentlich wüsste man ja alles, denn man hat es im Bestreben, sein Gewicht unter Kontrolle zu halten, schon mehrmals ausprobiert, mit wechselndem Erfolg.

Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, diesmal bewusster auf mein Essverhalten zu achten, ev. mit Unterstützung eines Programms oder einer App, um die Fehler zu vermeiden, die mir quasi unbewusst in der ersten Phase unterlaufen sind… Ob es etwas nützt? Die Waage wird es mir sagen, gnadenlos.




6/10  Zuckerschalmeiereien

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:31

Sie kennen nichts. Die Zuckerrübenbauern verlangen vom Bund, dass er ein Pestizid-Verbot zurücknimmt, weil sonst ihre Ernte gefährdet sei. Folgeschäden für die Umwelt: egal! Gleichzeitig veröffentlicht die „Informationsgruppe Erfrischungsgetränke“ einen flammenden Appell gegen eine allfällige Zuckersteuer, aufgrund ihrer letzten Monitor-Umfrage.

Bei dieser jährlichen gfs-Befragung werden die Fragestellungen mit Bedacht so gewählt, dass die Befragten gar nicht anders können als im Sinn und im Interesse der auftraggebenden Organisation zu antworten: Was wollt ihr lieber: frei entscheiden können, was ihr kauft, oder staatliche Bevormundung? – Ein Narr bzw. ein schlechter Eidgenoss, der da nicht mit heissem Herzblut für die freie Entscheidung eintritt!

Eine Zuckersteuer – so die Süssgetränke-Lobbyisten weiter – würde eine soziale Ungerechtigkeit darstellen, da arme Familien stärker betroffen wären (Frage: trinken die erwiesenermassen so viel mehr Limonade als die Reichen?) und da zudem ein unerwünschter Einkaufstourismus ins Ausland einsetzen würde, wo dann die süsse Plörre billiger zu haben wäre…

Überhaupt, so die Getränke-Leute, sei ein freies, eigenverantwortliches Konsumverhalten auf jeden Fall besser, sofern de mündige Bürger ausreichend aufgeklärt sei. Und dies, sagen sie weiter, sei durchaus der Fall, denn sage und schreibe 81 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich ausgewogen verpflegen würden und umfassend informiert seien.

Nun ist allerdings anzunehmen, dass zwischen der optimistischen Selbsteinschätzung der Umfrage-Teilnehmenden und ihrem effektiven Wissensstand sowie vor allem ihren Einkaufsgewohnheiten eine ziemlich ansehnliche Lücke klafft, denn wie zum Teufel liesse sich sonst erklären, dass die Schweizer Bevölkerung nach wie vor pro Kopf doppelt so viel Zucker konsumiert, wie die Weltgesundheits-Organisation als Maximum empfiehlt?? Und dass der Trend zu Übergewicht und Adipositas nach wie vor, wenn auch etwas verlangsamt, im Zunehmen begriffen ist???

Eben.

 




30/9  Ab und zu ein wenig…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:37

Enttäuschung für Intervall-Faster. Kaum hat sich die 16:8-Methode über unzählige Frauen- und Szeneheftli als eingängige Massnahme zur Gewichtsreduktion profiliert, kommt die spröde Wissenschaft und entzieht ihr den Boden unter den abgemagerten Füssen…

Dabei hatte sich die Formel so lustfreundlich angelassen: während 8 Stunden am Tag nach Herzenslust schnabulieren, wonach einem der Sinn ist… und dann 16 Stunden lang fasten (den grössten Teil davon in Morpheus‘ Armen, begleitet von leckeren Träumereien).

Die Feedbacks vieler Anwender*innen waren begeistert und überschwänglich. Nicht nur, dass es relativ „leicht“ fiel, sich an das Regime zu halten, offenbar purzelten auch die Pfunde einigermassen erfreulich.

Und nun hat eine Forschergruppe in USA einen Vergleichs-Test angestellt mit übergewichtigen Proband*innen. 116 Männer und Frauen hatten während 12 Wochen in zwei Gruppen an dem Versuch teilgenommen. Die einen hielten sich an die Intervall-Vorgaben und assen nur zwischen 12 und 20 Uhr, während die andern sich den ganzen Tag über nach Lust und Laune verpflegen konnten.

Am Ende wurde gewogen, wobei die „Intervaller“ bloss eine kaum messbare Menge mehr abgenommen hatten, dabei jedoch deutlich mehr Muskelmasse verloren hatten, als bei anderen Diäten üblich und als empfehlenswert. So dass das Fazit vernichtend ausfiel: vom Intervallfasten wird dringend abgeraten!

Wie kommt es denn zu all den positiven Rückmeldungen? Meine Interpretation geht dahin, dass die 16:8-Methode für unkontrollierte Snacker eine wirksame Struktur bietet und ein 16-stündiger Verzicht schon mal von Vorteil sein kann. Dazu kommt, dass viele Promotoren de Intervallfastens gleichzeitig gezielt bestimmte Menus empfehlen, welche zu einer Veränderung des früheren Essverhaltens führen können. Interessante Informationen dazu liefert z.B. die Webseite „Gesundheitsbox“ mit umfassenden Informationen zur Intervall-Praxis. Wem’s hilft…