4/10  Abnehmend zunehmen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:51

In einer Woche ist World Obesity Day. Adipositas-Welttag. Heute war Tag des Tieres oder so. Schon früh am Morgen hat mir das Radio mit Tierschützer-Interviews im Ohr gelegen. Bin gespannt, ob nächste Woche etwas zu hören ist.

Rechtzeitig auf diesen Tag hin wurden für das Land mit der exemplarischsten Adipositas-Entwicklung – die USA – aktualisierte Karten veröffentlicht, auf denen sich die Ausbreitung der Krankheit von 1990 bis heute eindrücklich nachvollziehen lässt. Fährt man mit dem Cursor über die einzelnen Teilstaaten, kann man die Entwicklung über die Jahre am Verlauf von Kurven nachvollziehen. Es gibt grafische Darstellungen für drei Hauptbereiche: das zunehmende Körpergewicht bei den Erwachsenen, die Entwicklung bei Jugendlichen (10 bis 17 Jahre) und schliesslich zum Stand der jeweiligen staatlichen „Policy“, das heisst der politischen Strategie zur Abwendung der Adipositas-Epidemie.

Eine äusserst aufschlussreiche grafische Illustration des Ist-Zustandes und seiner Vorgeschichte. Noch kann man nicht sagen, dass das Problem „im Griff“ sei. Zwar zeichnet sich bei den Erwachsenen eine gewisse Stagnation der weiteren Zunahme ab und bei den Kindern sogar eine leicht rückläufige Tendenz, wenn auch auf hohem Niveau (wie wir sie hierzulande auch feststellen), was aber noch kein Anlass zu Euphorie sein kann. Denn: zahlreiche Massnahmen und Regulierungen im Hinblick auf gesunde Ernährung und positive Veränderung des Lebensstils, die von Barack und Michelle Obama eingeführt worden sind, wurden von der Trump-Administration wieder rückgängig gemacht. Die Gefahr besteht, dass die „Besserung“ nur von kurzer Dauer ist und dass das Land wieder in einen früheren epidemiologischen Zustand zurück fällt. Es sei denn, einzelne Staaten wehren sich erfolgreich gegen das Diktat aus Washington. Man wird sehen.




3/10  Was heisst schon „ideal“?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:57

Mit dem Idealgewicht ist es so eine Sache. Früher gab es die simple Berechnungsformel nach Broca: Grösse in cm minus 100 ergibt die ideale Anzahl an Kilos. Dann wurden die Anforderungen strenger. Es kamen nochmals 10% (für Männer) bzw. 15% (für Frauen) in Abzug. Was bei dieser Faustformel aber fehlt, das ist die Erkenntnis, dass der Mensch mit zunehmendem Alter (und wir werden ja nun immer älter) ganz natürlich etwas mehr Gewicht zulegt.

Das wird heute in einigen BMI-Rechnungstools berücksichtigt, indem sich etwa die Grenze zur Präadipositas (klassisch: mehr als 25) bei älteren Menschen nach oben auf 27 verschiebt, also immer noch als unbedenklich gilt. Dies trägt auch der Einsicht Rechnung, dass Menschen mit einigen Pfunden „zuviel“ auf den Rippen, die aber sonst gesund leben, gegen viele Krankheiten resistenter sind als ihre abgemagerten, schlanken ZeitgenossInnen.

Zur Berechnung des persönlichen Idealgewichts bin ich auf einen Rechner gestossen, der sowohl dem Geschlecht wie der Alterskategorie Rechnung trägt. Mit meinen Daten gefüttert, weist mir der Rechner ein Idealgewicht von 89 Kilo aus! Das ist deutlich mehr als jenes Zielgewicht, das mir mein Therapeut für meine aktuelle Gewichtsreduktion vorgegeben hat: 76 Kilo (nach der verschärften Broca-Formel). Erst wenn dieses erreicht sei, so sein Rezept, werde es mir leichter fallen, zu einer vielfältigeren Ernährung zurückzufinden, ohne dass der Jojo-Effekt eintritt.

Einerseits habe ich nach wie vor den Ehrgeiz, diesem Ziel so nahe wie möglich zu kommen (obwohl ich zur Zeit mühsam an der 100-Kilo-Grenze herumlaboriere), anderseits lässt die neu gewonnene Erkenntnis die Hoffnung aufkeimen, das „Ideal“ könnte allenfalls schon früher erreicht sein. – Wie auch immer: das nächste Ziel, das zu erreichen ist, lautet Hundert!




2/10  Was bleibt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 18:12

Es waren zwei spannende Tage im Nestlé-Symposium. Insgesamt 12 Referate hochkarätiger internationaler Kapazitäten, zahlreiche persönliche Kontakte, ein reger Austausch. Eine eindrückliche Begegnung mit der US-Ernährungs-„Päpstin“ Marion Nestle, die ausdrücklich betonte, dass sie ausser ihrem Namen nichts mit dem Gastgeber-Konzern verbinde…

Welches sind die Botschaften und Erkenntnisse, die am Schluss bleiben? Das ist nicht einfach zu sagen. Denn vieles von dem, was gesagt wurde, war im Prinzip schon bekannt. Erhielt aber in der gerafften Zusammenfassung eine kohärentere Bedeutung, quasi offizialisiert durch den wissenschaftlichen Kontext, in dem es vermittelt wurde.

In der Erinnerung besonder haften bleiben, da waren sich manche in den Randgesprächen einig, eher die „fait-divers“-Informationen. Eine davon hat mich an das Buch „Dumm und dick“ erinnert: die Lebensbeichte von Rosmarie Buri, die als übergewichtige Frau durch die Hölle der Vorurteile gegangen war.

Wer dick sei, sei auch dumm. Ein gnadenloses und pauschales Vorurteil, dem es auf allen Ebenen entgegen zu treten gilt. Und nun kam ein hochangesehener Redner, Sir Stephen Bloom, daher und präsentierte als Einleitung zu seinen Ausführungen zwei Landkarten Amerikas. Auf der einen waren die US-Staaten abgebildet mit den jeweiligen BMI-Werten der Bevölkerung; auf der andern wurden due US-Staaten gezeigt mit dem jeweiligen Wähler-Anteil der Leute, die Donald Trump zum Präsidenten gewählt hatten. Die Projektion der beiden Karten übereinander zeigte Verblüffendes: die Staaten mit den höchsten BMI-Werten waren auch die Staaten, in denen Trump die höchsten Wähleranteile erzielte!

Abgesehen von den verchiedenen Begleiterkrankungen, die durch Übergewicht und Adipositas begünstigt werden, hat Bloom dann doch auch eine tröstlicheInformation nachgereicht: er zeigte das Bild einer Walross-Population, die sich zentnerschwer und träge, Leib an Leib in der Sonne räkelt: ohne ihren massiven Fettpanzer könnten die Tiere im arktischen Eismeer gar nicht überleben. Bloom: Obesity is not necessarily bad! – Das ist doch eine Botschaft.




27/9  Kohlenhydrate und Speisefett…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:39

…und was diese für die Gesundheit bedeuten. So lautet das Thema des diesjährigen, 14. Internationalen Nestlé-Ernährungs-Symposiums. Wiederum sind führende Wissenschafter aus aller Herren (und Damen) Länder zusammengeströmt, um während zweier Tage ihr Wissen und ihre Erfahrung auszutauschen und mit einem interessierten Publikum zu teilen.

Am Nachmittag sind wir in Lausanne angereist, haben uns zu einem ersten Kennenlern-Apéro getroffen und sind gespannt, was die nächsten Tage an neuer Erkenntnis bringen. Spannende Themen sind programmiert: Strategie Zucker kontra Fett; Empfehlungen zur richtigen Ernährung – haben sie sich verändert? Wie kann man eine ausgewogene Ernährung weltweit propagieren? Verdauungshormone und Ernährung; Ernährung und Krebs; Einfluss der Darmflora auf das Immunsystem; Fettstoffwechsel bei erhöhtem Fructose-Konsum… das sind nur einige der Referate, die wir bis am Freitag zu hören bekommen.

Man darf gespannt sein.




26/9  Abschied

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:55

Nun ist sie also tot. Ein letztes Mal wird die – angeblich – „dickste Frau der Welt“ durch die Medien geschleift. Die Ägypterin soll angeblich 500 Kilo gewogen haben, dann wurde sie nach Indien verfrachtet, wo sie von einem Spezialisten-Team operiert wurde. 250 Kilo hatte siwe abgenommen, bevor sie wieder in den Vorderen Orient zurück gebracht wurde, nach Abu Dhabi ins Spital, wo sie nun, 37jährig, einer Blutvergiftung erlegen ist.

Wie immer ihre Krankengeschichte verlaufen ist, was immer die so massive Gewichtszunahme ausgelöst und begünstigt hat – es bleibt eine bedauernswerte Tatsache, dass extrem übergewichtige Menschen nach wie vor von den sensationsgeilen Medien als monströse Missgeburten und Freaks zur Schau gestellt und herumgeboten werden: Seht her und gruselt euch!

Schlimm genug, dass die Betroffenen mit einem Schicksal geschlagen sind, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt, sie abhängig macht von einer Rundum-Betreuung durch andere, sie isoliert und an ihr Lager fesselt, weil sie nicht mehr die Kraft haben, sich selber zu bewegen… Sicher teilen sie diese Situation des Ausgeliefertseins mit vielen Leuten, die an anderen Krankheiten leiden, aber keines der anderen Krankheitsbilder führt in gleicher Weise dazu, dass die Betroffenen quasi auf dem Jahrmarkt der Missgeburten ausgestellt und feilgeboten werden. – Nun ist es ausgestanden. Ruhe in Frieden, Eman!




25/9  Gesucht: Publikum

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:12

Es war wunderbares Herbstwetter. Den ganzen Samstag-Nachmittag beschien die Sonne das Ufer des Zugersees. Vertreterinnen und Vertreter von insgesamt 17 Patientenorganisationen hatten sich eingefunden, um auf Einladung der Pharma-Firma abbvie den diesjährigen Event „Walk & Talk“ zu begehen.

Begehen im wahrsten Sinn des Wortes, denn es galt, in verschiedenen Gruppen unterschiedliche Wanderrouten in der Zuger Region zurückzulegen. Wer nicht gut zu Fuss war, konnte eine Schifffahrt buchen und so einen gemeinsamen Ausflug verbringen. Ziel der – wie immer perfekt organisierten – Veranstaltung einerseits: die verschiedenen Organisationen, die sich alle für das Wohlergehen „ihrer“ Patienten engagieren, untereinander ins Gespräch zu bringen und anderseits auch einer interessierten Öffentlichkeit Informationen über die jeweiligen Krankheitsbilder zu vermitteln.

Eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Experten und Politikern aus dem Gesundheitswesen brachte zwar keine revolutionären Erkenntnisse, zeigte aber die komplexe Situation in der Schweiz auf, wo die Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung bei den Kantonsregierungen angesiedelt ist und der Bund kaum Mittel und wenig Einfluss hat, was es den meist auf Fronarbeit beruhenden Gesundheits-Organisationen nicht leichter macht, an die benötigten Betriebsmittel zu kommen.

Viel Lob und Anerkennung für unsere Tätigkeit waren seitens der Politik zu vernehmen, auf die materielle Situation der Akteure hatte dies jedoch keinen Einfluss.

An einer schönen Stellwand waren Plexiglas-Boxen angebracht, in denen die beteiligten Organisationen ihr Informations-Material für die Passanten anbieten konnten. Gut gemeint. Aber wer will sich schon freiwillig mit chronischen Krankheiten befassen, wenn er an einem so herrlichen Nachmittag der Seepromenade entlang flaniert?

Da hatten es Gruppierungen leichter, die für eine offensichtlich „gute“ Sache warben: sie konnten ihre Flyer grosszügig im Publikum streuen und für Unterstützung werben bei Krankheiten, die einen offensichtlichen Schicksalsschlag darstellen… oder die in der Öffentklichkeit kaum bekannt sind. Was aber machen wir mit Übergewicht und Adipositas?

Da stand ich denn, mit meinen Flyern ibn der Hand, etwas verloren in der herbstlichen Landschaft, und überlegte mir, ob es korrekt und angemessen wäre, jene Frau oder diesen Mann, die durch eine gewisse Leibesfülle auffielen, anzusprechen… Aber was hätte ich denn sagen sollen? Möchten Sie abnehmen? Haben Sie nicht auch das Gefühl, Sie sollten endlich etwas gegen Ihr Gewicht tun? Haben Sie es schon mal ernsthaft versucht..?

Ein paar Flyer bin ich losgeworden. An Leute, die mich offenbar vom Fernsehen her kannten… Die es wagten, mich anzusprechen. Aber übergewichtig waren sie nicht eigentlich.




22/9  Dick und sexy sein?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:26

Es lässt sich nicht wegdiskutieren. Auch wenn das Thema für manche Betroffene und selbst für Nichtbetroffene heikel sein mag: übermässiges Körpergewicht hat direkt oder indirekt einen Einfluss auf unsere Sexualität, sowohl bei Männern als auch – und wohl noch viel mehr – bei Frauen..

Aus männlicher Sicht habe ich das Phänomen gleich doppelt erlebt: in der Phase der Gewichtszunahme, über eine lange Zeit, erst unmerklich, dann immer spürbarer, wenn das involvierte Organ langsam aber sicher zwischen den sich bildenden Fettwülsten am Unterleib verschwindet, überdeckt wird von der Fettschürze und schliesslich nicht nur aus deinem Blickfeld entschwindet, sondern wegen der massiven Wölbung des Unterbauches mit den eigenen Händen gar nicht mehr zu greifen ist… Das ist nicht nur ein hygienisches Problem, es stellt auch jede andere Betätigung auf diesem Gebiet in Frage. – Und dann im umgekehrten Sinn innerhalb von zwei Jahren, nachdem sich 80 Kilo davongemacht hatten und der viele Jahre verborgene Körperteil wieder sicht- und greifbar wurde, sich zurückmeldete und neue Ansprüche geltend machte… Während gleichzeitig der hautige Faltenwurf am Unterleib den Anforderungen körperlicher Ästhetik nicht mehr entsprechen will.

Frauen ihrerseits unterliegen einem noch viel rigoroseren Diktat der eigenen und der fremden Wahrnehmung. (Ich klammere hier mal die besondere Spezies der „Fat-Lover“ aus, die explizit auf ausladende Rundungen ihrer Partnerinnen stehen und diese sogar durch gezielte Mästung noch zu erweitern versuchen.) Was passiert mit dem eigenen Körperbild, wenn eine adipöse Person in relativ kurzer Zeit viel Gewicht verliert, wie dies nach einem bariatrischen Eingriff, einer Bypass- oder Schlauchmagen-Operation der Fall ist?

Dazu gibt es noch weinge gesicherte Erkenntnisse. Aktuell ist eine Studie in Arbeit, zu der noch Probandinnen gesucht werden: Frauen, die nach einer Magen-OP (mindestens sechs Monate zurück, aber auch mehr) bereit sind, sich einer Befragung (mittels Fragebogen) zu stellen. Falls dies gewünscht wird, besteht zudem die Möglichkeit, freiwillig an einem therapeutischen Programm teilzunehmen, in welchem darüber reflektiert wird, wie mit dieser Veränderung des eigenen Körperbildes besser umzugehen ist.

Ich halte dies für einen interessanten Ansatz, den man sich – in adaptierter Form – auch für Männer wünschen möchte. Wer mehr wissen will, findet hier nähere Angaben und den Link zur Anmeldung.




20/9  Idyllisch essen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:39

Die Sehnsucht nach „natürlichen“ Produkten hat Hochkonjunktur. Am liebsten direkt vom Landwirt nebenan. Kein Wunder, erwecken die Werbespots der Grossverteiler, wenn es um Lebensmittel geht, die Illusion einer heilen Welt der Bauernsame, wo das Säulein lebenslustig grunzt, das Huhn freudig einhertrippelt und die Früchte frisch vom Baum gebrochen werden.

Zur Widersprüchlichkeit dieser Werbebotschaften gibt es einen informativen und lesenswerten Text, der die Realitäten hinter den plakativen Clichébildern der TV-Spots sichtbar macht.

Und trotzdem gibt es eine echte, zugängliche Regionalität, sofern man in der privilegierten Lage ist, diese zu nutzen: da sind einmal die immer zahlreicheren Hofläden, die zum Direktverkauf ab Bauernhof einladen, teilweise mit Automaten ausgerüstet, die einen 24-Stunden-Betrieb erlauben. Wenn ich über Land fahre, fallen mir die Schilder auf: saisonale Früchte, Eier, Honig. Aber auch Metzgereiprodukte und Milch gibt es im Offenausschank…

Eine weitere Spielart sind die kleinen, oft auf genossenschaftlicher Basis betriebenen „Dorfläden“ abseits der Städte, welche Frischprodukte von den Landwirtschaftsbetrieben in der näheren Umgebung einkaufen: hier kann ich auf dem Etikett die genaue Herkunft handschriftlich ablesen, den Zeitpunkt der Herstellung, das exakte Legedatum beim Ei… und bilde ich es mir dann nur ein oder schmeckt das „Landei“ tatsächlich besser, ist sein Dotter gelber, seine Schale fester als die beim Ei aus dem Massenbetrieb mit Bodenhaltung im Supermarkt-Regal?

Wenn der Glaube selig macht, dann will ich mich in diesem Glauben wähnen: Echtes soll auch wirklich echt schmecken, wenn ich die Echtheit mit eigenen Augen überprüfen kann und mich nicht von gestylter Propaganda blenden lassen muss.




19/9  Zugepflastert

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 18:41

In meiner Jugend war das „Zugpflaster“ aus Männedorf ein Wundermittel. Es vermochte, als pechdunkle Paste auf die Haut aufgetragen und mit einem dicken Verband abgedeckt, praktisch alle schlimmen Erscheinungen gewissermassen aus dem Leib zu saugen: Eiterige Wunden, Abszesse, Verstauchungen, Entzündungen… Wo ist es hingekommen? Wer kennt es noch?

Jetzt lese ich von einem neuen wundersamen „Pflaster“. Es soll schlank machen, indem es weisse Fettzellen zu braunen umprogrammiert. Braunes Körperfett hat die gute Eigenschaft, überflüssige Energie nicht zu speichern sondern in Wärme umzuwandeln. Menschen mit einem hohen Anteil davon bleiben ihr Leben lang dünn, was immer sie auch essen mögen. Babies und kleine Lebewesen haben viel davon, weil sie ihre Körper immer schön warm halten müssen. Aber mit dem Grösserwerden verwächst sich das bei den meisten Menschen.

Nun wird ein Pflaster entwickelt, das weisses Fett „zurückverwandeln“ soll. An Mäusen wurde es erfolgreich getestet. Aber ob das auch beim Menschen klappt? Der Wirkstoff dringt aus dem Pflaster durch die Haut in das darunter liegende Gewebe. Riskant für Adipositas-Patienten ist jedoch das „viszerale“ Fett, das sich tief im Inneren unserer Bauchhöhle um die Organe klammert, die Zwischenräume ausfüllt und die pralle Wanst-Trommel macht. Kann ein Pflaster bis da hinein wirken?

Die Zeitung, die das heute publiziert hat, machte eine kleine Umfrage. Die Resultate sind interesssant: 60% der Antwortenden finden eine solche Lösung „toll“ und würden das Pflaster ausprobieren; 21% hätten Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen, 10% meinen, sportliche Betätigung wäre besser und 5% wollen lieber schauen, dass sie gar nie dick werden…

Noch ist es nicht so weit, noch wird geforscht. Besser wäre allemal, durch eine „vernünftige“ Lebensweise und durch die Schaffung eines wenig belastenden Umfeldes dafür zu sorgen, dass weniger Leute zuviel Gewicht zulegen. – Aber dann kommen Nestlé und die Post und versprechen, mir eine Tafel Schokolade in den Briefkasten zu legen, wenn ich das „bitte keine werbung“-Schildchen abmontiere.




6/9  Low Carb als Option

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:29

Nur keine Crash-Diäten. Diese Botschaft ist durch, möchte man meinen. Aber was zeichnet eine solche denn erkennbar aus? Meist sind es strikte, stark einschränkende, einseitige Ernährungsempfehlungen, oft auf einzelne Lebensmittel fokussiert: die Weissweindiät, die Kohlsuppendiät, die Eierdiät… Und Faktum ist, dass man sie in der Regel gar nicht lange durchhalten kann.

Lange waren alle Empfehlungen auf Fettreduktion ausgerichtet: Tipps und Tricks um beim Kochen ohne Fett auszukommen, waren populär. Bei uns steht noch ein Fläschchen mit einem Sprühkopf in der Küche, mit dem wir früher das Öl in minimalen Dosen in die Pfanne sprayten… mit einem Pinsel verteilten wir die Öltröpfchen, wenn wir unser Kochgut nicht ganz ohne Fett und nur mit Mineralwasser anbrieten. Dabei nahmen wir in Kauf, auf die geschmacksverstärkende Wirkung von Fett zu verzichten, im Wissen, dass uzu viel davon ungesund sei.

Inzwischen hat eine neue Lehrmeinung Fuss gefasst. Fett und Öl sind – in moderaten Mengen – rehabilitiert. Jetzt stehen die Kohlenhydrate auf dem Ernährungs-Gericht. Carbohydrates, die sich nicht nur im Erzschurken Zucker finden, sondern auch in allen raffinierten Teigwaren, im Weissbrot, in vielen stärkehaltigen Gemüsen, denen wir früher gerne zugesprochen haben.

Von Vorsicht bis Verzicht gehen die Empfehlungen. Man muss nicht gänzlich auf Kohlenhydrate verzichten und dadurch den Körper in einen ketogenen Stoffwechselmodus schicken (obwohl dies eine der effizientesten Methoden ist, Gewicht zu reduzieren, sofern man es aushält), es reicht schon, wenn man bewusst mit den Kohlenhydraten umgeht und sie gezielt einschränkt: Wenig = „Low“.

Das muss nicht Verzicht bedeuten, denn auch für Anhänger einer LCHF-Diät gilt: möglichst abwechslungsreich und ausgewogen! (LCHF heisst übrigens: Low Carb & High Fat, wobei „high“ nicht unbedingt „viel“ bedeuten muss, einfach: nicht eingeschränkt.) Auch für diese Formel gibt es attraktive Rezepte und brauchbare Menü-Vorschläge. Wer mehr darüber wissen sill, findet diese in einem speziellen Low-Carb-Blog, dem ich hiermit mlöglichst viele aufmerksame LeserInnen wünsche.