22/4  Zwangsläufig freiwillig

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:18

Ich habe gut reden. Ich bin geimpft. Seitdem schreckt mich das Corona-Gespenst nicht mehr so wie am Anfang, aber ich halte doch die auferlegten Verhaltensregeln so weit wie möglich ein, schon nur aus Solidarität mit denen, die noch nicht an der Reihe waren.

Aber nun stellt der Bundesrat sein Ausstiegs-Szenario vor, in dem es unter anderem auch darum geht, dass die Geimpften, die Geheilten und die als negativ Getesteten von gewissen Einschränkungen befreit werden könnten, dass sie sich z.B. im Gastro-Innern aufhalten, Veranstaltungen besuchen oder andere Dinge unternehmen könnten, die den Ungeimpften (noch) verwehrt bleiben würden.

Und sofort geht ein furioses Heulen durchs Land: von Ungleichbehandlung ist die Rede, von einem Zweiklassensystem, mit dem das Volk durch brachiale Gewalt zur Impfung gezwungen werden solle… Der Bundesrat wird als wortbrüchiger Lügner dargestellt, hatte er sich doch mehrfach dafür ausgesprochen, dass sich alle nur auf freiwilliger Basis das Anti-Serum verpassen lassen könnten und dass es keinen Zwang geben werde, nicht für einzelne Berufsgruppen und nicht für die Bevölkerung als Ganzes. Am lautesten über „Diskriminierung“ lamentieren ausgerechnet einzelne Exponenten jener Partei, die es sich sonst auf die Fahne geschrieben hat, durch Ausgrenzung und Ausschaffung alles aus dem Land zu verbannen, was nicht ihrem eigenen völkischen Reinheitsgebot entspricht…

Sicher, es gibt gute und auch ehrenwerte Gründe, sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen hierzulande „gleich“ behandelt werden, die gleichen Rechte haben und vor dem Gesetz gleich sind, wie es die Verfassung verlangt. Wer sich aber bewusst und mit ideologischer Zielsetzung einer präventiven Massnahme widersetzt, mit welcher die Corona-Pandemie eingedämmt werden könnte, der oder die verwirkt den Anspruch auf Gleichbehandlung. Denn er nimmt in Kauf, durch sein Verhalten andere in Gefahr zu bringen. Und jene, die – aus welchen Gründen immer – noch nicht dazu gekommen sind, sich impfen zu lassen, verdienen es, vor besonderen Risiken geschützt zu werden.

Der Entscheid steht jedem einzelnen frei. Je nachdem, wie dieser getroffen wird, muss man bereit sein, mit den Konsequenzen zu leben: wer sich dafür entscheidet, nu noch vegan zu essen, darf sich nicht darüber beklagen, dass es nun nicht mehr möglich ist, ein schmelzend-zartes Rib-Eye-Steak zu geniessen. Und wer sich aus freien Stücken einer religiösen Sekte anschliesst, darf nicht über deren rigorose Auflagen zur Lebensgestaltung beklagen.

Ich freue mich auf das Zertifikat und die damit verbundenen Möglichkeiten.




7/4  Fettlawine

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 11:33

Es kommt etwas auf uns zu. Eine gewaltige Fettlawine sei im Anrollen. Sie kommt diesmal von Osten, wo auch das Virus herkam: aus China. Die Jugendlichen in China werden explosionsartig dicker. Ursache für dieses Phänomen sind zwei Faktoren: zum einen ist es die zunehmende Verbreitung von Fastfood-Angeboten, die bei den Jungen besonders beliebt sind, sowie der Verzicht auf körperliche Betätigung, zugunsten von Videospielen, die immer mehr Raum in der Freizeit einnehmen.

Diese Fakten wurden in einer eindrücklichen TV-Dokumentation auf ZDFinfo dargelegt. Begleitet wird ein 16jähriger, der seine Ferien in einem Bootcamp zum Abnehmen verbringt: mit militärischem Drill und martialischer Härte werden die übergewichtigen und z.T. schwer adipösen Kids geschlaucht, neben körperlicher Aktivität – sechs Stunden Training pro Tag – gibt es Aufklärung und Essenskunde, sowie eine äusserst karge Verpflegung. In vier Wochen nimmt der Junge 16 Kilo ab. Ob er sie später, zuhause, noch halten kann, ist eine andere Frage, er ist bereits einmal gescheitert und hat nach dem Camp in kurzer Zeit alles wieder zugenommen.

Gezeigt werden daneben auch weitere Therapie-Methoden. So etwa eine Kur mit Akupunktur (lange Nadeln durchdringen die Fettschicht am Bauch) und mit Schröpf-Glocken, von denen einer jungen Frau 16 Stück auf den Rücken gesetzt werden: das soll nach TCM die Zirkulation und den Stoffwechsel ankurbeln. Bei der gezeigten Probandin hilft die Behandlung allerdings nichts…

In krassem Kontrast zu diesen städtischen Phänomenen steht das Leben auf dem Lande, wo Gemüse noch von Hand geerntet wird, reinstes Bio, direkt geliefert in die Gastronomie und vor Ort zubereitet, wo bloss einmal die Woche Fleisch auf den Tisch kommt und kaum jemand übergewichtig ist.

Aber der Trend in den Städten Chinas scheint sich unaufhaltsam auszubreiten: kitschig eingefärbte Hamburger mit fetttriefendem Inhalt, mit wesentlich mehr Kalorien als das Original in USA… dafür schwärmen die Kids. Und die staatlich verordnete Ein-Kind-Begrenzung pro Familie hat dazu geführt, dass dieses eine Kind sowohl von den Eltern wie von den Grosseltern kulinarisch verwöhnt und bei jeder Gelegenheit regelrecht gemästet wird.

Abhilfe ist nicht in Sicht. Noch nicht. Das Problem ist erkannt, aber eine Strategie, um ihm zu begegnen, gibt es nicht. Die Fettlawine rollt. – Und hier geht es zum Film.




16/3  Fortschritt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:28

Das Virus habe auch sein Gutes. Das ist zwar eine zynische Botschaft für all jene, die in ihrer Existenz bedroht sind und bei den Hilfsmassnahmen durch die Netze fallen. Aber unter dem Strich gibt es immer wieder Phänomene, die sich positiv deuten lassen.

Ein solches ist die Zahl von 12 Prozent, die kürzlich durch die Medien geisterte: um 12 Prozent sei der Zucker-Verkauf in unserem Land eingebrochen. Wenn man davon ausgeht, dass der Zucker-Konsum pro Jahr und pro Kopf (im Durchschnitt) etwas über 100 Gramm beträgt, dann sind das etwa 15 Gramm, die letztes Jahr täglich „eingespart“ werden/wurden. Hochgerechnet ergibt dies doch fünfeinhalb Kilo Zucker, die auf diese Weise nicht mehr durch unsere Kehlen gerieselt sind (oder in Form von Süssgetränken vergurgelt wurden).

Dies wiederum entspricht einer Kalorien-Menge von 21’285, auf die wir offenbar verzichtet haben. Und diese Kalorien verkörpern ganze 3 Kilogramm Fett.

Also müssten wir – rein rechnerisch – alle um je drei Kilo leichter geworden sein. Wenn denn das Leben so einfach nach „Stübis Rechnungsbüchlein“ (wie man bei uns zu sagen pflegte) verlaufen würde. Aber die Ernährungsgewohnheiten sind von Mensch zu Mensch verschieden. Es gibt die „Süss-Schnäbel“, die wohl ein Vielfaches der 100 Gramm verputzen, uns die bewusst Zucker-Abstinenten, die wenn immer möglich auf Süsses verzichten und nur einen Bruchteil der empfohlenen Menge zu sich nehmen.

Auf jeden Fall zeigt dieses Zucker-Exempel, dass wir durchaus in der Lage sind, unsere Essgewohnheiten zu ändern und sie veränderten Situationen anzupassen. Das sollte die für die Volksgesundheit Verantwortlichen eigentlich anspornen, mutige Entscheide zu fällen und die bestehenden Rahmenbedingungen beherzt zu verändern, dort, wo sie eine gesundheitsförderliche Wirkung haben. Und dies mitten im Tal der Corona-Tränen!




4/3  Kleine Welt…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:05

Für alles gibt es Welt-Tage. Kein Wunder, dass es auch einen zum Thema „Adipositas“ gibt, denn diese chronische Stoffwechsel-Erkrankung stellt gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO – abgesehen von der aktuellen Corona-Pandemie – nach wie vor eine der gravierendsten Herausforderungen für die Gesundheitssysteme weltweit dar.

Der 4. März ist jedes Jahr diesem Phänomen gewidmet… und verhallt, vorsichtig ausgedrückt, ziemlich ungehört. Zwar produzieren die einschlägigen NGOs und Gesundheitsorganisationen jährlich ihre Communiqués und Appelle, thematisch fein aufeinander abgestimmt, verschicken die Medienmitteilungen an die Redaktionen und publizieren die mahnenden Aufrufe auf ihren Webseiten und in den sozialen Medien, wo sie sie denn auch artig und fleissig gegenseitig mit dem Daumen nach oben „liken“ – weil es ja sonst keiner tut.

Aber: erreicht man damit eine breitere Öffentlichkeit, die für die Anliegen der Adipositas-betroffenen Mitmenschen sensibilisiert werden müsste? Auch wir haben auf unserer Website eine Reihe von Informationen aufgeschaltet und einen entsprechenden Newsletter verschickt. Die Reaktionen haben sich bisher statistisch in Grenzen gehalten. 67% der Newsletter-Empfänger haben den Brief geöffnet, 11% haben eine der Informationen angeklickt: 12 haben unsere Website besucht, 14 haben die Medienmitteilung gelesen, 14 sich die Ankündigung eines Online-Events angeschaut und 6 wollten das Video zur Patienten-Diskriminierung ansehen…

In der Presse hat – soviel ich gesehen habe – der Tag keine Erwähnung gefunden. Die Online-Recherche hat lediglich einen einzigen Beitrag auf der Website der TOP-Medien zutage gefördert: dort hat man unsere Medienmitteilung vom letzten Jahr als thematische Vorlage genommen, also gewissermassen eine Langzeitwirkung. Aber mit begrenzter Reichweite.

Wir müssen uns wohl für die kommenden Jahre etwas einfallen lassen. Vielleicht etwas Spe(c)ktakuläres.




15/2  Diabetes-Treiber

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:25

Es gibt Leute, die wollen es nicht wahrhaben. Ich spreche nicht von den Corona-Leugnern, die – sogar mit medizinischem Diplom – verbissen behaupten, die Pandemie gebe es gar nicht und das Virus sei weniger gefährlich als eine milde Grippe… Nein, die Rede ist von all denen, die überzeugt sind, dass sie zwar etwas übergewichtig, aber keineswegs „krank“ sind. Dass nicht das Zuviel an Gewicht krank mache, sondern der stressige „Zwang“, etwas gegen die gesundheitlichen Risiken des Übergewichts zu unternehmen.

Eine umfangreiche Studie aus USA hat nun den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Adipositas und der Erkrankung an Diabetes Typ 2 untersucht und ist zum eindeutigen Befund gekommen, dass Übergewicht ein massiver Treiber von DT2 ist: während bei der normalgewichtigen Bevölkerung „nur“ 7 Prozent der Erwachsenen an DT2 erkranken, sind es bei den Übergewichtigen und Adipösen ganze 53 Prozent, also jeder und jede zweite.

Die Studie kommt zum Schluss, dass schon eine Gewichtsverringerung um wenige Kilos das Diabetes-Risiko erheblich senkt. Die Forscher weisen aber auch nachdrücklich darauf hin, dass es nicht genüg, lediglich mit dem Zeigfinger zu winken und eine Veränderung des Lebensstils anzumahnen: die Entwicklung der Adipositas in USA habe deutlich gemacht, dass dies wirkungslos verpuffe… Notwendig seien vielmehr klare Eingriffe des Staates, etwa in Form von Zuckersteuern oder von massiven Aktionen zur Verbilligung von Früchten und Gemüse…

Dazu brauche es motivierende Informationen, vor allem für die benachteiligten Bevölkerungsgruppen, sowie einen dauerhaften Wandel des Verhaltens aller. Leichter gesagt als getan. Aber auch hierzulande ist ein Umdenken angesagt. Gerade kürzlich hat mir jemand, der sich in der Beratung von Adipositas-Betroffenen engagiert, erklärt, wie wichtig es sei, schwer übergewichtige Patient*innen, die eine Magen-Operation in Betracht ziehen, darauf hinzuweisen, dass sie dann lebenslang Medikamente zur Nährstoff-Supplementierung zu sich nehmen müssten… und dass sie sich das sehr gut überlegen sollten… – Aber was wären die Alternativen? Jahrelange Medikamente gegen DT2, Nierenversagen, Dialyse, Herzinfarkt? Man hat die Wahl.




2/2  Akzeptiert?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:54

Das Inserat sieht prächtig aus. Eine ganze Seite springt mich bei der morgendlichen Lektüre farbenfroh und grosszügig an. Es zeigt zwei Frauen in schwarzen Bikinis. Die eine ist modelmässig schlank und rank, die andere neigt offenbar zu leichter, aber nicht besonderer Fülligkeit. Neben beiden Damen steht eine fett und rot gedruckte Zahl: 44 bei der einen, 56 bei der andern. Dabei handelt es sich um Prozentwerte, wie das Kleingedruckte am Rande des Inserats besagt.

Mit einer Umfrage bei 500 Leuten wurde ermittelt, welcher der beiden Frauen-Typen denn auf mehr Wohlgefallen stosse, der schlanke oder der etwas fülligere? Und seihe da: 56 Prozent bevorzugen die Dame, an der „etwas dran ist“, während die anderen 44 Prozent auf „dünn“ stehen.

Das Inserat wurde geschaltet von der Schweizer Marktforschung, als Beleg für die Nützlichkeit solcher statistischer Erhebungen. Das Resultat wurde nicht kommentiert und nicht bewertet. Dies bleibt dem Betrachter, der Betrachterin überlassen. Aber welche Erkenntnis sollen wir denn aus diesen Prozent-Werten gewinnen? Liegt „Schönheit“ doch bekanntlich im Auge des Betrachters?

Nun gut, kann man einwenden, diese beiden Zahlen sind so unterschiedlich nicht. Bei einer Volksabstimmung würden sie freilich einen klaren Entscheid bedeuten, aber umgelegt auf das Schönheitsideal des Frauenkörpers besagen sie: ein bisschen Molligkeit wird offenbar von einer Mehrheit der Befragten begrüsst, während aber doch knapp die Hälfte nach wie vor auf den Magerkeitswahn hereinfällt, der uns durch sämtliche Medien dank Fotoshop um die Augen gehauen wird…

Darf daraus geschlossen werden, dass „etwas mehr Gewicht“ insgesamt doch salonfähig ist? Dass die paar Speckröllchen und das sanft gewölbte Bäuchlein keineswegs den Weltuntergang bedeuten, im Gegenteil? Ich denke, dieser markterforschte Befund dürfte da und dort etwas Druck aus der kritischen Selbstbewertung nehmen, sich nicht um jeden Preis einer Schlankheitskur zu unterwerfen, sondern das Leben und seine fülligeren Formen so zu geniessen, wie sie sind. Und das ist wohl nicht schlecht.




25/1  Hochaltrigkeit

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 13:49

Ein Begriff, der stutzig macht. Wir haben uns daran gewöhnt, „alt“ zu sein und damit der anerkannten Risikogruppe anzugehören, die als „vulnerabel“ gilt, also „verletzlich“ ist, wenn es zu einer Ansteckung käme. Aber nun taucht in der öffentlichen Diskussion dieser Begriff auf, der dazu dient, verschiedene Altersklassen zu definieren und zu unterscheiden.

Man hat gelernt, dass Adipositas in fortgeschrittenem Stadium nicht nur verschiedene Begleiterkrankungen begünstigen, sondern zudem die Lebenszeit um Jahre abkürzen kann. Dazu hatte ich vor einiger Zeit eine ganz spezielle Erfahrung gemacht. Im Rahmen eines Meetings unserer Selbsthilfegruppe hatten wir einen Vortrag eines Adipositas-Chirurgen, der eindrücklich die lebensverkürzende Wirkung von Adipositas per magna schilderte. In der Fragerunde wies jemand darauf hin, dass ich als Stiftungspräsident ja nun auch nicht mehr der Jüngste sei… Worauf der Experte sec konterte: „Den Herrn von Grünigen müsst ihr nicht beachten, der sollte statistisch schon lange tot sein.“

Von da an genoss ich jeden neuen Tag mit frischer Lebensfreude als Geschenk eines Schicksals, das es gut mit mir meinte und mich länger am Leben liess, als mir offenbar fachmedizinisch zustand. Das war vor knapp zehn Jahren. Inzwischen kommt am Horizont die Zahl 80 herauf, die mich in zwei Monaten erreichen wird. Damit bin ich dann nicht bloss „alt“, sondern ich überschreite die Schwelle zur Hochaltrigkeit.

Da hilft dann keine beschönigende Sprachregelung mehr wie „Golden Agers“ oder „Silberrücken“ (zumal die Haare schon längst weg sind). Auch die Bezeichnung „vierter Lebensabschnitt“ verschleiert das, was die Natur für uns alte Knacker bereithält, wenn man beim Aufstehen zuerst die verschiedenen Zipperlein in die Schranken weisen muss, ehe man den Tag beginnen kann. Man darf sich nicht wundern, man ist „ziemlich alt“ geworden. Und manches, das früher als Belastung empfunden worden wäre, gehört nun zum Alltag: man lebt damit wie mit einem Paar alter, ausgelatschter Schuhe, die faltig geworden sind, aber sich dem Fuss angepasst haben, so dass sie unvergleichlich bequem geworden sind.

Ich habe beschlossen, solche Begrifflichkeiten zu ignorieren und jeden Tag zu nehmen, wie er kommt. Trotz Corona.




20/1  Rettung naht

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:27

Seit heute Morgen bin ich geimpft. Als mehrfach betroffener Risikogruppen-Angehöriger (zu alt, zu dick, mit Herzinfarkt) habe ich mich heute Vormittag bei meiner Hausärztin unter die Nadel gelegt. Es war ein kurzer, schmerzloser Pieks, keine Minute insgesamt, mit ein paar klärenden Informationen, nachdem ich das Formular unterzeichnet hatte, dass man mich aufgeklärt habe.

In genau vier Wochen kommt die zweite Spritze. Aber schon nach 10 Tagen, sagte sie mir, sei ich zu fast 50 Prozent geschützt. Das ist ein gutes Gefühl, darf uns aber nicht zu Leichtsinn im Umgang mit den Hygiene-Vorschriften verführen, denn noch weiss man zu wenig über die Art und Weise, wie sich die Virus-Mutanten verbreiten und was diese auslösen können.

Ich habe das Gefühl, als wäre ich einer bedrohlichen Umgebung entflohen und hätte mich an einem geschützten Ort in Sicherheit gebracht. Es ist wie Auf- und Ausatmen nach einer Art Verfolgungsjagd. Noch ist es nicht ausgestanden, aber die Gefahr scheint zu bändigen zu sein. Und dann höre ich am point de presse mit dem Bundespräsidenten meine lieben Kollegen von der Medienzunft, wie sie mit empörtem, vorwurfsvollen Ton wissen wollen, wie denn der Bundesrat dazu komme, sich selber impfen zu lassen, wo er doch keiner Risikogruppe angehöre, und dies erst noch in aller Heimlichkeit getan habe, als wolle er mit schlechtem Gewissen eine Schandtat verbergen..!?

Geht es noch? Haben wir keine brennenderen Fragen? Jedes Staatsoberhaupt der Welt hat sich öffentlichkeitswirksam gegen Corona impfen lassen. Zum einen mit Vorbild-Effekt, um den allenfalls noch zögerlichen Bürgern zu zeigen, dass keine gravierenden Nebenwirkungen zu befürchten sind, und zum andern, um selber so rasch wie möglich geschützt zu sein, weil die Funktion, die man innehat, für das ganze Land von Bedeutung ist und nicht mutwillig in Gefahr gebracht werden soll.

Was, wenn die Bundesrät*innen sich NICHT hätten impfen lassen? Die gleiche Presse hätte aufgeheult und dies als Beweis dafür angesehen, dass dem Impfstoff doch nicht zu trauen sei, dass die feigen Beamten zuerst das einfache Volk als Kanonenfutter ins Impf-Experiment schickten, um abzuwarten, ob die Sache wirklich so harmlos sei, wie die Hersteller und die Experten behaupten…

Als Adipositas-Betroffene sind wir quasi ex officio in der Risikogruppe. Wir tun gut daran, uns so rasch wie möglich in Sicherheit zu bringen, wenn nötig mit einem ärztlichen Attest.




11/1  Armes Velo

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:07

Das ist mir schon länger nicht mehr passiert. Als ich heute Vormittag auf dem Weg ins Büro beim kleinen Trafik meinen Lesestoff besorgt hatte, wieder auf die Strasse trat und mich daran machte, aufs Fahrrad zu steigen, kam mir ein dürres Männchen entgegen, das mit seinen Armen gestikulierte und dazu rief: „Armes Velo..!“

Was er damit meine, fragte ich ihn. Er guckte mich über den Rand seiner Covid-Maske hinweg an und machte mit beiden Händen eine ausladende Bewegung. Mit leicht südländischem Akzent sagte er: „Du so gross und schwer…“ – Da wusste ich, was sein Problem war. Du hast gut reden, sagte ich, du schmaler Wurf. Schau zu, dass du nicht verhungerst! Mit meinem Fahrrad hatte ich kein Mitleid. Es ist ein Flyer mit extrastarker Rahmenkonstruktion, den ich vor zehn Jahren erstanden hatte, als ich noch 180 Kilo wog.

Wie sind solche Feedbacks zu bewerten? Ist es Dicken-Diskrimination? Oder einfach eine spontane, leicht naive Bekundung eines Eindrucks? Ich konnte es dem Männchen nicht übelnehmen. Es trifft zu, dass ich in der letzten Zeit über die Feiertage wieder etwas zugelegt habe… aber ein wesentlicher Anteil meiner offenbar opulenten Erscheinung war meines Erachtens der dicken Vermummung geschuldet, in die ich mich auf Empfehlung unserer Medien gehüllt hatte, um mich gegen die Kälte zu wappnen, die akut über uns hereingebrochen ist.

Ich schwang mich auf den Sattel und rollte davon, nicht ohne dem mageren Warner nochmals zuzuwinken. Nebenwirkungen des übergewichtigen Alltags? Man muss damit leben. Sich ärgern bringt nichts.




4/1  Ein Übergang

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:00

Zwangsläufig innehalten: Rückblick und Ausblick. Die Betriebsferien, kombiniert mit der privaten Kontakt-Restriktion, haben zu einem Zustand des gepflegten Verfaulens geführt. Vom Bett ins Bad, vom Bad in die Küche, von der Küche zurück ins Bett, wo Lektüre wartet oder der Fernseher läuft: das ist die schlimmstmögliche Karikatur eines unstrukturierten Rentnerdaseins, zu dem du verurteilt bist durch landesweit verhängtes Dekret. Und daneben stellt Essen und Snacken die einzige effektive Abwechslung dar…

Für Viele war es ein hartes Jahr, mit existenzieller Bedrohung in einem Ausmass, das man sich vor Jahresfrist noch nicht hätte vorstellen können, trotz aller Hilfsprogramme, bei denen wohl die Bedürftigsten leer ausgegangen sind. Wenn ich auf dem Weg zum Büro die langen Schlangen derer gesehen habe, die für einen Sack Gratis-Lebensmittel angestanden sind, habe ich mich weit weg in einem Schwellenland gewähnt. Und nur ein paar Schlauen ist es gelungen, als der Krise Kapital zu schlagen.

Auf dem Bett liegend hast du die Zukunft reflektiert: da sind zwangsläufig neue Wellen der Pandemie angesagt, heftiger und tödlicher als die vorangegangenen, mit mutierten Erregern, einer gefährlicher als der andere… Gleichzeitig kramen die Historiker in der Seuchen-Geschichte und erklären uns, dass in früheren Zeiten jeweils fast die Hälfte der damaligen Weltbevölkerung von Pest und Cholera dahingerafft worden seien… was ist da schon das mickrige knappe Prozent, das heute zur Diskussion steht?!

Wir haben Respekt vor der Gefahr und halten die Vorschriften ein, bleiben im Zweifelsfall zuhause, schränken unsere Kontakte ein: wir wollen 2021 überleben, auch oder gerade weil es mit der Impferei bis heute noch nicht so richtig klappen will und keiner weiss, was die nächste Zukunft bringen wird.