25/4  Was sollen Kids nun essen?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:02

Eine interessante Debatte findet online statt. Da hat der deutsche Ernährungswissenschaftler Uwe Knop ein Buch publiziert mit einer These, die aufhorchen lässt: die Sorge um eine „gesunde“ Ernährung der Kinder sei unbegründet, denn (verkürzt zusammengefasst) einerseits werde ohnehin massiv übertrieben, wenn von fettleibigem Nachwuchs die Rede sei (mit Blick auf Deutschland) und andererseits regle die Natur die individuelle Nahrungsaufnahme der Kinder so, dass diese sich instinktiv „ausgewogen“ jene Nährstoffe beschaffen würden, die sie für ihre Entwicklung benötigen, und dazu könnten problemlos auch die „ungesunden“ Sachen wir Pommes, Burger und Coke gehören…

Knop feuert dabei auch eine Breitseite ab gegen alle, die mit regulatorischen Auflagen etwa die Werbung für ungeeignete Produkte eindämmen oder mit einer Steuer den Konsum von zu viel Zucker drosseln möchten.

Solche Botschaften kommen in gewissen Kreisen auch bei uns gut an. In der BaslerZeitung hat ein Journalist, der unsere Präventionsbestrebungen mit kritischem Blick begleitet, die Knop-Thesen rezensiert und dabei massive Vorbehalte formuliert gegenüber jeglicher Bestrebung, das Essverhalten der Kinder zu beeinflussen. Im Gegenteil, lautet der Vorwurf, die wachsende Anzahl untergewichtiger junger Menschen sei eine direkte Folge dieser verfehlten und weitgehend wirkungslosen „Ernährung-Erziehung“.

Auf diese Ausführungen reagierte Kinderarzt Marco Janner, Leiter der Adipositassprechstunde für Kinder am Inselspital Bern, mit einer differenzierten Darlegung zur Situation in der Schweiz. Wodurch sich der Journalist seinerseits wieder veranlasst sah, ausführlich zu begründen, weshalb letztlich doch er es sei, der in diesem Disput „recht habe“.

Und jetzt? Was gilt? – Neuere, mit Experimenten belegte Forschungen zeigen, dass auch kleine Kinder durchaus in der Lage sind, aus breitem Angebot eine Auswahl an Speisen zu treffen, die ihren Bedarf an lebenswichtigen Nährstoffen decken. Das setzt aber voraus, dass ihnen eben auch eine reiche Palette von ganz verschiedenen Lebensmitteln geboten wird, darunter auch von „gesunden“. Alle Präventions-Bestrebungen zielen darauf ab, eine einseitige Auswahl zu vermeiden. Und es ist nicht zu leugnen, dass z.B. mit der an Kinder gerichteten Werbung heute ein unverhältnismässig starker Druck aufgebaut wird, Produkte mit zu viel Zucker und Fett zu konsumieren, die überdies das Potenzial haben, „süchtig“ zu machen… Wer von diesem Sachverhalt ablenkt und diesbezügliche Regulierungen bekämpft, der setzt mutwillig die Gesundheit kommender Generationen aufs Spiel.

Und nichts führt daran vorbei, dass es darüber hinaus in der Verantwortung der Eltern liegt, mit gutem Beispiel das „richtige“ Verhalten vorzuleben. Dieses aber muss durch die adäquate Gestaltung der Umwelt überhaupt erst ermöglicht werden.




18/4  Der Fettberg

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:47

Mit Hermes hat es nichts zu tun. Hermes Phettberg ist/war ein Performance-Künstler besonderer Art. Sein ORF-Late-Talk hatte Kultstatus, sein Leben ist gezeichnet von Unmass jeglicher Art. Aber um ihn geht es hier nicht, sondern um einen „richtigen“ Fettberg. Einen Berg aus Fett.

Errichtet wurde er anfangs Jahr in London, aus realem Speck-Fett, organisiert von einer NGO, die im Bereich Gesundheitsprävention tätig ist. Der Fett-Kloss ist so hoch wie ein Doppelstöcker-Bus und an der Basis mehr als drei Meter breit. Er soll die Gewichtszunahme der britischen Bevölkerung über die Festtage symbolisieren und das Publikum wachrütteln, damit die guten Vorsätze auch über den Januar hinaus eingehalten werden…

Dem Fett-Mahnmal liegen eine Umfrage und eine Schätzung zugrunde. 2’000 ProbandInnen wurden vor und nach den Festtagen auf die Waage gestellt. Dabei zeigte sich, dass jeder/jede Zehnte über die Feiertage rund drei Kilo Gewicht zugelegt hatte. Dies entspricht – auf die gesamte Bevölkerung Englands umgerechnet – einer Fettmenge von über 130 Tausend Tonnen!

Beim Betrachten der künstlichen Fett-Konstruktion musste ich spontan an dem Reisighaufen denken, der hier bei uns am Montag unter dem „Böögg“ aufgeschichtet und abgefackelt wurde: hätte man statt der trockenen Holzbündel die gleiche Menge Fett verwendet und angezündet… was hätte das für einen Brand ergeben!!

Ok, an den Gestank, der dann über der Stadt gewabert hätte, wollen wir gar nicht denken. Auch nicht daran, dass die Rauchsäule, die vom Fett-Feuer aufgestiegen wäre, um ein Vielfaches grösser und weiterhin sichtbarer gewesen wäre als das so schon auffällige Räuchlein des verregneten Holzes… Aber es wäre ein Rauchzeichen gewesen für den Wohlstands-Überfluss, penetrant und weitherum erkennbar, schlagzeilenträchtig und einprägsam, Sinnbild einer übersättigten Luxus-Gesellschaft. Vielleicht überlegen sich die Zünfte das für ein nächstes Mal, wer weiss.




10/4  Schoko-Boom

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:21

Ich las den Satz gestern. Eingraviert in einen Holztisch, im Aussenbereich einer Confiserie, der zu später Nachtstunde verwaist und leer war: SCHOKOLADE LÖST KEINE PROBLEME – ein Apfel übrigens auch nicht.

Ich geriet spontan ins Grübeln. Wollte das hölzerne Graffitto mit der klug gemeinten Bemerkung ergänzen: „…aber der schafft wenigstens keine neuen!“ Da ich aber keinen Kugelschreiber zur Hand hatte und inzwischen das Tram nahte, unterliess ich es.

Aber der Gedanke an die Schokolade liess mich in der Folge doch nicht mehr ganz los. Eben erst lockten an Ostern die als Eier verkleideten Lindor-Kugeln und die Hasen in allen Farbschattierungen, und stellten den theoretisch Kohlenhydrat-Abstinenten auf eine harte Probe…

Der Blick in die Statistik verblüfft: Die Schweizer Schokolade-Industrie hatte letztes Jahr ihren Umsatz um 2,7 % auf über 190’700 Tonnen gesteigert. Dabei war der Konsum im eigenen Land rückläufig: „nur“ noch 10,5 Kilo wurden pro Kopf vernascht, das sind ganze 500 Gramm pro Person weniger als im Vorjahr. Das Umsatz-Plus ist also dem Export zu verdanken: die Schweiz hat sich neue Märkte erschlossen und diese intensiv bewirtschaftet.

Auch die Schokolade-Manufaktur in Grossbritannien ist auf Expansionskurs: in den zurückliegenden acht Jahren hat sich das Volumen, das in andere Länder ausgeführt wurde, nahezu verdoppelt, nämlich um 84 %.

Was wollen uns diese Zahlen sagen? Der/die Einzelne mag bei uns zwar gesünder zu leben und die Nascherei zu zügeln versuchen, aber weltweit ist die Nachfrage nach dem Stoff, der die Dopamin-Produktion stimulieren kann, nach wie vor im Steigen begriffen. Und das ist angesichts der allgemeinen Weltlage ja eigentlich nachvollziehbar: dass es Regionen gibt, in denen das Bedürfnis nach oral induzierten Glücksgefühlen ausgeprägter ist als hierzulande.




9/4  Zahlenspielereien

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:43

Das sind die teuersten Krankheiten. Mit dieser Schlagzeile hat die „SonntagsZeitung“ gestern einen Artikel und eine Grafik (leider beide online kostenpflichtig, daher hier nicht aufschaltbar) veröffentlicht, mit einem Ranking der Kosten für die verschiedenen Krankheits-Typen. Grundlage waren Berechnungen aus dem Jahr 2011 (inzwischen haben sich die Kosten unseres Gesundheitswesens bereits wieder um 25% erhöht).

Rund die Hälfte aller nichtübertragbaren Krankheiten sind durch den individuellen Lebensstil beeinflusst: Essen, Trinken, Bewegung, Suchtverhalten. Knapp eine Milliarde kostet die Behandlung von Diabetes, zehnmal teurer kommen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu stehen. Rechnet man all jene Krankheiten zusammen auf welche insbesondere die Ernährung einen Einfluss hat, dann beläuft sich diese Summe auf nicht weniger als 27 Milliarden Franken (!!), demnach praktisch die Hälfte der gesamten Gesundheitskosten (2011 waren das 64 Milliarden).

Bei den meisten dieser Krankheiten handelt es sich um sogenannte Komorbiditäten der Adipositas, also um „Begleit-Erkrankungen“ die u.a. als Folge von Übergewicht und Adipositas auftreten können. Aber seltsamerweise ist der Befund „Adipositas“ in dieser Aufstellung gar nicht erfasst. Nun lässt sich einwenden, Adipositas sei zwar ein Problem für die Volksgesundheit und ein Risikofaktor, aber keine anerkannte „Krankheit“ im eigentlichen Sinne…

Aber dann stellt man fest, dass bei der Auflistung der Krankheitskosten auch ein Posten von 2,5 Milliarden als „Primärprävention – z.B. Kampagne gegen Unfälle im Strassenverkehr“ aufgeführt ist. Das ist ja dann auch keine Krankheit „im eigentlichen Sinne“. Und interessant: den 2,5 Milliarden für die Unfall-Prävention stehen Kosten für die Behandlung von „Verletzungen/Unfällen“ in der Höhe von 5,2 Milliarden gegenüber. Also: für die Prävention wird offenbar halb so viel aufgewendet, wie die Behandlung selber kostet!

Wenn wir das jetzt auf die Prävention der durch die Ernährung bestimmten Krankheiten umrechnen, müssten für die entsprechende Aufklärung und Information also mindestens 12 Milliarden Franken zur Verfügung stehen!

Heute wird für solche Aktivitäten bloss ein Bruchteil davon ausgegeben, genaue Zahlen sind nicht verfügbar. Im Gegenteil: es wird an allen Ecken und Enden gespart. Budgets werden gekürzt. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE, zuständig für diese landesweite neutrale Aufklärungsarbeit, muss um ihre Mittel – und ihr Überleben – kämpfen. In Sachen „Verhältnisprävention“ (Thema: Regulierung der Werbung für ungesunde Produkte, Zuckersteuer, etc.) wird das Wohl der Bürger unter dem Vorwand der Eigenverantwortung einem kurzsichtigen Profitdenken des Marktes geopfert.

Die am Sonntag publizierten Zahlen machen deutlich: Es muss nun endlich etwas geschehen, auch auf politischer Ebene. Wirkungsvolle Prävention muss finanziert werden. Mit billigen Appellen an die Selbstverantwortung des Einzelnen ist es nicht mehr getan.




6/4  Hat die Migros das wirklich nötig?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:04

Eine sehr informative Sendung am Fernsehen. Der ARD-Sender Berlin-Brandenburg (rbb) ist in seinem Gesundheitsmagazin PRAXIS der Frage nachgegangen: „Diabetes – ist Heilung möglich?“ Es handelte dabei um Diabetes Typ 2. Im Zentrum stand der Aspekt der Gewichtsreduktion: mehrere Probanden wurden dabei begleitet, wie sie mit verschiedenen Methoden – von LowCarb über Formula-Diät bis zum Magenbypass – ihr Übergewicht in den Griff bekamen. Dies ist allen mehr oder weniger gut gelungen und bei allen hat sich schon nach moderatem Gewichtsverlust der Blutzucker normalisiert, konnte die Insulin-Zugabe reduziert oder ganz eingestellt werden. Fazit: wenn mit der richtigen, dem eigenen Lebensstil entsprechenden Methode abgenommen werden kann, ist Diabetes 2 durchaus heil- bzw. vermeidbar. Eine sehenswerte Sendung.

Aber: Was hat das nun mit der Migros zu tun?

In der aktuellen Ausgabe des Migros-Magazins (mit einer 2,3-Millionen-Leserschaft) habe ich zufällig einen ganzseitigen Artikel gefunden mit dem Titel „Bei Diabetes das Herz nie vergessen„. Es handelte sich um eine Publireportage, „freundlich unterstützt“ von einem Pharma-Konzern. Also eigentlich ein Inserat. Medizinischer Kronzeuge mit einer Reihe von Zitaten ist Professor Roger Lehmann, Spezialist für Endokrinologie, Diabetologie und klinische Ernährung am Universitätsspital Zürich. Der von der Pharma gesponserte Bericht kommt – wen überrascht es? – zum Schluss, dass Diabetes mit all ihren gesundheitlichen Risiken leicht zu vermeiden sei, wenn man nur rechtzeitig die richtigen Medikamente verschreibe. – In dem ganzen seitenlangen Text kommen die Begriffe „Körpergewicht“ und „Abnehmen“ kein einziges Mal vor. Es wird beim Leser der Eindruck erweckt, gegen Diabetes würde einzig und allein die frühzeitige Einnahme der entsprechenden Medikamente helfen.

Dies ist, mit Verlaub gesagt, eine fahrlässige bis bösartige Irreführung der Leserschaft. Dass sich dazu quasi als Gütesiegel-Garantin mit ihrer Internetadresse www.sgedssed.ch die Schweizerische medizinische Fachgesellschaft der Endokrinologen und Diabetologen „missbrauchen“ lässt, ist meines Erachtens bedenklich.

Hat es die Migros wirklich nötig, das Inserate-Budget ihres Wochenmagazins mit einem gekauften Promo-Artikel aufzupeppen, der gesundheitspolitisch wichtige und hilfreiche Fakten unterschlägt bzw. ausblendet? Ich weiss: beim Orangen Riesen herrscht knallhartes Renditedenken. Vor Jahren hatte die FitnessCenter-Kette der Migros einmal eine Kooperation mit uns angestrebt. Sie erwartete von uns, dass wir Informationen und Drucksachen zum Auflegen in den Centren liefern würden. Als „geldwerte Gegenleistung“ wurde uns eine Verlinkung auf der Website der FitnessCenter angeboten, sonst nichts. Der Deal kam nicht zustande.

Traurig, aber leider wahr.




4/4  Immer wieder: Werbung begrenzen!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:46

In England wird diskutiert. Vor Jahren schon hatten ExpertInnen verlangt, dass die Werbung und das Marketing für hochkalorige, stark fett- und zuckerhaltige Lebensmittel, die sich an Kinder und Jugendliche wendet, in allen Medien eingeschränkt werde, insbesondere auch auf den Online-Portalen.

Die Regierung May hatte dann allerdings in der Gesetzesrevision von 2016 alle entsprechenden Auflagen wieder gestrichen und den ganzen Werbe- und Marketingbereich praktisch ausgeklammert, zum Leidwesen der Gesundheitsfachleute.

Nun wird gesprächsweise wieder ein neuer Anlauf genommen. Insbesondere der Blick über die Grenze – nach Norden – zeigt, dass Schottland dabei ist, neue, verschärfte Regulierungen zu entwerfen. Angesichts der Tatsache, dass heute Kinder wie Erwachsene der suggestiven Wirkung guter Werbung „schutzlos“ ausgeliefert sind, sagte ein Experte: „Man müsste direkt ein Übermensch sein, um nicht gewissen Botschaften der Werbung zu verfallen.“

Die Gesetzgebung, die 2016 in Kraft getreten ist, sei voll von Schlupflöchern, die es den Anbietern erlauben, „ungesunde“ Produkte offensiv zu vermarkten. Eine quantitative Untersuchung hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der in den Medien beworbenen Lebensmittel einen zu hohen Anteil an Fett, Zucker oder Salz enthielten. Deshalb sei es nun höchste Zeit, in einer künftigen Strategie zur Bekämpfung der Adipositas bei Kindern eine schärfere Regulierung der Werbung zu verfügen.

Ob das tatsächlich der Fall ist und wie weit dabei gegangen wird, ist im Moment noch offen, es wird gewissermassen als Staatsgeheimnis gehandelt…




3/4  …schreit Ficken!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:49

Da war es noch eine Art Provokation. Als die Comedians in der spätabendlichen TV-Unterhaltungs-Show in gängigen Begriffen die Anfangsbuchstaben austauschten, um den US-Hähnchenbrater Kentucky Fried Chicken quasi anstössig zu verballhornen. Inzwischen haben sich solche Wortspielereien auf der eher schlüpfrigen Meta-Ebene im Sprachgebrauch einigermassen assimiliert und schrecken kaum noch jemanden auf.

Desgleichen der Fastfood-Ketten-Betreiber selber. Ich erinnere mich an das monatelange „Drama“, das sich seinerzeit in Bern abgespielt hat, als der Hamburger-Shop „Wendy’s“ in das altehrwürdige Café Rudolf am Bubenbergplatz Einzug hielt, an die Protestwelle, die über die Stadt schwappte, und daran, dass man sich lange Zeit gar nicht getraute, das Lokal zu betreten, aus Angst, von jemandem erkannt und bei einem ernährungs-moralischen Fehltritt ertappt zu werden.

Anders heute. Da hält „KFC“ mit Pauken und Trompeten Einzug in Helvetien, als würden uns nun endlich die lange erwarteten Segnungen der Knusper-Hühner-Kulinarik auch erreichen und gingen alle unsere hochfliegenden Erwartungen bezüglich gehobener Esskultur endlich in Erfüllung. So intensiv ist die illustrierte Exklusiv-Berichterstattung, dass sich weitere Werbemassnahmen eigentlich erübrigen sollten.

Und was bedeutet nun die Invasion der krossen Pouletbeinchen für das Ernährungsverhalten der Eidgenossen? Schwer zu sagen. Panik ist jedenfalls kaum angezeigt, da wir noch nicht zur Weltelite der Fastfood-Verzehrer gehören. Auch ist Familie Schweizer immer noch auf einer gewissen Distanz zum klassischen Fastfood, wie eine Umfrage von „20 minuten“ zeigt: 49% der Antwortenden finden das Angebot zwar lecker, raten aber zu sparsamem Konsum, mehr als ein Drittel sagen sogar, dass sie solches Essen verabscheuen!

Wahrscheinlich wird es durch die Eröffnung der KFC-Filialen zu einem Verdrängungswettbewerb mit anderen Anbietern kommen. Und Wettbewerb soll bekanntlich gut sein für die Qualität der Produkte. Ich würde also ohne schlechtes Gewissen und ganz öffentlich mal hingehen, denn in USA habe ich diese Snacks durchaus gemocht…




29/3  152 400 Franken

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:06

Ein stolzer Betrag. Für ganze drei Zahlen: eine 9, eine 8 und eine 7. So lautet die Auto-Kontrollschild-Nummer „ZH 987“, die dieser Tage versteigert wurde und den Besitzer gewechselt hat. Für 152 400 Schweizer Franken.

Nun könnte man sagen, das geht uns nichts an, wofür irgend ein Spinner oder Sammler oder Liebhaber sein Geld ausgibt. Und wahrscheinlich gibt es dümmere Investitionen als ein dreistelliges Auto-Nummernschild.

Was mich aber in diesem Fall beim Lesen irgendwie ganz merkwürdig berührt hat, das ist die Tatsache, dass dieser Betrag von etwas mehr als 150 000 Franken ziemlich genau dem Jahresbudget unserer Stiftung entspricht! Da rackern wir uns zwölf Monate lang mit Fundraising ab, beknien Spenderinnen und Gönner, suchen Partnerschaften, reichen Gesuche um Unterstützung ein, erarbeiten Konzepte und verkaufen Werbung, nur um uns mit hängender Zunge und dank viel freiwilliger Fronarbeit am Jahresende knapp über die Zielgerade schleppen zu können, ungewiss, ob wir es nächstes Jahr auch wieder schaffen… Und irgend ein neu- oder altreicher Protz legt diese ganze Summe mit einem einzigen Schwung auf den Tisch, für ein bedrucktes und gestanztes Stück Blech mit drei Ziffern, zwei Buchstaben und zwei Wappen drauf!

Irgendwie kommt das Gefühl auf, da stimmen die Relationen nicht mehr ganz. – Wir haben jetzt übrigens auch eine Möglichkeit für Online-Spenden. Danke.




26/3  Aus die Maus…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:02

Es war als Schock gemeint. Wie so oft, wenn die Sonntagspresse tief in die Tasten greift und ein kleines Teilphänomen zum vermeintlichen Scoop aufplustert: so diesmal mit der Aussage, es gäbe gar keine „gesunden Dicken“. (Der Artikel in der SonntagsZeitung ist online kostenpflichtig, aber seine wissenschaftliche Quelle ist es nicht.)

Lange haben die sogenannten „gesunden Dicken“, die zwar übergewichtig sind, aber (noch) nicht alle Symptome des metabolischen Syndroms aufweisen, den Gesundheitsexperten am rechten Politrand dazu gedient, jede Massnahme zur Adipositas-Prävention zu bekämpfen und den Handlungsbedarf zu leugnen, indem die Stimmen der Warner als hysterischer Hype abgetan wurden. Ich erinnere mich an einen höhnischen Artikel in der Blocherschen Wochenpostille mit dem Blauen Titel, in dem mit den besorgten Ärzten zynisch abgerechnet wurde – auf dem Buckel der Betroffenen.

Dann belegten flächendeckende Analysen, dass die gesundheitlichen Vorteile von „etwas mehr Pfunden auf den Rippen“ eben doch nur vermeintlich vorhanden waren, weitgehend bedingt durch die besondere Anlage der jeweiligen Studien und durch die Zusammensetzung des Probandengutes.

Denn diese Studien hatten ausser Acht gelassen, dass Adipositas ein extrem komplexer Befund ist und die Krankheit nach ganz individuellen Kriterien verläuft, sich daher nicht über einen Kamm scheren lässt, und dass dabei gewisse Begleiterkrankungen auch erst später noch auftreten können, dass sie aber, im Blick auf die gesamte Lebensdauer, letztlich unausweichlich sind und dass jedes überflüssige Kilo die Lebenserwartung verkürzen kann.

Nun fehlt den Eigenverantwortungs-Propheten und wackeren Kämpfern gegen jede Art von präventiver Regulierung plötzlich ein gewichtiges Argument. Ich bin ja gespannt, was sie als nächstes ersatzweise aus der Rumpelkammer ihrer Vorurteile holen werden…




20/3  Jugend schützen!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:51

Das Wohl unserer Nachkommen liegt uns am Herzen. Mit deren Schutz ist es aber so eine Sache. Sind Kinder und Jugendliche ein Teil des Marktes, den es zu erobern gilt um Absatz und Profit zu maximieren, dann sind sie den raffinierten Schalmeienklängen der Marketing-Schlangenfänger oft schutzlos ausgesetzt. Das haben wir vor einiger Zeit erfahren müssen, als der Versuch einiger Gesundheitsorganisationen, die Kids vor Werbebotschaften im Internet und auf Game-Seiten für extrem zuckerhaltige Schleckereien zu bewahren, in den eidgenössischen Räten und ihren vorberatenden Kommissionen chancenlos war und abgeschmettert wurden.

Zu effizient funktionierten die Lobbies der Süsswarenfabrikanten. Ähnlich erging es auch vergleichbaren Bestrebungen zu einer entsprechenden Anpassung des Tabakproduktegesetzes, die am Widerstand der lobbyierenden Volksvertreter gescheitert ist.

Nun werden die Kinderschützer selber aktiv und lancieren eine Volksinitiative, mit der sie Kinder und Jugendliche vor jeglicher Tabakwerbung bewahren wollen. Das Thema hat zwar nicht direkt mit unserer eigenen Thematik zu tun – es sei denn, man unterstelle, dass Jugendliche, die früh mit Rauchen beginnen, später eher dazu tendieren, Gewicht zuzulegen, wenn sie sich das Rauchen wieder abgewöhnen (müssen).

Darum hier der Link zur Unterschriftensammlung, die ich allen persönlich ans Herz legen möchte.