26/9  Wieder mal fliegen…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:01

Seit Jahren bin ich nicht mehr in einem Flugzeug gesessen. Innerhalb von Europa habe ich mich nur noch per Auto oder Eisenbahn bewegt, da mir die Benützung von Flugzeugen mit meinen 180 Kilo zunehmend unbequem ja sogar lästig wurde. Nicht nur die unendlichen Distanzen, die es in den Flughäfen zu überwinden galt, wenn man sich mit schmerzenden Gelenken und an Gehhilfen humpelnd durch die mondänen Hallen der zeitgemässen Nomaden quälen musste oder wenn es galt, unter Aufbietung der letzten Kräfte über den Gateway zu hasten. Kam dann dazu, dass ich mich kaum in den Sitz quetschen konnte, selbst bei hochgeklappter Armlehne, was mir jeweils missmutiges Grunzen und abschätzige Blicke meiner Platznachbarn eintrug… zum Glück konnte ich zuletzt an verschiedene Fachkongresse gemeinsam mit anderen Kollegen reisen, die nicht nur von kleinerer und schmalerer Statur waren sondern darüber hinaus als Adipositas-Spezialisten auch Verständnis für meine Situation aurfbringen mussten.

Und dann war da noch die Sache mit der Beinfreiheit: meine Kniescheiben verkeilten sich jeweils in der Stuhllehne des Vordermanns und wenn dieser sich zum Schlafen nach hinten klickte, hatte ich das Gefühl, meine Knochen splittern zu hören. Und wenn man das im Vordersitz eingebaute Tablett nicht herunter klappen kann, weil die Bauchtrommel zu mächtig ist, vergeht einem jede Lust aufs Essen… Das mit dem Verlängerungsgurt allerdings war mir nicht peinlich, nach dem musste ich nie fragen, den brachten die Flight Attendants von sich aus, wenn sie mich sahen. Es gab auch Flugbegleiterinnen mit einem guten Herz. Bei einem Trip mit KLM bot man mir spontan eine leere Sitzreihe an, auf der ich querbeet halb sitzen, halb liegen konnte…

All diese Reminiszenzen stiegen in mir hoch, als ich kürzlich den Bericht las über einen Anwalt, der eine Fluggesellschaft verklagte, weil er neben einem zu dicken Mitreisenden sitzen musste. Ich will hier nicht über Diskriminierung jammern… früher konnte man ja beim Einchecken auf das Problem hinweisen und einen speziellen Platzierungswunsch anmelden. Heute geht das mit dem „Self-Check-In“ nicht mehr so einfach und viele Flüge sind so überbucht, dass kein Spielraum für Umplatzierungen bleibt.

Aber seit ich 73 Kilo leichter bin und keine Probleme mehr habe mit zu schmalen Sitzen und auch das Tablett locker herunter klappen könnte, und vor allem seit ich mühelos auch grössere Strecken zurücklegen kann, befällt mich der Wunsch, es wieder einmal mit einem Flug zu versuchen, das neue Gefühl der Unbeengtheit auszukosten und es zu geniessen, ein stinknormaler Passagier zu sein, ohne jeden Sonderwunsch und ohne dass ein Mitreisender sich bedrängt fühlt…

Nur die Beine sind leider nicht kürzer geworden.




21/9  Krankenkassen-Telefon

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:25

Die Dame am anderen Ende der Leitung sprach gebrochen Deutsch. Sie begann die Unterhaltung mit einer unverfänglichen Einleitung: ob ich kürzlich auch einen Brief von meiner Krankenkasse erhalten hätte, in welchem diese mir mitteilte, dass die Prämien nächstes Jahr wieder steigen würden, wollte sie wissen.

Ich sagte: Ja, ich habe tatsächlich eine Mitteilung meiner Krankenkasse erhalten, aber darin informierte sie mich darüber, dass sie mir eine ansehnliche Summe rückerstatte für eine insgesamt kostspielige Therapie… Deshalb sei ich meiner Kasse sehr dankbar und ich würde nicht im Traum daran denken, sie je zu wechseln.

Die Dame in der Leitung war jetzt kurz angebunden. Sie sind in Behandlung? fragte sie. Und: Dann sind sie für uns nicht interessant. Damit hängte sie wortlos auf.

Offenbar bin ich da auf einen praktischen Trick gestossen, wie man sich schmerzlos vor der permanenten Belästigung durch Krankenkassen-Callcenter-Anrufe schützen kann.

Dabei habe ich nicht mal geflunkert: die Kasse hatte mir tatsächlich unlängst mitgeteilt, dass sie die Kosten für die Akupunktur-Sessionen im Zusammenhang mit meinem Gewichtsreduktionsprogramm übernehme. Etwas, worauf ich eigentlich fast nicht zu hoffen gewagt hatte, da ich keine Zusatzversicherung für Alternativmedizin habe. Aber es hatte sich doch gelohnt, die aufgelaufenen Rechnungen einzuschicken, begleitet von einem freundlichen Schreiben, in dem ich darlegte, dass der Gewichtsverlust von inzwischen 73 Kilo sich auch auf die künftigen Leistungen auswirken würde, indem ich bereits jetzt meine Medikation deutlich reduzieren konnte und indem dadurch weitere, grössere Interventionen vermieden würden, wie eine zweite Knie-Operation, allenfalls ein weiterer Infarkt oder eine spätere Erkrankung an Diabetes Typ 2…

Danke, liebe KPT!




20/9  Doch keine Verschwörung?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:51

Ich weiss noch gut. Es war Ende der Neunzigerjahre und der Adipositas-Spezialist, den ich mit meinen damals 165 Kilo Lebendgewicht aufgesucht hatte, empfahl mir dringend, weniger Fett zu essen. Kohlenhydrate könnte ich bedenkenlos zu mir nehmen, ohne auf die Menge zu achten, denn die würden vorneweg verbrannt und könnten sich nicht im Körper als unverbrauchte Fettreserve einlagern.

Inzwischen hat sich der momentane Stand des Irrtums – genannt Wissen – merklich verändert: Fett ist aus der Schmuddelecke zurück gekehrt in den Kreis der reputierlichen Nährstoffe, dafür sind die Kohlenhydrate – allen voran der Zucker, im Übermass genossen – ins Fadenkreuz der Anklage geraten: gut 160 Gramm Zucker verzehren wir täglich, bewusst und unbewusst, während die Weltgesundheitsorganisation WHO dringend rät, den Tageskonsum auf maximal 25 Gramm zu beschränken.

Und der Zucker ist als der Übeltäter entlarvt, der die Aufpolsterung der Fettzellen anregt und befördert.

Vor wenigen Tagen erregte eine Publikation weltweit Aufsehen, in der dargelegt wurde, wie die Zucker-Industrie schon in den Sechzigerjahren die öffentliche Meinung mit „gekauften“ wissenschaftlichen Studien beeinflusst habe, dass kein Zusammenhang nachzuweisen sei zwischen Zuckerverzehr und Gesundheitsrisiken, insbesondere Herz-Kreislauf-Beschwerden. Das Fett wurde an den Pranger gestellt. Inzwischen hat sich eine „Ernährung mit weniger Kohlenhdraten“ auf breiter Basis in den Empfehlungen zur Gewichtsreduktion etabliert, von LowCarb über Paleo bis zur ketogenen Diät…

Aber schon kommt wieder eine Gegendarstellung: die Beschuldigungen gegenüber der Zucker-Industrie und insbesondere der Vorwurf der Bestechlichkeit an namhafte Wissenschafter (die inzwischen notabene verstorben sind) entsprängen einem zwanghaften Vorurteil der Verfasser des entsprechenden Berichts, sie seien der Versuch, die amerikanische Ernährungsgeschichte rückwirkend „neu zu schreiben“ und die Faktenlage dazu sei extrem dürftig, denn die Zucker-Leute hätten damals lediglich eine Meta-Analyse der bereits vorhandenen Studien in Auftrag gegeben. Was dabei resultiert habe, reflektiere nichts weiter als den damaligen Stand des allgemeinen Wissens und sei mitnichten eine willkürliche Verfälschung wissenschaftlicher Erkenntnisse gewesen, wie nun im Nachhinein unterstellt werde… Von der behaupteten „Verschwörung“ könne keine Rede sein.

Wie auch immer: die Forschung geht weiter und es bringt nichts, an vergangenen Irrtümern und deren Ursachen oder Auswirkungen herum zu deuteln. Entscheidend ist, dass wir aus den gemachten Erfahrungen die richtigen Schlüsse ziehen und offen bleiben für neue Erkenntnisse, die hilfreich sein können. Auch mein damaliger Spezialist hat inzwischen dazugelernt.




15/9  Ampel-Zoff

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:08

Rot-Orange-Grün. Die Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. So auch vorgestern bei der Präsentation der Studie „Monitor Ernährung und Bewegung 2016“. Demnach gaben 75% der Befragten an, sich regelmässig oder gelegentlich anhand der Lebensmittel-Deklaration auf der Verpackung über den spezifischen Inhalt eines Produktes zu informieren. Das ist ein erfreulicher Wert, der sich von früheren Befunden abhebt, wonach nur eine Minderheit diese Informationen beachten würde. Die permanente mediale Aufklärungsarbeit bewirkt am Ende doch etwas.

Zudem gaben 59% der Befragten an, sie würden die Einführung einer Ampel-Kennzeichnung begrüssen.

Bezüglich der Ampel hat England eine Vorreiter-Rolle übernommen. Dort wurde 2013 nach jahrelanger Diskussion eine Kombination aus Ampel und der Tagesbedarfs-Angabe eingeführt: ausgewiesen werden die vier Nährstoffe Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz; die Ampel-Farben stehen für hoch, mittel und tief, dazu kommen die effektiven Anteile pro 100 Gramm, in Relation zur empfohlenen Tagesdosis. So hat ein bestimmtes Produkt nicht nur eine einzige Farbe, sondern der Konsument erhält einen Überblick über die einzelnen Anteile und kann selber beurteilen, was er für zuträglich hält und was nicht.

Diese Lösung ist pragmatisch, hat aber innerhalb der EU zu Protesten geführt von Ländern (wie Italien), deren Lebensmittel-Produktion sich traditionell eher im rot-orangen Bereich abspielt… Aufgrund zahlreicher Interventionen hat die EU-Kommission nun zugesagt, sie wolle im Dezember 2016 einen Bericht vorlegen über die Auswirkungen dieser Kennzeichnung auf das Konsumverhalten. In einzelnen Fallstudien war ein Rückgang beim Umsatz der rot-orangen Produkte um 8 bis 14 Prozent festgestellt worden.

Auf diesen Bericht darf man gespannt sein. Er wird etwas aussagen darüber, ob und wie die Konsumenten sich in ihrem Kaufverhalten durch eine plakative und leicht verständliche Kennzeichnung beeinflussen lassen. – Welche Konsequenzen die EU insgesamt dann aus den Befunden ziehen wird, ist offen. In England rechnet man damit, dass aus Rücksicht auf den Markt die Ampel-Lösung unter Druck geraten könnte. Man freut sich deshalb über den Brexit-Entscheid, der es erlauben würde, einen „schärferen“, unabhängigen Kurs zu fahren. – Und was ist/wäre mit der Schweiz??




14/9  Das Volk befragen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:41

Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast. Ein geläufiges Bonmot, um sich vor unbequemen Resultaten zu schützen, wenn es darum geht, Fakten durch Befragung und Analyse zu erheben. Aber natürlich ein Schlag in die Magengrube der professionellen Demoskopen, die ihr Geschäft seriös, nach bestem Wissen und Gewissen und mit fachlich gestützten Methoden betreiben.

Und doch kann man dann das Resultat, wenn es vorliegt, durchaus nach seiner eigenen Optik interpretieren und darstellen. Aber was unter dem Strich zählt, das sind die Fakten.

Gestern wurden die Resultate einer gfs-Studie zur Einstellung der Schweizer Bevölkerung gegenüber „Ernährung und Bewegung“ im Kontext des gesundheitlichen Wohlbefindens (sprich: Übergewicht und Folgekrankheiten) präsentiert. Auftraggeber der Analyse ist die Interessengemeinschaft Erfrischungsgetränke, ein Zusammenschluss der Mineralwasser- und Süssgetränke-Hersteller in der Schweiz.

Die Kernbotschaften, die aus den ermittelten Werten abgeleitet werden, sind plakativ:

  • „80% der Schweizerinnen und Schweizer sagen, dass das Ernährungsverhalten mit Information und Aufklärung statt über Steuern und Gesetze beeinflusst werden soll.“
  • 76% der Schweizerinnen und Schweizer sagen, dass Eigenverantwortung bei der Bekämpfung von Übergewicht wichtiger ist als staatliche Massnahmen.“

Das sind doch mal eindeutige Aussagen einer qualifizierten Volksmehrheit! Also hört endlich auf mit den nervenden Forderungen nach Fett- oder Zuckersteuern (in diesem Fall geht es nur um den Zucker) und mit dem ständigen Wunsch nach Gängelung und Bevormundung des Bürgers! Überlasst ihm doch den Entscheid für sein „richtiges“ Verhalten und verzichtet auf den besserwisserischen Ruf nach Regulierung der Prävention!

Aber das wird so explizit natürlich nicht gesagt. Die Präsentation vor den IG-Mitgliedern, geladenen ParlamentarierInnen und den Vertretern der „anderen Seite“ (SAPS und Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE) war sehr angenehm, freundschaftlich und offen für den Dialog, denn wir wollen ja alle das Gleiche: eine möglichst gesunde „Kundschaft“.

Wenn ich aber die Resultate der Befragung durch „unsere“ Brille betrachte, kommen mir einige Vorbehalte. Das beginnt schon bei der Fragestellung, mit der die Probanden konfrontiert wurden: zuerst mussten sie sich zwischen zwei Alternativen entscheiden und angeben, was ihnen „lieber“ ist: „staatliche Massnahmen“ oder „Eigenverantwortung der Konsumenten“; „Information und Aufklärung“ oder „Steuern und Gesetze“; „preiswerte Lebensmittel“ oder „qualitativ hochwertige Lebensmittel“; „lust- und genussvoll“ oder „bewusst und gesundheitsorientiert“?

Bei näherem Bedenken komme ich zum Schluss, dass es sich im Grunde gar nicht um „Gegensätze“ handelt, nicht um ein klares „Entweder-Oder“, sondern in allen Punkten gibt es eher ein „Sowohl-als-auch“! Es liegt auf der Hand, dass auch bei einer staatlichen Regulierung den KonsumentInnen ein breiter Spielraum für eigenverantwortliches Verhalten bleibt, dass die Erhebung von zweckgebundenen Steuern durchaus der Finanzierung von Information und Aufklärung zugute kommen kann, dass auch preiswerte Lebensmittel qualitativ hochwertig sein sollten und dass eine bewusste und gesundheitsorientierte Ernährung weder Genuss noch Lust ausschliessen muss…

Es lohnt sich, auch die übrigen Ergebnisse der Studie auch unter diesem Blickwinkel zu würdigen. Dann steht einer gemeinsamen Suche nach der optimalen Strategie, welche sich nicht mit aktuellen Tagesresultaten zufrieden gibt, sondern im Interesse des Gemeinwohls in die Zukunft blickt, nichts im Weg. Wir vertrauen auf den Commonsense der ParlamentarierInnen und auf die Verantwortung der Produzenten. Gemeinsam können wir einen Beitrag leisten zur Linderung eines drückenden Gesundheitsproblems.




9/9  Letzte Gelegenheit

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:16

Vielleicht hätten wir daran denken sollen. Das Thema, das wir für unsere diesjährige Informations-Veranstaltung gewählt haben, spricht offenbar keine breite Masse, sondern einen engeren Kreis direkt Betroffener an. Hochkarätige Referenten stehen auf dem Programm. Es geht um die Frage, wie und was man essen kann und soll, nachdem man sich operativ den Magen hat verkleinern lassen, sei es durch einen Magen-Bypass oder durch einen Sleeve (Schlauchmagen).

Dabei ist das Thema auch äusserst relevant für alle, die sich mit dem Gedanken befassen, sich einer solchen Operation zu unterziehen, nachdem alle anderen Versuche, Gewicht zu reduzieren, bisher ohne dauerhaften Erfolg geblieben sind.

Darüber hinaus bietet sich die Gelegenheit, interessante Möglichkeiten zur körperlichen Bewegung kennen zu lernen. Weitere Info-Stände orientieren über unterstützende Angebote und im persönlichen Gespräch mit den Referenten können all jene Fragen gestellt werden, auf die man bisher noch keine Antwort erhalten hat…

Auch für Fachpersonal ist der Anlass im Sinne der permanenten Weiterbildung eine Quelle zur Vertiefung des eigenen Wissens.

Zudem besteht die Mögliochkeit, während der Pause die speziell für extraschwere Adiposits-PatientInnen entwickelten Fahrzeuge der Firma Kyburz in einem Fahrtest auszuprobieren.

Noch hat es freie Plätze. Spätentschlossene sind herzlich willkommen, morgen einrfach in Zürich-Seebach aufzutauchen, der Wunsch nach vorgängiger Anmeldung ist hiermit aufgehoben. – Weitere Informationen zum Anlass findet man hier.




8/9  Ein Silberstreif?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:23

Es kommt von Amerika. Das Gute wie das Schlechte. Das meiste zumindest, das unseren modernen Lebensstil prägt. Da mag es tröstlich sein, dass für einmal etwas frohere Kunde kommt:

Eine landesweite Erhebung der Adipositas-Statistik in allen Bundesstaaten hat erstmals einen Rückgang der Adipositas-Prävalenz in vier Staaten aufgezeigt. Es ist noch keine massive „Wende“, aber doch eine Stagnation. Allerdings – beklagen die Experten – auf „bedenklich hohem Niveau“.

1991 wies noch kein einziger US-Bundesstaat einen Adipositas-Anteil in der Bevölkerung auf, der über 20% gelegen hätte. – Bei der jüngsten Erhebung von 2015 lagen sämtliche Staaten darüber, einige sogar über 30% (zum Vergleich: in der Schweiz betrug der Anteil von erwachsenen Adipositas-Patienten bei der letzten Erfassung 10%).

An der Spitze steht Lousiana (mit 36,2%), gefolgt von Alabama, Mississippi und West Virginia (mit je 35,6%). – Zurückgegangen ist die Quote in den vier Staaten Minnesota (26,1%), Montana (23,6%), New York (25%) und Ohio (29,8%). Die einzelnen Bevölkerungsgruppen sind – je nach Ethnie – unterschiedlich betroffen, am „schwersten“ sind die „non-Hispanic Blacks“, sie haben im Schnitt einen BMI von 38,1. – Bei den Kindern und Jugendlichen (zwischen 2 und 19 Jahren) ist der Anteil, der bereits adipös ist, auf durchschnittlich 17% zurückgegangen; auch die Kids zwischen 2 und 5 Jahren sind etwas leichter geworden.

Worauf ist dieser Erfolg zurückzuführen? Das wird illustriert am Beispiel von Minnesota: dort hat man die Bewegungs-Angebote für Jugendliche massiv verbessert, hat eine gesundheitsförderliche Verpflegung und entsprechende Eltern-Beratung eingeführt, die Gestaltung „sicherer“ Schulwege hat dazu geführt, dass innerhalb eines Jahres 40% mehr der Schüler zu Fuss oder per Velo zum Unterricht kamen. Dank dieser Massnahmen hat sich der Anteil von adipösen Zwölfjährigen von 17% auf 14% reduziert.

Die Forscher kommen zum Schluss: man KANN etwas gegen das weitere Ansteigen der Adipositas-Epidemie tun, aber es braucht die konzentrierte Anstrengung aller involvierter Kreise, des Gesetzgebers, der Ärzteschaft, der Schule und der Lebensmittelindustrie. Und dann haben die Leute noch nicht abgenommen, sie sind nur nicht mehr dicker geworden… und viele der gesundheitlichen Probleme bleiben.




7/9  Fleischgelüste

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:49

Weiter geht es mit der Nahrung. Dass „rotes“ Fleisch das Risiko erhöhen könnte, an gewissen Krebsarten zu erkranken, hat die Öffentlichkeit und die Gemeinschaft der Carnivoren in Aufregung versetzt. Doch der Konsum an Muskelfasern verstorbener Tiere ist deswegen nicht etwa zurückgegangen. Auch ich gehöre zur Kategorie der regelmässigen Fleischfresser, schreibt mir doch die ketogene Ernährung mit ihrem konsequenten Verzicht auf Kohlenhydrate geradezu eine tägliche Aufnahme tierischen Eiweisses vor, bei der überdies Milchprodukte und Hühnereier verboten sind…

80 Kilo pro Kopf werden in Deutschland verputzt, 50 sind es in der Schweiz. Was bedeutet die Fleischproduktion weltweit für die Ökologie unseres Planeten? Wo liegen allfällige gesundheitliche Risiken bei der heutigen Form der Fleisch-Erzeugung? Wie sieht die Zukunft aus, wenn man davon ausgeht, dass es sage und schreibe dreieinhalb „Erden“ brauchen würde, um genug Weideland bereitszustellen, wenn die gesamte Weltbevölkerung so viel Fleisch essen wollte wie wir…

Auf diese und weitere Fragen hat eine eindrückliche Dokumentation in der ZDF-Reihe „Leschs KOSMOS“ Auskunft gegeben. Ohne Mahnfinger, sachlich und informativ. In einer schriftlichen Zusammenfassung werden die Hintergründe und Fakten aufgelistet, die im Zusammenhang mit dem Verzehr von Fleisch jeder Art zu bedenken sind. Wägt man all diese Informationen sorgsam ab, stellt sich die Frage, was wohl „Beilage“ sei und was nicht, auf eine neue Art.

Einleuchtendes Fazit: Fleisch ist ein zu wertvolles Nahrungsmittel, als dass man es zu Billigstpreisen zu erstehen suchen sollte. In verantwortungsvollem Mass genossen stellt es eine kulinarische Bereicherung unseres Speisezettels dar, aber gleichzeitig müssen wir nach umweltverträglichen Alternativen Ausschau halten, um den Eiweissbedarf der künftigen Erdbewohner zu decken, und um gleichzeitig auch das Tier als Lebewesen zu respektieren, zu dem viele von uns keine echte Beziehung mehr haben.




6/9  Total versüsst

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:15

Sie reissen nicht ab. Das ist gut so. Die Berichte, Diskussionen und Dokumentationen rund um die Thematik des überhöhten Zuckerkonsums. Und immer mehr setzt sich die Erkenntnis in unserm Bewusstsein fest, dass es schädlich und der Gesundheit abträglich ist, zuviel von dem Stoff zu sich zu nehmen.

Was einst eine willkommene und überlebenswichtige Bereicherung des öden Speiseplans unserer frühzeitlichen Vorfahren gewesen ist, wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu einer unheilvollen Plage, die unser gesamtes Angebot an Nahrungsmitteln zu verseuchen droht. Aber weil es so „gut“ schmeckt und in den Belohnungszentren unseres Gehirns ganze Stürme von Wohlgefühl auslöst, die uns sonst nur von härteren Drogen beschert werden, wehren wir uns nicht dagegen. Im Gegenteil: wir geraten in eine richtiggehende Abhängigkeit, sprechen wie Süchtige unbewusst darauf an, verlangen nach mehr, nach höheren Dosen – und die werden uns auch prompt geboten.

Heute war ich im Aldi, um mir einen Mittags-Snack zu posten. Da kam ich an einem Gestell vorbei, in dem die ganze Zucker-und-Fettwaren-Fabrik in Maxi-Paketen aufgestapelt war: die „Kinder“-Produkte, die ich früher selber von Zeit zu Zeit gerne genascht habe, die „Buenos“ (die in der TV-Werbung immer am falschen Ort brechen), die „Milchschnitten“, die „Happy Hippos“, die „Country-“ und die „Kinder-Riegel“, die „Schoko Bons“… alle in grosse Packungen abgefüllt, zu einem Spottpreis von unter zehn Franken, nur darauf wartend, von liebenden Eltern mitgenommen und an die süssen Kleinen verfüttert zu werden, wie die TV-Werbung es den Müttern immer wieder einschalmeit: „Wir Mamis wissen, wie wichtig eine feine Zwischenmahlzeit für unsere Kleinen ist!“

Und das ist nur eines von zahllosen Beispielen. – Aufklärung ist daher wichtig. So wie es die ARD unlängst in einem Themenabend getan hat, mit einem „Lebensmittel-Check“ von Starkoch Tim Mälzer und einer anschliessenden Diskussion in „Hart aber fair“. Hintergrund-Informationen dazu und die wichtigsten Links wurden in einem Bericht auf der News-Plattform INFOsperber aufgearbeitet. Pflichtlektüre für alle, denen eine gesunde Lebenswseise wichtig ist!




31/8  Krebsrisiko erhöht

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:18

Eigentlich gehört es zum Basiswissen. Adipositas kann eine der Ursachen für verschiedene Krebsarten sein. Dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen einem Übermass an (Bauch-)Fett und bestimmten Krebs-Erkrankungen, das ist evident. Eine breit angelegte WHO-Studie, sowohl aufgrund vorhandener Untersuchungen wie auch auf der Basis von konkreten Experimenten, kürzlich im New England Journal of Medicine publiziert, kommt nun zum Schluss, dass weit mehr Krebs-Arten als bisher angenommen in einem direkten Zusammenhang mit der Krankheit Adipositas stehen bzw. durch diese ausgelöst oder begünstigt werden.

Der Katalog ist beeindruckend und beängstigend zugleich: als Folge von Übergewicht und Adipositas besteht ein signifikant erhöhtes Krebsrisiko für den Magen/Darm-Trakt, die Leber, die Gallenblase, die Bauchspeicheldrüse, die Eierstöcke, die Schilddrüse, das Gehirn und auch Blut-Krebs-Arten… nach der Menopause kommen bei den Frauen auch Gebärmutter- und Brustkrebs dazu, bei Männern der Prostatakrebs.

Je länge eine Person an Übergewicht/Adipositas leidet, umso höher ist das Risiko, deshalb wird empfohlen, so früh wie möglich etwas gegen eine exzessive Gewichtszunahme zu unternehmen. Da aber der Trend zu Übergewicht weltweit noch immer im Steigen begriffen ist, muss in Zukunft auch mit weltweit erhöhten Krebs-Raten gerechnet werden. Es besteht also ein gemeinsames Interesse – etwa zwischen der Adipositas-Stiftung und der Krebsliga -, in dieser Frage die vorhandenen Kräfte möglichst zu bündeln, um auf allenen Ebenen und mit allen Mitteln einer weiteren Ausbreitung der Adipositas entgegen zu wirken.

Schade, dass die Wissenschafter in ihrem analytischen Überblick lediglich auf die Formel „weniger essen – mehr bewegen“ zurückgreifen… würde diese nämlich effektiv genügen, wären längst alle Leute svelt und schlank… Leider ist die Welt komplizierter.