19/5  Endlich krank!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:58

Es ist absurd. Alle wollen gesund sein. Und dann gibt es Leute, die nichts sehnlicher wünschen, als dass sie endlich als „Kranke“ akzeptiert werden.

Der Welt-Adipositas-Verband – World Obesity Federation WOF – ruft die Patientenorganisationen und die Regierungen aller Länder auf, sich dafür einzusetzen, dass endlich die Adipositas als eigenständige Krankheit anerkannt wird und entsprechend auch die erforderlichen Massnahmen ergriffen und finanziert werden können, um im Sinne der Prävention und der Behandlung der Betroffenen effizient zu handeln.

Von einer solchen „Anerkennung“ verspricht sich die WOF einen „Schneeball-Effekt“, der auch zu einem Umdenken in der öffentlichen Wahrnehmung der Adipositas- und Übergewichts-Problematik führen müsste. Vor allem würde die Anerkennung der medizinischen und gesellschaftlichen Komplexität und Multi-Kausalität die einzelnen Betroffenen entlasten vom Stigma, in den Augen der Öffentlichkeit ausschliesslich „selber Schuld“ zu sein. Dazu brauchte es einen enormen Effort an Aufklärung.

In die gleiche Richtung zielt auch der Aufruf der Organisatoren zum diesjährigen Europäischen Adipositas-Tag am morgigen 20. Mai 2017: die Regierungen der europäischen Länder (und dazu gehört die Schweiz, auch wenn sie nicht Mitglied ist) sollen alles unternehmen, was in ihrer Macht steht, um die Bedingungen für Prävention und Behandlung der Adipositas zu verbessern.

Vieles wird schon getan. Manches ist noch zu tun. Wir bleiben dran.




18/5  Abnehmen im Süden

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:53

Vor einiger Zeit wurde ich nach Lugano eingeladen. Für ein Interview mit der „auflagenstärksten Zeitung“ der italienischsprachigen Schweiz, dem Corriere del Ticino. Die Redaktion interessierte sich nicht nur dafür, wie ich es geschafft hatte, so viel abzunehmen, sie wollte auch wissen, wie unsere Stiftung funktioniert, welche Leistungen wir anbieten und wo wir Ansätze für Lösungen sehen.

Es war ein intensives Gespräch und die Journalistin hat es sehr anteilnehmend und überaus korrekt wiedergegeben, beim obligaten Gegenlesen gab es nichts zu meckern und nicht zu korrigieren. Grazie tante!

Das Interview ist dieser Tage erschienen und ich habe bereits einige positive Rückmeldungen erhalten, die mir zeigen, dass der Informationsbedarf überall gross ist, unabhängig von der Sprache, denn die Probleme und die Betroffenheit sind überall die gleichen. – Hier geht es zum Artikel.




17/5  Your Heart Will Go On…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:18

Hoffentlich kein schlechtes Omen. Der Welthit von Celine Dion auf dem Luxusdampfer, kurz bevor er in den eiskalten Fluten untergeht – und doch ein unverbrüchliches Zeugnis ewiger Verbundenheit über alle Katastrophen und jedes Elend hinweg, kitschtriefend und dennoch immer wieder ergreifend hühnerhäutlich.

Diese Melodie ist mir jedenfalls durch den Kopf gegangen, als ich mit federnden Schritten heute aus dem Herzzentrum zurück an den Schreibtisch gegangen bin. Nachdem nun fast 80 Kilo weg sind ging es darum, in einem Herz-Check mit Ultraschall und Belastungs-EKG herauszufinden, wie mein Herz mit der „neuen“ Situation zurecht kommt.

Ein halbes Jahrhundert lang musste es mein Blut durch einen viel zu schweren Körper pumpen, war mit Medikamenten in die Schranken gewiesen wurden, um keinen Überdruck zu erzeugen, hatte Gewaltsbelastungen zu bewältigen, wenn ich im Bahnhof eine Treppe hochkeuchte und anschliessend minutenlang versuchen musste, wieder zu Atem zu kommen.

Und plötzlich ist die Last (oder zumindest der grösste Teil davon) weg… – Wie geht es dabei dem Lebensmuskel, der vor nunmehr zehn Jahren schon mal einen bösen Schlag abbekommen hatte in Form eines unerwarteten Infarkts?

Um es kurz zu sagen: es geht ihm blendend, meint der Spezialist, nachdem er mich von allen Seiten mit Schallwellen durchleuchtet hat und nachdem ich – irgendwie mühelos – meinen Parcours auf dem Laufband absolviert hatte, voll verkabelt, immer steiler ansteigend, so dass ich zuletzt meinte, es gehe senkrecht die Wand hinauf…

Das Herz ist heute kleiner als es vor acht Jahren war, bei der ersten Untersuchung nach dem Infarkt. Ein gutes Zeichen sei das. Auch die Medikamente können weiter reduziert werden, auf dem Weg zurück zur Normalität. Mein Herz sei wieder so gut, wie es nur sein kann. Das ist eine gute Botschaft. Aber vielleicht schadet es nichts, den Untergang trotzdem vor dem inneren Auge zu behalten: als Möglichkeit eines unvorhergesehenen Ausgangs, um nicht übermütig zu werden, in jeder Hinsicht.

Das Herz geht weiter. Und das Abnehmen auch.




15/5  Es wirkt offenbar

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:14

Neues von der Front der Zuckersteuer. Eine Studie über die Auswirkungen der Süssgetränke-Steuer, die in der amerikanischen Stadt Berkeley eingeführt wurde, besagt, dass der Verkauf von gezuckerten Limonaden seitdem um 9,6 Prozent zurückgegangen ist, während in der gleichen Zeit der Absatz von Mineralwasser um ganze 15,6 Prozent zugenommen hat.

Die verantwortliche Behörde reagiert begeistert und lobt das Ergebnis als grossen Fortschritt im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung. Man erhofft sich davon eine Signalwirkung für andere Kommunen und Länder. Zudem spült die Steuer zusätzliche Finanzmittel in die Kassen der Stadt, die nun gezielt für Gesundheitsprojekte verwendet werden können.

Angesichts dieser Euphorie der Steuer-Befürworter sei es nicht verwunderlich, dass die Süssgetränke-Hersteller vehement dagegen halten, schreibt die Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestlé in ihrem Blog. Diese hätten ausgerechnet, dass der Rückgang der Getränke-Verkäufe gerade mal einen Verzicht von 6,4 Kalorien pro Tag und pro Kopf der Bevölkerung ausmache. Überdies sei Berkeley gar nicht repräsentativ für den Konsum von Süssgetränken, denn andernorts, etwa in Philadelphia, hätte eine vergleichbare Steuer zu Arbeitslosigkeit und familiärem Elend geführt…

Die Auseinandersetzungen zum Thema sind in vollem Gang. Man wird wohl noch mehrmals darauf zurück kommen.




12/5  Was heisst verfemt?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:48

Heute war ich aufgeboten. Ich durfte im Rahmen einer Gesundheitsmesse in Zug einen Vortrag halten. Thema: Adipositas vorbeugen. Wie bei den meisten meiner Referate setzte ich den Untertitel dazu: Vom Umgang mit einer verfemten Krankheit.

Der junge Mann, der für die Technik besorgt war und den Beamer installierte für die Powerpoint-Präsentation, schaute sich die Startseite auf der Leinwand an und fragte dann: Sie, was heisst „veerfemmten“?

Eine gute Frage. Da hatte ich in meinem Vintage-Dünkel als selbstverständlich gegeben angenommen, dass alle meiner künftigen Zuhörenden natürlich die Ausdrücke kennen, die uns früher geläufig waren… Noch niemand hatte bisher reklamiert, bis der Bub kam, der in seiner Unschuld darauf hinweis, dass der König keine Kleider anhat. Und ich merkte, dass es gar nicht so leicht ist, eine adäquate Übersetzung zu finden, dass die Umschreibung einiger Worte bedurfte, bis die Charakterisierung dem entsprach, was ich über das Phänomen Adipositas aussagen wollte.

Die Frage und deren Beantwortung zeigten mir, wie wichtig es ist, eine Botschaft so zu formulieren, dass sie verstanden wird, ohne dass sie zur besserwisserischen Belehrung verkommt. Und ich begann meinen Vortrag mit der Definition bzw. der Umschreibung des Begriffs… Obwohl die vier Besucher, die sich schliesslich im Saal einfanden, dies möglicherweise nicht einmal nötig gehabt hätten. Sicher ist sicher.

Die Veranstaltung wird übrigens fortgesetzt, morgen Samstag findet eine Podiumsdiskussion statt. Sie gilt der Frage, ob wir Schweizer „zu faul“ seien für die Prävention. Sofern wir wissen, was das bedeutet. Die Diskussion findet in Zug, in der Bossard-Arena statt, Beginn um 15. Uhr.




11/5  Silberstreif am Horizont

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 18:14

Positive Nachrichten liest man gern. Zum elften Mal hat die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz ein Screening bei 1’200 Kindern und Jugendlichen in den Städten Zürich, Basel und Bern durchgeführt: die Kids wurden gewogen und gemessen und darauf hin begutachtet, ob sie übergewichtig oder gar adipös sind.

Jetzt liegt der Bericht vor. Demzufolge hat sich die Situation – wenn auch auf hohem Niveau – etwas entschärft. War früher noch jedes fünfte Kind übergewichtig oder gar adipös, ist es heute nur noch jedes sechste. Das ist ein Rückgang um 0,3 Prozent. Noch keine markante Trendwende oder gar Umkehr der Entwickluing, aber doch die Fortsetzung einer Stabilisierung (auf immer noch zu hohem Niveau), die sich schon letztes Jahr abgezeichnet hatte. Nun ist sie bestätigt.

So erfreulich diese Erfolgsmeldung ist, sie zeigt doch auch die Langzeit-Problematik des Phänomens: der Kampf gegen die weltweite Adipositas-Epidemie ist nicht kurzfristig zu gewinnen. Es ist ein mühsames Ringen mit kleinen und kleinsten Massnahmen, die anfänglich verspottet wurden (man erinnert sich an die Plakat-Aktion zur Sensibilisierung mit den übergrossen Schlitten und Kindervelos, an den Streit um die angebliche Bevormundung mit der Znünibox, an die Empfehlungen für eine vernünftige Verköstigung in den Schulen…), die nun aber doch unübersehbar Wirkung zeigen.

Aber das ist erst der Anfang. Wieviele der Kinder, die sich jetzt an einem „richtigen“ Lebensstil gewöhnt haben, behalten diesen bei? Was geschieht, wenn sie nach der Pubertät in die Selbständigkeit entlassen werden? Was richtet die immer aggressivere und aufdringlichere Werbung für „ungesunde“ Genussmittel auf lange Sicht an? Wir wissen es nicht, können es höchstens erahnen – oder befürchten.

Den Erfolg von Präventions-Bemühungen verlässlich zu messen ist ein schier unmögliches Unterfangen. Jedenfalls nicht auf die Schnelle. Es geht hier um ein Generationen-Projekt, mit einer Vielzahl von Variablen, die wir nicht alle in den Griff bekommen. Aber die, die wir verändern können, sollten wir zum Guten beeinflussen.




10/5  Polit-Agenda

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:21

Ein Adipositas-Blog sollte sich aus der Tagespolitik heraushalten. Aber manchmal verlangen die Umstände etwas anderes. In zehn Tagen stimmen wir über ein Energie-Gesetz ab. Ich habe meinen Stimmzettel bereits ausgefüllt und eingeworfen und verfolge mit einer Mischung aus Verblüffung und Unglauben die Argumentationen des gegnerischen Lagers und die Horror-Szenarien, die dabei an die Wände gebeamt werden. Fake News noch und noch… nicht im Sinne von verdrängten Wahrheiten, die wir nicht zur Kenntnis nehmen wollen, sondern als verdrehte oder schlicht erlogene Pseudo-Fakten zwecks Stimmungsmache.

Der Grund, weshalb ich das Thema hier aufgreife, ist ein Aufruf von Barack Obama, der sich als moralische Instanz in Erinnerung ruft und dazu auffordert, alles zu unternehmen, um sein „Erbe“ in Sachen Umweltschutz nicht ganz vor die Hunde gehen zu lassen.

Es geht dabei um die Sicherung der Zukunft für unsere Lebensmittel und unsere gesunde Ernährung, angesichts der bedrohlichen Entwicklung bezüglich Klimaerwärmung. Obama appelliert an die verantwortungsbewsussten Führer der Wirtschaft weltweit, unbesehen der Entscheide und Verfügungen der aktuellen US-Administration alles zu unternehmen, was in  ihrer Macht steht, um die Klimaziele doch noch zu erreichen, weil sonst ein gesundes Überleben für weite Teile der Menschheit gefährdet sein könnte.

Unser Anteil an diesem globalen Problem ist zwar klein, kann aber beispielgebend sein. Ein Ja zum Energie-Gesetz öffnet den Weg für eine erneuerbare Energie-Zukunft unseres Landes und bedeutet auf lange Sicht die Abkehr vom fossilen Zeitalter, den Verzicht auf CO2-Ausstoss. Noch ist es Zeit, sich mit einem kräftigen JA einzubringen. Erteilen wir den auf kurzsichtigen Profit und Eigennutz ausgerichteten Neinsagern an der Urne eine Abfuhr. Tun wir etwas für unsere gesunde Zukunft.




8/5  4 : 0 für die Lobby

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 12:00

Bei uns hält es sich noch in Grenzen. Aber wenn auch in Zukunft noch gilt, dass US-Amerikanische Trends sich jeweils bei uns mit etwas Verzögerung durchetzen, dann kommen böse Zeiten auf uns zu. Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestlé seziert in ihrem Blog einige markante Veränderungen in der Nahrungsmittel-Politik nach den ersten 100 Tagen des Trump-Regimes.

Vier entscheidende Punkte gibt es, in denen bestehende Regeln bereits relativiert und zurückgenommen wurden:

Die Pflicht zur Kalorien-Angabe bei Mahlzeiten in Restaurants hätte auf den 5. Mai in Kraft treten sollen, sie wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. – Namhafte Lebensmittel-Produzenten haben die Verwaltung ersucht, mindestens drei Jahre zuzuwarten mit der Einführung von erweiterten und detailliertgen Nährwert-Angaben auf den Etiketten. – Eine neue Richtlinie bezüglich der Definition von Nahrungsfasern wurde auf Druck der vereinigten Bäckereien zurückgenommen bzw. auf Juli 2018 verschoben. – Die Vorgaben für die Verpflegung in öffentlichen Schulen wurden bereits früher relativiert und aufgeweicht.

Und es soll noch schlimmer kommen, vergleichbare Vorstösse seien in der Pipeline. Die Gesundheit hat keine Chance.

Das soll uns beflügeln, hierzulande am Ball zu bleiben.




6/5  Das PET-Paradox

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:31

Ich bereite mich mental vor. Es geht um die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion, heute in einer Woche. Thema: Prävention und individuelle Vorsorge des/der Einzelnen. Tun wir selber genug, um gesund zu bleiben? Wenn ja, warum? Oder doch nicht? Und woran liegt das?

Über die Gesundheitskompetenz wird hierzulande ja viel geredet und geschrieben. „Selfempowerment“ ist ein magisches Schlüsselwort: einerseits nimmt es Zuflucht bei der uralten Spruchweisheit „hilf dir selbst – so hilft dir Gott“ (als ob es dafür eine Garantie gäbe), anderseits aber entlastet es viele der Zuständigen im politischen Entscheidungsprozess davon, für Andere Verantwortung übernehmen zu müssen bzw. vom Vorwurf, bezüglich der Schaffung von gesundheitsförderlichen Verhältnissen und entsprechender gesetzlicher Regulierungen zu wenig zu tun… Schliesslich ist doch jeder einzelne seines eigenes Glückes (und damit auch seiner Gesundheit) Schmied. Ich höre schon das muntere, vielstimmige Tingeln und Klingeln zur Melodie der Ambosspolka… Man muss, so lautet die Losung, den Menschen nur die richtigen Informationen vermitteln. PR-Profis vor!

Und doch befallen mich Zweifel, die ich für berechtigt halte. Ich war heute Vormittag im Supermarkt beim Wocheneinkauf. Bei der Gelegenheit entsorge ich jeweils auch das Leergut zum Recycling. Seit einiger Zeit nehmen sie in der Migros (und anderswo) auch andere Kunststoff-Gebinde zurück: Milchflaschen aus weissem Plastic, Ölflaschen, Flaschen von Putzmitteln, was auch immer… Und deutlich steht bei den Einwurfstellen geschrieben: „Hier NUR PET-Getränkeflaschen!“ Alles andere muss in den Container nebenan, wo in Wort und Bild ebenso deutlich angezeigt ist, was hier entsorgt werden kann. Heute nun war der Behälter mit den PET-Getränkeflaschen voll und die Angestellten hatten ihn aus seinem Verschlag geholt. Ein Blick in sein Inneres liess mich an der Lernwilligkeit meiner Mitmenschen mehr als zweifeln. Etwa die Hälfte der eingeworfenen Flaschen waren „artfremd“: Shampoos, Flüssigseifenspender, Milchtüten (auch solche aus Karton), flüssiges Bodenwachs, leere Alu-Spraydosen… Und dabei wäre doch die Unterscheidung zwischen „PET-Getränkeflasche“ und „anderem“ eine verhältnismässig einfache gewesen. Zudem sehe ich täglich animierte TV-Spots in den Werbeblöcken, die mich für gutes Geld zum korrekten Handeln anhalten sollen.

Um wie unendlich viel komplexer sind dagegen die jeweiligen Empfehlungen für das „richtige“ Gesundheitsverhalten! Und das sollen die Flaschen-Falsch-Einwerfer dann einfach so aus dem Schnupf beherrschen? An welchen Storch glauben die Leute denn, die sich auf das Selbst-Empowerment verlassen möchten?

Wir haben noch einiges zu tun, auch wenn wir unsere Flaschen korrekt entsorgen!




3/5  Alles neu…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:50

…macht der Mai. Schon im Vorfeld ausgiebig zu reden haben die Insekten gegeben: Mehlwürmer, Grillen und Heugümper dürfen seit dem 1. Mai mit gesetzlicher Approbation nicht nur verspeist sondern auch verkauft und serviert werden. (Haben wir uns denn eigentlich im Sinne des revidierten Lebensmittelrechts „strafbar“ gemacht, wenn wir in kindlichem Leichtsinn als Mutprobe jeweils lebendige Maikäfer, Regenwürmer oder Nacktschnecken verputzt haben?)

Gross auch die publizistische Enttäuschung, dass ob all der Vorschuss-Propaganda für das kulinarische Geziefer nun in den Regalen vom Coop doch noch keine Krabbler zu finden sind, weder geröstet noch gebacken oder gar in verarbeiteter neuer Protein-Form von Insekten-Burgern…

Dabei ist der legalisierte Verzehr von Gliederfüsslern nur eine von verschiedenen Neuerungen, die im neuen Lebensmittelrecht 2017 eben erst in Kraft getreten sind. Mit den anderen Regelungen passt sich die Schweiz an das in der EU geltende Recht an, in manchen Punkten wird eine Liberalisierung im Umgang mit Lebensmitteln angestrebt, die sich nicht nur für die KonsumentInnen sondern auch für die Anbieter positiv auswirken sollte.

Ob und wo die Gilde der Schlaumeier auch hier wieder Schlupflöcher finden wird, um die Verbraucher auszutricksen oder gar über den Tisch zu ziehen, das muss sich erst noch weisen. Eine gesunde Portion Misstrauen ist allemal angesagt, verbunden mit der Hoffnung, dass die kritischen Medien und Konsumenten-Organisationen wenn immer nötig schon ihres Amtes walten werden.