17/5  Keine Hektik!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:51

Unsere letzten Tage waren reichlich turbulent. Morgen findet die jährliche Informations-Veranstaltung „sapsTAG“ statt, bei der wir so viele Produkte-Präsentationen haben, wie noch nie. Die Vorbereitungen liefen in den letzten Wochen auf Hochtouren. (Es hat immer noch Plätze frei für Kurzentschlossene…)

Parallel dazu muste der Jahresbericht der Stiftung für 2018 fertiggestellt werden, denn am Montag tritt der Stiftungsrat zusammen, um ihn zu verabschieden. Für diese Sitzung waren auch weitere Vorbereitungen zu treffen bezüglich Sicherstellung unserer Finanzierung und Planung künftiger Projekte.

Nebenher läuft die Produktion unseres Magazins „saps.ch“, dessen Redaktionsschluss dieser Tage war und das Ende nächster Woche auf den Weg zur Layouterin und in die Druckerei geschickt werden muss.

Das alles lässt sich in seiner Synchronizität nur steuern, wenn man eine tüchtige Equipe im Hintergrund hat und wenn man die Dinge Schritt für Schritt angeht, wie wir das mit einiger Gelassenheit tun. Denn neben all diesen gleichzeitigen „Kisten“ geht die Alltags-Aktivität unbeirrt weiter, wollen Anrufende beraten sein und Mail-Anfragen beantwortet, gilt es auf die Bedürfnisse unserer ratsuchenden Klientel einzugehen, Interviews zu geben und Vorträge zu halten.

Etwas in den Hintergrund getreten ist dabei unsere gesundheitspolitische Lobby-Arbeit, die sich in den letzten Wochen vor allem an der Diskussion um ein wünschbares Lebensmittel-Label festgemacht hat, wie es „Nutri-Score“ unserer Meinung nach bis jetzt am besten bieten würde. Wir begrüssen es, dass das Bundesamt für Lebensmittlsicherheit und Veterinärwesen BLV, das dafür zuständig ist, in dieser Sache entschlossen vorwärts macht. Wir haben uns fast ein wenig gewundert, dass anlässlich eines Workshops mit Vertretern der Lebensmittelindustrie kaum Widerstand spürbar wurde… – Dafür holt das nun die unverwüstliche Truppe des Schweizerischen Gewerbeverbandes unter dem Kommando von „Lügen-Bigler“ nach: in einem larmoyanten Epos wird der Untergang der KMU-Welt heraufbeschworen, sollte dieses Label tatsächlich in der Schweiz Fuss fassen…

Auch wenn ich natürlich ganz anderer Meinung bin, soll im Interesse der Meinungsfreiheit auch dieser Standpunkt gehört werden. Dann können sich alle ihre eigene Meinung bilden.




7/5  Fussabdruck

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:18

Ok, meiner drückt sich etwas tiefer ein. Aber das hat vor allem mit dem Gewicht zu tun und ist derzeit nicht mehr so ausgeprägt wie auch schon.

Heute ist der Tag, an dem die Schweiz ihre Jahres-Ressourcen aus der Natur bereits fürs ganze Jahr aufgebraucht hat. Seit dem frühen Morgen konfrontieren mich die Medien mit diesem Faktum und man kommt nicht darum herum, sich gedanklich damit zu befassen.

Eine erste Begegnung findet im Kiosk statt. Dort steht wuchtig im Eingang ein Gestell mit der plakativen Aufschrift: SO GEHT WASSER HEUTE. Es ist ein aromatisiertes Mineralwasser, abgefüllt in 7,5-Dezi-Flaschen aus PET, und ich denke im Vorübergehen: was für ein Unsinn! Da kommt bei uns reinstes Trinkwasser in  Top-Qualität aus dem Wasserhahn und man versucht, uns zum Konsum von getunter Plörre zu verführen (auch wenn diese kaum Kalorien enthält)! Zufrieden denke ich, dass bei mir zuhause im Kühlschrank einige Flaschen mit abgefülltem Leitungswasser stehen… sonst nichts Trinkbares.

Aber tun wir wirklich alles, was wir könn(t)en, um unseren ökologischen Fussabdruck klein zu halten? Seit ich mich nur noch von Frischprodukten ernähre, die ich auf dem Wochenmarkt direkt vom Bauern und vom Metzger kaufe, kann sich mein Gewissen etwas zurücklehnen. Fertigprodukte sind vom Speisezettel verbannt, ebenso alles, was auch nur Spuren von Zucker enthält.

Und trotzdem lebe ich wahrscheinlich immer noch weit über dem, was mir eigentlich „zustehen“ würde. Ich benutze das Auto, weil mir die Arthrose bei längeren Wegstrecken Probleme macht, ich setze in der Küche eine ganze Armada von elektrischen Geräten in Gang, um meine Speisen zuzubereiten und ich lasse das Licht bis weit in die Nacht hinein brennen…

Was wäre zu tun? Sollen wir wie Eremiten im Wald leben und auf Rohkost umstellen? Zurück in eine Vorzeit, da sich der Mensch in Felle kleidete… aber: so viel Wild gibt es in den Wäldern gar nicht mehr, als dass alle sich einen pelzigen Anzug erjagen könnten! Abgesehen davon, dass uns zivilisationsgeschädigten Schwächlingen ja die überlebensnotwendigen Fertigkeiten abgehen, die es brauchen würde, um in der freien Natur einigermassen zu überleben.

Vielleicht beginnen wir einfach mal damit, unser Handeln zu reflektieren und uns immer dort, wo wir gängige Alternativen haben. für die „einfachere“ Lösung zu entscheiden. Zum radikalen Umbau müssen spätere Generationen entweder angelernt oder dann durch die Umwelt gezwungen werden. Freiwillig wird es kaum gehen.




6/5  Schlemmen legal?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:20

Heute ist Anti-Diät-Tag. Alle Jahre wieder. Seit 1992 wird er begangen, „erfunden“ von der britischen Autorin und Feministin Mary Evans Young. Heisst das, dass wir heute freie Hand haben, uns wieder mal so richtig vollzustopfen mit all dem ungesunden Zeug, das wir uns, verantwortungsbewusst wie wir sind, normalerweise verkneifen, obwohl es so lecker schmeckt?

Nein, das wäre wohl nicht der zentrale Zweck dieses Welt-Tages. Vielmehr ist er ein Aufruf, den aktuellen Schönheits- und Schlankheits-Wahn zu reflektieren und zu hinterfragen. Einen Kontrapunkt zu setzen gegenüber all der entfesselten Wellness- und Diät-Industrie, die uns immer fester in einen moralischen wie physischen Würgegriff zu nehmen droht, so dass man kaum noch eine einzelne Kalorie ohne schlechtes Gewissen zu vertilgen wagt.

Für uns Adipositas-Leute ist ja ohnehin klar: Diäten – vor allem die extremen – sind des Teufels, sie öffnen erwiesenermassen die Tür zu einer Spirale, die unweigerlich abwärts ins übergewichtige Elend führt und uns eine ungeniessbare Beschwerden-Suppe einbrockt, die wir mit eigner Kraft kaum mehr auszulöffeln vermögen.

Es geht also darum, ein unverkrampftes Verhältnis zu einer massvollen, ausgewogenen Ernährung zu finden, die nicht nur für mich und meinen Körper gut ist, sondern auch punkto Nachhaltigkeit einigermassen rücksichtsvoll mit den Ressourcen umgeht. Und dabei können wir getrost die „Schönheits-Ideale“ vergessen, die uns auf Instagram und allen Werbeplattformen vorgegaukelt werden.

Und trotzdem. Ein bisschen Genuss muss schon sein. Auch wenn es keine Schlemmer-Orgie ist: vielleicht ein Luxemburgerli oder zwei?




3/5  Aufgeblasen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:17

Es war eine rührende Szene. Nella Martinetti, die sympathische Ulknudel aus dem Tessin, wurde in einer TV-Medizinsendung von einem Adipositas-Spezialisten gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, ihr immer ausgeprägteres Übergewichtsproblem mit einer operativen Intervention anzugehen. In der Sendung war als „neue Methode“ der Magen-Ballon vorgestellt worden, und Nella verdrehte halb verschämt die Augen und sagte: Ja, vielleicht könnte sie tatsächlich daran denken, sich „ein Ballönli einsetzen zu lassen“

An diese Aussage musste ich denken, als ich jetzt einen Bericht in einer technischen Zeitschrift las über Versuche in Amerika, eine „Pille“ oder vielmehr eine Kapsel zu konstruieren, die man schlucken kann und die sich nach der Einnahme im Magen selbsttätig zu einem veritablen Ballon aufbläst, der die gleiche Wirkung hat wie der bereits bekannte Magenballon: er füllt den Magen zu einem Teil aus und hilft so mit, die Nahrungsmenge zu verringern, bis das Sättigungsgefühl eintritt. Der klassische Magenballon hat den Nachteil, dass man ihn nach einem halben Jahr operativ wieder entfernen und einen neuen einsetzen muss, soll die Wirkung nicht nachlassen. Der neue Pillen-Ballon ist so konstruiert, dass er ein Ventil besitzt, das von aussen per Magnet geöffnet werden kann, wodurch der Ballon wieder zur Kapsel schrumpft und mit dem Stuhl ausgeschieden werden kann… Allerdings muss man sich dann monatlich eine Ballon-Pille einwerfen.

Praktische Erfahrungen mit dem Magenballon, von denen ich bis jetzt gehört habe, klangen nicht euphorisch. Völlegefühl, Übelkeit, Druck, Unwohlsein und Schmerzen sind Nebenwirkungen, die man sich von einer Abnehm-Hilfe nicht wünschen mag. Wie das mit der Ballon-Kapsel ist, wissen wir noch nicht, denn das Ding wurde bisher in der Anwendung nur an einem Schwein erprobt und das hatte sich nicht so deutlich über die Wirkung geäussert. In dem Versuch hatte es in einer Woche immerhin anderthalb Kilo abgenommen, während seine Genossen in der Kontrollgruppe ohne Ballon bei gleicher Kost leicht an Gewicht zulegten.

Nun sind Langzeit-Versuche mit Menschen geplant. Wenn die klappen, soll „EndoPil“ in einem Jahr auf den Markt kommen. Nella hätte das „Pilleli“ vielleicht geschluckt.




30/4  Ertappt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:39

Wir wissen es alle. Unser Fleischkonsum belastet die Umwelt. Zuviel der roten Muskelmasse auf unseren Tellern kann für die Gesundheit schädlich sein. Die Weltgsundheitsorganisation empfiehlt Zurückhaltung und die Forschung werkelt intensiv an pflanzenbasierten Ersatz-Stoffen für die Hamburger-Patties…

Und dann laufen am Fernsehen plötzlich kurze Werbespots, in denen ein Metzger hinter seiner Theke uns einlädt, doch bitte näher zu treten und einen Sonderwunsch zu äussern zur Bearbeitung eines edlen Gigots oder eines Fisches aus dem Meer, denn unser Genuss sei sein Handwerk, oder so.

Diese Spots kommen von der Migros. Und ihr Zweck ist eindeutig: wir sollen mehr und besseres Fleisch kaufen und essen. Dieser Aufforderung haftet etwas Widersinniges an: ausgerechnet die Migros, die sich selber als das „nachhaltigste Unternehmen“ der Welt bezeichnet, lässt von einer Agentur, die auf ihrer Webseite ebenfalls Nachhaltigkeit als ihr oberstes Leit-Prinzip propagiert, Werbespots produzieren, die zum absoluten Gegenteil aufrufen… Das Online-Magazin infosperber hat diesem Sachverhalt eine kritische Analyse gewidmet, deren Lektüre sich lohnt.

Leid tun mir die Migros-Metzger hinter dem Tresen. Die sind immer freundlich und aufgestellt und machen ihren Job. Und jetzt werden sie quasi zum Symbol verlogener PR-Politik.




25/4  Ein Trauerspiel

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 13:50

Um noch einmal darauf zurückzukommen. Was wir jetzt aus Deutschland in Sachen Lebensmittel-Labelling erfahren, ist die sprichwörtliche „unterste Schublade“. – Nachdem ein ominöser „Verein“ (vergleichbar mit unserer Polit-Ulk-Gruppe, die jährlich den „rostigen Paragrafen“ verleiht) erfolgreich per Gerichtsurteil einem Produzenten (Iglo) verbieten konnte, das Label „Nutri-Score“ für seine Produkte zu verwenden, schlägt nun die Lebensmittel-Industrie wieder ein „eigenes“ System vor, das keinerlei zusätzliche Informationen vermittelt, als diejenigen, die ohnehin schon hinten in der Nährwert-Auflistung stehen. Und das keineswegs einfach oder gar „auf einen Blick“ zu lesen und zu verstehen ist.

Das zuständige Ministerium hat ein externes Institut beauftgragt, die Sache zu überprüfen und einen neuen Vorschlag auszuarbeiten, was offenbar noch einige Jahre dauern könnte. In der Zwischenzeit droht Deutschland jede konstruktive Weiterentwicklung auf europäischer Ebene zu blockieren.

Auf der Strecke bleibt einmal mehr der sprichwörtliche kleine Mann (und die Frau), betroffen von Krankheiten, die durch unsere Überfluss-Kultur und eine falsche Ernährung wesentlich beeinflusst oder gar verursacht sind, und geopfert auf dem Altar des nach wie vor hemmunbgslosen Profitstrebens des „Marktes“. Zu hoffen bleibt, dass sich breiter Widerstand regt, auch politisch.




24/4  Will Weile haben…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:51

Gestern war es so weit. Die Medien hatten im Voraus schon informiert, dass es zum „Show Down“ kommen würde in Sachen „Lebensmittel-Ampel“. Es ging um eine Round-Table-Konferenz, die vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV einberufen worden war.

Anwesend waren rund zwei Dutzend VertreterInnen verschiedenster Lebensmittel-Hersteller oder -Verteiler, die Konsumenten-Organisationen und auch die SAPS – als einzige Patienten-Organisation (neben dem Dachverband Public Health Schweiz).

Allerdings war von „Show Down“ wenig zu spüren: in freundlich-interessierter Atmosphäre ging es vornehmlich um Information. Zuerst wurde eine summarische Auslegeordnung über verschiedene Systeme zur einfachen Nährwert-Information auf abgepackten Lebensmitteln gegeben, die in einzelnen Ländern bereits angewendet werden. Dann wurde das von Frankreich bereits staatlich anerkannte „Nutri-Score“ im Detail präsentiert durch einen Delegierten des Gesundheitsministeriums und eine Lebensmittelkette aus Belgien berichtete über erste Erfahrungen mit dieser Deklaration. Dann gab es verschiedene Workshops, in der sich die Teilnehmenden mit Fragen rund um Vor- und Nachteile, Wünschbarkeit, Nutzen oder Problematik eines solchen Labellings austauschen konnten. Ganz am Schluss wurde gemeinsam ein Communiqué redigiert.

Zwei Aspekte scheinen mir besonders bemerkenswert: es wurde von keiner Seite offen gegen das vom BLV favorisierte System „Nutri-Score“ argumentiert. Das ist ja grundsätzlich positiv. Es sei denn, es handle sich um das typisch schweizerische Verhaltensmuster, dass in der direkten Konfrontation geschwiegen wird – um erst anschliessend die Faust im Sack zu machen und alle Gegenkräfte (Lobbies) zu aktivieren… – Und zum Zweiten: in einem der Workshops wurde das Postulat formuliert, dass in der Sache Labelling auf jede „Hektik“ zu verzichten sei und das Projekt behutsam angegangen werden solle…

Wir von den Patienten- und Konsumenten-Organisationen haben in diesem Punkt widersprochen. Seit 20 Jahren wird nun über die „Ampel“ diskutiert. Eine „einfache und verständliche Orientierungshilfe beim Einkauf“ war eine der ersten Forderungen, die wir im Interesse der Adipositas-Prävention erhoben hatten… da ist aus unserer Sicht nun rasches und entschlossenes Handeln angesagt. Wir möchten das Resultat gerne noch erleben. Und wir werden den Druck aufrecht erhalten. Es ist gut, dass das BLV zumindest inhaltlich Farbe bekannt hat!




18/4  Ach, du dickes Osterei!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:07

Alle wissen es, aber nichts geschieht. Einmal mehr ist das Schweizer Polit-System mit seinem überbordenden Lobby-Filz Thema einer aktuellen kritischen Analyse von Transparency International (TI). Am Beispiel eines Vorstosses zur Einführung einer Zuckersteuer auf Bundesebene wird dargelegt, wie die machtvolle Intervention der Lebensmittel- und Zucker-Lobby dieses Vorhaben bereits im Keim erstickt und jeden weiteren Gedanken daran plattgewalzt hat.

In unseren (Milz-)Räten kumulieren sich die gebündelten Interessenvertretungen in schier atemberaubender Weise (wobei man sich fragen mag, wie es den Damen und Herren ParlamentarierInnen denn überhaupt physisch und mental möglich ist, so viele verschiedene Hüte und Interessen  in  Form von  gebundenen Mandaten, für die sie zudem nicht schlecht bezahlt werden, unter einen einzigen Hut zu bringen und dabei noch seriös arbeiten zu können). Dabei sollten sie doch zuallererst die Interessen der Bevölkerung vertreten, jener, die sie bzw. ihre Partei an der Urne gewählt haben. Denn wir haben ja bei den Wahlen nicht für den Konzern X oder Y oder den Verband Z gestimmt.

Natürlich darf man nicht alle in den gleichen Topf werfen, es gibt auch weisse Schafe unter den schwarzen. Aber ich habe selber in verschiedenen Versuchen, ein bestimmtes Thema im Interesse der Prävention aufs politiche Tapet und in einem Gesetzgebungs-Verfahren unterzubringen, erfahren müssen, wie ungleich lang bzw. spitz die Speere doch sind, wenn man sich als harmlose Patientenorganisation und NGO an Parlamentarier wendet, mit einem zwar gut begründeten Anliegen, aber trotzdem unerbittlich abblitzt, weil die aktuelle Mehrheit in unserem Parlament das marktorientierte Profitstreben über alles andere, vor allem über das gesundheitliche Wohlergehen der BürgerInnen setzt.

Alle wissen es, passieren tut nichts. Wer die Mächtigen vertritt, muss sich um die Kritik der unbequemen Kläffer nicht kümmern. Eigentlich ist das keine tröstliche Osterbotschaft.

 




17/4  Label-Zoff

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:51

Hauptsache, man spricht darüber. Könnte man sagen. Aber der Sachverhalt ist reichlich grotesk. Da rufen alle an gesunder Ernährung interessierten Kreise unisono nach einer leicht verständlichen Informations- und Orientierungshilfe im Dschungel der Angebote von Fertigprodukten. Da einigen sich Verbraucher- und Patienten-Organisationen darauf, dass das in Frankreich offiziell eingeführte Label Nutri-Score eine taugliche Option wäre und verschiedene Anbieter haben begonnen, diese Kennzeichnung freiwillig auf ihren Produkten anzubringen… So weit so gut?

Leider nein: denn nun hat ein Gericht in Hamburg dem Gefrierkost-Fabrikant Iglo die Verwendung des Nutri-Score-Labels auf seinen Produkten explizit verboten, mit der Begründung, dieses verstosse gegen EU-Recht und es sei dem Konzern nicht gelungen, in der Verhandlung glaubhaft darzulegen, dass das System wissenschaftlich fundiert sei… Iglo hat gegen diesen Entscheid Berufung eingelegt.

Der Gerichtsentscheid ist allein deshalb fragwürdig, weil einerseits das Label bereits in verschiedenen EU-Ländern angewendet wird und weil andererseits die wissenschaftlichen Grundlagen dazu in zahlreichen Berichten hinreichend dokumentiert sind. Im oben erwähnten Report zum Gerichtsurteil steht auch, dass die deutsche Ernährungsministerin Julia Klöckner das Max-Rubner-Institut mit einer vergleichenden Studie über die in verschiedenen Ländern eingeführten Label-Systeme beauftragt hat. Dieser Bericht liegt inzwischen vor. Er ist sehr detailliert und gibt für Interessierte einen guten Überblick über die Vor- und Nachteile der einzelnen Label. Nutri-Score schneidet dabei sehr gut ab.




16/4  Mit Jenke abnehmen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:35

Jenke von Wilmsdorff ist ein unerschrockener Reporter. In zahlreichen RTL-Sendungen hat er mit z.T. spektakulären Selbstversuchen aus der Optik von Betroffenen berichtet, dabei nicht selten seine Gesundheit auf Spiel gesetzt, um eindrücklich zu zeigen und erlebbar zu machen, welchen Belastungen Menschen im Alltag ausgesetzt sind, die an entsprechenden Gebrechen leiden.

Jetzt hat er sich das Thema Übergewicht/Adipositas vorgenommen. „Jenke macht Mut – Der schwere Kampf gegen die Kilos“ heisst sein aktueller Report. Aber diesmal schlüpft er nicht selber in einen überdimensionierten Fat-Suit und erprobt das leibhaftige Leben am Limit des Kollapses, diesmal recherchiert er als Journalist, in den USA, wo er den Kalorienwahnsinn der Fastfood-Kultur untersucht und Menschen begegnet, die auf besondere Weise mit ihrem massiven Übergewicht umgehen.

Da ist die „dickste Mutter der Welt“, die vor 11 Jahren ein Mädchen geboren hat, das inzwischen selber 90 Kilo wiegt, was die Mutter für völlig normal hält. Sie selber denkt nicht daran, ihr Gewicht zu reduzieren, obwohl sie kaum noch stehen und gehen kann. Sodann besucht er einen Arzt, die seine Patienten mit einer besonderen (ketogenen) Nährlösung per Magensonde zum Abnehmen bringt (wobei man sich fragt, weshalb die Leute denn das Gebräu nicht einfach trinken, statt es sich durch einen durch die Nase intubierten Schlauch in den Magen pumpen zu lassen).

In Deutschland begleitet er verschiedene Abnehmwillige in ihrem Kampf gegen die Kilos: den 22-jährigen Jungmann in einer stationären Reha („Insula“), eine Enddreissigerin, die sich einem konventionellen Programm aus Ernährungsumstellung (Verzicht auf Kohlenhydrate und vor allem Zucker) und täglichem Sport unterzieht, sowie eine junge Frau, die einen Magen-Bypass erhält.

Bedenklich stimmen Bilder von einem Treffen in einer Kölner Adipositas-Klinik, wo sich 150 TeilnehmerInnen über die bariatrische Chirurgie informieren lassen, angeheizt von einer klinischen Einpeitscherin, die Anwesende auffordert, Zeugnis abzulegen über ihren Erfolg und die den Arzt als Heilsbringer verkauft, wie wenn es sich um einen allmächtigen Sektenguru handeln würde… Dass sich die Veranstaltung dazu noch als „Selbsthilfegruppe“ bezeichnen liess, hatte etwas richtig Abstossendes.

Interessant war der Selbstversuch von Jenkes Kameramann: der hatte in  den USA beim Essen kräftig zugelangt und einige Kilos angesetzt. Dann entschloss er sich, Intervall-Fasten zu praktizieren (auch „16:8-Methode“ oder „Hirschhausen-Diät“ genannt), womit er tatsächlich 7 Kilos wieder herunterbrachte.

Die Jenke-Sendung war insgesamt informativ und fair, der Umgang mit den Betroffenen respektvoll und emphatisch (eine Umfrage, die im anschliessenden RTL-Extra-Magazin gezeigt wurde, besagt allerdings: 58 Prozent der Deutschen sind überzeugt, dass die Dicken an ihrem Zustand „selber schuld“ sind). Einen Schönheitsfehler hatte sie allerdings: gezeigt wurde auch ein älterer Mann, der sich bitterlich darüber beklagte, dass sich sein Leben nach der Magen-OP negativ verändert habe und er unter Depressionen leide und gelegentlich Selbstmordgedanken habe… Negative Aspekte und Risiken eines bariatrischen Eingriffs sollen durchaus thematisiert werden, das ist kein Problem. In diesem Falle hätte allerdings darauf hingewiesen werden müssen, dass der betreffende Patient eben schon im fortgeschrittenen Alter ist, dass eine Reihe von Begleiterkrankungen schon ausgeprägt waren und dass es, je älter man wird, je schwerer fällt, sich von altvertrauten Lebensgewohnheiten zu verabschieden.