28/3  Was ist Wissen?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:28

Wissen sei Macht. Das wird landläufig kolportiert und besagt nichts anderes als dass jemand, der/die ausreichende Kenntnisse hat über die Gesetzmässigkeiten und Mechanismen des gesellschaftlichen wie des politischen Funktionierens, auch in der Lage sei, sich dieses Instrumentariums so geschickt zu bedienen, dass es zum eigenen Vorteil gereicht, sowie zum Erwerb von Reichtum und Einfluss – kurz: von Macht.

Nun habe ich aber unlängst an einer Veranstaltung aus dem Munde einer kantonalen Regierungsrätin etwas Anderes gehört: „Wissen sei Gesundheit“ müsste es heissen, denn wer in Gesundheitsdingen beschlagen sei, die Zusammenhänge kenne, sich in der sogenannten „health literacy“ profiliere, der erwerbe gewissermassen die Gesundheit für sich selber als eigenen Zustand. Deshalb seien Information und Aufklärung das Wichtigste, um die Zeitgenossen zu befähigen, ihre Zukunft beschwerdefrei zu gestalten.

Das hörte sich gut an, vor allem vor einem Publikum, das selber vor der Aufgabe steht, einen wichtigen Beitrag zur Prävention zu leisten durch fachkundige Beratung in Sachen Essen und Ernährung. Aber ich legte beim Zuhören innerlichen Widerspruch ein.

Zwischen Macht und Gesundheit besteht ein wesentlicher Unterschied: Macht kann man ausüben und dadurch Einfluss auf andere gewinnen. Nicht alle aber wollen „mächtig“ sein und ihre Mitmenschen dominieren. Gesundheit hingegen ist ein Zustand, den alle ersehnen, der die Bedingung wäre für ein langes und angenehmes Leben, frei von Gebrechen.

Paradoxerweise zeigen viele Umfragen, dass immer mehr Leute heute überzeugt sind, über die wichtigsten Informationen in Gesundheitsfragen zu verfügen… und trotzdem halten sie sich nicht daran! Weil sie einen möglichen, kurzzeitigen Vorteil bezüglich Bequemlichkeit, Genuss oder Belohnung einem Langzeit-Ziel vorziehen, das sich erst später einstellen würde.

Wenn wir die Möglichkeit haben, uns einen Lifestyle zu gönnen, der zwar angenehm ist, aber ungesund, dann ist die Versuchung übermächtig und es geht uns ein wenig wie mit der Atomenergie: sie ist da, bequem, und an die Langzeitfolgen der Entsorgung denken wir noch lange nicht… Der Hang zum Hedonismus stellt uns ein Bein. Das Wissen allein reicht nicht aus, uns so zu verhalten, wie es für die Gesundheit optimal wäre. Es braucht dazu Willenskraft und Insistenz bei der Umsetzung. Die süsse Droge „Macht“ dagegen wirkt sofort, sobald man sie erworben hat.




27/3  Aber mit Geschmack

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:09

Ich war heute an einer Veranstaltung von Ernährungsfachleuten. Da wurden unter anderem Resultate einer umfangreichen Analyse zu den Zusammenhängen zwischen dem sozio-ökonomischen Umfeld und dem Essverhalten präsentiert, die sich nicht zuletzt auch auf die Befunde Übergewicht und Adipositas auswirken.

Eine Aussage dieser Präsentation ist mir geblieben: offenbar hat „gesundes Essen“ bei weiten Kreisen der Bevölkerung immer noch ein schlechtes Image. „Gesund“ wird in vielen Köpfen gleichgesetzt mit „fad“, wenig schmackhaft, nicht lecker, kein Genuss… Und dies trotz der kulinarischen Virtuosität, mit der etwa Starkoch Jamie Oliver am Fernsehen seine Zauberkünste zelebriert, und dabei nicht müde wird, immer wieder zu betonen, wie gesund doch gerade diese Kombination von Früchten, Kräutern, Oelen und Gewürzen sei…

Aber irgendwie stimmt auch das Gegenteil: Manches von dem, was uns am Bildschirm als besonderer Leckerbissen angepriesen wird, erweist sich bei näherem Hinsehen als Kalorienbombe mit ungesund hohem Anteil an Fett, Salz und Zucker. Als Beispiel nur die Serie „Tasty“, die uns auf YouTube hübsch abgefilmte Kurz-Rezepte in die Stube beamt, bei denen dir das Wasser kübelweise im Mund zusammenläuft und du am liebsten zum Kochherd rennen möchtest… aber alles trieft von fettem Käse, der Fäden zieht, da wird im schweimmenden Fett ausgebacken, mit Zucker bestreut und mit Schokolade übergossen… es ist ein Festival der Kalorien auf kleinstem Raum, ultralecker und kinderleicht zum Nachmachen, aber letzten Endes alles andere als „gesund“.

Umso mehr freue ich mich, hier auf eine geschmackliche Bereicherung erster Güte hinweisen zu können. Ich bin durch ein Geschenk darauf aufmerksam geworden, zum Geburtstag notabene, und bin auf Anhieb begeistert. Eine junge Firma namens Würzmeister bietet verschiedene Eigenkreationen von Würzmischungen an, alles auf natürlicher Basis, Bio und vegan und in Handarbeit zusammengemixt, aus erlesenen, auf Nachhaltigkit bedachten Rohstoffen, im Online-Shop zu beziehen, mit fantasievollen Namen, die geschmackliche Neugier wecken: Berber Traum, Bio Schiesspulver, Bio Harissa, aber auch funktionalen Bezeichnungen wie Gegrillte Meeresfrüchte, Rosmarin-Knoblauchsalz, Kräuterbutter-Mix, Fischgewürz-Salz…

Eine winzige Prise davon auf die Zunge genommen, lässt Geschmacksexplosionen im Mund entstehen: der halbe Orient zieht dir durch den Kopf und die pure Lust am Geniessen erwacht unbändig in dir… – Seit ich weitgehend von Fleisch und Gemüse lebe, war mir oft nach mehr Abwechslung bei der Zubereitung meiner Standard-Speisen. Mit dieser Wunderpalette an Gewürz-Variationen ist die Langeweile am Gaumen verflogen. In meinen Dank für das Geschenk mischt sich die Freude aufs Entdecken und die Lust am Surfen in einer äusserst ansprechend gestalteten Website www.wuerzmeister.ch, die neben ihren Angeboten und Hintergrund-Informationen auch laufend Anregungen für neue Rezepte vermittelt. Im wirklich wahren Sinn des Wortes: Tasty!




23/3  Liftgespräch

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:09

Neulich im Warenhaus. Mit dem Lift unterwegs in die oberen Stockwerke, wo sich die Elektronik-Abteilung befindet. Ausser mir nur ein mittelalterlicher Herr im Aufzug. Kaum habe ich die Kabine betreten, mustert er mich mit einem Ausdruck des Erkennens und spricht mich mit meinem Namen an.

Ich nicke und  scanne ihn mit fragendem Blick: müsste ich ihn kennen? Falls ja, woher? Das innere Auge blättert flink die Köpfe-Kartei durch, wird aber auf die Schnelle nicht fündig, schon klingelt das Stockwerk und die Lifttür geht auf, wir treten hinaus auf die Etage.

Der Herr bleibt stehen und erklärt: Ich finde es grossartig, sagt er, wie Sie das schaffen. Ich verfolge die Berichte in der Presse. Dass Sie so konsequent sein können ist bewundernswert. Ich versuche, unschuldig dreinzuschauen und werfe ein, wenn man die passende Methode gefunden habe, falle es leichter, da hätte ich Glück gehabt. Ja, sagt er, aber mit Ihrem Durchhaltewillen sind Sie ein Vorbild für Viele. Ist Ihnen das bewusst?

Ich bin ein wenig verlegen und für einen Moment unsicher. Der Herr weiss wahrscheinlich, wovon er spricht, denn auf seinem vorgewölbten Bäuchlein spannt sich straff ein Jackett über dem Pullover. Ich bedanke mich für sein Kompliment und er enteilt in die andere Richtung, nicht ohne mir fröhlich weiterhin viel Erfolg! nachzurufen.

Solche Begegnungen sind Ansporn, weiterhin auf Kurs zu bleiben, den nächsten Meilenstein im Blick: der UHU-Club.




22/3  Huhn oder Ei?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:36

Was war denn nun zuerst. Da vernehmen wir, dass in einem Vergleich von 163 Ländern die Schweiz punkto Gesundheit auf dem dritten Platz steht! Zwar „nur“ Bronze – aber immerhin auf dem Podest, gleich hinter Island und Italien. Immerhin.

Diese herausragende Positionierung im globalen Gesundheits-Ranking stimmt mich nachdenklich. Da hören wir das permanente Gekeife über die zu hohen Krankenkassenprämien, die stetig steigenden Gesundheitskosten und das fehlende Bewusstsein für einen wirklich gesunden Lebenswandel und ausreichende Prävention… und dann das! Dann sind wir still und heimlich die drittgesündesten Menschen der ganzen Welt!!??

Wie kommt das nun? Sind wir so gesund, weil wir uns das Gesundheitswesen etwas kosten lassen? Wären wir kränker, wenn wir in diesem Sektor sparen würden, sparen müssten? Kostet uns unser Wohlbefinden so viel, weil wir bei jedem Wehwehchen die beste und die teuerste Therapie in Anspruch nehmen? Weil nur das Allerbeste für uns gut genug sein soll?

Ist das Jammern auf hohem und höchstem Niveau der Ausdruck eines übersteigerten Perfektionswahns und einer extremen Egomanie? Denn: objektiv gesehen geht es uns gut. Zu gut geht es einigen, sogar vielen, denn sie leiden ja offenbar an ihrer privilegierten Situation. Ein wesentlicher Anteil der Krankheiten, von denen wir mit zunehmender Lebenserwartung betroffen sein können, sind unserem Wohlstand geschuldet, Kollateralschäden gewissermassen, Resultat einer Mischung aus Bequemlichkeit, Hedonismus und schwelgen im Überfluss.

Wir könnten wenigstens versuchen, weniger zu jammern.




21/3  Der Staat als Küchenmeister

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:22

So isst die Schweiz. Die Resultate der ersten repräsentativen Analyse helvetischer Essgewohnheiten hat in den Medien eine breite Beachtung gefunden. Die Resonanz beim Publikum war eher zwiespältig. Freiheitsliebende Individuen verbaten sich umgehend eine behördliche Einmischung in ihren individuellen Menüplan – dabei war es doch nur gut gemeint.

Aber eben: gut gemeint ist nicht gut genug. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat in seiner Pressemitteilung von letzter Woche den Mei-Mei-Zeigefinger ausgestreckt und den Hauptvorwurf schon in die Überschrift gemeisselt: Herr und Frau Schweizer essen „unausgewogen“. Wie kann man auch! Zu viel Fleisch und zu wenig Milchprodukte. Als hätte sich das nicht schon früher herumgesprochen…

Der anklagend-mahnende Unterton in diesem Communiqué macht die Leserschaft etwas kopfscheu. Auch jene, die mit der Botschaft an sich eigentlich einverstanden wären. Natürlich ist es eine der Aufgaben des „Staates“, Verhältnisse zu schaffen, die der Gesundheit seiner Bürgerinnen und Bürger nicht abträglich sind, Vorkehren zu treffen, dass sie sich in Kenntnis der Risiken und Fakten für eine „gesunde“ Wahl entscheiden können.

Aber wie die zahlreichen kritischen Reaktionen zeigen, ist das Prestige einer Behörde nicht so ausgestaltet, dass sie a priori als absolut vertrauenswürdig eingestuft würde. Damit wurde wohl eine Chance verspielt. Hätte man das Überbringen der Botschaft einer neutralen Institution überlassen, legitimiert durch hohe fachliche Kompetenz und Glaubwürdigkeit und in psychologisch geschickter, motivierender Aufmachung, wäre sie vielleicht besser aufgenommen worden.

Aber was schreibe ich da? Auch wir benutzen ja zuweilen, wenn uns ein Sachverhalt genügend auf den Keks geht, die moralinsäuerliche Jammerkeule… und ärgern uns erst hinternach, wenn es keine Likes gibt.




20/3  Der Kampf um das Süsse

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:32

Er geht in eine neue Runde. Dass wir alle viel zu viel Zucker konsumieren, ist mittlerweile bekannt und selbst von eingefleischten Verschwörungs-Esoterikern nicht bestritten. Es sei denn, sie finden doch noch heraus, dass es böse Mächte gibt, heimliche Eliten à la Bilderberger, die uns über klandestine Zucker-Zugaben in sämtlichen Lebensmitteln unsere ernährungsmässige Selbstbestimmung rauben und uns zu willenlosen Süss-Süchtigen umprogrammieren…

Wie die NZZ heute berichtet, kommt das Thema Zuckersteuer bald wieder auf die nationale Traktandenliste, portiert vor allem aus der Westschweiz, wo auf kantonaler Ebene entsprechende Vorstösse politische Zustimmung finden. Zwar verbittet sich das bürgerliche Lager im Parlament konsequent jede Einmischung des Staates in die persönliche Lebensgestaltung des Bürgers und kämpft noch vehementer gegen jede nur denkbare Einschränkung der Marktfreiheit, unter Inkaufnahme sämtlicher gesundheitlicher Folgeschäden, die daraus resultieren mögen.

Am Pranger stehen immer zuerst die Süssgetränke, auch wenn sie bei uns nur einen kleinen Anteil am gesamten Zuckerkonsum ausmachen. Die grossen Hersteller versetzen ihre Markenprodukte zusehends mit kalorienfreien Süssstoffen, wobei es wissenschaftlich noch nicht restlos geklärt ist, welchen Einfluss diese auf die Stoffwechselfunktionen insgesamt haben. Verharmlosung steht hier neben Panikmache und am sichersten ist dabei wohl, wer sein Wasser und seinen Tee ungesüsst trinkt. Alles nur eine Frage der Gewohnheit.

Seit eindreiviertel Jahren versuche ich selber ohne jeglichen zugesetzten Zucker zu leben. Ich fühle mich super dabei, es fehlt mir nichts. Die Früchte, die ich essen darf, schmecken wunderbar intensiv, wie ich das früher nie erlebt hatte. Gönne ich mir ausnahmsweise mal ein kleines Löffelchen Honig, so verspüre ich eine Geschmacks-Explosion am Gaumen und auf der Zunge und ich freue mich darüber, dass meine sinnliche Wahrnehmung so geschärft ist, dass sie diesen absoluten Genuss zulässt.

Nichgs gegen Zucker. Aber nur im richtigen Mass und in der richtigen Form, Sweetie.




18/3  Vom Daueressen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:55

Ich habe das früher auch gemacht. Wann immer sich die Gelegenheit bot, etwas Leckeres zu verspeisen, war ich dabei. Keine Bahnfahrt von Bern nach Zürich ohne einen Kauf vom Wägelchen: einen Gipfel, wenn es hatte, die waren so gross und fluffig, oder doch ein Kägi, mindestens die spanischen Nüsslein, und natürlich ab und zu einen Fruchtsaft und dann und wann ein Sandwich.

Auch im Büro konnte ich es mir oft nicht verkneifen: in der Schublade eine Tafel Schokolade, ein Säckchen mit gerösteten Cashew-Nüssen oder eine angebrochene Darvida-Packung… die hatten keine lange Überlebenschance. Und wenn der nächste Tram-Anschluss auf sich warten liess, lag locker noch ein Zwischenstopp beim Take-Away-Pizzaladen drin, wo man die Stücke schon so mundgerecht zuschneidet, dass sie sich leicht mit dem kleinen Plastic-Gäbelchen zwischen die Lippen schieben lassen.

Im Fachjargon nennt man dieses Essverhalten: Nibbling oder Grazing. Da wird dauernd etwas genascht, geschnaust, geknabbert… wie die Kühe auf der Weide, die dauernd ihr Maul im Gras haben und mampfend ihr Futter rupfen, den lieben langen Tag lang. Kein Wunder, wurden wir dabei dick und dicker. Kein Wunder, lässt sich die Adipositas-Epidemie nicht aufhalten bzw. eindämmen, werden wir doch unablässig mit Ess-Verführungen eingedeckt.

Dieser Tage ist unmittelbar neben meiner Haustür eine neue Wurst-Bar in Betrieb benommen worden: hier soll es die besten Bratwürste geben, die sonst nur am legendären „Sternen-Grill“ am Bellevue zu haben sind. Keine fünfzig Meter davon  entfernt habe ich einen neu eröffneten Schalter entdeckt, an dem Crêpes verkauft werden, den gabs bisher auch noch nicht. Und einige Schritte weiter hat es jetzt ein neues Speiselokal, wo früher ein Stoffwaren-Geschäft war, das über den Tresen Salatschalen und Anderes zum Mitnehmen verkauft…

Wie eine höhnische Bestätigung liest sich da der Bericht über eine Studie an Mäusen (in der aktuellen Ausgabe des Beobachters): zwei Gruppen von Nagern erhielten genau gleich viel Futter. Bei der einen Gruppe war die Nahrungsaufnahme nur während acht Stunden möglich, die andere Gruppe hatte rund um die Uhr Zugang zum Fressen. Die Mäuse mit der begrenzten Fressenszeit blieben normalgewichtig, die Dauer-Fressenden wurden dick und starben früher, obwohl sie mengenmässig nicht mehr Nahrung zu sich nahmen als die andern. Kommentar überflüssig.




15/3  Laufend abnehmen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 13:35

Es ist doch verblüffend. Immer wieder und überall liest man, wie „leicht“ es doch sei, abzunehmen, wenn man es nur richtig machen würde, und man fragt sich, wie es denn kommt, edass es nicht nur immer noch dicke Menschen gibt, sondern dass diese nach wie vor immer mehr und immer dicker werden.

Mit dem Dicksein lassen sich wunderbar Geschäfte machen. Das wurde mir auch heute wieder bewusst, als ich in meinem Mail-Account die Vorschau auf das neueste Fitness-Heft „fit for fun“ fand. Darin geht es u.a. ums mühelose Abnehmen beim Laufen, dank einer Reihe von unfehlbaren Tipps und Tricks.

Das Thema interessiert mich, der ich mich seit einem knappen Jahr endlich wieder besser bewegen kann. Zwar sind es im Durchschnitt „erst“ knapp 4’000 Schritte, die ich täglich zurücklege (und mir durch die freundliche App mit dem Herzen im iPhone bestätigen lasse). Noch knackt meine Arthrose im linken Knie, dank Akupunktur freilich schmerzreduziert, dafür läuft das künstliche Gelenk im rechten Knie auch nach zehn Jahren noch tadellos und beschwerdefrei (so lange sollte sie mindestens halten), aber ich kann mir einfach nicht vorstellen wie ich meine Laufleistung noch verbessern könnte, um den Gewichtsverlust markant zu steigern. Also schauen wir uns die Tipps an:

Aber gemach – zuallererst erfahre ich, dass ich mir die richtigen Laufschuhe erwerben müsste… dann merke ich, dass auch das Wissen, wie man damit um-geht nicht gratis ist. Ausführlich wird mir erklärt, wo und auf wie vielfältige Weise ich mir das aktuelle Fitnessheft käuflich erwerben kann. Sogar das Herunterladen einer PDF-Version würde mich elegante 2.99 Euro kosten…

Gratis sind einzig ein paar alte Kurzvideos, die meine Neugier wecken sollen. Zum Besipiel, wie ich mir am besten meine Schamhaare rasiere. Aber das ist momentan nicht mein Problem. Muss ich also tatsächlich das Heft kaufen, um den sensationellen „Fettkiller Laufen“ kennenzulernen?

Nach reiflicher Überlegung beschliesse ich, mir diese Ausgabe zu ersparen und dafür auf dem Nachhauseweg wieder mal mit dem Lift nur bis zum fünften Stockwerk hochzufahren, um die letzten zwei im flotten Sturmschritt zu erklimmen. Das killt zwar wohl nicht alles Fett, gibt mir aber ein gutes Gefühl.




14/3  Globulisierung

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:57

Es sind Kügelchen. Man kennt den Begriff aus der Homöopathie. Sie sollen auf sanfte Weise wirken, mit mikroskopisch kleinen Mengen von Wirkstoffen, ins Unendliche verdünnt. Und wer davon überzeugt ist, der schwört darauf.

Die Kügelchen, von denen hier die Rede ist, sind noch speziellerer Art. Sie spielen eine Rolle im Rahmen eines Programms zur Gewichtsreduktion, das unter dem Stichwort „Stoffwechselkur“ läuft. Da gibt es einerseits Globuli mit dem „HCG-Schwangerschafts-Hormon“ (vor dem allerdings medizinisch gewarnt wird), anderseits gibt es aber im Zusammenhang mit einem anderen Stoffwechselkur-Programm eine extrem besondere Form der Kügelchen: sie sind nämlich – laut Anpreisung auf der Website„frei von Materie, frei von jeglichen chemischen und hormonellen Zusatzstoffen“, sie sind „reine Informationsträger“, die den Stoffwechsel auf Hochtouren bringen und die Fettverbrennung ankurbeln sollen.

Nun habe ich ehrlich gesagt Mühe, mir vorzustellen, was das für ein Kügelchen sein könnte, das „frei von Materie“ ist: das wäre dann ja ein immaterielles Kügelchen, ein imaginäres, nicht-vorhandenes, nur ausgedachtes winziges Ding, das in meinem Körper wahre Wunder vollbringen soll… Meine dreijährige Enkelin hat es mit den „ausgedachten“ Dingen, wenn wir erfundene Geschichten spielen. Da ist dann das Holzklötzchen im Verkäuferli-Laden ein „ausgedachtes Joghurt“. Aber das kann es ja nicht sein.

Diese Stoffwechselkur-Programme beruhen hauptsächlich auf einer ketogenen Ernährungsweise mit wenig Kalorien (rund 600/Tag). Damit nimmt man in kurzer Zeit sehr gut ab. Das Problem ist dann aber, das neue Gewicht auch über längere Zeit zu halten. Vielleicht helfen hier die Kügelchen (die übrigens weltweit vertrieben werden, teilweise per Schneeballsystem) mit, wir wissen es ohne quaalifizierte Studien-Ergebnisse nicht.

Entscheidend ist der Glaube an die Wirkungsmacht der Kügelchen. Und das ist letzlich die Hauptsache: Glück gehabt, wenn es nützt, ohne zu schaden.




13/3  Kommt die Ampel doch?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:54

Bei Rot sahen sie lange rot. Die Lebensmittelindustrie kämpfte während Jahren mit allen Tricks und Kniffen gegen eine wirklich transparente Nährwert-Deklaration. Und wenn eine gesundheitsbedachte Regierung entsprechende gesetzliche Weisungen erlassen wollte, war man flink zur Hand mit einem „freiwilligen“ Code, der nach Information aussah, zum teil aber die heiklen Fakten lediglich pfiffig kaschierte.

Und nun lesen wir doch allen Ernstes, dass die marktbeherrschenden Produzenten erwägen, aus eigenem Antrieb eine „Ampel“ einzuführen: Grün-Gelb-Rot als Indikatoren für Gesundheitsverträglichkeit der Ernährung, kombiniert mit einem zahlenmässigen Faktum: wie hoch ist der Anteil des jeweiligen Nährstoffes, gemessen am durchschnittlichen Tagesbedarf eines erwachsenen Menschen?

Aber da die Leute Schlaumeier sind, definieren Sie diese Werte nicht bezogen auf eine einheitliche Referenzgrösse etwam von 100 Gramm, oder bezogen auf den gesamten Inhalt einer Packung (was auch eine spannende Kennzahl wäre, denn meist bleiben die KonsumentInnen ja doch dran, bis die Schachtel oder der Sack leer geknabbert und die Flasche ausgetrunken ist).

Zudem ist aus der verfügbaren Information (noch?) nicht ersichtlich, auf welche Referenzwerte sich die Einstufungen beziehen, wo die Grenze zur „problematischen“ Menge überschritten wird? Da das System auf Freiwilligkeit beruht, gibt es keine übergeordneten Kriterien, jeder Anbieter kann selber „seine“ Portionengrösse bestimmen, so unrealistisch diese in der Praxis auch sein mag (wenn etwa bei Frühstücks-Cerealien von 30 Gramm ausgegangen wird). Die Portionengrösse war und ist seit der prophylaktischen Einführung des GDA-Systems (der Empfehlung für den täglichen Verbrauch), mit dem die Food-Produzenten das in England lancierte Ampel-System auszutricksen versuchten, umstritten, da sie gezielt so klein angesetzt wird, dass die effektiven Inhalte unterhalb der Risiko-Schwelle bleiben.

Nun schlägt dieser unverhofften Perspektive auf eine spontane „Ampel“ nicht durchwegs Begeisterung entgegen. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE formuliert vorsichtige Vorbehalte: mit der dreifarbigen Ettikettierung allein ist einer rundum gesunden, ausgewogenen Ernährung nicht beizukommen. Selbstverständlich nicht. Aber das ist für mich wie mit den Verkehrszeichen und -signalen allgemein: Es mögen noch so viele davon am Strassenrand aufgestellt sein, sie allein garantieren noch keine absolute Sicherheit. Aber sie sind Warn-Hinweise, die beim Automobilisten eine bewusste, vernünftige und richtige Reaktion auslösen sollen, können, im besten Fall. Aber sie hindern ihn nicht daran, allenfalls doch einen Unfall zu bauen… Vor den Folgen schützt erst der Airbag.

Aus Adipositas-Sicht begrüssen wir diese neue Ampel-Perspektive. Sie sollte nur nicht „freiwillig“ (und damit unkontrolliert) bleiben. Jetzt müssten die verantwortlichen Organe rasch nachfassen und das Projekt offizialisieren. Vollgrün!