15/11  Fake-Fleisch oder Imitat?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 11:32

Nun wird er auch bei BurgerKing verkauft. Der fleischlose Hamburger ist zum modischen Renner geworden und wird im Land der ungebändigten Fleischfresser, den USA, immer gefragter. Das geht offenbar so weit, dass über ein Gesetz diskutiert wird, das verlangt, veganer Fleischersatz müsse in der Deklaration zwingend als „Nachahmung“ bezeichnet werden.

Daneben wird von der realen Fleischindustrie moniert, das pflanzliche „Fleisch“ sei nicht mehr natürlich, es handle sich um ein „hochverarbeitetes“ Lebensmittel mit einer Vielzahl von „Zutaten“ und Hilfsstoffen und könne daher niemals so gesund und bekömmlich sein wie die originale Fleischfaser vom Weiderind…

Die Veganer halten dagegen: das „richtige“ Fleisch sei wesentlich umweltbelastender und stelle einen ökologischen Sündenfall dar, indem es eine Vielfaches an Ressourcen verbrauche, das Imitat hingegen enthalte wertvolle pflanzliche Nährstoffe, die in einer ausgewogenen Ernährung unverzichtbar seien.

Auf der einen Seite ist es zu begrüssen, dass die Palette der Angebote ausgeweitet wird und der qualitative Standard dabei hoch bleibt. Ich frage mich zwar dauernd, wieso bei diesen Fleisch-Nachahmer-Produkten dann auf Teufel komm raus alles unternommen werden muss, um das Erzeugnis im Aussehen und im Geschmack so „fleischähnlich“ wie nur möglich zu machen, wo doch die Hardcore-Veganer nichts mehr hassen als ein Stück von einem getöteten Tier…

Aber es leuchtet mir ein, dass eingefleischte (im wahrsten Sinn des Wortes) Karnivoren nur zum Umsteigen auf Pflanzen-Nahrung motiviert werden können, wenn diese eben genau so schmeckt und wirkt wie das Original. Die weitere Entwicklung in dieser Sache darf mit Spannung beobachtet werden.




13/11  Welt-Diabetes-Tag

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:42

Morgen, am 14. November, wird er begangen. Diabetes Typ 2 ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen von Übergewicht und Adipositas. Früher sprach man von „Altersdiabetes“, heute ist das Phänomen vermehrt bereits bei Jugendlichen und sogar Kindern anzutreffen, wenn diese schon früh stark übergewichtig sind.

Schätzungsweise rund 500’000 Personen sind in der Schweiz an Diabetes erkrankt. Im Durchschnitt dauert es sieben Jahre, bis ein Diabetes Typ 2 entdeckt wird. Ob jemand zur Risikogruppe gehört, kann durch entsprechende Tests ermittelt werden. Die verschiedenen lokalen Sektionen der Diabetes-Gesellschaft bieten solche Tests an. – Weltweit leiden ca. 425 Millionen Menschen oder jeder 11. Erwachsene unter Diabetes. Jeder zweite Mensch, der derzeit mit Diabetes lebt, wird nicht diagnostiziert. Die überwiegende Mehrheit davon hat Typ-2-Diabetes.

Der Welt-Diabetes-Tag wurde 1991 von der International Diabetes Federation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation ins Leben gerufen und erreicht ein globales Publikum von über einer Milliarde Menschen in mehr als 160 Ländern. Er wird jedes Jahr am 14. November gefeiert, dem Geburtstag von Sir Frederick Banting, der 1922 zusammen mit Charles Best das Insulin entdeckte. Im Vordergrund der diesjährigen Kampagne der IDF, einer weltweiten Organisation zur Erforschung und Behandlung von Diabetes, steht das Thema Familie und Diabetes. Dabei liegt der Fokus auf der Erkennung von Warnzeichen, den Auswirkungen von Diabetes auf die Familie und der Förderung der Rolle der Familie bei der Verwaltung, Pflege, Prävention und Aufklärung von Diabetes. Ziel dabei ist es, die Früherkennung und Behandlung der Krankheit in der breiten Öffentlichkeit zu fördern.




12/11  Nachhaltig essen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:46

Es ist das Zauberwort der Stunde: Nachhaltigkeit. Wenn sogar unser liebes Farbfernsehen verkündet, es wolle künftig seine Krimis (bzw. den Tatort) wenigstens „nachhaltig“ produzieren, so muss an dieser Formel etwas Magisches sein. Und wir sollten uns das „Nachhaltige“ auch für unsere Ernährung sichern.

Dazu gibt es heute schon zahlreiche Ansätze, die konsequent auszubauen wären. Der ganze Kampf gegen Food Waste geht in diese Richtung, die Bestrebungen, mehr Läden mit Offen-Verkauf einzurichten, in denen auf das plastifizierte Verpackungsmaterial verzichtet werden kann, sodann bei Beachtung der Regionalität, der kurzen Versorgungswege, die saisonale Küche, die auf Früchte und Gemüse verzichtet, welche aus Übersee eingeflogen werden müssen…

Und da finde ich doch eine Betrachtung der Nahrungs-Expertin Marion Nestle, welche festgestellt hat, dass – zumindest in USA, aber es wird hierzulande nicht viel anders sein – die Getränke-Industrie zu den grössten Umweltverschmutzern gehört, indem sie ihre Produkte praktisch ausschliesslich in Einweg-Gebinde abfüllt. Gleichzeitig torpediert die Getränke-Lobby aber offenbar konsequent die Bestrebungen, in einzelnen US-Staaten eine griffige Gesetzgebung für ein konsequentes Dosen- und Flaschen-Recycling einzuführen.

Das sei, so Nestle, in hohem Masse heuchlerisch, denn es sei statistisch erwiesen, dass in Staaten, in denen es entsprechende Gesetze gibt, die Recycling-Quote deutlich höher sei (nämlich 60%), während sie in Staaten ohne Gesetz lediglich 40% beträgt. Die Schweiz spielt da zwar in einer ganz anderen Liga: 2018 wurden 96% der Glas-Verpackungen rezykliert, beim Alu waren es 90% und bei den PET-Getränkeflaschen immerhin 82%… Aber trotzdem: die Einführung eines Flaschenpfandes auf PET könnte die Quote noch deutlich nach oben schnellen lassen!

Und das ist nur das Trinken. Vom Essen gibt es noch keine umfassenden Statistiken. Vielleicht ändert sich das, wenn nun im Bundeshaus die grüne Fraktion mehr zu sagen hat. Man darf auf entsprechende Entwicklungen gespannt sein. Wir bleiben jedenfalls am (nachhaltigen) Ball.




11/11  Tag der Kranken

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:33

Nein, der ist nicht heute. Aber er wirft seine Schatten voraus, obwohl er erst am 1. März 2020 stattfindet. Denn es gibt eine Institution, die sich mit diesem Merk-Datum befasst und auf einer eigenen Webseite alle einschlägigen Informationen anbietet, die zur Vorbereitung dieses „Jahrestags“ dienen können, um ihm in der Öffentlichkeit möglichst viel Nachhall und Wirkung zu verschaffen.

Für 2020 wurde ein Motto festgelegt: Ich bin mehr als meine Krankheit(en). – Das scheint auf den ersten Blick eine triviale Aussage. Aber bei näherer Betrachtung offenbart sich ein tiefer Hintersinn: die meisten von uns nehmen „Gesundheit“ als einen Normal-Zustand, als etwas Selbstverständliches. Gedankenlos setzten sie oft ihr eigenes Wohlergehen aufs Spiel, indem sie sich risikoreich verhalten, sich – oft wider besseres Wissen – selber Schaden zufügen, sei es durch das, was sie konsumieren oder dadurch, wie sie sich verhalten. „Raubbau“ sagte man früher dazu: von Ressourcen zehren, solange sie da sind. Ist der Vorrat gross, fällt das kaum ins Gewicht und es gibt dazwischen Phasen der Regeneration.

Aber mit den Jahren kommen die Gebresten. Es knickt und zwickt allerorten. Und je älter man wird, desto intensiver beschäftigt man sich mit seinen Krankheiten. Man spricht darüber, sie beherrschen den Alltag, geben den Takt vor, auch wenn oft auf hohem Niveau gejammert wird. Hypochonder neigen dazu, das kleinste Wewehchen schon als tödliche Bedrohung zu verschreien und in Trübsal zu versinken, statt dass sie sich erfreuen an dem, was das Leben ihnen (noch) zu bieten hat.

In diesem Sinne ist das Motto 2020 wohl zu verstehen: neben dem was uns an Krankheit(en) plagen mag gibt es so Vieles, das uns den Tag verschönern kann und wofür es sich zu leben lohnt, dass wir Grund haben, dankbar zu sein und uns über das zu freuen, was noch geht, statt zu beklagen, was nicht mehr so rund läuft. Mal den 1. März abwarten!




8/11  Schöne digitale Welt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:38

Es war eine spektakuläre, spezielle Veranstaltung. Thema: Patienten in der digitalen Welt – Herausforderungen und Lösungen. Im Berner Kursaal trafen sich Vertreterinnen und Vertreter von Patientenorganisationen, eingeladen hatte die Firma Novartis zum „European Patient Innovation Summit 2019“.

Ein europaweites Netz über Satellit war aufgebaut worden, über das eine Reihe europäischer Hauptstädte miteinander optisch und akustisch verbunden waren, von London, Paris, Brüssel bis nach Malta und Zagreb… Überall sassen PatientenvertreterInnen beisammen und diskutierten über vorgegebene Fragen, nachdem sie sich simultan die einleitenden Fachreferate angehört hatten.

Was bringen digitale Tools (Apps) den Menschen, die an chronischen Krankheiten leiden? Welche Aufgaben im Gesundheitswesen könnten an Künstliche Intelligenzen (KI) delegiert werden? Wie sieht die Situation in den einzelnen Ländern bezüglich der Einführung von elektronischen Patientendossiers (EPD) aus? Welche Lösungen zeichnen sich ab und vor allem: welche zentralen Erwartungen haben „Betroffene“ an die digitale Innovation der Zukunft?

In der Diskussion wurde bald klar: jedes Krankheitsbild verbindet ganz eigene, spezielle Hoffnungen mit einem digitalen Support. Dieser kann in mancherlei Hinsicht hilfreich sein: für ein personalisiertes und kontinuierliches Monitoring, als erste Ansprech-Stelle (über sogenannte Chatbots, die auf Anfrage hin einfache Diagnosen abgeben können), bis zu den kompletten elektronischen Dossiers, in denen die ganzen Krankengeschichten mit allen Details gespeichert sind.

Am Ende des Tages ging es darum, im Austausch mit allen teilnehmenden Gruppen jene Fragestellung zu ermitteln, welche die grösste Herausforderung an die künftige Entwicklung darstellt. In der Berner Gruppe einigte man sich auf die Frage: Wie gelingt es, den Patienten so in den künftigen Prozess einzubinden („co-create“), dass er einen optimalen Nutzen zur Steigerung seiner Lebensqualität erhält?

Die Frage, die ich selber im Brainstorming eingebracht hatte, wurde zwar freundlich notiert, aber dann doch nicht weiter verfolgt. Sie scheint mir trotzdem von einiger Relevanz zu sein: Was ist mit dem digitalen Support, wenn es keinen Strom mehr gibt?




4/11  Zuckerbombe

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:58

Weniger wäre mehr. Und unser Gesundheitsminister rühmt sich mit dem „Erfolg“ seiner Vereinbarung mit den Lebensmittelfabrikanten, in einzelnen Joghurts den Zuckergehalt um bis zu sagenhaften 10 Prozent (!) reduziert zu haben: waren früher auf 100 Gramm Joghurt 17 Gramm zugefügter Zucker, so sind es jetzt nur noch 15,3 Gramm. Wahnsinn… Jetzt werden wir alle schlank!

Am Samstag habe ich für einen Familienbrunch wieder mal in der Migros das ganz normale „Classic“-Himbeer-Joghurt gekauft. Still und heimlich sind die Becher angewachsen von früher 180 Gramm auf neu runde 200 Gramm. Der Zucker-Anteil beträgt 12 Gramm auf 100, im ganzen Becher hat es also 24 Gramm zugefügten Zucker, das weist die Nährwert-Angabe aus. Und dahinter steht die Kolonne mit dem prozentualen Anteil am „empfohlenen Tagesbedarf“, der sogenannten Referenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen. Da steht eine überraschende Zahl: die 24 Gramm Zucker seien 27 Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs… also quasi ein Viertel. Wenn man das hochrechnet, kommt man auf sage und schreibe 100 Gramm Zucker als Referenzmenge für den „empfohlenen“ Zuckerkonsum!?!

Was läuft da schief? Man weiss, dass die WHO einen täglichen Maximal-Konsum an zugefügtem Zucker von 50 Gramm empfiehlt, und schon das ist das Resultat eines Power-Lobbyings der globalen Zuckerindustrie. Und wer auf sein Gewicht achten oder gar abnehmen will, sollte wenn immer möglich total auf zugefügten Zucker verzichten und beim natürlichen Fruchtzucker vorsichtig sein…

Ist das nun eine Irreführung der KonsumentInnen? – Nein, denn es ist ja offen deklariert. Aber ist es auch „richtig“ und „korrekt“? Oder habe ich dummerweise die Prozent-Angaben in der Deklaration völlig falsch interpretiert? Vielleicht kann jemand Licht in die Zucker-Finsternis bringen und die Bombe entschärfen..?




31/10  Süsses oder Saures?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 17:11

Jetzt sind sie wieder unterwegs. Die Kleinen ziehen um die Häuser, sagen ihre Sprüchlein auf, singen Lieder und freuen sich, dass sie sich – zumindest einmal im Jahr quasi legitim – dem Süssigkeiten-Rausch hingeben dürfen.

Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet auf diesen Zeitpunkt der Deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte mit einer Forderung an die Öffentlichkeit tritt, es sei die Werbung für sogenannte „Kinderschokolade“ und ähnliche Süssigkeiten grundsätzlich zu verbieten?

Zwar gibt es in den meisten Ländern mehr oder weniger explizite Einschränkungen der TV-Werbung im Umfeld von „Kindersendungen“, aber diese greifen oft zu kurz, denn die Mediennutzung der Kids hat sich in den letzten Jahren rasant verändert, weg von den analogen Angeboten hin auf digitale Plattformen, für die es noch keine griffigen Regelungen gibt. Und für alle, die dem alten Bildschirm-TV treu geblieben sind, prägen die rund um die Uhr in Endlos-Schlaufe programmierten Werbespots, dass der unlimitierte Verzehr von Schokolade und stylischen Produkten aus Zucker und Fett nicht nur höchste Glücksmomente vermittelt und ein zentrales Element des Familiengefühls sei, sondern darüber hinaus zwingender Bestandteil einer für Kinder besonders gesunden Ernährung sein müsse. Und wenn die Produkte dann im Namen – wie bei Ferrero der Fall – den Begriff „Kinder-“ tragen, ist die Verheissungslüge perfekt.

Unlängst wurden im Bundeshaus die Unterschriften für eine Initiative eingereicht, welche ein Verbot fordert für Tabak-Werbung, die sich an Kinder und Jugendliche wendet bzw. von diesen konsumiert werden kann. Und schon formiert sich der Widerstand der Tabak-Lobby.

Versuche von uns Gesundheitsorganisationen, in der Medien-Gesetzgebung entsprechende Formulierungen zum Schutz der Jungen vor zucker- und fettreichen Genussmitteln einzubringen, wurden bisher auf allen Stufen der Vernehmlassung abgeblockt, der „freie Markt“ siegte über die Gesundheit. Vielleicht ändert sich das, wenn die deutschen Kinderärzte mit ihrem Vorstoss Erfolg haben.




30/10  Selbstmanagement

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:36

Hilf dir selbst, so hilft dir Gott. Das Sprichwort stammt wohl aus einer Zeit, in welcher der Glaube an die Allmacht Gottes noch intakter war als heute. Und doch ist die „Selbsthilfe“ ein wesentlicher Faktor für Menschen, die mit einer Krankheit kämpfen, vor allem, wenn diese chronisch ist.

Im Rahmen der Strategie gegen nichtübertragbare chronische Krankheiten (NCD) hat das Bundesamt für Gesundheit BAG im Zusammenarbeit mit anderen Trägern zu einer Tagung eingeladen: Forum SELF – Good practice-Angebote zur Selbstmanagement-Förderung. Teilgenommen haben rund 120 Vertreterinnen und Vertreter von nationalen, kantonalen und kommunalen Gesundheitsbehörden, Patientenorganisationen, Krankenkassen, NGOs, medizinischen Fachgesellschaften und Selbsthilfe-Institutionen.

Zentrales Thema war die Förderung der Gesundheits-Kompetenz bei Betroffenen und deren Angehörigen. Vorgestellt wurden eine Reihe von Konzepten und Angeboten, die sich in der Praxis bewährt haben, hauptsächlich ausgerichtet auf die Thematik von Sucht und Psychischen Erkrankungen, aber auch anderer Krankheitsbilder wie Diabetes, COPD, Herzinsuffizienz und Selbstmord-Risiko.

In verschiedenen Workshops wurde über ausgewählte Modelle diskutiert, insbesondere auch unter dem Aspekt der nachhaltigen Finanzierung solcher Angebote, sowie der neuen technischen Möglichkeiten durch die Digitalisierung. Es war eine breit gefächerte, informative Palette, die eine Fülle von Anregungen und Impulsen bot. Einen tiefen Eindruck vermittelte ein Podiumsgespräch mit Betroffenen, die in berührender Offenheit über den Umgang mit ihrer Krankheit und die Hilfe berichteten, die sie in Selbstmanagement-Gruppen gefunden haben und die sie an andere weitergeben können.

Eine lobenswerte und wichtige Initiative, die viel Gutes bewirkt. Sie liess bei mir nur eine Frage offen: so hilfreich diese Angebote für die einzelnen Betroffenen sein mögen – wie sieht es mit der „Breitenwirkung“ aus? Wie viele Menschen können dadurch den Umgang mit ihrer Krankheit verbessern, gemessen an der totalen Anzahl der Betroffenen? Dargestellt an unserem eigenen Beispiel der Adipositas: da gibt es eine halbe Million von Erwachsenen, die an dieser Krankheit leiden. Und es gibt 25 Selbsthilfegruppen, die sie beim Selbstmanagement unterstützen können. In jeder dieser Gruppen sind im Schnitt 30 PatientInnen und Angehörige organisiert. Das sind 750 Leute, wenn es hoch kommt: 1’000. Das wären dann nach Adam Riese gerade mal 2 Promille.

Da gibt es noch Luft nach oben…




23/10  Fettschürze? – Prozessieren!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:39

Sagt der Kassensturz. In einem Beitrag in der Sendung vom 21. Oktober ging es um die Frage der Wiederherstellungschirurgie nach massivem Gewichtsverlust. Geschildert wurde der Fall einer 31-jährigen Patientin, die nach einer Magen-OP 80 Kilo abgenommen hatte und nun unter den Folgen ihrer Fettschürze zu leiden hat. Nicht nur behindern sie die Hautlappen bei jeder Bewegung, es bilden sich überdies üble Gerüche und Entzündungen, die an heissen Tagen eine stündliche Pflege benötigen und ein soziales Leben ebenso unmöglich machen wie eine berufliche Aktivität, ganz abgesehen von der seelischen Belastung, die aus dieser Situation entsteht.

Die behandelnde Klinik hatte dreimal um eine Kostengutsprache für die Hautstraffung ersucht, diese war jedoch von der Krankenkasse Concordia immer wieder abgelehnt worden. Im Beitrag begründete der Kassen-Vertreter die Ablehnung mit der „strengen Rechtssprechung“ durch „sehr strenge Bundesgerichtsurteile“, welche es den Kassen verböten, „einfach so“ zu bezahlen.

Bei dieser zynisch-verlogenen Argumentation kommt einem die Galle hoch! Richtig ist, dass „kosmetische Schönheitsoperationen“ nicht zu den Pflichtleistungen der Kassen gehören. Und richtig ist, dass ein fatales Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahre 2006 zu ungunsten eines Patienten ausgefallen ist. Seitdem berufen sich zahlungsunwillige Kassen auf dieses Urteil. Wird jedoch bei einer Eingabe der „Krankheitswert“ durch die Kassenwarte als gegeben erachtet, können die Kosten für die Rekonstruktion übernommen werden. Dies ist immer wieder der Fall.

Es ist also nicht so, dass solche Eingriffe generell nicht bezahlt werden dürften. Vielmehr herrscht hier ein weites Feld der Willkür, dabei spielt unter anderem auch das Verhältnis zwischen dem Vertrauensarzt der Kasse und dem zuweisenden Mediziner eine Rolle. Und es ist auch nicht so, dass diese doch sehr gravierenden und grossflächigen Eingriffe „einfach so“ beantragt würden. Die Ausreden der ablehnenden Kassen sind schlicht skandalös.

Vor den Scheinwerfern und der Kassensturz-Kamera signalisierte der Concordia-Mann (wen wundert das?) Verständnis für den geschilderten Fall und anerbot sich, ein „unabhängiges Gutachten“ (was soll denn das sein? wer kann einen Fall besser beurteilen als der behandelnde Adipositas-Spezialist?) zu prüfen. Und schliesslich willigte man ein, 90% der Kosten für diesen Eingriff zu übernehmen… aber nicht etwa im Rahmen einer Kassenleistung, sondern zulasten der hauseigenen „Stiftung für Härtefälle“. Verlogener geht es nun wirklich nicht.

Ein Versicherungsexperte führte abschliessend aus, was vielen Betroffenen so nicht bewusst ist: gegen eine Kassen-Verfügung kann Einsprache erhoben werden. Bleibt dies ohne Wirkung, kann man den Gang an die Gerichte ins Auge fassen. Und dieser ist, entgegen einer weit verbreiteten Annahme, GRATIS und ohne weitere Kostenfolgen. Wer sich mit seinem Anliegen an das kantonale Versicherungsgericht wendet, bekommt in Härtefällen sogar einen unentgeltlichen Rechtsbeistand. Dies ist auch in einer Publikation (Download unten an der Website) des Bundesamtes für Gesundheit ausführlich dargelegt, in der auf alle Fragen zur obligatorischen Krankenversicherung eingegangen wird.

Wir von der SAPS prüfen nun die Möglichkeit, einen Formelbrief für solche Eingaben anzubieten. Wir bleiben dran.




16/10  Kinder abschreiben?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:24

Nachtrag zum Welt-Adipositas-Tag. Der Mitteldeutsche Rundfunk hat einige Fakten zusammengestellt, die zu denken geben. Es geht dabei um übergewichtige und adipöse Kinder, deren Zahl weltweit explosionsartig zunimmt. Auffallend ist dabei, dass die Anzahl der betroffenen Kids in den Ländern mit hohem Einkommen zwar stagniert, aber auf viel zu hohem Niveau, während sie in „armen“ Ländern nach wie vor im Steigen begriffen ist.

Diese Kinder tragen eine schwere Last in ihre Zukunft und ihr Schicksal scheint nicht abwendbar zu sein, denn die Lebensmittelindustrie ist nach wie vor auf Wachstum gebürstet und die Politik weigert sich, griffige Massnahmen zur Regulierung von Missbräuchen zu erlassen. Das läuft alles still aber unaufhaltsam ab. Verhaltensänderungen auf freiwilliger Basis haben bis jetzt weltweit und flächendeckend versagt.

Irgendwie scheint mir diese Entwicklung parallel zu verlaufen mit dem, was wir von Seiten der „Klimaleugner“ in den sozialen Medien erleben. Die werden nicht müde, immer wieder einen sogenannt wissenschaftlichen Irrläufer zu zitieren, der angeblich den ultimativen Beweis geliefert hat, dass das mit der Klimakatastrophe gar nicht wahr ist… Und überhaupt, das ist dann das Totschlag-Argument, sei die Schweiz ja ein so kleines Land, dass wir ohnehin keine Chance hätten, etwas zur Errettung des Klimas beizutragen, da könnten wir es doch ebenso gut bleiben lassen.

Wer so hirnverbrannt argumentiert, könnte ja auch sagen: mein Beitrag als Einzelner ist noch viel kleiner, wozu sollte ich also mein Verhalten ändern, das macht ja eh noch viel weniger aus. Und wenn alle so denken…

Klar, Klima und Übergewicht sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Das eine betrifft die Person als Individuum und ihre gesundheitliche Zukunft, das andere betrifft uns alle und die Welt insgesamt und die Zukunft unserer Nachfahren. Aber die Mechanismen scheinen mir doch vergleichbar: in beiden Fällen ist es dringend nötig, von vertrauten Gewohnheiten abzulassen, Mässigung zu halten, Verzicht zu üben, bewusste Achtsamkeit zu pflegen und sich zu beschränken. Und wer macht das schon gerne freiwillig?

Die Kinder haben in beiden Fällen keine Wahl, wenn die Erwachsenen sie abschreiben.