9/12  What About The Children?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:51

Es geht ums Kindswohl. Ums Wohlergehen der Jungen und der Heranwachsenden. Das Titel-Zitat stammt von einem altgedienten Aktivisten des Schweizer Kinderhilfswerks Terre des hommes, das ich einige Jahre lang präsidieren durfte. Wenn sich der Stiftungsrat in hitzigem Argumentieren über organisatorische, strukturelle oder ethische Probleme stritt, warf er diesen zentralen Satz mit seiner ruhigen Stimme in die Debatte: Und was ist jetzt mit den Kindern?

Diese Frage ging mir durch den Kopf, als ich las und hörte, wie kürzlich in unseren Räten über das zu revidierende Tabakproduktegesetz diskutiert wurde. Da waren es vor allem die strammen Rechtspopulist*innen, die sich zwar doppelzüngig zur Wichtigkeit des Schutzes der Jugendlichen bekannten, sich aber gleichzeitig gegen jede weitergehende Regulierung verwahrten, welche die kommerziellen Interessen der Tabakindustrie tangieren könnte.

Was sich hier mit dem Schadstoff Nikotin abspielte, läuft vergleichbar auch ab bezüglich der Werbung für sogenannte „HFSS“-Lebensmittel (= High Fat, Sugar and Salt), die gezielt an Kinder und Jugendliche gerichtet ist. In den letzten Jahren hat sich der Medienkonsum der Jungen zunehmend weg von den klassischen Angeboten wie Radio, TV und Presse in die Sozialen Medien und Streaming-Plattformen sämtlicher Spielarten verlagert. Die geltenden Bestimmungen bezüglich Schutz der Jugendlichen vor „ungesunder“ Werbung und entsprechendem Marketing sind aber nach wie vor auf die linearen Angebote ausgerichtet.

Hier besteht ein enormer Nachholbedarf, denn die technische Entwicklung in den digitalen Angeboten schreitet rasant voran mit personalisierten Werbe-Botschaften, die zielgerichtet auf die jeweiligen User*innen abgestimmt sind. Die WHO – Büro Europa – hat einen sehr informativen, 70 Seiten starken Bericht zu dieser Thematik erstellt, der aufzeigt, wie diese Mechanismen funktionieren und wo die Staaten durch geeignete Gesetzgebung Einfluss nehmen können.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat sich dieses Problem mit hoher Priorität auf die Fahnen geschrieben. Das ist verdienstvoll und wichtig. Wenn ich aber an gewisse Voten im Parlament denke, wird mir flau im Magen und ich frage mich, wie „wirksam“ eine Schweizer Regelung letztlich dann sein wird, nachdem sie durch die Kompromiss-Mühle gegangen ist…

Es wird viel Überzeugungsarbeit und hartes Lobbying unsererseits brauchen, um der geballten Marktmacht der Lebensmittelindustrie entgegen zu treten. Und unser Leitmotiv muss die Frage sein: What about the children?




2/12  Dick am Radio

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:20

Ein Akzent zum Übergewicht. Gesetzt hat ihn Radio SRF 1, gestern Abend und heute Vormittag. In der Abend-Sendung „Doppelpunkt“ vom 1. Dezember wurde die „Fett-Aktivistin“ Melanie Dellenbach vorgestellt. Nach einer belasteten Zeit als „dickes Kind“ hatte Melanie schliesslich Frieden mit ihrem Körper geschlossen und sich voll und ganz darauf konzentriert, für mehr Akzeptanz der „hochgewichtigen“ Menschen – wie sie sagt – zu kämpfen, gegen Diskriminierung und die allgemeine Benachteiligung, der Menschen immer noch ausgesetzt sind, die nicht der – vermeintlichen – von der Gesellschaft akzeptierten „Norm“ entsprechen.

Unter dem Label Yes2Bodies hat sie eine Bewegung ins Leben gerufen, um übergewichtige Menschen zu motivieren, es ihr gleich zu tun und sich zu ihrem voluminösen Dasein zu bekennen und den ihnen gebührenden Respekt einzufordern. Sie gibt einen Newsletter heraus und bietet Workshops an. Dabei geht es nicht nur um die Gewichtsdiskriminierung, sondern ebenso um Inclusivity, die gegenseitige Akzeptanz aller Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrer Sexualität.

Wir hatten Melanie 2011 in unserem saps-Magazin kurz vorgestellt. Sie bot damals spezielle Bauchtanz-Kurse an: „Tribal Fusion for Beautiful Curves“. Es ist bewundernswert, dass sie ihren Kampf so konsequent fortgesetzt hat… und gleichzeitig bedauerlich, dass dies immer noch nötig ist, sogar in zunehmendem Masse, dass es trotz Anstrengungen auf allen Ebenen noch immer nicht gelungen ist, der Diskriminierung von schwergewichtigen Menschen wirksam paroli zu bieten. Ihr Bekenntnis in der Sendung „Doppelpunkt“ ist anregend und hörenswert.

Und am 2. Dezember wird das Thema fortgesetzt. In der Vormittags-Rubrik „Treffpunkt“ geht es um die Frage nach dem „Idealgewicht“ und nach der Bedeutung des Körpergewichts im Wandel der Zeit. Befragt wird u.a. der Evolutionsmediziner Prof. Frank Rühli. – Im Nachmittagsprogramm werden die Zuhörer*innen aufgefordert, über ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit ihrem Körpergewicht zu berichten. Kein Wunder, dass sich als erster ein „fitter“ Zeitgenosse meldet, der sich rühmt, schlank und sportlich zu sein…




30/11  Gegen-Rebellion

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:09

Es sind beängstigende Nachrichten. Sie erreichen uns aus verschiedenen Ländern, vornehmlich aus Deutschland: in grosser Zahl rotten sich da die Corona-Skeptiker, die sich selber «Querdenker» nennen, zusammen und demonstrieren gegen die angeordneten Sicherheits- und Hygiene-Massnahmen. Unter dem Vorwand, für Freiheit und Selbstbestimmung einzustehen, formiert sich ein bunter Haufen, der von Verschwörungs-Spinnern und Neonazis unterwandert ist. Die redlichen «kritischen» Geister, die sich ernsthafte Sorgen über die aktuelle Lage an der Corona-Front machen, scheinen in der Minderzahl zu sein. Wer den Dialog sucht, wird niedergebrüllt.

Auch hierzulande gibt es Demos von «Masken-Verweigerern», die sich in merkwürdiger Hysterie dagegen auflehnen, sich selbst und andere zu schützen. Da werden auch die angedrohten Bussen von bis zu 300 Franken wenig nützen. Für Adipositas-Betroffene, bei denen nachweislich ein grösseres Risiko besteht, in einem Ansteckungs-Fall mit einem schwereren bis schweren Verlauf der Krankheit rechnen zu müssen, gilt daher ultimativ: Haltet euch von solchen Manifestationen konsequent fern! Meidet jeden Kontakt mit den selbsternannten Corona-Rebellen, auch wenn ihr persönlich noch so kritisch eingestellt seid, tut es eurer Gesundheit und eurem Überleben zuliebe. Das Risiko ist viel zu gross und die Pandemie leider noch länger nicht vorbei.




2/11  Hallo, ihr lieben Kilos!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:40

Die Viren-Krise hat uns wieder. Erneut ruft uns Vater Staat zu häuslichem Verweilen auf, empfiehlt neben Maskenpflicht und distanziertem Benehmen auch den Verzicht auf freie Bewegung, insbesondere auf den Weg zur Arbeit. Home Office ist erneut angesagt. Wer es kann hält sich dran.

Das hatten wir ja schon, inklusive die sozusagen unausweichliche Gewichtszunahme, die viele von uns im Frühjahr während des Lockdowns ereilt hatte: 4 Kilo waren es im Schnitt, aus USA hört man, dass das Volk in dieser Zeit bis zu 8 Kilogramm zugelegt hatte. Die Gründe liegen auf der Hand: selbst wer sich zuvor nur mässig bewegt hat, schränkte nun seine Schritt-Zahl drastisch ein, vom Bett in die Küche zum Tisch und wieder ins Bett… Und vor allem: dass der Kühlschrank, prall gefüllt, weil auch der Gang in den Supermarkt zur Risiko-Parcours geworden war, an 7 Tagen während 24 Stunden verführerisch zur Verfügung stand, das hat uns zu einem Snack-Verhalten verführt, wie wir es im Büro nur ausnahmsweise ausleben können.

Seit dem Ende des ersten Lockdowns habe ich durch wiedergewonnene Disziplin fast acht Kilo wieder abgenommen. Ein Erfolgserlebnis an sich. Aber nun soll es wieder losgehen im alten Stil?

Habe ich aus der ersten Phase etwas gelernt, um den Kollateralschaden auf Rippen und Hüften zu vermeiden? An guten Ratschlägen fehlt es derzeit in den Gazetten nicht: Essen nur zu Fixzeiten, Intervallfasten ausprobieren, professionelle Hilfe suchen, vorübergehend auf vegane Ernährung umstellen, auf Alkohol verzichten, wenn möglich kein oder nur wenig Zucker, kein Fastfood holden sondern selber kochen… eigentlich wüsste man ja alles, denn man hat es im Bestreben, sein Gewicht unter Kontrolle zu halten, schon mehrmals ausprobiert, mit wechselndem Erfolg.

Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, diesmal bewusster auf mein Essverhalten zu achten, ev. mit Unterstützung eines Programms oder einer App, um die Fehler zu vermeiden, die mir quasi unbewusst in der ersten Phase unterlaufen sind… Ob es etwas nützt? Die Waage wird es mir sagen, gnadenlos.




6/10  Zuckerschalmeiereien

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:31

Sie kennen nichts. Die Zuckerrübenbauern verlangen vom Bund, dass er ein Pestizid-Verbot zurücknimmt, weil sonst ihre Ernte gefährdet sei. Folgeschäden für die Umwelt: egal! Gleichzeitig veröffentlicht die „Informationsgruppe Erfrischungsgetränke“ einen flammenden Appell gegen eine allfällige Zuckersteuer, aufgrund ihrer letzten Monitor-Umfrage.

Bei dieser jährlichen gfs-Befragung werden die Fragestellungen mit Bedacht so gewählt, dass die Befragten gar nicht anders können als im Sinn und im Interesse der auftraggebenden Organisation zu antworten: Was wollt ihr lieber: frei entscheiden können, was ihr kauft, oder staatliche Bevormundung? – Ein Narr bzw. ein schlechter Eidgenoss, der da nicht mit heissem Herzblut für die freie Entscheidung eintritt!

Eine Zuckersteuer – so die Süssgetränke-Lobbyisten weiter – würde eine soziale Ungerechtigkeit darstellen, da arme Familien stärker betroffen wären (Frage: trinken die erwiesenermassen so viel mehr Limonade als die Reichen?) und da zudem ein unerwünschter Einkaufstourismus ins Ausland einsetzen würde, wo dann die süsse Plörre billiger zu haben wäre…

Überhaupt, so die Getränke-Leute, sei ein freies, eigenverantwortliches Konsumverhalten auf jeden Fall besser, sofern de mündige Bürger ausreichend aufgeklärt sei. Und dies, sagen sie weiter, sei durchaus der Fall, denn sage und schreibe 81 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich ausgewogen verpflegen würden und umfassend informiert seien.

Nun ist allerdings anzunehmen, dass zwischen der optimistischen Selbsteinschätzung der Umfrage-Teilnehmenden und ihrem effektiven Wissensstand sowie vor allem ihren Einkaufsgewohnheiten eine ziemlich ansehnliche Lücke klafft, denn wie zum Teufel liesse sich sonst erklären, dass die Schweizer Bevölkerung nach wie vor pro Kopf doppelt so viel Zucker konsumiert, wie die Weltgesundheits-Organisation als Maximum empfiehlt?? Und dass der Trend zu Übergewicht und Adipositas nach wie vor, wenn auch etwas verlangsamt, im Zunehmen begriffen ist???

Eben.

 




30/9  Ab und zu ein wenig…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:37

Enttäuschung für Intervall-Faster. Kaum hat sich die 16:8-Methode über unzählige Frauen- und Szeneheftli als eingängige Massnahme zur Gewichtsreduktion profiliert, kommt die spröde Wissenschaft und entzieht ihr den Boden unter den abgemagerten Füssen…

Dabei hatte sich die Formel so lustfreundlich angelassen: während 8 Stunden am Tag nach Herzenslust schnabulieren, wonach einem der Sinn ist… und dann 16 Stunden lang fasten (den grössten Teil davon in Morpheus‘ Armen, begleitet von leckeren Träumereien).

Die Feedbacks vieler Anwender*innen waren begeistert und überschwänglich. Nicht nur, dass es relativ „leicht“ fiel, sich an das Regime zu halten, offenbar purzelten auch die Pfunde einigermassen erfreulich.

Und nun hat eine Forschergruppe in USA einen Vergleichs-Test angestellt mit übergewichtigen Proband*innen. 116 Männer und Frauen hatten während 12 Wochen in zwei Gruppen an dem Versuch teilgenommen. Die einen hielten sich an die Intervall-Vorgaben und assen nur zwischen 12 und 20 Uhr, während die andern sich den ganzen Tag über nach Lust und Laune verpflegen konnten.

Am Ende wurde gewogen, wobei die „Intervaller“ bloss eine kaum messbare Menge mehr abgenommen hatten, dabei jedoch deutlich mehr Muskelmasse verloren hatten, als bei anderen Diäten üblich und als empfehlenswert. So dass das Fazit vernichtend ausfiel: vom Intervallfasten wird dringend abgeraten!

Wie kommt es denn zu all den positiven Rückmeldungen? Meine Interpretation geht dahin, dass die 16:8-Methode für unkontrollierte Snacker eine wirksame Struktur bietet und ein 16-stündiger Verzicht schon mal von Vorteil sein kann. Dazu kommt, dass viele Promotoren de Intervallfastens gleichzeitig gezielt bestimmte Menus empfehlen, welche zu einer Veränderung des früheren Essverhaltens führen können. Interessante Informationen dazu liefert z.B. die Webseite „Gesundheitsbox“ mit umfassenden Informationen zur Intervall-Praxis. Wem’s hilft…




9/9  Unausrottbar

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:42

Aufklärung tut not. Jeden September publiziert die Informationsgruppe Erfrischungsgetränke ihren „Monitor Ernährung und Bewegung“, eine gfs-Studie, bei der 1’000 SchweizerInnen nach ihrer Einstellung zu Fragen der Ernährung und Bewegung gefragt werden. Dabei steht ein Thema immer im Zentrum: der seriöse Nachweis, dass eine Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Zuckersteuer wäre und überhaupt nichts hält von staatlichen Eingriffen in die freie Marktwirtschaft.

So weit, so gut, das ist das Recht einer Branchen-Organisation, für die Anliegen ihrer Klienten zu kämpfen und in der Öffentlichkeit geschicktes Lobbying zu betreiben. Denn eine Zuckersteuer fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser, obwohl nur noch ein Teil ihrer Produkte-Palette mit „richtigem“ Zucker gesüsst ist.

Ich war sonst bei der Präsentation dieser Studie immer dabei und konnte unsere Sicht der Dinge einbringen. Diesmal habe ich es – corona-bedingt – nicht geschafft und muss mich auf die Medienmitteilung und auf die Studie selbst abstützen. Diese enthält einige interessante Erkenntnisse zu den Veränderungen der Einstellung des Publikums zu einzelnen Fragen, auf die ich hier jedoch nicht im Detail eingehen möchte. Später mehr davon.

Was mir aber in der Kurzfassung der Resultate aufgefallen ist, das ist ein Satz, der mich nachdenklich macht: „Die Schweizerinnen und Schweizer sind überzeugt, dass gesunde Ernährung eine Frage des Willens ist und Übergewicht auch auf mangelnde Bewegung zurückgeführt werden kann. Dieses Wertebild bleibt über die Befragungsjahre in seinem Grundsatz konstant.“

Da ist es also wieder (oder immer noch), das unausrottbare Vorurteil, dass die Dicken an ihrem Zustand selber Schuld sind und dass sie ihr Gewicht problemlos in den Griff bekommen könnten, wenn sie denn nur wirklich wollten… Der faule, willensschwache, genussorientierte Mensch, der sich nicht ausreichend bewegt, ist selber und allein die Ursache seines Dickseins.

Wenn ich so etwas lese, wird mir übel. Dabei, das muss ich zugeben, ist das ja nicht diskriminierend gemeint: die Verfasser der Studie geben nur wieder und fassen zusammen, was bei der Befragung herausgekommen ist, ob uns das passt oder nicht. Dieser Befund belegt jedoch klar, dass es nach wie vor an einer umfassenden, verständlichen und eingängigen Aufklärung und Information über die multifaktoriellen Ursachen von Übergewicht und Adipositas mangelt. Darüber hinaus auch: dass es uns als Patientenorganisation in all den Jahren offensichtlich nicht gelungen ist, hier wirksam Gegensteuer zu geben.

Das ist eine Herausforderung, die wir annehmen müssen und wollen. Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken, Fakten und Erkenntnisse unter die Leute zu bringen, um gegen diese Vorurteile anzukämpfen. Das ist nach wie vor nicht einfach.

Es gibt viel zu tun.




7/9  Fat Lives Matter

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:59

Eigentlich eine sympathische Botschaft. Vermittelt wird sie von der Blick-Kolumnistin und Autorin Ursula von Arx in ihrem heutigen Beitrag mit dem Titel „Gesundheit ist Glückssache“: sie kritisiert darin den aktuellen Fitness- und Schlankheitswahn und wehrt sich gegen die Diskriminierung übergewichtiger Menschen. Dies unter anderem mit dem Hinweis auf das oft verwendete lateinische geflügelte Wort vom „gesunden Geist im gesunden Körper“, das meist falsch verstanden und interpretiert werde, im Sinne, dass nur in einem gesunden (sprich: schlanken) Körper auch ein gesunder Geist stecken könne. Dabei ergibt sich aus dem Zusammenhang des ganzen Wortlauts die Aufforderung, sich zu wünschen, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist anzutreffen sei…

Von Arx ruft auf zu einem öffentlichen Bekenntnis mit dem Slogen „Fat Lives Matter“, das sie zudem noch verbindet mit dem Wunsch nach einem (grossen) Stück Schwarzwäldertorte mit viel Schlagrahm. „Alles wird gut“ meint sie abschliessend.

Ist das so? Eine Leserin hat auf die Kolumne reagiert und weist auf die Vorteile eines „gesunden“ Körpergewichts hin, auf das Fehlen von Begleiterkrankungen und all den physischen Einschränkungen, die massives Übergewicht im Alltag mit sich bringt…

Es ist sowohl wahr als auch unwahr: die jüngste Erhebung der Schweizer Gesundheitsdaten zeigt, dass die Anzahl übergewichtiger und adipöser Menschen nach wie vor ansteigt – wenn auch (erfreulicherweise) nicht mehr so stark wie in den letzten Jahren. Für Betroffene kann es vorübergehend tröstlich und entlastend sein, wenn man ihnen zu verstehen gibt, sie sollen sich nicht um ihr Gewicht sorgen, sondern das Leben geniessen und mit ihrem Körper Frieden schliessen… Aber dieser Frieden steht leider auf medizinisch wackligen Füssen, denn früher oder später holen uns die gesundheitlichen Probleme ein. Es lohnt sich also, bewusst und ohne Panik allfällige Vorkehren zu treffen. Damit dies gelingen kann, ist der Slogan „Fat Lives Matter!“ extrem nützlich, denn er stärkt das Selbstvertrauen.




26/8  Negativ!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:47

Jetzt weiss ich es also. Schon zweimal hatten mich für kurze Zeit Anflüge von Corona-Symptomen heimgesucht. Das erste Mal im März, als Infektionstests noch Mangelware waren und nur im Ausnahmefall und unter strengsten Sicherheitsbedingungen durchgeführt wurden. Ich lag damals vier Tage im Bett mit Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen, Schluckweh… aber ohne Fieber. Das zweite Mal erwischte es mich vorletzte Woche mit plötzlichen Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit, diesmal nur für zwei Tage. Aber ich stellte mir doch die Frage, ob ich da irgendwie von einer Ansteckung gestreift worden sei, denn man hört und liest ja auch, dass es Fälle gibt, in denen eine Infektion still und heimlich, ohne die ausgeprägten Symptome verläuft.

So benutzte ich denn gestern die Gelegenheit, mich im Spitalzentrum Triemli testen zu lassen. Zwei Container standen auf dem Parkplatz, davor zwei weisse Zelte und vor dem ersten eine Schlange von rund zehn Personen, die alle darauf warteten, getestet zu werden. Alle trugen Masken. Wer eine aus Stoff hatte, dem wurde diskret eine hellblaue Wegwerfmaske in die Hand gedrückt. Dann ging es ans Warten. Nach einer guten Stunde hiess es, ein Anmeldeformular auszufüllen. Dieses wurde auf ein Computer-Blatt übertragen, dann wurde weiter gewartet.

Nach einer halben Stunde ging es ratz-fatz zur Sache: Wattestäbchen tief in die Nasenhöhle (autsch!), dann nochmals weit in den Rachen zur Zungenwurzel (würg!) – und fertig. Ob ich akute Symptome hätte, fragte die Ärztin im Schutzanzug. Da ich verneinte, meinte sie fast vorwurfsvoll: dann müssen Sie den Test selber bezahlen!

Innerhalb von 48 Stunden sollte die Information über das Ergebnis kommen, schwarz auf weiss, per Mail. 26 Stunden später dann der Bescheid: Negativ getestet.

Was heisst das nun in der Praxis? Ich bin zwar – momentan – nicht ansteckend, muss aber dennoch als Angehöriger einer multiplen Risiskogruppe nach wie vor auf der Hut sein und darf mich keinem Risiko aussetzen, im Interesse meiner Umwelt, meiner Familie und vor allem meiner Enkelschar… Es kann mich also immer noch jederzeit „erwischen“, mit all den möglichen Folgen, egal, ob von Besserwissern bestritten oder nicht. Und ab morgen muss ich mich ernsthaft mit der Frage befassen, ob ich mir nicht doch eine elegante, individuelle Stoffmaske zulegen sollte.




20/8  Das Masken-Paradox

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:44

Der Gedanke intrigiert mich. Mit den erneut ansteigenden Infektions-Zahlen erwägen immer mehr Kantonsregierungen, die Masken-Tragpflicht auszuweiten auf immer neue Bereiche: auf Geschäftslokale, Theater, geschlossene Räume, Warteschlangen… Das ist ja an sich nicht ungewöhnlich, wer sich in Deutschland aufhält kennt das aus einzelnen Bundesländern, wo in der gesamten Öffentlichkeit ein rigoroses Masken-Obligatorium besteht.

Als multipler Risikogrüppler bin ich natürlich bestrebt, einer möglichen Ansteckung wenn immer aus dem Weg zu gehen. Ich vermeide konsequent Menschenansammlungen, halte in der Migros Abstand zu allen anderen KundInnen, desinfiziere meine Hände und die Gegenstände, bevor ich sie berühre, und wenn ich mich „draussen“ bewege, dann nur mit dem Velo. Dabei trage ich allerdings (noch) keine Maske. Aber ich mache mir meine Gedanken:

Mit der zunehmenden Verpflichtung zum Maskentragen steigt einerseits der Verbrauch, andererseits stellt sich das Entsorgungs-Problem. Wenn man die amtlichen Anweisungen strikt befolgen würde, müsste man die blaue Maske alle zwei Stunden abnehmen, ohne sie am Stoffteil zu berühren, sie vorsichtig in einem verschliessbaren Beutel verstauen und diesen berührungsfrei quasi als Sondermüll in ein  geschlossenes Behältnis deponieren… Und dann die Hände waschen, als hätte man frisches Pouletfleisch berührt…

Das mache ich nicht. Ich habe eine Maske stets griffbereit in meiner Pochetten-Tasche und dort verschwindet sie wieder, wenn sie nicht mehr benötigt wird. Ich behandle sie nicht wie einen schwer toxischen Gegenstand… wenn auch mit gemischten Gefühlen. Und ich frage mich: wie massiv muss denn die Belastung durch meine Atemluft und durch die mich umgebende Atmosphäre sein, dass die Maske so gefährlich wird? Wenn ich eine Viertelstunde mit dem Velo unterwegs war, müssten doch auch meine Kleider ebenso viral verseucht sein wie das Masken-Vlies!? Müsste ich dann nicht durch eine Dekontaminations-Schleuse und mich neu einkleiden, ehe ich ins Büro darf?

Wie real ist die Corona-Gefährdung aus der Luft, etwa im Unterschied zu einem atomar verstrahlten Gelände oder einem Areal, auf dem sich ein Zwischenfall mit giftigen Chemikalien ereignet hat? Wenn vor Jahren die Chinesen in der Innenstadt Schutzmasken trugen, weil die Luftverschmutzung durch Abgase so toxisch war, dass man die Hand kaum noch vor Augen sah, so war das irgendwie nachvollziehbar… Aber wenn ich mich hier und heute bei strahlendem Sonnenschein aufs Velo schwinge..?

Ich will nicht in den Chor der besserwissenden Skeptiker einstimmen, die jedes Corona-Risiko klein zu reden versuchen. Aber ich habe noch Mühe mit der Vorstellung, dass vor meiner Haustür eine giftige Aussenwelt herrschen soll, vor der ich mich schützen muss, während mir gleichzeitig empfohlen wird, die Wohnung regelmässig (mit ebendieser Aussenluft) zu lüften, um die Gefahr der virenträchtigen Aerosole abzuwenden…

Paradox, oder?