23/1  Hoffnungslos?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:49

Eine Chance für Masochisten. Das ist mal ein neuer Ansatz, der offenbar echt ernst gemeint ist. Da gibt es ein Buch von zwei Autorinnen, das sich an Menschen wendet, die schon alles ausprobiert haben um abzunehmen – und nichts hat genützt.

Jetzt bleiben nur noch die hammerharten Schock-Therapien, wie sie offenbar bei der Befreiung von Süchten erfolgreich angewendet werden. Die Methode ist an sich simpel und tut weh: wenn man von einer Fressattacke befallen wird (und denen ist der Adipositas-Betroffene ja oft schutz- und willenlos ausgeliefert) muss man sich selber gezielt einen heftigen Schmerz zufügen. Das kann auf verschiedene Wege erfolgen. Genannt werden in dem Bericht, um den es hier geht, fünf Beispiele, die eigentlich noch harmlos anmuten, wie etwa: heisses Kerzenwachs auf die Haut tropfen lassen, sich mit Gummiringen selber zwicken, verhasste Musik laut hören, extrem scharfe Gewürze in den Mund nehmen, sich mit allen erdenklichen Mitteln einem Kälteschock aussetzen…

Dadurch wird die Aufmerksamkeit vom dickmachenden Essen abgelenkt und man vermeidet eine unbedachte Kalorien-Aufnahme. Für echt Schmerzerprobte eröffnen sich hier noch weit kühnere Perspektiven: sich einen Nagel in die Stirne schlagen, auf Glasscherben tanzen, sich mit der Hakenpeitsche geisseln, die Hand in kochendes Wasser halten, auf die glühende Herdplatte stehen… der abartigen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und solange nicht das ganze Heimwesen in Brand gesteckt oder andere Familienmitglieder in Mitleidenschaft gezogen werden, ist es ja wohl Privatsache, woher wir die Unterstützung beim Gewichtsverlust beziehen…

Also fasst Hoffnung, ihr verzweifelten Abnehmer, und ertragt die Schmerzen wie seinerzeit die Indianer.




22/1  BMI-Legenden

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:35

Drei Buchstaben. Viele Menschen klammern sich an sie und sehen ihr Wohlergehen in direkter Abhängigkeit davon: BMI – der Body Mass Index. Eine gängige Formel, mit welcher das Körpergewicht und die Grösse einer Person so in Relation gesetzt werden, dass sich daraus ein „Wert“ ergibt, der das Ausmass von Unter- oder Übergewicht bestimmt.

Als „normal“ gilt ein Wert zwischen 18 und 25, bei höheren Werten wird von mehr oder weniger ausgeprägtem Übergewicht gesprochen, ab 30 wird die chronische Erkrankung „Adipositas“ (Fettsucht) diagnostiziert. Der BMI ist in letzter Zeit allerdings in die Kritik geraten. Er sei zu wenig aussagekräftig, da er lediglich Grösse und Gewicht berücksichtige, ohne auch andere Kriterien mit einzubeziehen, insbesondere ohne die effektive Zusammensetzung des Organismus zu berücksichtigen: ein Muskelprotz von einem Bodybuilder kann als massiv „übergewichtig“ erscheinen, obwohl er kein einziges Gramm überflüssiges Fett an sich hat. Auch wird etwa gesagt, die BMI-Formel lasse die Konstruktion des Knochenskelettes ausser acht: aber das ist nicht relevant, da das Skelett im Schnitt 12 Prozent des Gesamtgewichts ausmacht und die Differenz zwischen „leichten“ und „schweren“ Knochen maximal 2 Kilogramm beträgt.

In einem Blog habe ich kürzlich die Aussage gelesen, dass der BMI von einer „Organisation“ erstellt worden sei, die „zu einem grossen Teil von der Pharmaindustrie, die Abnehmprodukte verkaufen will, finanziert wird“. – Das ist Unsinn! Man kann der Pharmaindustrie vieles vorwerfen… aber hier ist sie einmal unschuldig: der BMI wurde 1832 von einem belgischen Mathematiker und Statistiker entwickelt. Später wurde er in den USA von Lebensversicherungs-Konzernen dazu benutzt, das Risiko-Potenzial im Blick auf die Sterblichkeit einzuschätzen und die Prämien entsprechend zu berechnen. In den 90-er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die heutige Klassifizierung dann von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegt.

Nun gilt die Meinungs- und Glaubensfreiheit auch für jene, die von Verschwörungstheorien überzeugt sind… und es soll vorkommen, dass es Leute gibt, welche den BMI mit dem IQ verwechseln und denken: je höher – desto besser. Aus medizinischer Sicht gilt die Korrelation zwischen BMI und Sterblichkeitsrisiko nach wie vor als gesichert, auch wenn immer wieder die Mär vom „gesunden Dicken“ kolportiert wird, indem momentane Befindlichkeiten verabsolutiert werden. Auf lange Sicht zahlt sich eine vernünftige Gewichtsreduktion aus, das können alle bestätigen, die erfolgreich abgenommen haben.

 




17/1  Gen-Test-Mythen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:30

Unsere Gene werden entschlüsselt. Immer tiefer dringt die spezialisierte Forschung in die Baupläne unserer Zellen ein und bietet sogar Werkzeuge an, mit denen wir unsere „Anlagen“ beeinflussen können…

Neben dem Fortschritt der medizinischen, hoch-wissenschaftlichen Forschung wuchert auch eine Vielzahl von kommerziellen Anbietern, die uns per Internet ihre Gen-Tests anbieten: es genügt ein Haar, eine Speichelprobe, und man erhält umgehend eine Analyse der eigenen Gesundheits-Perspektiven. Gerade für Menschen, die abnehmen wollen, gibt es Produkte, die aussagen, welche Nahrungsmittel man bevorzugt zu sich nehmen sollte, um mehr Gewicht zu verlieren…

Was ist von solchen Online-Tests zu halten, die man bei sich zuhause durchführen und dann einschicken kann? Das US-Gesundheitsportal WebMD hat einige informative Merkpunkte zusammengestellt, die mit einer Reihe von diesbezüglichen Mythen aufräumen:

Solche Online-Gen-Schnelltest sind oft unzuverlässig. Sie können sagen, für welche Krankheiten man eine Veranlagung hat, aber sie sagen nichts darüber aus, ob und wann das Leiden dann auch eintritt, denn dies hängt weitgehend vom Lebensstil und den Umwelteinflüssen ab… Die Rechner dieser Gen-Test-Anbieter verfügen nicht über generelles Datenmaterial, sondern lediglich über jenes der Kunden, die den Test gemacht haben, es gibt also keinen objektiven Vergleich… Da das Erbgut der Eltern bei den Nachkommen oft nicht identisch verteilt ist (Geschwister können sich sehr unähnlich sein), kann auch bei einer Gen-Analyse nicht festgestellt werden, welche Eigenschaft dominant ist und welche nicht… Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass mittels Gen-Test eine bestimmte Lebensmittelauswahl bestimmt werden kann… Es besteht die Gefahr, dass solche Test-Daten bei Versicherungen und Krankenkassen landen und missbräuchlich verwendet werden können… In USA wird deshalb an einer gesetzlichen Regelung gearbeitet, welche unseriöse Anbieter vom Markt fernhalten soll.

Bei uns gibt es keine entsprechende gesetzliche Grundlage. Es muss also jeder und jede für die eigenen Interessen wachsam sein.




15/1  Was ist drin?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:33

Ich bin auf Facebook auf ein Bild gestossen. Es zeigt – ein Meme – die Gegenüberstellung eines „normalen“ Burger mit einem veganen, der auf Pflanzenbasis hergestellt wurde. Das sah beeindruckend aus:

Bild könnte enthalten: Text

Auf der einen Seite die einzige „Zutat“: Rindfleisch. – Auf der anderen Seite ganze 22 verschiedene Bestandteile, von Wasser über Erbsen-Protein, raffinierte Öle, Bambus-Zellulose, Methyl-Zellulose, Kartoffelstärke, Aroma, Maltodextrin, Hefe-Extrakt, Salz, Sonnenblumenöl, Gemüse-Glyzerin, Trockenhefe, Gummiarabicum, Zitronensäure, Ascorbinsäure, Randensaft-Extrakt, Essigsäure, Bernsteinsäure, modifizierte Stärke, Lebensmittelfarbstoff…

Wie sagt man doch so schön? Um sich gesund zu ernähren, sollte man wenn immer möglich auf verarbeitete Lebensmittel verzichten zugunsten von naturbelassenen Produkten.

Ein weiterer Kommentar erübrigt sich.




13/1  App-App-Hurra!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:54

Digital macht es möglich. Aber was ist der wirkliche Nutzen von Apps im Rahmen der Gewichtskontrolle? Dieser Frage ist ein deutsches Forscherteam nachgegangen. In ihrer Studie haben sich die Fachleute auf die Frage konzentriert, wie weit digitale Tools hilfreich sein können, wenn es darum geht, nach einer Gewichtsreduktion das neue Gewicht effektiv zu halten und nicht in den ungeliebten Jojo-Effekt zu verfallen.

Ihre Erkenntnis ist grundsätzlich positiv. Während eines Jahres wurden zwei Gruppen von Adipositas-PatientInnen, die erfolgreich ein Abnehm-Programm durchlaufen hatten, beobachtet. Die eine Gruppe benutzte digitale Tools zur Kontrolle ihres Erfolgs wie Körperfett-Waage, Blutdruck-Messer, Schrittzähler, u.a. Die andere Gruppe verzichtete auf solche Hilfsmittel. Das Resultat war eindeutig: die Gruppe „mit Tools“ fühlte sich gesundheitlich besser, konnte das erreichte Gewicht halten und hatte eine positivere Selbst-Wahrnehmung.

Nicht angesprochen wurde in diesem Zusammenhang allerdings die Frage der Daten-Sicherheit. Alle Apps, die zur Anwendung gelangten, sind zwangsläufig eingebunden in ein grösseres System des Daten-Austauschs, der für den Einzelnen kaum kontrollierbar ist. Wer also vom offensichtlich nachgewiesenen Nutzen der elektronischen Helferlein profitieren will, muss bereit sein, Unbekannten den Zugriff auf seine persönlichen Gesundheits-Daten zu gestatten und in Kauf zu nehmen, dass diese für Zwecke genutzt werden, auf die man als „Lieferant“ keinen Einfluss hat.

Da ist es besser, entsprechende Überlegungen im Vorfeld anzustellen, als sich im Nachhinein die Augen zu reiben…




7/1  Doktor Unerbittlich

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:59

TV als Abschreckungsmittel. Über die Festtage hatte der deutsche Sender TLC (The Learning Channel) in gnadenloser Konsequenz während zwei Tagen praktisch rund um die Uhr seine Serie „Mein Leben mit 300 Kilo“ programmiert: ein durchwegs schockierender Appell an die Ernährungs-Vernunft mit der impliziten Empfehlung, das feiertägliche Schlemmen im Zaum zu halten.

In diesen Doku-Sendungen wird ein massiv übergewichtiger Mensch in USA während eines ganzen Jahres mit der Kamera begleitet in seinem Kampf gegen den eigenen Körper und die allgegenwärtige, übermächtige Fresslust, mit der viel persönliches Ungemach kompensiert wird. Inzwischen gibt es 93 Ausgaben à rund anderthalb Stunden – genug Material also, um fast eine volle Woche durchzusenden.

Alle Sendungen sind nach dem gleichen Muster aufgebaut: zuerst wird die betroffene Person – es sind zumeist Frauen in jüngeren Jahren – in ihrem privaten Umfeld porträtiert und so ihr Wunsch nach Veränderung dargelegt. Als einziger Ausweg zeigt sich ein operativer Eingriff, wie er in einer spezialisierten Klinik in Texas vorgenommen wird: ein Magenbypass oder ein Schlauchmagen. Das ist die letzte Hoffnung.

Diese ultimative Hoffnung wird verkörpert durch den iranisch-amerikanischen Arzt Dr. Younan Nowzaradan, von seinen PatientInnen „Dr. Now“ genannt. Der ist Chirurg und von einer unerbittlichen Strenge: steht jemand im Spital mit über 300 Kilo auf der Waage, wird er zunächst einmal zusammengestaucht wegen seines unkontrollierten und oft nicht eingestandenen Essverhaltens. Um sich für eine OP überhaupt zu qualifizieren, müssen die PatientInnen innerhalb von zwei Monaten rund 40 Kilo abspecken. Dazu erhalten sie strikte Diät-Vorgaben: nicht mehr als 1’200 Kalorien täglich und praktisch keine Kohlenhydrate, vor allem keinen Zucker.

Die wenigsten schaffen es auf Anhieb. Sie stellen ihre Ernährung nur zögerlich um, werden rückfällig mit Fress-Attacken und Fastfood… was beim zweiten Klinik-Termin zu erneuten Zurechtweisungen führt: wenn das Ziel in einem nächsten Anlauf nicht erreicht wird, gibt es keine OP und ein baldiges Ableben ist gewiss..!

„Dr. Now“ macht alles, was aus hiesiger Sicht verpönt ist: er bezichtigt seine PatientInnen der Lüge, macht ihnen ein schlechtes Gewissen, schimpft sie aus und droht ihnen mit dem vorzeitigen Ableben – aber es scheint zu wirken. In den allermeisten Fällen klappt es mit dem vorbereitenden Abnehmen dann doch noch, der „Gute Wille“ wird anerkannt, die Operation ausgeführt und die Kilos purzeln. Aber damit hört dann die Beobachtung durch das Kamerateam (die Produktionsfirma gehört übrigens dem Sohn von Dr. Now) auch auf. Wir erfahren nichts mehr über das weitere Schicksal und vor allem nichts über die Langzeit-Entwicklung im Einzelfall: Können die Leute ihr neue Gewicht halten? Wie steht es mit der Nachbetreuung (die wird völlig ausgeblendet)? Welchen Einfluss hat der Gewichtsverlust auf die Partnerschaften?

Vielleicht gibt es solche Informationen in einer nächsten, späteren Staffel. Denn das „Material“ wird dem unerbittlichen Dr. Now nicht ausgehen.




18/12  Happy Snack-Days!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:21

Es ist die Zeit der Ausnahmen. Da darf doch mal ohne schlechtes Gewissen geschlemmt und genossen werden. Die Welt der Versuchungen ist unendlich weit. Das wird einem bewusst, wenn man mal nachsieht, was denn heute so allen an Snack-Waren im Internet online bestellt werden kann.

Da ist bei einem einzigen Anbieter praktisch alles dabei, von süss über sauer bis zu salzig. Und es erübrigt sich, bei diesen Produkten nach wert- und gehaltvollen Nährstoffen zu fragen. Fast ausnahmslos ist alles massiv überzuckert, überfettet, hochverarbeitet und kalorienreich in sämtlichen Geschmacksrichtungen…

Und was all diese Produkte – und sämtliche anderen – eint, das ist die Tatsache, dass wir kein einziges davon wirklich als ernsthaften Bestandteil unserer Ernährung „benötigen“. Ob sie gut schmecken, ist eh ungewiss. Entscheidend für den Verkaufserfolg ist das Marketing, sind die Werbebotschaften, die uns mit massivem Aufwand suggerieren, dass wir das wahre Glück, die echte Liebe und den Höhepunkt aller Gefühle ausschliesslich dann finden können, wenn wir uns dieses eine, spezielle Produkt einverleiben, und zwar möglichst oft und möglichst viel davon.

Geniesst es!




17/12  Krank oder nicht?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:22

Adipositas ist eine Krankheit. Darin sind sich die medizinischen Fachleute weltweit einig: es handelt sich um eine „multifaktorielle, chronische Erkrankung“. Das heisst: viele verschiedene Faktoren können sie verursachen und wer betroffen ist, leidet ein Leben lang daran, sie ist unheilbar.

Und trotzdem hört man immer wieder die mit Überzeugung vertretene Auffassung: „Ich bin zwar dick, aber ich bin nicht krank. Ich bin gesund, mir geht es gut!“ – Untersuchungen hatten ergeben, dass Menschen, die ein paar Pfunde zuviel auf den Rippen hatten, sonst aber fit und gesund lebten, mit kleinen Erkrankungen im Alltag besser zurecht kamen als „normalgewichtige“ Dünne, die nicht auf ihre Gesundheit achteten. Daraus entstand die Mär vom „gesunden Dicken“ – ein gefundenes Fressen für die politischen Gegner der Präventionsmedizin.

Dass es sich dabei um einen reinen Mythos handelt, der einer genauen wissenschaftlichen Betrachtung nicht standhält, wurde in zahlreichen Untersuchungen dargelegt. Gleichzeitig wurde auch bewusst, dass es verschiedene, ganz individuelle Ausprägungen von Übergewicht und Adipositas gibt, welche differenziert betrachtet und mit unterschiedlichen Ansätzen behandelt werden müssen, weil ihr langfristiges Krankheitspotenzial sich nicht identisch entfaltet.

Das „Gewicht“ allein ist kein verlässlicher Indikator, aber es signalisiert das Vorhandensein eines Risikos. Und weil sich das Gewicht am einfachsten „messen“ lässt, ist es wichtig, dieses Indiz ernst zu nehmen und die nötigen Abklärungen einzuleiten, ohne Panik-Reaktion und extreme Diäten, aber mit einer vorsichtigen Annäherung an das komplexe System der Gewichtsregulierung, damit der Organismus nicht erst in Mitleidenschaft gezogen wird und auf Dauer Schaden nimmt.




16/12  Alles über Zucker

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:48

Information zum Jahresende. Ausgerechnet in der zuckerreichsten Jahreszeit veröffentlicht das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärmedizin zwei Grundlagenpapiere: eines zum Thema Salzreduktion und eines zum Thema Zuckerreduktion. Letzteres ist für uns relevanter, da der Zusammenhang zwischen übermässigem Zuckerkonsum und Übergewicht/Adipositas wissenschaftlich belegt und eigentlich nicht bestritten ist.

Für uns, die wir uns seit längerer Zeit intensiv mit dem Thema befassen, enthält der Bericht keine überraschenden Erkenntnisse. Er fasst zusammen, was zum Thema bekannt ist, zeigt die Fakten auf und schildert mögliche Handlungs-Ansätze. Der Vergleich mit der Situation in den umliegenden Ländern zeigt, dass die Schweiz punkto Zuckerkonsum in Europa weit vorne steht: mit durchschnittlich 110 Gramm/Tag sind die Erwachsenen Spitze (empfohlen von der WHO wären maximal 50, lieber 25 Gramm). Bei Kindern ist es noch extremer: da bewegt sich der tägliche Zucker-Verzehr zwischen 89 und 150 Gramm! Wenn man zudem das kindliche Körpervolumen in Betracht zieht, vervielfacht sich diese Menge noch, zusammen mit den Langzeit-Schäden, die diese Zuckerschwemme in den kindlichen Organen anrichten kann.)

Beschrieben werden auch die Strategien, mit denen die Bundesbehörden gegen diesen Zucker-Missbrauch angehen wollen. Dabei wird z.B. erfreulich schonungslos aufgezeigt, wie „minimal“ bisher die freiwillige Zuckerreduktion im Rahmen der Massnahmen bei Joghurt und Frühstück-Cerealien ist: sie bewegt sich in Bruchteilen von Gramms…

Für alle, die sich vertieft mit der Materie befassen möchten: hier geht es zu den beiden Papieren des BLV; das Zucker-Dokument wurde erarbeitet von einem wissenschafltichen Team der Haute Ecole de Santé (HES) in Genf.




11/12  Kindliche Begrifflichkeiten

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:39

Es ist ein legitimes Gefühl. Wenn man so etwas wie Grossvater-Stolz empfindet, dass die eigenen Enkelinnen und Enkel über ihr Dasein – und damit auch über ihre Ernährung – reflektieren… Entfalten kann  sich dieser Stolz allerdings nur, wenn deren Überlegungen auch publik werden, was wiederum der Tatsache zu verdanken ist, dass es Äpfel gibt, die nicht allzu weit vom Stamm fallen.

Gemeint ist mit diesem agrarischen Bild der Umstand, dass unsere Tochter ihren Eltern auf dem Weg „in die Medien“ gefolgt ist und nun u.a. im Winterthurer Landboten regelmässig über ihren Familien-Alltag berichtet. So erfahren wir dank den sozialen Medien, was die kleinen und grossen Nachkommen bewegt.  Diese Berichte sind denn auch ein Spiegel dessen, was über die verschiedenen Kommunikationskanäle in  der Erziehung bei den Kindern ankommt.

In Sachen „richtige Ernährung“ geht da offenbar einiges, was die Jungen mitbekommen und was nachhaltige Fragen aufwirft. Unsererseits ist zu fragen, wie lange dieses Bewusstsein anhält und wann es allenfalls eingeholt wird von anderen „Trends“ und Phänomenen, welche die kindliche Fantasie beschäftigen. Schön jedenfalls, dass die Nährwert-Hierarchie der SGE in der Kita vermisst wird und dass das Tierwohl auf kindliches Mitgefühl zählen darf.

Die Details dazu gibt es hier zu lesen.