14/6  Klartext der Forscher

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:04

Deutlicher kann man es nicht sagen. „Übergewicht und Diabetes nehmen weltweit zu, und dieser Trend wird sich nicht umkehren lassen, wenn keine umfassenden und wirksamen Maßnahmen ergriffen werden. Insbesondere die Regierungen und die Industrie müssen ihren Teil dazu beitragen, dass die gesunde Wahl für die Verbraucher zur leichten Wahl wird.“

Dieser ultimative Satz steht in einer aktuellen „Review“ des renommierten Cochrane Forschungs-Instituts, das die Auswirkungen von zuckerhaltigen Getränken auf die menschliche Gesundheit thematisiert. Dabei wurden 58 bestehende Studien von einem Forscherteam aus Deutschland und Grossbritannien ausgewertet, die sich mit dieser Thematik befassten.

Im Vordergrund stand dabei die Frage, wie sich der nach wie vor zu hohe Konsum von zuckerhaltigen Getränken eindämmen liesse. Die ausgewerteteten Studien waren in 19 Ländern durchgeführt worden und geben Aufschluss darüber, welche Massnahmen am ehesten dazu beitragen können, die schädlichen Auswirkungen des überhöhten Zuckerkonsums zu vermeiden.

Das Ergebnis sind eine Reihe von konkreten Massnahmen, deren Umsetzung den Regierungen aller Länder empfohlen wird. Diese betreffen sowohl Einschränkungen der an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung, die Erhebung einer Steuer auf gesüssten Getränken, entsprechende Verbote in Schulkantinen, die konsequente Propagierung von Trinkwasser als Durstlöscher, eine leicht verständliche Etikettierung (Labelling) mit Warn-Effekt bei zu hohem Zuckergehalt…

Unbestrittene Basis des Berichts ist dabei die Erkenntnis: „Der Konsum von zuckerhaltigen Getränken gilt als einer der Hauptgründe für die weltweite Adipositas-Epidemie und ist mit Karies, Diabetes und Herzerkrankungen verbunden.“  So unmissverständlich wurde diese Kausalität in der Öffentlichkeit noch selten kommuniziert.




13/6  Kids auf Kurs

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:34

Auch Erfreuliches soll vermeldet werden. Seit 13 Jahren lässt die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz regelmässig in den drei grossen Schweizer Städten Basel, Bern und Zürich den Übergewichts-Stand der Schulkinder erfassen. Dieses Monitoring soll u.a. Aufschluss geben darüber, welche Wirkung die von Gesundheitsförderung Schweiz initiierten Massnahmen gegen das kindliche Übergewicht zeitigen.

Schon vor Jahresfrist konnte insofern über einen Erfolg berichtet werden, als dass die Anzahl der Übergewichts- und Adipositas-Betroffenen unter den Kids nicht weiter zunahm, sondern – wenn auch auf zu hohem Niveau – generell stagnierte.

Der aktuelle Bericht zeigt nun erstmals in einzelnen Alterskategorien den „tiefsten Wert seit Beginn des Monitorings“. Das ist ein positives Resultat dazu, was die Wirksamkeit von Aufklärung schon im frühesten Kindesalter (an Eltern und Erzieher gerichtet) bewirken kann. Daneben enthält die Auswertung der erhobenen Zahlen auch noch eine Fülle weiterer Informationen, etwa zum „Gefälle“ der Übergewichts-Betroffenheit in Bezug auf den Bildungsstand der Eltern, auf das Wohn-Umfeld und auf die Nationalität der Kinder…

Es wäre schön, wenn sich Ähnliches auch über die Entwicklung bei den Erwachsenen sagen liesse.




12/6  Achtsam essen – wie geht das?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:03

Nachhaltig ist ein Zauberwort. Wer etwas auf sich hält, verwendet es für alle möglichen Verhaltensweisen. Dabei kann es vielerlei bedeuten: die Berücksichtigung des eigenen (und fremden) ökologischen Fussabdrucks im Alltag, die Ausrichtung aller Handlungen auf eine grösstmögliche Ressourcen-Schonung („Wenn die Äpfel aus Chile eingeflogen werden, kaufe ich sie nicht…“) und auf eine minimale Belastung der Umwelt…

Und das zweite magische Wort heisst „achtsam“. Es bedeutet, dass man rücksichtsvoll und bewusst, schonend und mit sanfter Anteilnahme mit etwas umgeht… „Achtsam essen“ steht im Kontrast zum hastigen Verschlingen von FastFood (schon der Name sagts), zum Essen unter emotionalem Stress, aus Ärger oder Frust, oder als Trost für erlittenes Ungemach…

Dass ein „achtsamer“ Umgang mit der Nahrung sich positiv auf den Essenden auswirkt, wurde jetzt in einem Diät-Experiment in Salzburg wissenschaftlich nachgewiesen. Dreiundvierzig Probanden unterzogen sich diesem Versuch: die eine Hälfte wurde instruiert, worauf sie beim Essen achten musste, um sich nicht unkontrollierten Emotionen und externen Einflüssen und Reizen auszuliefern und wie sie gründlich, sorgfältig und lange kauen sollten, um den vollen Geschmack aus den Speisen zu holen und die Sättigung mit allen Sinnen wahrzunehmen, während die andere Gruppe keine Instruktion erhielt und „einfach drauflos essen“ konnte.

Das Resultat war verblüffend: die „achtsame“ Gruppe hatte am Ende des Versuchs deutlich Gewicht reduziert und hielt das neue Gewicht auch Wochen später noch, während die nicht-instruierte Kontrollgruppe nicht abgenommen hatte. Wer „achtsam“ isst, lernt wieder, auf die Signale des Körpers zu hören, die Ernährung gewinnt an Qualität. Entscheidend ist auch das bewusste, lange Kauen.

Kommt uns das bekannt vor? Wird hier durch eine wissenschaftliche Studie erhärtet, was unser „Schmau-Meister“ Jürgen Schilling schon vor Jahren herausgefunden und propagiert hat? Schön für ihn und für alle, die den Weg zur Achtsamkeit beim Essen finden und praktizieren können.




5/6  Böses Viszeralfett

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:08

Es sind keine neuen Erkenntnisse. Es geht um Fakten und Wahrheiten, die dauernd verinnerlicht werden sollten, wenn sich jemand mit dem Gedanken trägt, abzunehmen. Es sind Aussagen eines ausgewiesenen Experten und Adipositas-Spezialisten: Professor Dr. Hans Hauner, deutscher Ernährungsmediziner.

Hauner beleuchtet im Interview verschiedene Aspekte rund um die Problematik des Bauchfetts, medizinisch Viszeralfett genannt. Das sind die Fett-Einlagerungen im Inneren unseres Körpers, die sich zwischen die Organe drängen und – vor allem bei Männern – zum harten Kugelbauch führen. Dieses Fett hat die unangenehme Eigenart, dass es sich wie ein autonomes Organ gebärden kann, dass es Fettsäuren absondert und Hormone und Botenstoffe ausschickt, die einerseits im unterbewussten Bereich unser Essverhalten steuern und kontrollieren können und die auch mitschuldig sind am Entstehen von zahlreichen Krankheiten, die mit Übergewicht und Adipositas einhergehen. Was für mich in der Aufstellung dieser Krankheiten neu und überraschend war, dass hier auch Alzheimer direkt mit dem Überschuss an Viszeralfett in Zusammenhang gebracht wird.

Die Lektüre des ganzen Artikels auf der Plattform von t-online.de lohnt sich, wobei man der Autorin den Patzer nachsehen mag, dass sie einen Video-Ausschnitt auf der unsäglichen Dicken-Verhöhnung „Biggest Loser“ verlinkt hat: dort geht es um Bewegungsübungen, immerhin.




4/6  Tägliche Kalorienmast

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:30

Ein eindrückliches Experiment. Unlängst hat die New York Times über ein Ernährungs-Experiment berichtet, bei dem es um den Vergleich zwischen frisch zubereiteter und hochverarbeiteter Fertig-Nahrung ging. Eine Woche lang wurden zwei Gruppen von Probanden unterschiedliche Mahlzeiten vorgesetzt. Die einen erhielten dreimal täglich ein Essen, das aus Fertigprodukten bestand, die anderen bekamen ein vergleichbares Menü, das jedoch aus frischen Zutaten zubereitet war.

Das Resultat war verblüffend: die Gruppe mit den Fertig-Mahlzeiten ass erstens schneller als die andere und nahm in der kürzeren Zeit pro Tag 500 Kalorien mehr zu sich als die „unverarbeitete“ Kontrollgruppe. Diese Extra-Kalorien summierten sich in der Woche, die das Experiment dauerte, zu einem halben Kilo Zusatz-Gewicht. Daraus zogen die Forscher den naheliegenden Schluss: Fertigprodukte machen dick!

In der Analyse wurden noch weitere Faktoren genannt, die eigentlich auf der Hand liegen und die letztlich eine mögliche Erklärung für die anhaltende Adipositas-Epidemie bedeuten könnten: der Trend zu Fast- bzw. Convienience-Food hält nach wie vor an, denn dieses ist geschmacklich ansprechend, ohne komplizierte Zubereitung („Kochen“) konsumierbar und passt ideal in einen Tagesablauf, der zunehmend von Hektik und Stress geprägt ist…

Die Darstellung in der NYT ist ansprechend: die sieben Tage mit den drei Hauptmahlzeiten sind mit schönen, appetitanregenden Fotos illustriert (nebenbei: das sind auch interessante Anregungen für gesundes, nachhaltiges Essen!) und es bleibt der Leserschaft überlassen, die nötigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Fakt ist allerdings, dass offenbar mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung durch ihre Lebensumstände und auch durch ihre finanzielle Situation gezwungen ist, sich mit hochverarbeiteten Fertigprodukten zu ernähren…




28/5  Mythos vom gesunden Dicken

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:30

Er hält sich hartnäckig. Neuerdings wird er durch eine Studie aus Kanada gestützt: während rund 20 Jahren wurden 11’000 Leute überwacht. In dieser Zeit verstarben 3’000 der Probanden, rund ein Drittel davon an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Analysiert wurde u.a. auch der Stoffwechsel der TeilnehmerInnen.

Kurzgefasstes Resultat der Studie: adipöse Teilnehmende, die nicht am metabolischen Syndrom (hoher Blutdruck, Diabetes, erhöhte Cholesterin- und Blutfettwerte) litten, starben nicht früher als andere, woraus sich schliessen lässt, dass Übergewicht und Adipositas „an sich“ nicht lebensverkürzend wirken. Massgeblich beteiligt sei vielmehr ein Vitamin D-Mangel. Aber (und zu dieser Erkenntnis kommen ja praktisch alle Forscher) das Thema müsse unbedingt weiter erforscht werden.

Diese Studie ist natürlich Wasser auf die Mühle all derer, die behaupten, Adipositas sei ja gar keine Krankheit. Krank sei einzig, wer an den sogenannten Begleiterkrankungen  leide. Dies mag bei jungen und jüngeren Betroffenen teilweise zutreffen, jedenfalls was die anfängliche Selbstwahrnehmung betrifft. Viele fühlen sich trotz erheblichen Übergewichts fit und unternehmungslustig und nehmen sich selber nicht als erkrankt wahr.

Aber das ist leider ein Trugschluss: mit fortschreitendem Alter (und Gewicht) machen sich Abnützungserscheinungen und Beeinträchtigungen bemerkbar, Gelenke schmerzen, das Atmen wird beschwerlich, Treppensteigen wird zur Qual, die Körperfülle wird als einschränkend erlebt, alltägliche Verrichtungen fallen schwer und schwerer…

Der „gesunde Dicke“ ist eine Legende, eine gehätschelte Ausrede für Präventions-Gegner, um sich vor verantwortungsvollen Massnahmen zu drücken. Er ist aber leider auch ein Zufluchtsort für Menschen, die erst am Anfang ihrer Adipositas-Karriere stehen und es nicht wahr haben wollen, dass sie auf sich selber achten müssen, um spätere Schäden zu vermeiden. Da sind solche Studien auch nicht hilfreich, denn sie sagen nichts aus über die Lebensqualität der Betroffenen.




27/5  Ballonitis

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:57

Manchmal geht es schneller als man denkt. Vor drei Wochen hatte ich hier über ein neues Abnehm-Gadget berichtet, die sogenannte EndoPil-Pille, die sich im Magen zu einem Ballon aufbläst, ohne dass dieser mit einem komplizierten Verfahren endoskopisch eingesetzt werden müsste. In dem damals zitierten Bericht war die Rede davon, dass das Verfahren erst an Schweinen erprobt worden war und dass Langzeit-Versuche am Menschen geplant seien…

Nun, drei Wochen später, finde ich in der Gratiszeitung einen gesponserten Bericht (Paid Post) über ebendiese Ballon-Pille, die man in einer hiesigen Klinik erwerben und schlucken kann. Der Ballon bleibt 4 Monate drin und in dieser Zeit könne man 15 Kilo abnehmen. Kostenpunkt: knapp 6’000 Franken.

Der Anbieter räumt ein, dass sich eine solche Massnahme allenfalls für „gesunde Menschen mit leichtem Übergewicht“ anbieten würde, während sie für echte Adipositas-PatientInnen ungeeignet wäre. Das ist ein lobenswertes Statement. Es erspart ihm zunächst den Vorwurf der hinterhältigen Abzockerei… Aber trotzdem ist eine Warnung angebracht: es besteht die Gefahr, dass dieser Ballon als Lifestyle-Tool missbraucht wird, wenn jemand auf ein besonderes Ereignis hin mal „rasch“ viel abnehmen möchte. Sind die vier Monate vorbei und ist der Ballon wieder ausgeschieden, kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die alten Essgewohnheiten, die zum Übergewicht geführt haben, wieder zurückkehren, mit ihnen auch die Pfunde, der programmierte Jojo-Effekt, wie er sich auch bei den bisherigen Magenballon-Anwendungen erfahrungsgemäss eingestellt hat.

Aufblasen? Abblasen!




17/5  Keine Hektik!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:51

Unsere letzten Tage waren reichlich turbulent. Morgen findet die jährliche Informations-Veranstaltung „sapsTAG“ statt, bei der wir so viele Produkte-Präsentationen haben, wie noch nie. Die Vorbereitungen liefen in den letzten Wochen auf Hochtouren. (Es hat immer noch Plätze frei für Kurzentschlossene…)

Parallel dazu muste der Jahresbericht der Stiftung für 2018 fertiggestellt werden, denn am Montag tritt der Stiftungsrat zusammen, um ihn zu verabschieden. Für diese Sitzung waren auch weitere Vorbereitungen zu treffen bezüglich Sicherstellung unserer Finanzierung und Planung künftiger Projekte.

Nebenher läuft die Produktion unseres Magazins „saps.ch“, dessen Redaktionsschluss dieser Tage war und das Ende nächster Woche auf den Weg zur Layouterin und in die Druckerei geschickt werden muss.

Das alles lässt sich in seiner Synchronizität nur steuern, wenn man eine tüchtige Equipe im Hintergrund hat und wenn man die Dinge Schritt für Schritt angeht, wie wir das mit einiger Gelassenheit tun. Denn neben all diesen gleichzeitigen „Kisten“ geht die Alltags-Aktivität unbeirrt weiter, wollen Anrufende beraten sein und Mail-Anfragen beantwortet, gilt es auf die Bedürfnisse unserer ratsuchenden Klientel einzugehen, Interviews zu geben und Vorträge zu halten.

Etwas in den Hintergrund getreten ist dabei unsere gesundheitspolitische Lobby-Arbeit, die sich in den letzten Wochen vor allem an der Diskussion um ein wünschbares Lebensmittel-Label festgemacht hat, wie es „Nutri-Score“ unserer Meinung nach bis jetzt am besten bieten würde. Wir begrüssen es, dass das Bundesamt für Lebensmittlsicherheit und Veterinärwesen BLV, das dafür zuständig ist, in dieser Sache entschlossen vorwärts macht. Wir haben uns fast ein wenig gewundert, dass anlässlich eines Workshops mit Vertretern der Lebensmittelindustrie kaum Widerstand spürbar wurde… – Dafür holt das nun die unverwüstliche Truppe des Schweizerischen Gewerbeverbandes unter dem Kommando von „Lügen-Bigler“ nach: in einem larmoyanten Epos wird der Untergang der KMU-Welt heraufbeschworen, sollte dieses Label tatsächlich in der Schweiz Fuss fassen…

Auch wenn ich natürlich ganz anderer Meinung bin, soll im Interesse der Meinungsfreiheit auch dieser Standpunkt gehört werden. Dann können sich alle ihre eigene Meinung bilden.




7/5  Fussabdruck

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:18

Ok, meiner drückt sich etwas tiefer ein. Aber das hat vor allem mit dem Gewicht zu tun und ist derzeit nicht mehr so ausgeprägt wie auch schon.

Heute ist der Tag, an dem die Schweiz ihre Jahres-Ressourcen aus der Natur bereits fürs ganze Jahr aufgebraucht hat. Seit dem frühen Morgen konfrontieren mich die Medien mit diesem Faktum und man kommt nicht darum herum, sich gedanklich damit zu befassen.

Eine erste Begegnung findet im Kiosk statt. Dort steht wuchtig im Eingang ein Gestell mit der plakativen Aufschrift: SO GEHT WASSER HEUTE. Es ist ein aromatisiertes Mineralwasser, abgefüllt in 7,5-Dezi-Flaschen aus PET, und ich denke im Vorübergehen: was für ein Unsinn! Da kommt bei uns reinstes Trinkwasser in  Top-Qualität aus dem Wasserhahn und man versucht, uns zum Konsum von getunter Plörre zu verführen (auch wenn diese kaum Kalorien enthält)! Zufrieden denke ich, dass bei mir zuhause im Kühlschrank einige Flaschen mit abgefülltem Leitungswasser stehen… sonst nichts Trinkbares.

Aber tun wir wirklich alles, was wir könn(t)en, um unseren ökologischen Fussabdruck klein zu halten? Seit ich mich nur noch von Frischprodukten ernähre, die ich auf dem Wochenmarkt direkt vom Bauern und vom Metzger kaufe, kann sich mein Gewissen etwas zurücklehnen. Fertigprodukte sind vom Speisezettel verbannt, ebenso alles, was auch nur Spuren von Zucker enthält.

Und trotzdem lebe ich wahrscheinlich immer noch weit über dem, was mir eigentlich „zustehen“ würde. Ich benutze das Auto, weil mir die Arthrose bei längeren Wegstrecken Probleme macht, ich setze in der Küche eine ganze Armada von elektrischen Geräten in Gang, um meine Speisen zuzubereiten und ich lasse das Licht bis weit in die Nacht hinein brennen…

Was wäre zu tun? Sollen wir wie Eremiten im Wald leben und auf Rohkost umstellen? Zurück in eine Vorzeit, da sich der Mensch in Felle kleidete… aber: so viel Wild gibt es in den Wäldern gar nicht mehr, als dass alle sich einen pelzigen Anzug erjagen könnten! Abgesehen davon, dass uns zivilisationsgeschädigten Schwächlingen ja die überlebensnotwendigen Fertigkeiten abgehen, die es brauchen würde, um in der freien Natur einigermassen zu überleben.

Vielleicht beginnen wir einfach mal damit, unser Handeln zu reflektieren und uns immer dort, wo wir gängige Alternativen haben. für die „einfachere“ Lösung zu entscheiden. Zum radikalen Umbau müssen spätere Generationen entweder angelernt oder dann durch die Umwelt gezwungen werden. Freiwillig wird es kaum gehen.




6/5  Schlemmen legal?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:20

Heute ist Anti-Diät-Tag. Alle Jahre wieder. Seit 1992 wird er begangen, „erfunden“ von der britischen Autorin und Feministin Mary Evans Young. Heisst das, dass wir heute freie Hand haben, uns wieder mal so richtig vollzustopfen mit all dem ungesunden Zeug, das wir uns, verantwortungsbewusst wie wir sind, normalerweise verkneifen, obwohl es so lecker schmeckt?

Nein, das wäre wohl nicht der zentrale Zweck dieses Welt-Tages. Vielmehr ist er ein Aufruf, den aktuellen Schönheits- und Schlankheits-Wahn zu reflektieren und zu hinterfragen. Einen Kontrapunkt zu setzen gegenüber all der entfesselten Wellness- und Diät-Industrie, die uns immer fester in einen moralischen wie physischen Würgegriff zu nehmen droht, so dass man kaum noch eine einzelne Kalorie ohne schlechtes Gewissen zu vertilgen wagt.

Für uns Adipositas-Leute ist ja ohnehin klar: Diäten – vor allem die extremen – sind des Teufels, sie öffnen erwiesenermassen die Tür zu einer Spirale, die unweigerlich abwärts ins übergewichtige Elend führt und uns eine ungeniessbare Beschwerden-Suppe einbrockt, die wir mit eigner Kraft kaum mehr auszulöffeln vermögen.

Es geht also darum, ein unverkrampftes Verhältnis zu einer massvollen, ausgewogenen Ernährung zu finden, die nicht nur für mich und meinen Körper gut ist, sondern auch punkto Nachhaltigkeit einigermassen rücksichtsvoll mit den Ressourcen umgeht. Und dabei können wir getrost die „Schönheits-Ideale“ vergessen, die uns auf Instagram und allen Werbeplattformen vorgegaukelt werden.

Und trotzdem. Ein bisschen Genuss muss schon sein. Auch wenn es keine Schlemmer-Orgie ist: vielleicht ein Luxemburgerli oder zwei?