13/6  Rosa Schleim

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 19:55

Eine böse Geschichte mit offenem Ausgang. Sie geistert seit einiger Zeit durch die Medien und hat unlängst wieder beklemmende Aktualität erreicht. Es geht um Fleisch bzw. um das, was davon noch verwertbar zu sein scheint, nachdem schon alles vom Schlachtkadaver abgetrennt wurde, was noch irgendwie nach Fleisch aussieht. Ein Fleischmulti in USA hatte offenbar eine Technik entwickelt, die allerletzten fleischähnlichen Reste maschinell so zu bearbeiten, dass sie noch eine hellrote (rosa) Paste hergaben, die man verkaufen konnte als Zusatz, um das Hackfleisch bei der Hamburger-Zubereitung zu strecken.

Journalistische Recherche hatte den Vorgang aufgedeckt und publik gemacht, worauf sich namhafte Burger-Brater vom für eklig gehaltenen Ergänzungs- und Verbilligungsgeschäft zurückzogen. Der Konzern hatte nun das publizierende Medium (ein Unternehmen aus der Disney-Gruppe) auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt. Im anstehenden Monsterprozess geht es um Lebensmittelsicherheit im Zeitalter von JunkFood. Marion Nestle dokumentiert in ihrem Ernährungs-Blog die Chronologie des Vorgangs und verspricht, dran zu bleiben.

Bei meiner Suche nach weiteren journalistischen Quellen bin ich auf ein interessantes Phänomen gestossen: gibt man „rosa Schleim“ bei Google ein, kommen sogleich eine Fülle von Hinweisen auf medizinische Phänomene, vom COPD-Auswurf bis zum Vaginalsekret, als hätte jemand alle Texte zur Fleischverarbeitung gesperrt, aus Angst davor, ebenfalls gerichtlich belangt zu werden… Einzig bei der Bilderstrecke kommen die bereits vertrauten Illustrationen pfundweise: pinkes Hack-Mett, das in Wurstform aus dem Cutter kommt, sich in Kübeln und auf Schalen türmt, Hamburger in jeder Grösse undForm, Links zu Hackfleisch, McDonald’s, Chicken Nuggets und immer wieder Brötchen mit Ham- und anderen Burgern…

Erst etwas weiter hinten kommt dann ein Bericht auf Deutsch im ManagerMagazin von diesem März mit dem Hinweis, dass schon Jamie Oliver mit einer ähnlichen Aussage vor Gericht antreten musste. Er war allerdings damals frei gesprochen worden. Wie auch immer: ein guter, selbstgemachter Rindshack-Burger ist über jeden Schleim-Verdacht erhaben.


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