30/1  Brüssel zögert

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:52

Seit über zehn Jahren ist die Sache hängig. 2006 hatte die EU auf Antrag einiger Mitgliedstaaten beschlossen, bis 2009 würden verbindliche Nährwert-Profile erarbeitet, die es erlauben, die Anpreisung bestimmter Lebensmittel auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen und „Botschaften“ zu untersagen, die eindeutig irreführend sind.

Der Prozess wurde allerdings seither massiv verzögert durch filibusterndes Lobbyieren der Kräfte, die daran interessiert sind, solche Normen zu verhindern. – Nun hat die Dänische Regierung interveniert und Beeilung angemahnt: es könne nicht angehen, dass weiterhin Produkte mit zu hohem Fett- und Zuckergehalt als „gesund“ ausgelobt würden.

Als Beispiele werden aufgeführt: ein Vitamin-A-Drink, der „gut für das Immunsystem“ sein soll, dabei aber die reinste Zuckerbombe ist, sowie eine Schoko-Milch, die man unbedingt nach dem Training trinken müsse, weil sie „extra viele Proteine“ enthalte…

Eine EU-Kommission will nun bis Mitte 2018 einen Bericht zum Thema veröffentlichen. Ob er das erwartete Resultat erbringt, ist noch offen. Die weltweit strengsten Nährwert-Profile für die Beurteilung verarbeiteter Produkte gibt es in Australien und in Neuseeland. Forscher der Oxford-Universität haben über 2’000 Lebensmittel von europäischen Anbietern aus Deutschland, Spanien, England, den Niederlanden und Slowenien nach diesen Kriterien beurteilt und überprüft: nur bei 43 Prozent davon stimmten die aufgedruckten Empfehlungen („health claims“) mit dem Nährwert-Profil überein.

Es besteht also Handlungsbedarf im Interesse unserer Gesundheit.


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