14/2  Hüschenie

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:47

Mein Name ist Eugen. Das war und ist ein Buch, das mich durch meine Jugendzeit begleitet hat: die Lausbubengeschichte mit Tiefgang von Klaus Schädelin… In Erinnerung ist mir eine Passage, in der die Buben auf ihrem Velo-Trip ins Tessin mit Problemen der Sauberkeit konfrontiert waren (es ging glaub um den Latrinen-Bau oder so), und einer wusste, dass dabei die Hygiene wichtig sei. Lautmalerisch sprachen sie von der „Hüschenie“. Und die Jungs stellten sich unter dieser Hüschenie sehnsuchtsvoll eine exotisch schöne Frauengestalt vor, nach der sich frühpubertär schmachten liess…

Warum ich darauf komme? Da gab es unlängst eine Studie, in der über 100 Folgen von verschiedenen TV-Kochsendungen daraufhin analysiert wurden, wie die TV-Köche es mit der Hygiene bei ihrem Showkochen hielten. Und siehe da: praktisch im Minutentakt unterlief diesen jeweils ein „Fehler“, was die Sauberkeit im Umgang mit Lebensmitteln beim Kochen betraf.

Und ein weiteres Experiment bewies, wie solche Sendungen wirken können: einer Gruppe von Leuten wurde ein Video mit Hygiene-Verfehlungen bei der Zubereitung eines einfachen Rezeptes gezeigt, einer anderen ein Video mit „korrektem“ Verhalten zum gleichen Rezept. Dann mussten beide Gruppen dieses Rezept nachkochen. Dabei verhielt sich die zweite Gruppe wesentlich „hygienischer“ als die erste.

Daher der Hinweis an alle, die zuhause selber kochen: macht es den TV-Starköchen nicht nach! Sie sind zwar wahrscheinlich nicht weniger hygiene-bewusst als andere, aber ihre Präsentation wird in aller Regel nicht 1:1 in Echtzeit abgebildet, sondern wird auf Tempo und Drive zurecht geschnitten, wobei dann eben die „unattraktiven“ Handlungen wegfallen wie: Hände waschen, Wischtuch wechseln, Unterlagen säubern etc.

Aber bei alledem hält sich ein Gedanke im Hintergrund: wir waren früher auch nicht so hygiene-versessen… und haben trotzdem überlebt. Oder gerade deswegen?


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