8/2  Schöne neue Food-Welt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 15:33

Ein kühner Blick in die Zukunft. Nestlé wirft ihn. CEO Marco Settembri, zuständig für den Sektor Europa und Nahost, hat an einem Hearing in Brüssel postuliert, die Lebensmittelindustrie müsse durch neue Technologien einen wesentlichen Beitrag leisten zur gesunden Ernährung der Bevölkerung im Rahmen einer nachhaltigen Produktion, und sich dabei gleichzeitig an die sich laufend verändernden Erwartungen der Konsumenten anpassen. Nestlé wolle diese Herausforderung annehmen und so einen Beitrag leisten „zur Begrenzung oder Beseitigung von Adipositas“. (Das haben wir gehört!)

Bereits heute habe Nestlé durch Neuformulierungen seiner Rezepturen 18’000 Tonnen Zucker aus seinen Produkten „herausgenommen“. Die Reduktion von Zucker und Salz soll dabei schrittweise erfolgen, um den Gaumen der Konsumenten „umzuschulen“. Nach positiven Erfahrungen in England soll das Angebot sukzessive auf andere EU-Länder ausgedehnt werden. Zudem werden die Rohstoff-Zulieferer angehalten, umweltverträglich zu produzieren.

Bis 2025 habe man sich das Ziel gesetzt, nur noch rezyklierbare Verpackungen zu verwenden: bei den täglich 1,2 Milliarden Produkten, die weltweit über die Ladentische gehen, bestehe ein enormes Potenziel, in der Verpackung den Kunststoff-Verbrauch zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten.

Die grosse Innovation der Ernährungs-Zukunft bestehe allerdings in der Personalisierung und Individualisierung: dass man jedem Kunden das von ihm gewünschte Essen massgeschneidert anbieten könne. Daran werde mit Hochtouren gearbeitet. Dazu sollen allenfalls auch 3-D-Drucker verwendet werden, mit denen jeder sein persönliches Essen „ausdrucken“ kann…

Als ich beim Lesen der Zusammenfassung der Ausführungen von Settembri an diesem Punkt angelangt war, beschlich mich ein merkwürdiges Gefühl: wenn jeder sein „personalisiertes individuelles“ Essen nach seinem Gusto herstellt, wo ist denn da der Unterschied zur aktuellen Aufforderung, auf hochverarbeitete Lebensmittel zu verzichten und wieder vermehrt mit originalen Materialien „selber zu kochen“? Was soll daran besser sein, wenn mir der teure 3-D-Drucker ein täuschend echtes Spiegelei ausdruckt, als wenn ich das auf dem Markt frisch vom Bauern gekaufte Ei selber in die Pfanne schlage und es so lange brutzeln lasse, bis es so ist, wie ich es am liebsten mag?

Das hätte ich den Herrn Settembri gern gefragt…

 


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