15/3  Gift weg!!!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 12:53

Alles, was Rang und Namen hat, war dabei. Am 10. Zürcher Adipositas-Symposium. Es war eine beeindruckende Auslegeordnung zum aktuellen Stand des Wissens rund um die wichtigsten Aspekte der Adipositas-Therapie. Im Vordergrund stand die bariatrische Chirurgie und der Umgang mit dem Eingriff vor und nach der Operation.

Drei weitere Aspekte wurden zudem beleuchtet: die achtsame Körperwahrnehmung, wie sie geschult und verbessert werden kann, wenn das zuviele Körpergewicht die Selbstachtung beschädigt hat, die Risiken und gesundheitlichen Gefährdungen durch den viel zu hohen Zuckerkonsum, sowie die in industriell gefertigten Lebensmitteln vorhandenen Umwelt-Gifte, die einen wesentlichen Anteil haben daran, dass wir nach wie vor die weltweite Adipositas-Epidemie nicht in den Griff kriegen.

Es war Prof. Dr. med. Paolo Suter, der in seinem vielbeachteten Referat provokative Akzente setzte und darauf hinwies, dass wir im Alltag – und nicht nur über die Nahrung – ständig schädlichen Umweltgiften ausgesetzt sind, die in unseren Körper eindringen und dort gewisse Stoffwechsel-Funktionen beeinflussen oder blockieren können. Gemeint ist z.B. Bisphenol A, ein Wirkstoff, der in Thermodruckern für Verkaufsquittungen verwendet wird und der sich auf die Haut überträgt und von dort auf die FastFood-Speisen gelangt, die in die Hand genommen werden: jedes Pommes-Frittes-Stäbchen wird so zur kleinen Giftschleuder, die zusätzlich dick macht.

Es gibt heute unzählige solcher „chemischer“ Wirkstoffe, deren summierte Auswirkungen noch nicht vertieft erforscht sind. Dazu kommen Mikroplastik-Teilchen, die ebenfalls chemische Botenstoffe enthalten und die wir uns mit Kosmetika ins Gesicht schmieren oder die aus den Weltmeeren über die Nahrungskette auf unseren Teller gelangen… Am Beispiel einer als „gesund“ etikettierten Lachs-Tranche wies Suter auf die Gefahr hin, dass durch ein „positives“ Labelling (wie etwa durch das NutriScore-Label) die Gefahr bestehen könnte, dass mit Chemie verseuchte Lebensmittel als unbedenklich in zu grosser Menge konsumiert würden.

Die Warnung von einer solchen Gefährdung ist durchaus wichtig und ernst zu nehmen, aber Suters Kritik am NutriScore-System ist unfair und greift zu kurz: für die Bewertung der einzelnen Produkte wird ein Gesamtbild der Nährwerte erstellt. Wie weit dabei Verunreinigungen durch Umweltgifte bei der Analyse erfasst werden, ist eine Frage, die von der Instanz, welche die „Noten“ verteilt, beantwortet und berücksichtigt werden muss. Das „Label“ an sich ist auch kein Freipass für hemmungslosen Konsum, sondern lediglich eine vergleichende Empfehlung innerhalb einer ähnlichen Produkte-Palette.

Aber wahr ist effektiv: im Vergleich zu anderen Ländern, wo z.B. das Bisphenol A verboten ist, fehlen in der Schweiz entsprechende Gesetze. Vorläufig noch. Man müsste auf die Barrikaden!


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