16/4  Mit Jenke abnehmen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 14:35

Jenke von Wilmsdorff ist ein unerschrockener Reporter. In zahlreichen RTL-Sendungen hat er mit z.T. spektakulären Selbstversuchen aus der Optik von Betroffenen berichtet, dabei nicht selten seine Gesundheit auf Spiel gesetzt, um eindrücklich zu zeigen und erlebbar zu machen, welchen Belastungen Menschen im Alltag ausgesetzt sind, die an entsprechenden Gebrechen leiden.

Jetzt hat er sich das Thema Übergewicht/Adipositas vorgenommen. „Jenke macht Mut – Der schwere Kampf gegen die Kilos“ heisst sein aktueller Report. Aber diesmal schlüpft er nicht selber in einen überdimensionierten Fat-Suit und erprobt das leibhaftige Leben am Limit des Kollapses, diesmal recherchiert er als Journalist, in den USA, wo er den Kalorienwahnsinn der Fastfood-Kultur untersucht und Menschen begegnet, die auf besondere Weise mit ihrem massiven Übergewicht umgehen.

Da ist die „dickste Mutter der Welt“, die vor 11 Jahren ein Mädchen geboren hat, das inzwischen selber 90 Kilo wiegt, was die Mutter für völlig normal hält. Sie selber denkt nicht daran, ihr Gewicht zu reduzieren, obwohl sie kaum noch stehen und gehen kann. Sodann besucht er einen Arzt, die seine Patienten mit einer besonderen (ketogenen) Nährlösung per Magensonde zum Abnehmen bringt (wobei man sich fragt, weshalb die Leute denn das Gebräu nicht einfach trinken, statt es sich durch einen durch die Nase intubierten Schlauch in den Magen pumpen zu lassen).

In Deutschland begleitet er verschiedene Abnehmwillige in ihrem Kampf gegen die Kilos: den 22-jährigen Jungmann in einer stationären Reha („Insula“), eine Enddreissigerin, die sich einem konventionellen Programm aus Ernährungsumstellung (Verzicht auf Kohlenhydrate und vor allem Zucker) und täglichem Sport unterzieht, sowie eine junge Frau, die einen Magen-Bypass erhält.

Bedenklich stimmen Bilder von einem Treffen in einer Kölner Adipositas-Klinik, wo sich 150 TeilnehmerInnen über die bariatrische Chirurgie informieren lassen, angeheizt von einer klinischen Einpeitscherin, die Anwesende auffordert, Zeugnis abzulegen über ihren Erfolg und die den Arzt als Heilsbringer verkauft, wie wenn es sich um einen allmächtigen Sektenguru handeln würde… Dass sich die Veranstaltung dazu noch als „Selbsthilfegruppe“ bezeichnen liess, hatte etwas richtig Abstossendes.

Interessant war der Selbstversuch von Jenkes Kameramann: der hatte in  den USA beim Essen kräftig zugelangt und einige Kilos angesetzt. Dann entschloss er sich, Intervall-Fasten zu praktizieren (auch „16:8-Methode“ oder „Hirschhausen-Diät“ genannt), womit er tatsächlich 7 Kilos wieder herunterbrachte.

Die Jenke-Sendung war insgesamt informativ und fair, der Umgang mit den Betroffenen respektvoll und emphatisch (eine Umfrage, die im anschliessenden RTL-Extra-Magazin gezeigt wurde, besagt allerdings: 58 Prozent der Deutschen sind überzeugt, dass die Dicken an ihrem Zustand „selber schuld“ sind). Einen Schönheitsfehler hatte sie allerdings: gezeigt wurde auch ein älterer Mann, der sich bitterlich darüber beklagte, dass sich sein Leben nach der Magen-OP negativ verändert habe und er unter Depressionen leide und gelegentlich Selbstmordgedanken habe… Negative Aspekte und Risiken eines bariatrischen Eingriffs sollen durchaus thematisiert werden, das ist kein Problem. In diesem Falle hätte allerdings darauf hingewiesen werden müssen, dass der betreffende Patient eben schon im fortgeschrittenen Alter ist, dass eine Reihe von Begleiterkrankungen schon ausgeprägt waren und dass es, je älter man wird, je schwerer fällt, sich von altvertrauten Lebensgewohnheiten zu verabschieden.


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