9/8  Sorry, Einstein

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:34

Das war des grossen Namensgebers unwürdig. Erst heute bin ich auf einen Beitrag im SRF-Wissenschaftsmagazin aufmerksam gemacht worden. In einem 6-Minuten-Filmchen wurde Ende Januar ein „Fall“ dargestellt von einer jungen, lebenslustigen Frau, die im Internet auf die Influencer-Empfehlung gestossen ist, wenn man fit bleiben oder werden wolle, solle man beim Essen auf Kohlenhydrate verzichten: Low Carb.

Was das ist, zeigt Einstein in einem kleinen Animationsfilmchen, das leider die (seit Atkins) veralteten Prinzipien „keine Früchte, kein Gemüse, keine Teig- und Backwaren, dafür viel Fett, Fleisch und Milchprodukte“ kolportierte. Wie streng die Protagonistin die Anweisung befolgte, wird nicht gezeigt. Dafür trainiert sie auf Teufel komm raus im Fitnessstudio… und bald stellen sich schlimme Nebenwirkungen ein: Kopf- und Bauchschmerzen, Haarausfall, Antriebslosigkeit und Depression… Bei einem Ernährungsguru, der Leistungssportler berät, findet sie Hilfe. Er eröffnet ihr, wie unverzichtbar Kohlenhydrate doch für eine gesunde Lebensweise sind. Jetzt geht es ihr wieder gut.

Fazit für die Zuschauenden: Verzicht auf Kohlenhydrate kann Ihre Gesundheit gefährden!

Das ist – in dieser Verallgemeinerung – Blödsinn. Low Carb-Ernährung ist ein absolut tauglicher, zunehmend akzeptierter Weg zur Gewichtsreduktion, wenn dieses Ziel bei Übergewicht und Adipositas oder bei anderen Stoffwechselstörungen angestrebt wird. Dabei gibt es verschiedene Abstufungen, von der teilweisen Reduktion des Zucker-Anteils in der Nahrung insgesamt, bis zu einer Hardcore-Lösung mit fast völligen Verzicht. Der führt dann zu einer ketogenen Ernährung, die den Körper veranlasst, die notwendige Energie in Form von Ketonkörpern selber zu produzieren und damit die Fettreserven effizient aufzubrauchen.

Im Einstein-Beitrag sah die Akteurin keineswegs so aus, als müsste sie ihr Gewicht reduzieren. Ein massiver Kohlenhydrate-Verzicht war also grundsätzlich nicht angezeigt. Überdies powerte sie sich im Fitnessstudio noch zusätzlich aus, was ihren Organismus extrem strapazierte. – Kurz: ein eindeutiger „Sonderfall“ einer verfehlten Praxis wurde als allgemeines Beispiel präsentiert, das in einer generellen Warnung vor einer Low Carb-Ernährung mündete. Das muss alle, die nach Möglichkeiten zu einer wirksamen Gewichtsreduktion suchen, unnötig verunsichern.

Die einzig legitime Botschaft, die hätte (und zwar deutlich) formuliert werden müssen: Lasst euch nicht von Influencern zu einem falschen Verhalten verleiten, konsultiert Fachleute und lasst die Finger von unbedachten Diäten, die euch nicht von ausgewiesenen Experten empfohlen werden. – Hier geht es zum Einstein-Beitrag.


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