23/12  Schwer verliebt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:24

Feiertagshalber habe ich heute – zufällig – in die TV-Serie Schwer verliebt hineingezappt. Eigentlich wollte ich sofort weiterzappen, denn es widerstrebte mir, ein weiteres Mal zu sehen, wie übergewichtige Menschen am Fernsehen in einer Art Freak-Show vorgeführt werden, zur Belustigung derer, die ohnehin immer rasch mit Vorurteilen zur Hand sind, wenn es darum geht, die Dicken abzuqualifizieren.

Aber dann sagte ich mir, ich müsste nur schon von Amtes wegen mir dies einmal mindestens antun, um aus erster Hand zu wissen, worum es bei dieser Serie geht. So blieb ich auf dem Kanal. Das Format entspricht etwa dem von „Bauer, ledig, sucht…“: ein Single auf Partnersuche wird mit Kandidatinnen konfrontiert und sollte sich dann für die eine oder andere entscheiden. Der Begriff  „schwer“ im Sendetitel ist durchaus doppelsinnig gemeint. Es sind schwere Menschen und ihre Gefühle stürzen sie in schwere Emotions-Stürme…

In der Ausgabe, die ich gesehen habe, waren es durchaus übergewichtige Männer in verschiedenen Regionen Deutschlands, meist schon etwas älter, die bisher keine Partnerin abbekommen hatten. Ihnen wurden je zwei Damen zugeteilt, auch diese bereits vom Leben etwas gezeichnet, verwitwet oder alleinerziehend… und dann kriegte man als Voyeur so mit, wie die Männlein unbeholfen von ihrem Empfinden stammelten und wie die Weiblein sich alle Mühe gaben, einen guten Eindruck zu machen, untereinander recht zickisch, wo sie doch solidarisch sein könnten, und kämpften gewissermassen um die überreifen Sonderlinge, die nicht unsympathisch waren, eher eigentlich bedauernswert.

Man kann nicht sagen, dass die Dicken bösartig vorgeführt und verarscht würden, denn letztlich sind Liebende immer auf eine besondere Art liebenswürdig, auch wenn es ja keine überwältigend neue Erkenntnis ist, dass auch in unförmig aufgequollenen Körpermassen ein liebendes Herz schlägt und eine brennende Sehnsucht sich verzehren kann… das wissen wir seit Quasimodo. So what?

Diese Emotions-Dokus ermüden und stumpfen ab. Es sind eine Art Gefühlspornos, ohne künstlerischen Wert. An sich sind sie nicht „schlechter“ als der grosse blöde Rest des Hartz-Vier-Brüll-und-Kreisch-Privat-TVs am Nachmittag. Zu befürchten bleibt einzig, dass man mit der Zeit meint, so sei das Leben.


Ein Kommentar zu “Schwer verliebt”

  1. Andrea S. sagt:

    danke für den tollen Beitrag! ich habe so etwas ähnliches auch gelesen (hier: http://wir-sind-alleinerziehend.de/ ) wobei es dort mehr um Alleinerziehende geht.

    Weiter so und LG,
    Andrea

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