12/8  Nochmals: Geld her!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:25

Vor drei Tagen habe ich den Vergleich angestellt zwischen den Kosten für die Abwendung von künftigen Überschwemmungen und dem Aufwand, der für die Adipositas-Prävention in den kommenden Jahren zu treiben ist. Heute hat der Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt, Andreas Götz, in einem Interview mit der SonntasZeitung meine These bestätigt.

Wenn wir auch in Zukunft sicher vor Überflutungen sein wollten, müsste massiv investiert werden. Auf die Frage nach den Kosten kommt eine klare Ansage: Ich rechne in den kommenden Jahrzehnten mit Milliardenbeträgen für Bund, Kantone und Gemeinden.
Und schon gibt es erste Verlautbarungen von Parlamentariern wie z.B. von Hermann Weyeneth, die vom Bundesrat einen zusätzlichen Extra-Kredit verlangen, da die für das kommende Jahr ordentlich budgetierten 100 Millioinen nicht mehr ausreichen würden…

Da ist nun also ein Chefbeamter, der sich in der Öffentlichkeit unmissverständlich hinter berechtigte Forderungen stellt und damit die Diskussion vorbereitet, mit der die Politik sensibilisiert werden soll. Und weil man die eindrücklichen Bilder der reissenden Fluten und der braunen Wassermassen, die sich quer durch Dörfer und Städte wälzen, noch überdeutlich vor Augen hat, erscheinen diese Forderungen legitim und nachvollziehbar.

Bei der Prävention im Gesundheitsbereich ist das anders. Die Schweiz ist in diesem Sektor knauseriger als andere europäische Länder. Der Aufwand für die Vermeidung von Krankheiten ist minimal im Vergleich mit den allgemeinen Kosten des Gesundheitswesens, obwohl man annehmen kann, dass jeder Franken, der für die Verhinderung einer Krankheit ausgegeben wird, später rund sieben Franken an Behandlungskosten einspart. Aber für solche Überlegungen gibt es noch keine Lobby im Parlament. Ein Teil unserer Gesundheitspolitiker sehen ihre Aufgabe darin, die Gesundheitskosten um jeden Preis zu senken. Und trotzdem steigen die Kassenprämien beharrlich. Die Diskussison ist noch lange nicht abgeschlossen.




10/8  Brust-bewusst

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:23

Früher, auf dem Schulweg durch das Ryffligässchen in Bern, kamen wir jeweils an einem kleinen Geschäft vorbei mit einem Schaukasten auf Augenhöhe. Dort waren die Informationshefte des Schweizerischen Lichtbundes ausgestellt. Das war die Naturisten-Organisation, die – im Interesse eines gesünderen Lebens – am Neuenburgersee einen Nacktbadestrand betrieb.

Es waren die züchtigen Jahre nach dem Krieg und die reine Möglichkeit, im Vorübergehen eventuell durch die Vitrine aus den Augenwinkeln einen flüchtigen Blick auf eine Abbildung unverhüllter weiblicher Brüste erhaschen zu können, wirkte unheimlich elektrisierend. Pech nur, dass in den meisten Fällen ausgerechnet über diese interessante Stelle ein Papierband mit dem aufgedruckten Preis gespannt war. Wenn man Glück hatte, so rutschte dieses Band nach einiger Zeit, wohl unter der Einwirkung der Sonnenstrahlung, etwas nach unten und gab einen kleinen, aufklärerischen Streifen frei… An ein Bild erinnere ich mich besonders. Es hiess „Die Stabhochspringerin“ und war von unten her aufgenommen… aber hier blieb der Papierstreifen standhaft und bewegte sich keinen Millimeter, obwohl das Bild inzwischen schon recht vergilbt war.

Verglichen mit den An- und Einsichten, die sich heute an jedem stinknormalen Kiosk auf breitester Front eröffnen, war das natürlich die reine Gartenlaube der Unschuld. Umso erstaunlicher mutet die Kontroverse an, die unlängst in einer Zürcher Gaststätte ausgebrochen ist, nachdem eine stillende Mutter, die ihr Baby angesetzt hatte, aus dem Lokal gewiesen wurde. – Die enorme Bedeutung eines möglichst langen Stillens für die Übergewichts-Prävention bei Kleinkindern ist hinlänglich bewiesen, es sollte mit allen Mitteln gefördert werden, denn einfacher und auch kostengünstiger lässt sich dieses Problem kaum in den Griff kriegen, wenigstens teilweise…

Es geht also nicht darum, Toleranz für Frauen zu fordern, die ihre Kinder im öffentlichen Raum stillen, es muss darum gehen, diesen Vorgang zu ermutigen und jedem Verhinderer entschieden entgegenzutreten.




28/7  Fitness vom Tellerchen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:09

Es ist wirklich ein Zufall, dass ich mich vor fast genau einem Jahr an dieser Stelle über das Thema Fitnessteller ausgelassen habe. Heute habe ich mich wieder mal darauf eingelassen.

Wir hatten uns in einem kleinen Beizlein in der Provinzhauptstadt verabredet, das man landläufig als „Chnelle“ bezeichnen würde. Es hörte auf den malerischen Namen Speer-Viktoria und heute war der letzte Tag vor den Betriebsferien. Daher die Karte im laminierten A4-Format wohl etwas reduziert, die Küche ohnehin im Schuss, weil wir spät dran waren. Fünfmal im Angebot ein Fitnessteller: mit Entrecôte, mit panierten Schweinssplätzli (1 oder 2), mit einer grösseren oder einer kleineren Portion Pommesfrites.

Also rasch entschlossen bestellt und nach erfreulich kurzer Zeit standen zwei mächtige Platten zu sehr vernünftigem Preis auf dem Tisch: Gurken-, Mais-, Karrotten-, Nüssli-, Randen- und grüner Salat… eine ansehnliche Portion noch knuspriger Fritten daneben und ein verlockend duftendes Stück Fleisch… dazu wurde mit Schwung die 1-Liter-Flasche mit dem Ketchup auf den Tisch gewuchtet und auch die obligate Kräuterbutter war da, schon zerflossen und verschmolzen mit der triefenden Salatsauce. Grosser Teller – viel Fitness!

Wir haben trotzdem alles verputzt und uns vorgenommen, es dann am Abend bei einer kleinen Portion Birchermüesli bewenden zu lassen. Manchmal gibt es eben keine Alternative. Und geschmeckt hat es hervorragend.




27/7  Spinne am Abend

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:43

Kennen Sie das Sprichwort noch? Spinne am Abend, erquickend, erlabend. Und das Gegenstück dazu: Spinne am Morgen, Kummer und Sorgen. Als Kinder haben wir uns vor den achtbeinigen Weberwesen gegraust und uns um die Bedeutung der Volksmund-Überlieferung foutiert: nicht, dass die Begegnung mit einem Spinnentier je nach Tageszeit Glück oder Unglück gebracht hätte – vielmehr meinte der Ausspruch die häusliche Arbeit in früherer Zeit: Wer am Abend sich zum Zeitvertrieb ans Spinnrad setzen und allenfalls in gemütlicher Tratschrunde mit Freunden und Nachbarn die Welt bereden konnte, dem ging es gut (und das war so quasi ein TV-Ersatz); aber wer schon frühmorgens sich sein Leben durch Spinn-Tätigkeit verdienen musste, dem gings nicht so prächtig, den plagten Finanzsorgen, der hatte Grund zu Kümmernis.

Später lernte ich dann die Tiere als Umweltpolizisten schätzen und respektieren. Mit ihren feinstgesponnen Netzwerken fingen sie so manche Fliege und Mücke weg und es gab gute Gründe, diese Netze nicht zu zerstören, solange sie nicht den Alltag beeinträchtigten… Nun aber, nachdem wir längere Zeit nicht mehr in unserem Feriendomizil gewesen waren, zeigte sich, dass die fleissige Netzknüpfersippe der irrigen Meinung war, wir hätten ihr unser Territorium einfach überlassen. Ein unglaubliches Dickicht an verwobenen Fäden hatte sich im Keller, in der Küche, im Estrich, an den Fenstern breit gemacht, kunstvoll zu Trichteranlagen geformt, aus denen es für fliegendes Ungeziefer zwar kein Entrinnen gab, die sich aber auch menschlichen Händen überall in den Weg stellten, sich in den Haaren verfingen, Kleider verklebten… kurz: Räumung war angesagt und die ganze Pracht verschwand nach einiger Zeit im Staubsaugerrohr.

Die Tiere selber konnten sich offenbar in Wandritzen oder sonstwo in Sicherheit bringen. Jetzt jedenfalls, am Abend, sind wie wieder da, checken vorsichtig die Lage und spannen wieder versuchsweise den einen oder anderen Faden… Ich werde sie mit einem Glas nach draussen befördern, dann können sie in den Spalierbäumchen weiter arbeiten und das flatternde Ungeziefer abfangen, um fette Beute zu machen… Es ist beeindruckend, mit welch unerschütterlicher Zuversicht diese Lebewesen zu Werk gehen, sich durch keinen Rückschlag beirren lassen (heute muss für ihresgleichen im ganzen Haus ja quasi Harmagedon gewesen sein, jüngstes Gericht und Weltuntergang zugleich) und von neuem beginnen, unbeirrt ihren Lebensplan umzusetzen und ein neues Netz zu bauen. – Davon könnten wir uns zuweilen eine Scheibe abschneiden, wenn wir grad wieder mal einen Rückschlag erlitten haben…




20/7  Hecht II

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:24

Das grosse Zelt auf Rigi-Staffel vermittelt schon von weitem einen majestätischen Zirkus-Eindruck. Es ist ein genialer Einfall, neben der Station des hellblauen Rigibähnchens ein permanentes Event-Zentrum hinzustellen, das nun für diese Theaterproduktion einen optimalen Rahmen abgibt.

Der Schwarze Hecht von Paul Burkhard ist mit seinen Melodien ein unverzichtbares Stück Schweizerkultur und es tritt während der Vorstellung ein ähnlicher Effekt ein wie man ihn kennt, wenn im Theater der Wilhelm Tell aufgeführt wird: es kommt einem zwar jedes Zitat bekannt vor, und doch hört man fasziniert zu, weil es interessiert, „wie“ es gemacht wird.

Die breite Bühne im Event-Zelt mit seinen 800 Sitzplätzen macht es der Regie nicht leicht, die Figuren so zu arrangieren, dass sie für alle jederzeit einsehbar sind, und doch lässt das Resultat sich sehen und hören. Zügige Gänge schaffen Dynamik, es bleibt Raum für die Gruppen, sich zu formieren, und während der Zirkus-Traum-Nummer verwandelt sich der Bühnenstreifen in eine Arena… raffiniert gelöst ist die Orchesterfrage: zwei Klaviere und ein Schlagzeug, für alle sichtbar, und gleichzeitig ein Lehrstück für musikalische Hingabe, wenn der Pianist sich voller Innbrunst in die Tasten fallen lässt und jede einzelne Note mit mimisch ausdrucksvoller Körpersprache unterstreicht.

Das Ensemble umweht ein Dunst von Klassentreffen: sturmerprobte Mimen und Miminnen der bewährten Garde für einmal wieder vereint, treffsicher besetzt und glaubwürdig vom ersten Auftritt an. Nun gut, das Stück an sich ist unverwüstlich mit seiner Mischung aus robustem Charme und verträumter Poesie, aber dieser Mix von rasantem Dialekt-Theater, treffsicherem Gesang und flinker Akrobatik stellt hohe Anforderungen, die von allen erfüllt werden. Nicht einfach wegzuspielen sind die Schatten der Vergangnheit, die Erinnerung an frühere Interpretationen, etwa durch Lys Assia, Margrit Rainer und Ruedi Walter… aber die aktuelle Besetzung muss sich nicht verstecken, sie gewinnt eigenes Profil und erobert die Herzen des Publikums im Sturm.

Da waren sich die Premièrengäste einig: eine auf Anhieb sympathische, gelungene Produktion, die das Gemüt erwärmt und der man einen nachhaltigen Erfolg wünscht. Das Wagnis hat sich gelohnt.




18/7  Les Imperméables

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 2:07

Ein unter vielen Vorzeichen unvergesslicher Abend, von dem ich spät nach Mitternacht zurück gekehrt bin. Die Thuner Seesspiele haben zur Première von Les Misérables geladen. Bis zum letzten Platz war die Tribüne mit den 2’500 Sitzen besetzt und der See mit seiner malerischen und doch majestätischen Umgebung zeigte sich, samt leicht bewölktem Himmel, am Anfang von seiner besten Seite.

Eine beeindruckende Show, ein farbiges Spektakel, rasant inszeniert und von schönen Stimmen gesungen, ein historischer Bilderbogen mit Episoden aus der französischen Geschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Sozialkritik, Romanze, Heldenepos in einem, nach der wuchtigen Romanvorlage von Victor Hugo.

Eine „grosse Kiste“ von 9,5 Millionen Franken, die mit 70’000 Besuchern rechnet, und es lässt sich jetzt schon sagen, dass diese auf ihre Kosten kommen werden. Die Organisation ist vom sogenannt Feinsten, bis in alle Details ausgeklügelt und stimmig, die verwandelbare Bühne über dem See beeindruckt durch ihre vielseitige Verwendbarkeit, Solisten und Ensemble und ein 30-köpfiges Live-Orchester überzeugen durch saubere Leistung und machen den Abend zum Genuss.

Einer hat sich eine besondere Rolle ausbedungen und wollte mit von der Partie sein: der gute Petrus hat dann doch im Lauf des Abends die dunkleren Wolken über dem Spektakel zusammengetrieben, hat zuerst einen ganz feinen Tröpfelregen geschickt, der leise für Abkühlung sorgte und als angenehm empfunden wurde. Dann kamen kräftigere Schauer mit soliden Tropfen, die tüchtig auf die Zuschauerköpfe klopften… und da klappte die Logistik hervorragend: innerhalb von Minuten wurden von einer Helferschar winzige Plastic-Päcklein verteilt, leichte durchsichtig-weisse Regenhauben mit coop-Aufdruck („unser Presenting Sponsor“) und innerhalb von Minuten verwandelte sich die Tribüne in eine weissliche Champignonzucht und die Regentropfen spritzten fröhlich von den Plastic-Hauben ab, während das Ensemble tapfer weiter sang.

Als der nasse Segen dann in einen veritablen Platzregen überging, wurde das Spiel für zehn Minuten unterbrochen, zahlreiche Zuschauer suchten das Weite und Schutz in den Verpflegungszelten… und in der nun einbrechenden Abenddämmerung sah es aus, als wäre eine Armee von Hippie-Gespenstlein (Peter Reber war auch unter den VIP-Gästen zu sehen) auf dem Rückzug. Als der Platzregen nach kurzer Zeit aufhörte, kehrten die Unentwegten an ihre Sitzplätze zurück und die Aufführung konnte mit Bravour beendet werden. Chapeau! Und herzlichen Dank für einen unter vielen Vorzeichen unvergesslichen Musical-Abend!




16/7  Die Vorher/Nachher-Frau

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:28

Mit Sicherheit haben Sie diesen immerwiederkehrenden Beitrag auf einem der zahlreichen TV-Verkaufskanäle schon gesehen, wo von einer gestandenen Lady der Zauberbody angepriesen wird: ein elastisch gewirkter Ganzteiler, der angeblich einen etwas zu füllig geratenen Frauenkörper um mindestens eine Kleidergrösse kleiner erscheinen lässt. Und die verkaufstüchtige Dame lügt nicht einmal, da sie offen zugibt, dass die um die Leibesmitte quellenden Wülstchen nicht etwa verschwinden, sondern durch die etwas strammere Verpackung einfach nur „weggeschummelt“ würden.

Dass sich die Frauenwelt in dieser Beziehung schon immer gerne täuschen liess und dass die Mechanismen dafür seit altersher die gleichen sind, das beweist eine vergnügliche Dokumentation, auf die ich im Internet gestossen bin: Die faszinierende Welt der Vorher- und Nachher-Frau in der Werbung. – Mit Beispielen aus Zeitungsinseraten der 30er- und 40er-Jahre wird die segensreiche Wirkung von Korsetts, Mieder und Hüftgürtel illustriert, so augenscheinlich, als kämen die Damen direkt von heutigen Laufstegen. Ich erspare mir weitere Kommentare ünd lasse die wirkungsvoll aufbereiteten Bilder für sich selber sprechen. Viel Spass.




13/7  Abnehmen mit Biss

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:24

Sie kennen Charles Comstock nicht? Das tut weiter nichts zur Sache, denn jetzt lernen Sie ihn ja kennen. Er ist der Leiter des Salt Lake Zahnlaboratoriums im US-Bundesstaat Utah und hat eine besondere Erfindung gemacht: den „CharlieBite“ (CharlieBiss).

Man hat ja auch schon so Greuelgeschichten gehört von übergewichtigen Menschen, bei denen jeder Versuch, abzunehmen, fehlgeschlagen war und die sich schliesslich in ihrer Verzweiflung vom Arzt mit Draht den Mund zunähen liessen, um so nur noch flüssige Nahrung mit einem Trinkhalm aufnehmen zu können… Etwas Ähnliches hat sich Charles „Charlie“ Comstock ausgedacht.

Er hat eine Art Mundspange entwickelt, die von spezialisierten Zahnärzten eingesetzt werden muss. Sie wird an den Zähnen des Unterkiefers befestigt und bleibt Tag und Nacht im Mund. Sie ist aus einer speziellen Legierung gefertigt, soll keinen Krebs erzeugen und auch keine Allergien auslösen. Und ihr Vorhandensein in der Mundhöhle hat verschiedene Auswirkungen. Zum einen kann man damit nur noch kleine Bissen auf die Zunge schieben. Dank dieser Spange ist man gezwungen, ganz langsam und vorsichtig zu kauen. So wird die Mahlzeit in die Länge gezogen und der Sättigungseffekt kann sich einstellen. Die Spange im Mund ist störend und unangenehm… aber das muss so sein, denn dies soll den Träger daran erinnern, dass er ja abnehmen will und dass er nicht mehr grosse Bissen unzerkaut hinunterschlingen soll.

Nach dem Einbau gibt es auch Ernährungsempfehlungen bezüglich Fett und Zucker und Salz… Der Erfolg sei, wird berichtet, bei allen Probanden bisher beträchtlich: im Schnitt rund 600 Gramm pro Woche werden abgenommen, das macht gut 30 Kilo aufs Jahr. – Aber die Sache ist auch sonst nicht trivial: das Gerät im Mund braucht regelmässige Kontrolle und Pflege, die Anschaffung einer Munddusche ist zwingend, da sich in der Metallkonstruktion Speisereste verfangen, die anders nicht entfernt werden können; je nach dem Typus der Charlie-Spange ist zudem die Sprachfähigkeit beeinträchtigt, eine „schwere Zunge“ dürfte wohl eine vorsichtige Umschreibung sein… aber auch dieser Effekt ist durchaus gewollt, denn er soll den Spangenträger daran erinnern, dass er bereit ist, Opfer auf sich zu nehmen, um sein Gewicht zu reduzieren. – Hat man das Zielgewicht erreicht, kann die CharlieBite-Spange wieder herausgeschraubt werden… aber sie bleibt stets in Griffnähe, damit der Zahnarzt sie sofort wieder montieren kann, wenn die Kilos sich anschicken sollten, zurückzukehren…

Letztlich ist so ein Schling-Hemmer nichts anderes als ein vorverlagertes Magenband. Die Mechanik erzwingt ein Ess-Verhalten, zu dem viele heute aus freien Stücken nicht mehr in der Lage sind. Vielleicht sind aber die Nebenwirkungen so durchschlagend, dass manche sich das „richtige“ Ess-Verhalten zu eigen machen, um sich den Einbau von CharlieBite zu ersparen…




9/7  2. Versuch

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:14

Am Freitag kam das Telefon vom Universitätsspital. Ob ich am Montag eventuell Zeit hätte für einen zweiten Versuch im MRI. – Blog-LeserInnen wissen: vor einem Monat sollte ich im Zusammenhang mit einer medizinischen Studie eine Magnetresonanz-Momentaufnahme von meinem Herzzustand machen, aber die Tücke des Objektes wollte es, dass ich, einbandagiert wie ich war, gar nicht in die enge Röhre passte, in der ich anderthalb Stunden hätte verbringen sollen.

Nun also ging es darum, den Versuch zu wiederholen. Man habe zwar kein grösseres Gerät gefunden, aber man habe sich doch überlegt, wie man mich als Paket anders schnüren und lagern könnte, so dass ich dann vielleicht doch Platz finden würde in dem Tomografen. – Ich stellte mich also zur vereinbarten Zeit im Spital ein, frohgemut, hatte ich doch auch etwas zur Verbesserung der Ausgangslage beigetragen, indem ich immerhin seit dem letzten Anlauf zweieinhalb Kilo abgenommen hatte.

Aufs Freundlichste wurde ich betreut, ein perfektes Ventil für die spätere Infusion des Kontrastmittels wurde mir am rechten Arm montiert, dann ging es beschwingten Schritts durch das Spital-Labyrinth in den MRI-Trakt. Die gleichen Spezialisten wie vor einem Monat nahmen mich in Empfang, aber nun war ich auf dem Weg zur Gesundung, rüstig und aufgeräumt, nicht mehr im schlappen Krankenstand wie damals. Sicherheitshalber machte man aber doch ein vorsichtiges Probeliegen und Versuchseinschieben… das dicke Liegepolster war entfernt worden, ich legte mich auf eine dünne Unterlage, den Kopf flach nach hinten, nicht mehr auf einem weichen Kissen gebettet… so müsste es wirklich gehen, dachte ich, als der Schlitten sich mit leisem Surren langsam auf die richtige Höhe hob und ich dann in die Magnettrommel eingefahren wurde.

Ganz langsam und behutsam diesmal, kritisch beobachtet von drei Augenpaaren, die jede Veränderung wahrnahmen und sogleich merkten, dass meine Arme, die ich seitlich neben mir liegen hatten, die Wände der Röhre streiften und einen Druck auf den Brustkasten ausübten. Geht es so? Können Sie so bleiben? Ist der Druck auszuhalten? – Nein, das Ganze halt! Zurück, es hat keinen Zweck, geht doch nicht, durch den Druck würde das Messresultat verfälscht… ob ich mich eventuell auf den Bauch legen solle? oder auf die Seite? – Was auch immer wir erwogen, es gab keine vernünftige Lösung und die Übung musste zum zweiten Mal abgebrochen werden. Mir tat das aufrichtig Leid, denn ich hatte wirklich gehofft, diesmal der Wissenschaft dienen zu können und ich mochte diese hilfsbereiten Menschen nicht gern enttäuschen…

Als tröstlich empfand ich, dass es eigentlich gar nicht so sehr das überschüssige Abdominalfett war, das sich als problematisch erwies, sondern mein etwas stämmig angelegter Brustkasten, neben dem die Arme keinen Platz fanden… und ich erinnerte mich an den uralten Witz mit Bart, den man über den seinerzeitigen Kreml-Fürsten Leonid Breschnew erzählte. Frage: Warum hat Breschnew einen so imposanten, massigen Brustkorb? – Antwort: Er hat einen Herzschrittmacher aus der DDR.

Wir geben die Hoffnung nicht auf. Vielleicht lässt sich in einem anderen Institut doch noch ein grösseres Gerät finden.




8/7  Theorie und Praxis

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:33

Eine der zentralen Fragen, wenn wir mit Menschen, die abnehmen wollen, über Ernährung sprechen, ist die: Können Sie sich vorstellen, dass Sie in der Lage sind, diese bestimmte Ernährungsform von nun an bis an Ihr Lebensende erfolgreich in Ihren Alltag zu integrieren und zu praktizieren? – Wenn diese Frage bejaht wird, dann besteht eine Chance, dass die Umstellung erfolgreich ist und der fruinöse JoJo-Effekt vermieden werden kann.

Leider zeigt es sich bei den meisten Konzepten, die am Anfang blendend funktionieren, dass die Begeisterung nach einer gewissen Zeit nachlässt, dass die guten Vorsätze ins Wanken geraten und dass sich alte Verhaltensmuster ganz hinterlistig wieder ins tägliche Leben einschleichen… und in ihrem Schlepptau kommen auch die Kilos wieder.

Hier lässt eine neue deutsche Publikation aufhorchen, weil sie so ziemlich das Gegenteil vertritt von dem, was bisher als gängige Meinung der Experten galt: es geht um sogenannte Formula-Diäten. Das sind konzentrierte Nahrungs-Ersatz-Produkte, die anstelle einer Mahlzeit eingenommen werden und die dem Körper eine ganz bestimmte Energiemenge in ausgewogener Zusammensetzung zuführen, bei reduziertem Fett- und Kohlenhydrat-Gehalt, aber mit den überlebensnotwendigen Vitaminen und Spurenelementen. Dabei kann es sich um Suppen, Drinks oder Riegel handeln… Aber eben: keine frisch hergestellte Mahlzeiten, sondern vorgefertigte „Ersatz“-Produkte.

Der Autor, ein Experte vom Institut für Ernährungspsychologie der Universität Göttingen, kommt zum Schluss, dass solche Formula-Diäten sich in Langzeitversuchen gegenüber einer „normalen“ kalorien- und fettreduzierten Mischkost als überlegen gezeigt hätten. Er beklagt, dass – in Deutschland, aber das gilt auch für die Schweiz – solche Produkte und deren begleitende Beratung von den Krankenkassen nicht berappt würden.

Beim Verfasser handelt es sich um Thomas Ellrott, einen äusserst vielseitigen Adipositas-Spezialisten, der schon zahlreiche Bücher und Studien publiziert hat, denen man in aller Regel nicht Praxisfremdheit vorwerfen könnte… die aktuelle These von den Formula-Diäten im Dauerverzehr ist allerdings wenig vertrauenerweckend und sie widerspricht diametral allen Erfahrungsberichten, mit denen wir bis heute in der Beratung konfrontiert waren: die Drinks, Suppen und Cremen mögen anfänglich schmecken, aber sie haben ein sehr hohes „Verleider“-Potenzial und wecken auf Dauer verhängsnisvolle Gelüste nach deftiger und „richtiger“ Kost… Hier klaffen Theorie und Praxis mächtig auseinander. Oder handelt es sich am Ende gar um ein Gefälligkeitsgutachten?