6/4  Sieben Stufen

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:38

Ein ereignisreicher Tag: frühmorgens nach Bern zur Übergabe der 121’000 Unterschriften für das Referendum gegen das Asyl- und Ausländergesetz, wo ich im Namen des Kinderhilfswerks Terre des hommes unsere Ablehnung begründen darf, und am Abend in Zürich die Generalversammlung des SAPS-Trägervereins „Solidarität für Adipositaskranke“.

Der statutarische Teil geht zügig über die Bühne, es gibt wenig kontroverse Themen, wir sind uns – die meisten selber Betroffene – einig in der Überzeugung, dass es noch viel Engagement braucht im Interesse der adipösen Menschen. Bloss, dass wir noch viel mehr Mitglieder in unseren Reihen brauchen könnten.

Anschliessend dann das mit viel Spannung erwartete Referat des Adipositas-Spezialisten Dr. med. Babak Bahadori aus Graz über das von ihm entwickelte Gewichtsreduktionskonzept Die 7 Stufen zum Gleichgewicht, das auf relativ einfachen Einsichten beruht: Da der Mensch 99,9% seiner Entwicklungsgeschichte als „Jäger und Sammler“ verbracht hat, ist sein ganzer Organismus auf die dieser Lebensform angepasste Ernährung ausgerichtet; er bekommt nur von Zeit zu Zeit Nahrung, die muss er dann so rasch wie möglich verzehren und so gut wie möglich speichern, denn bis zur nächsten Mahlzeit ist Fasten angesagt. Dieser Wechsel zwischen „Fasten und Festen“ spiegelt sich in vielen treditionellen, z.T. religiös überlieferten Fasten-Ritualen (wie etwa dem Ramadan).

Wer also „richtig“ (das heisst: seinen körperlichen Gegebenheiten entsprechend) essen will, der muss zwischen den Mahlzeiten grosse Pausen lassen (mindestens 12 Stunden), damit sich die Zucker-Speicher leeren und Fettzellen abgebaut werden können. Jede Zwischenmahlzeit, und sei sie noch so klein, wirft die Verdauungsmaschinerie wieder an und stoppt den Fettabbau. Dazu kommt die Aufforderung, sich in der Fettabbau-Phase nicht lang, aber doch gezielt zu bewegen, vor allem vor dem Zubettgehen.

Das ist jetzt nur ein kurzes Stenogramm zu den ersten zwei Stufen des Bahadori-Konzeptes, mit dem bereits ansehnliche Erfolge erzielt werden konnten und für dessen Umsetzung in Österreich eine Reihe grosser Kliniken geplant sind. Die ganzen 7 Stufen sind in einem Buch anschaulich beschrieben, das von erfolgreichen PatientInnen mitgestaltet und -verfasst worden ist und in dem die Betroffenen-Optik an die Stelle der Ärzte-Perspektive tritt. Denn jeder, der über Jahre mit oder ohne Erfolg gegen seine Adipositas gekämpft hat, ist sein eigener Spezialist geworden, dem es nicht an Erkenntnissen mangelt, der aber verständnisvolle Unterstützung udn Begleitung braucht.




2/4  Essen direkt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:57

Heute zu Besuch bei einem meiner Neffen im Spital. Er ist in der Rehabilitation nach einer partiellen Lähmung (Guillain-Barré-Syndrom) und zum Glück seit kurzem wieder in der Lage, sich aus eigener Kraft zu bewegen, in den Rollstuhl zu steigen und durch die Gänge der Klinik zu kurven.

Nur mit dem Essen ist es so eine Sache. In den ersten Wochen hing er buchstäblich am Tropf und erhielt die erforderlichen Nährstoffe intravenös. Dass er dabei rasch an Gewicht verlor, lag auf der Hand. Die Aufnahme fester Nahrung war nicht möglich, da auch die Schluck-Funktion beeinträchtigt war und die Gefahr bestand, dass die Speisen nicht in den Magen sondern durch die Luftröhre in die Lunge gerieten. Was auch für Getränke galt.

So wurde für die Zuführung von „verdaubarer“ Nahrung mit Fasern und Fibern eine Sonde operativ direkt in den Magen gelegt. Und bei jedem Rollstuhl-Ausflug muss der kleine Dosierungs-Apparat mit dem Plasticbeutel und der bräunlichen Nährlösung an einer Stange montiert werden, die aussieht, als wäre es der Stromabnehmer bei einem der Elektro-Scooter auf dem Rummelplatz.

Eine paradoxe Welt: die einen haben die grösste Mühe, sich durch gezieltes und bewusstes Verhalten so zu ernähren, dass sie Gewicht verlieren können, und andere müssen zu operativer Hilfe greifen und brauchen Hightech-Unterstützung, um sich die lebensnotwendigen Nährstoffe zuzuführen.

Und wenn man dann zuhause vor einem kleinen Teller exzellenter San Lorenzo-Pasta al Pesto sitzt, dann kommt einem das vor wie Lebensgenuss in Luxus pur und man merkt wieder mal, wie gut man es doch hat und merkt, dass das ein Grund ist, dankbar zu sein.




29/3  Food Engineering

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:27

Zu diesem Begriff zählt die Suchmaschine Google in 0,34 Sekunden ganze 222 Millionen (!) Nennungen auf, weltweit. Für die Schweiz sind es immer noch 346’000. Und seit heute Nachmittag weiss ich ungefähr, was ich mir darunter vorzustellen habe.

Der Begriff ist emotional belastet. Man malt sich aus, wie düstere, auf Profit sinnende Technokraten in Labors irgendwelche Esswaren austüfteln, denen sie möglichst unnatürliche Eigenschaften verleihen, indem sie sie verändern und umkonstruieren, sie auf besondere Wirkung programmieren, damit sie am Markt bessere Absatz-Chancen haben…

Aber was ich heute in der Hochschule Wädenswil erlebt habe, gibt mir Zuversicht und Hoffnung. Eine diskrete Institution schmiegt sich über dem Zürichsee in die malerische Landschaft. Hochschule für Life Science und Facility Management nennt sie sich, und wer meint, das liesse sich einfach so übersetzen, der soll es mal versuchen.

Die Leute in Wädenswil sind alles andere als düstere Tüftler. Sie analysieren die Trends in der Ernährung und in Produktion und Vertrieb von Nahrungsmitteln, unter dem Aspekt der globalen Zusammenhänge, die eng mit Politik verknüpft sind. Sie machen sich Gedanken zur Entwicklung der Gesundheit und zu künftigen Perspektiven und sie überlegen sich, ob es Möglichkeiten gibt, gemeinsam mit Partnern Prozesse einzuleiten, welche zu einer positiven Veränderung führen könnten.

Das klingt zwar reichlich utopisch, ist aber durchaus praxisnah und handfest: Hier werden Grundlagen erarbeitet, wird Wissen vermittelt und Expertise gefördert, deren sich bedienen könnte, wer dafür Verwendung hat (und wer es sich leisten kann, denn alles hat seinen Preis). – Da gibt es ganz konkrete Fragestellungen: Müsste man nicht einen kleinen, schmackhaften (aber „gesunden“) Snack entwickeln können, der günstig im Preis ist, an jedem Kiosk verfügbar, nahrhaft und bekömmlich, und eine klare Alternative zu all dem kalorienverdichteten Süss-Zeugs, das die ganzen Auslagen verstopft und praktisch keinen Nährwert hat?

Oder man hat Analysen gemacht zu den Erfahrungen in andern Ländern mit alternativen Lösungen für einfache Deklaration der Lebensmittel, von der „Ampel“ bis zu positiven „Labels“… Aber es ist nicht einfach, diese Erkenntnisse zu vermitteln und unter die Leute zu bringen. Denn der Markt ist hart, die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind erschwerend und das Beharrungsvermögen der Zustände ist enorm… – Ich habe von meinem Besuch in Wädenswil zahlreiche Impulse mitgenommen und denke, da wird sich das eine oder andere in die praktische Arbeit übertragen lassen, wenn wir die richtigen Leute finden für eine gute gemeinsame Sache.




21/3  Ein Tipp

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:15

Ein ganz klein bisschen Nervosität ist doch durch unsere Bürogemeinschaft geweht, heute Nachmittag. – Angesagt hatte sich das Reportage-Team von fit-tv für die Aufzeichnung eines kurzen Interviews und eines Statements.

Plötzlich hat sich das Chaos auf meinem Pult diskret ein wenig geordnet, die hässlichen Kartonschachteln in der Ecke sind verschwunden, das Büro wirkt freundlich und einladend… und dann sind sie da, die Interviewerin und der Kameramann. Es geht – um was sonst? – um das Thema Übergewicht und im Speziellen um eBalance, ein Programm, um in Selbstverantwortung etwas für sein Körpergewicht zu tun.

Ich wurde gebeten, einen Prominenten-Tipp abzugeben. Bei der Vorbereitung habe mich mich gefragt, welche der vielen möglichen Botschaften wohl die „wichtigste“ sei. Dabei habe ich mich entschlossen, nicht einfach die platte Weisheit vom „weniger essen – mehr bewegen“ zu wiederholen, die sich vor allem an jene richtet, die mit einigem Glück noch verhindern können, zu schwer zu werden (was ja an sich ein höchst zentrales Präventions-Ziel ist), nein, ich wollte bewusst jene ansprechen, die bereits klar von Übergewicht/Adipositas betroffen sind.

Tückisch an der Sache ist ja, dass in einem solchen Fall die Bereitschaft meist sehr gering ist, dies als gesundheitliches Problem überhaupt zu akzeptieren. „Wir sind rund – na und?!“ diese stolze Maxime – in Anlehnung an den gleichlautenden Buchtitel – habe auch ich in jüngeren Jahren selbstbewusst vertreten. Und als ich schliesslich mit meinen 165 Kilo schlicht „körperlich“ nicht mehr zurande kam, war es für eine Umkehr schon fast zu spät.

Deshalb meine Hauptbotschaft: Wenn ihr das „Problem“ habt – nehmt es ernst, lasst euch medizinisch helfen, denn es ist eine Krankheit, und verändert euren Lebensstil so jung wie möglich, später wird es immer schwieriger, damit umzugehen. – Aber ehrlich gefragt: Hätte ich damals hingehört, wenn mir das jemand vor 35 Jahren gesagt hätte?




16/2  Feeder’s Delight

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 18:44

Bin auf dem Sprung zu einer Einladung zum Nachtessen… – – Keine Panik, Enthaltsamkeit ist angesagt, die Gastgeberin hat sich schon vorsorglich erkundigt, was sie mir vorsetzen dürfe und was nicht.

Damit die geneigten InteressentInnen aber sehen können, wie es zu und her geht, wenn wirklich hemmungs- und masslos geschlemmt und verschlungen wird, lege ich hier einen Link zu einem etwas dunkleren und deswegen wohl auch etwas geheimnisvolleren Kapitel unserer Ernährungs- und Übergewichts-Thematik.

Es geht um die Feeders und Feedees, die sich durch eine spezielle – meist sexuell orientierte – Vorliebe auszeichnen, indem sie entweder ihre PartnerInnen mästen oder sich selber mästen lassen. – Weitere Infos, Stories und Bilder unter dem obigen Link (wobei nicht alle verbundenen Websites aktiv sind). Auf jeden Fall: Gute Reise durch einen besonderen Abgrund… und danke für allfällige Berichterstattungen.




4/2  Die Jesus-Diät

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:58

Morgen (oder heute, wenn Sie das erst morgen lesen) ist Sonntag. Der Tag des Herrn. Und da stellt sich natürlich die Frage: Finden Menschen, die abnehmen wollen, bei diesem – dem Herrn – allenfalls höheren Rat und ultimative Hilfe? Man soll ja nichts unversucht lassen.

Und in der Tat: Aus Amerika, dem Land mit dem gottesfürchtigsten Führer, den es je hatte, kommt die fromme Kunde, dass der rechte Glaube und die richtige Diät alle Krankheiten besiegen könnten. Das Ding nennt sich Hallelujah Acres, mit dem Zusatz: „The biblical diet“, und es liest sich eigentlich recht vernünftig:

Zehn Empfehlungen gibt das Programm: Man soll den Geist neu programmieren mit dem Wissen darum, wie der Körper funktioniert; man soll mehr „lebendiges Essen“ zu sich nehmen (will sagen: Rohkost), frische Gemüsesäfte und destilliertes Wasser trinken, sich mehr bewegen, wenns geht im Sonnenschein, mehr Faserstoffe essen, keine tierischen Produkte zu sich nehmen, keine vorfabrizierten Lebensmittel, genügend Ruhe und keinen Stress… und schliesslich: „Lass dir helfen!“

Von wem? Natürlich von der Organisation, die sich „Halellujah Acres“ nennt, also „Halleluja-Feld“. Dabei handelt es sich um eine christliche, nicht-konfesssionelle Kirche, die in Mexico über eine eigene Klinik verfügt und zahlreiche Nahrungsmittel und Spezialprodukte vertreibt, für die sich inzwischen ein Millionen-Markt entwickelt hat. Einer der Gurus dieser Bewegung ist ein Arzt aus Florida, Dr. Don Colbert, der einen Bestseller verfasst hat zum Thama „Was würde Jesus essen?“

Auslöser war eine Studie, die zum Schluss kam, dass besonders fromme Christen in der Regel dicker sind als als die weniger Gläubigen. Denn diese kompensieren ihre Enthaltsamkeit von den üblichen „Lastern“ oft mit Essen… Was soll man davon halten? Rohkost ist Geschmackssache und Glaube gehört in den persönlichen Privatbereich. Und wenn Glauben selig macht – warum sollte es wohl nicht auch ein wenig schlanker machen können? Hauptsache: gesunde Ernährung.




31/1  Virenalarm!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:27

Da haben wir die Bescherung: Dick werden sei ansteckend, vermeldet der „Blick“ in seiner heutigen Ausgabe, übertragen durch ein Virus namens Adenovirus-37, oder kurz: Ad-37.

Allerdings, zeigt die genauere Lektüre – und die Überprüfung der Quellen bei Google bestätigt den Sachverhalt – ist dieser Effekt beim Menschen noch nicht bewiesen, und die Meldung über Resultate einer US-Studie stammt aus dem Jahre 2002! – Unsere „stärkste Zeitung“ hat da also eine schon reichlich abgehangene Ente aus dem Archiv gezogen. Dort ist dann auch die Präzisierung zu lesen, dass Hühner, die mit diesem Virus infiziert wurden, durchschnittlich 4 (!) Gramm mehr Fett zugelegt hätten als ihre unbehandelten Artgenossen im gleichen Zeitraum… Da bricht eine goldene Ära an für Fabrikanten und Verkäufer von Präzisionswaagen.

Stellen Sie sich vor, was wir hätten lesen können, wenn es gegen dieses Virus, das bisher in Versuchen erst am Federvieh zu wirken scheint, schon ein Gegenmittel gäbe. Die Schlagzeilen sind nicht auszudenken. Man hätte den Bundesrat im Kollektiv zum Rücktritt aufgefordert und die Frage gestellt, weshalb denn der Impfstoff erst für einzelne Risikogruppen bereitgestellt und noch nicht an die ganze Bevölkerung abgegeben sei… und in der ARENA würden die Gegensätze aufeinander prallen und die Fetzen fliegen… und nach einer Woche wäre der Spuk wieder vorbei. Bis eine andere fette Sau durch das mediale Dorf getrieben werden kann.




29/1  Gegen Diskriminierung

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:41

Am Rande der Gesundheitsförderungs-Konferenz habe ich mich letzte Woche auch kurz mit einer Vertreterin einer Krankenkasse unterhalten. Mir ging es darum, auf die „Ungerechtigkeit“ hinzuweisen, die in der Tatsache besteht, dass die Kostegutsprache der Kassen für chirurgische Eingriffe bei starkem Übergewicht einer extrem harten gesetzlichen Regulierung unterliegen.

Die Kosten werden von der Kasse nur übernommen, wenn der Patient noch nicht 60 Jahre alt ist (was angesichts der ständig steigenden Lebenserwartung ja schon bald kein „Alter“ mehr ist), wenn der BMI mindestens 40 beträgt und wenn vorgängig während mindestens zwei Jahren alle Versuche, auf „konventionelle“ Weise mit Ernährungsumstellung und Bewegung abzunehmen, ohne Erfolg geblieben sind.

Bei keinem anderer medizinischen Befund wird die lebensrettende Therapie durch solche Auflagen bestimmt: Vom Raucher mit Lungenkrebs verlangt man nicht, dass er zuerst zwei Jahre nicht mehr raucht, ehe man ihn operiert; dem Aids-Kranken wird nicht vorgehalten, er sei an seinem Zustand selber schuld und hätte ihn vermeiden können, wenn er nur gewollt hätte; das Unfallopfer, das angetrunken am Steuer sass, wird in der Intensivstation aufgenommen und gepflegt ohne langwierige Antragsstellung und Begutachtung durch den Vertrauensarzt der Kasse…

Aber der Adipöse, der ein Leben lang verzweifelt mit seinem Gewicht gekämpft hat, dessen Lebenserwartung durch Folgekrankheiten verkürzt ist und der mit schweren sozialen Beeinträchtigungen leben muss, der soll – wie es der Sprecher von Santésuisse einmal formuliert hat – davor bewahrt werden, dass er sich leichtfertig unters Messer legt… – Viel zynischer geht es wohl nicht mehr.

Die bariatrische (oder Adipositas-) Chirurgie hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Es gibt Langzeit-Auswertungen, die den nachhaltigen Erfolg belegen und die auch zeigen, dass ein operativer Eingriff in bestimmten Fällen gesundheitsökonomisch „günstiger“ ist als eine lange Abfolge anderer Massnahmen mit hoher Rückfallquote.

Das Thema ist noch nicht ausdiskutiert und wir müssen es immer wieder ins Gespräch bringen, denn auch hier bestimmen oft vorgefasste Meinungen das praktische Handeln… Das ist mir durch den Kopf gegangen, als ich heute einen Bericht las, den unsere US-Schwester-Organisation AOA, die Amerikanische Adipositas-Organisation, vor einem guten Jahr an die oberste Gesundheitsbehörde gerichtet hat. Es bleibt noch viel zu tun.




28/1  Milchschnittenwahnsinn

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:57

Es fällt mir kein anderes Wort ein. Da lese ich heute in verschiedenen Zeitungen, dass die Migros nun zum Angriff übergeht und nicht mehr länger auf ein preiswerteres Angebot des Süsswarenfabrikanten Ferrero warten mag.

Deshalb nimmt der Grossverteiler in sein M-Budget-Sortiment ein um 60 Rappen billigeres Eigenfabrikat auf, das den gleichen, urheberrechtlich nicht geschützten Namen trägt: Milchschnitte.

Dass dieses Produkt mit 410 kcal pro 100 Gramm, 36 g Kohlenhydraten und 26,5 g Fett (fast so viel wie eine Bratwurst!) alles andere als ein gesundes Nahrungsmittel ist, sollte mittlerweile bekannt sein. Dass ausgerechnet die Migros, die sich sonst immer gerne auf ihr soziales Gewissen beruft, sich mit diesem völlig sinnlosen, mit verlogener Werbung angepriesenen Snack in den Schnäppchenjäger-Preiskampf stürzt, macht fassungslos.

Letztes Jahr, wird vermeldet, habe die Migros mit diesen Schnitten 20 bis 30 Millionen Umsatz gemacht. Lasst uns nicht ausrechnen, wieviele Kilo Speck dadurch auf Kinderhüften und an -rippen gewachsen sind… macht nichts, man hat bei der Migros ja den wunderbaren „Club Minu“, wo die Kleinen wieder etwas gegen ihr Übergewicht tun können. So züchtet man sich die künftige Kundschaft selber heran und kassiert sie gleich doppelt ab. Dutti würde sich im Grab umdrehen.

Ich denke, wir sollten von der SAPS aus einen „Preis“ vergeben an Unternehmen, die auf besondes perfide Weise die Anstrengungen unterlaufen, den Kindern zu einem gesunden Körpergewicht zu verhelfen. Anregungen nehme ich gerne entgegen!




13/1  Vom inneren Schweinehund

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:25

Diese animalische Kreuzung aus des Menschen bestem Freund und einem borstigen Nutztier (dem alledings erhebliche Intelligenz attestiert wird), soll, wenn es mir recht ist, ihren Ursprung irgendwo im preussischen Kommiss haben, dem Militär also, wo man die vom Wehrdienst zermürbten Landser mit dem derben Zuruf zu strammem Benehmen aufforderte, sie sollten endlich „ihren inneren Schweinehund überwinden“.

Dieses grunz-bellende Etwas, das uns immer dann als Ausrede dient, wenn wir nicht tun, was wir tun sollten (und vielleicht auch tun möchten), ist Thema einer vergnüglichen und informativen Enährungsfibel: „Abnehmen mit dem inneren Schweinehund“ von Dr. Marco von Münchhausen und Dr. Michael Despeghel, erschienen bei Gräfe und Unzer.

Hier wird ein Abnehmprogramm skizziert, das sich mit psychologischer Raffinesse mit all jenen Widerständen auseinander setzt, die vom „iSch“, unserem „schlechteren Ich“ so beharrlich immer wieder formuliert werden, bis wir sie selber für wahr und gottgegeben halten.

Ein lehrreicher Lesespass, der zugleich viel Wissenswertes in verständlicher Form vermittelt und der zu einer bewussten Veränderung es Lebensstils ermutigt, so dass einem der „iSch“ schliesslich direkt ans Herz wächst und zum Freund wird, der beim Abnehmen behilflich ist.

An einem anderen Ort gibt es im Internet einen
Schweinehund-Test, der einem Aufschluss gibt über das Ausmass der inneren Verschweinehundung… – Es kann also niemand sagen, er habe es nicht genau gewusst.