16/10  Das Abnehm-Handy

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:03

Wenn es die ETH sagt, muss es wohl so sein. Aber ob es Sinn macht, das ist eine andere Frage.- Jetzt kommt das Handy, das sogar beim Abnehmen hilft titelt heute 20minuten. Wie soll das gehen?

Auf den Lebensmitteln soll künftig eine Etikette mit einem Strichcode angebracht sein. Mit einem Handy, das neben einer Kamera auch noch über entsprechende andere Funktionen verfügt, könnte man nun diesen Code ablichten. Dann wird er per GPRS-Verbindung zu einem zentralen Rechner geschickt, und umgehend kommen die Infos zurück, dei alles angeben, von den Inhaltsstoffen, und ob man darauf allergisch reagiert, über Preis- und andere Vergleiche, bis hin zu Empfehlungen durch den Konmsumentenschutz.

Für Leute, die abnehmen wollen, könnte eine Funktion eingebaut werden, die Alarm schlägt, wenn ein Produkt zuviel Fett enthält… Die ETH-Erfinder dieses Superhandys seien – so vermeldet das Blatt – auf der Suche nach Partnern, mit denen sie die neue Technologie auf den Markt bringen möchten.

Wohlan! Das trifft sich gut. Ich habe ja stets für eine bessere, verständlichere Kennzeichnung und Deklaration der Inhaltsstoffe plädiert. Wenn nun ein Handy die heute oft nur schwer zu kalkulierenden Teil-Informationen auswerten und umrechnen würde, verbunden mit einer individuellen, auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmten Empfehlung, so wäre das doch eine gigantische Sache…

Aber der Teufel liegt wohl auch hier im Detail: da müsste man sich ja zuerst auf einen gemeinsamen Strichcode einigen. Und wer gesehen hat, wie sich die Lebensmittelindustrie bis jetzt mit Klauen und Zähnen gegen jede weitgergehende Regulierung der Deklarationspflicht gewehrt hat, der lässt jede Hoffnung auf raschen Erfolg fahren.

Was nützt es denn, wenn die Telecom-Betriebe für eine GPRS-Verbindung zusätzlich in meinen Geldbeutel greifen und mir für jedes Produkt noch vor dessen Kauf einen Betrag abknöpfen, den ich zu den Preisen dazu rechnen muss? Viele gesunde Lebensmittel wie Früchte und Gemüse sind in der Schweiz sowieso schon künstlich verteuert. Sie zu verbilligen wäre eine wirksame Massnahme gegen Übergewicht… aber nun kommen die Handy-Tüftler von der ETH und belegen den schon zu teuren Einkauf mit einer zusätzlichen Gebühr!?

Es wäre ein Scherz sondergleichen, wenn sich die Industrie z.B. mit Erfolg gegen die Einführung einer „Ampel“ wehren würde, und wir dann auf dem Umweg über eine Handy-Zentrale die gleichen Informationen abrufen müssten, die man für wesentlich weniger Geld direkt auf das Produkt drucken könnte. – Oder sehe ich das wieder mal zu pessimistisch?




8/10  Online-Diäten

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:43

Ein Jahr ist eBalance jetzt online und hat sich als ein sehr gutes Instrument erwiesen für jene, die gerne mit dem PC umgehen und die nötige Selbstdisziplin aufbringen, um dran zu bleiben, wie die Erfolgsberichte auf der Einsteigsseite ja zeigen.

Das Internet als begleitender Freund und Helfer hat in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen, die Programme spriessen aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen und es wäre wertvoll, diejenigen, die in unserem Sprach- und Lebensraum verfügbar sind, einmal aufzuspüren und zu analysieren.

Ein Modell, wie so etwas geschehen könnte, hat die ConsumersReport.org in USA gezeigt. Diese KonsumentInnen-Organisation besteht seit 1936, sie ist extrem glaubwürdig und hat Anfang dieses Jahres die 20 meistgenutzten Online-Gewichtsreduktionsprogramme analysiert, und zwar nach verschiedenen Kriterien, die sich vor allem an der Benutzerfreundlichkeit orientierten.

Der ganze Bericht kann nur von den Abonnenten des Dienstes heruntergeladen werden, aber es ist doch interessant, die Webseiten jener Produkte zu besuchen, die als „gut“ bewertet wurden. Da findet man z.T. auch Diät-Programme, die bei uns in einem schlechten Ruf stehen, wie etwa die South Beach Diät. Aber da die Suche nach einem individuellen Konzept zur Gewichtsreduktion eine sehr persönliche Angelegenheit ist, kann es nicht schaden, hier einige Tracks für Wissbegierige zu legen.

An erster Stelle steht WebMD, ein Programm, bei dem man sein Essprotokoll eingeben kann, worauf Empfehlungen und fachliche Beratung zur Verbesserung abgegeben werden. – The Biggest Looser Club ist die Bebleit-Website zu einer populären TV-Serie mit sehr guten Empfehlungen für mehr Bewegung, aber wenig Unterstützung für Menschen mit gesundheitlichen Problemen. – eDiets.com enthält eine Fülle von Informationen zu verschiedenen Programmen, die alelrdings eher oberflächlich beschrieben sind. – Die Sonoma Diät bringt sehr gute Menüvorschläge mit hilfreichen Einkaufslisten, aber der Komplex Bewegung kommt leider zu kurz…

Beim Schnuppern durch diese Seiten stelle ich fest, dass eBalance sich vor der internationalen Konkurrenz keineswegs zu verstecken braucht. Im Gegenteil: hier ist alles auf die Schweiz ausgerichtet, die Produkte sind am heimischen Markt zu finden, die Ess- und Lebensgewohnheiten entsprechen unserem Alltag, und die Expertinnen und Experten kennen unsere Probleme hier vor Ort. Und das ist einer der wichtigsten Faktoren.




7/10  Kochen ohne fast alles

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:50

Samstagabend ist Demoabend. Nicht draussen auf der Strasse, dafür sind wir wohl zu alt. Aber drinnen in der guten Stube, bei Thomas.

Thomas hat sich das Koch-Set vor einiger Zeit angeschafft und ist extrem zufrieden. Seit er eine Magen-Bypass-Operation hat, muss er beim Esen aufpassen. Das System iCook erlaubt eine besondere Form von Garen. Ohne Fett, mit wenig Wasser, bei niedriger Temperatur und mit Unterdruck.

Wir sind zu acht in der gemütlichen Stube und das Demonstranten-Paar führt uns in die Kunst des Kochens ein. Auf einem kleinen Tisch stehen die 27 Teile des Sets aufgebaut, ein imposantes Gebirge aus Chromstahl, Pfannen, Töpfe, Deckel in allen Grössen und Formen. Auf einem zweiten Tisch steht ein transportabler 2-Platten-Elektroherd, und auf dem spielt sich das Cook-In ab.

Alles geht in die Töpfe: Poulet, Kaninchenschlegel, Fisch, dazu Gemüse sämtlicher Sorten, von Broccoli bis zu Kartoffel, Tomate bis zu Fenchel, sogar zwei ganze Eier in der Schale. Die Behältnisse türmen sich übereinander, „Kochen im Turm“, und zuoberst kommt auf den Deckel noch eine weitere Pfanne, in der schon ein Penne-Gericht angesetzt ist.

Das Besondere ist dabei, dass die oberen Pfannen bzw. die Deckel sich so dicht an die unteren Gefässe schmiegen, dass kein Dampf entweichen kann. Nach einer ersten Aufwärmphase bildet sich ein feiner Kondenswasser-Film zwischen Pfannenrand und Deckel. Jetzt wird die Wärme zurückgefahren, das Gargut in der Pfanne kühlt leicht ab, von 100 Grad zurück auf 80. Dadurch entsteht in der Pfanne ein Unterdruck, der verhindert, dass Gerüche von Gemüse oder Fisch entweichen.

Die ganze Installation schmort nun friedlich vor sich hin, so lange, wie die Speise mit der längsten Garzeit braucht. Und dann, oh Wunder, als es an Degustieren geht, zeigt sich, dass sämtliche Gemüse nach 45 Minuten Kochzeit von gleicher Knackigkeit sind. Fisch und Fleisch sind zart im Biss, aber nicht verkocht. Sie haben sowohl die Vitamine wie ihren Geschmack behalten und nichts davon an das andere Kochgut abgegeben. Das Gemüse ist schmackhaft, ohne eine Spur von Salz oder Gewürzen.

Wir sind beeindruckt und haben einiges gelernt über den schonenden Umgang mit Lebensmitteln und auch darüber, dass sich mit den gut verschiessenden Töpfen auf der einen Platte und bei niedriger Gartemperatur bis zu 60 Prozent Elektrizität einsparen lassen…

Wo man diese Pfannen kaufen kann? Sie werden nur in Wohnstuben vertrieben, mit Mund-zu-Mund-Propaganda, persönlichen Präsentationen… Sie sind nicht billig, aber – wie es scheint – doch preiswert, da sie 30 Jahre Garantie haben. So lange leben wir voraussichtlich gar nicht mehr, auch wenn wir sehr gesund kochen würden.




6/10  Eine fette Sache

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:15

Verblüffend im Zusammenhang mit der Nachricht vom Tode von Emmi Creola: als diese vor einem halben Jahrhundert die Figur der Küchenfee Betty Bossi erfand, stand diese im Dienst der Nahrungsmittelindustrie und ihr Auftrag lautete, dem Schweizervolk die Verwendung von Astra-Fetten schmackhaft zu machen.

Oh glückliche Zeiten, unbelastete Fünfzigerjahre! Als man noch guten Mutes für Fett Werbung machen konnte, wenn auch – wie Emmi C. schon damals wusste – nur indirekt, über das Vehikel von Rezepten und Küchentipps, fernab von Fettsteuer und Low-Fat, guten und schlechten Fetten… Der Aufschwung war da, nach der Kriegszeit. Wir, die wir in den Vierzigerjahren aufwuchsen, haben zwar keinen Hunger gekannt. Aber die Nachwirkungen der Rationierung spürten wir, von der Anbauschlacht hatten wir manches mitbekommen, wir hatten gelernt, nur altbackenes Brot zu essen, damit man weniger verschwenderisch damit umging… Und dann gab es wieder Fett. Sogar so viel davon, dass man für dessen Verzehr werben musste.

Heute ist Fett ein umstrittenes Nahrungsmittel. Unbestritten ist dessen Bedeutung im Ernährungsplan eines gesunden Menschen. Aber Fett ist nicht gleich Fett. Und gerade im Zeichen der immer raffinierteren industriellen Fertigprodukte, bei denen die Haltbarkeit und die Preisgestaltung eine zentrale Rolle spielen, gibt es immer wichtigere Unterscheidungen, wie zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren, Transfetten, „langkettigen“ Fetten und Nahrungscholesterin…

Orientierung tut Not. Deshalb hat die Eidgenössische Ernährungskommission EEK jetzt eine aktualisierte Fassung ihres Fettberichts herausgegeben, der auf 50 Seiten alles Wissenswerte über diese lebensnotwendige und doch so oft verteufelte Substanz vermittelt.

Kalauernderweise könnte man sagen: Es ist nicht alles Fett, was glänzt. Aber das trifft nur einen Teil des Problems: Wir brauchen es, als Träger für Geschmack, aber auch als Energiezufuhr im Alltag. Wir müssen lernen, bewusst und vorsichtig damit umzugehen, wenn wir auf unser Gewicht achten sollten. Aber wir dürfen uns positiv zur Tatsache einstellen, dass unser Organismus für sein gesundes Funktionieren durchaus etwas Fett braucht. Wieviel von welcher Art, das verrät der Bericht.




30/9  Die Schlankheitspille

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:54

In meinem Vortrag, den ich am Sonntag in der Züspa um 14 Uhr zum achten und damit auch zum letzten Mal halte, gibt es eine Folie, auf der in grossen Buchstaben steht: Es gibt k e i n e Wunderpille! – Und ich flehe mein Publikum geradezu an, nicht den Verlockungen der Werbung zu erliegen, wenn wieder mal die Rede ist von einem neuen Mittel, mit dessen Hilfe man die Pfunde mühelos zum Schmelzen bringen könne, ohne dabei auf Pizza, Hamburger und Cola verzichten zu müssen.

Solche Produkte mit diesen Versprechungen sind Humbug. Neben den heute zugelassenen, rezeptpflichtigen und nur unter gewissen Bedingungen von der Krankenkasse übernommenen Medikamenten Xenical und Reductil gibt es keine wissenschaftlich erprobte Pille oder Substanz, die in der Adipositas-Therapie von Bedeutung wäre.

Und nun lese ich in der berühmten amerikanischen Wissenschafts-Publikation Wired Magazine einen Artikel, der in internationalen Foren bereits eine heftige Kontroverse ausgelöst hat. – Es geht um das Metabolische Syndrom (auch „Syndrom X“ genannt), das als Oberbegriff all jene Krankheitsbefunde vereint, die mit Adipositas einhergehen.

In den USA wird dieser Begriff offenbar noch nicht so lange benutzt. Jedenfalls setzt sich der Autor kritisch und spekulativ damit auseinander. – Er sagt – knapp zusammengefasst – so viel wie: Ok, wenn wir Adipositas und die Begleiterscheinungen als „Krankheit“ definieren, so liegt es auf der Hand, dass die mächtige Pharma-Industrie nicht zögern wird und Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um entsprechende Medikamente auf den Markt zu werfen. Denn die 75 Millionen von diesem Metabolischen Syndrom betroffenen Amerikaner sind ein zu verlockender Markt. Und die Erfahrung hat gezeigt: sobald eine neue Krankheit benannt wird, ist die Chemie mit einer Pille zur Stelle. Und – so fragt der Autor sich selber und seine Leserschaft – was liegt näher, als dass die Leute dann sofort aufhören, sich mit Ernährungsumstellung und mehr Bewegung zu plagen, wenn sie doch ganz bequem eine Pille einwerfen können?

Nun wissen wir aber, dass Novartis vor vier Jahren die Forschung an einer Schlankheitspille eingestellt hat, weil sie ohne gravierende Nebenwirkungen nicht zu realisieren war, wie der damalige Forschungsleiter Dr. Leoluca Criscione berichtet. Das hindert aber offenbar meinen Kollegen Richard Atkinson, Präsident der American Obesity Association AOA, nicht, die These zu proklamieren: Die Zukunft der Adipositas liegt in den Medikamenten.(so jedenfalls wird er im besagten Wired Magazine-Artikel zitiert).

Die Diskussison ist damit lanciert.




29/9  Die Superdicken

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:24

Nein, gemeint sind nicht diese schokoladeumhüllten Schaumsüssigkeiten, denen der politisch korrekt sein wollende Mensch nicht mehr Mohrenkopf sagen darf und die von der Firma Dickmanns hergestellt werden.

Die Superdicken sind übergewichtige Menschen, die 200 und mehr Kilos wiegen. Die Sendung Focus TV auf Pro Sieben hat einige von ihnen in ihrem Alltag begleitet, unaufgeregt, sachlich, bei der Suche nach Kleidern, die gross genug sind, bei der Auswahl eines neuen Bettes, dessen Spezialmatratze bis 400 Kilos aushält und dennoch „weich wie eine Wolke“ bleibt, beim Versuch, sich in einer ganz gewöhnlichen Badewanne nass zu machen und beim Hausarzt, wo man die eigenen beiden Waagen mitnehmen muss, weil das Gerät in der Praxis nur bis 180 misst.

Eindrücklich der Bericht über Sylvia Strasser, eine – selber übergewichtige – Frau, die ein spezielles Reisebüro betreibt, das Ferien für Superdicke vermittelt und die alle Hotelangebote vorher persönlich testet: die Badezimmer und Duschen ausmisst, die Türbreiten, sich in die Liegestühle auf dem Balkon setzt, um herauszufinden, ob man sich darin wohlfühlt, ob die Betten hoch genug sind, so dass man nach dem Liegen wieder aufstehen kann.

Die Dicken werden zunehmend als interessante Konsumentengruppe erkannt und angesprochen. Noch fehlen systematisierte Angebote, wie sie in USA gang und gäbe sind. Aber die werden kommen. Tendenz zunehmend.




25/9  Von der Macht des Fettes

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:29

Mal eine andere Perspektive. Da hat man uns eingetrichtert und wir haben es allmählich, wenn auch ungern, begriffen, dass die gleiche Substanz, die wir mit uns herumtragen, und die unser Körper zu seinem Schatz und Notvorrat verklärt, so dass er sie hortet wo er doch gar nicht sollte, dass also diese gleiche Substanz es ist, die unser Essen so schmackhaft macht, die als Aromaträger unsere sensorischen Zellen wachküsst und den Appetit in uns wachsen lässt, so dass wir es uns schwer machen, sie zugleich zu hassen und auch zu lieben…

Fett also, als Medium für den Transport von Geschmack, von Aromen, von Düften, spielt eine ganz besondere Rolle im Film Das Parfüm nach dem Roman von Patrick Süskind. Es ist die schauervoll tragische Geschichte von Jean-Baptiste Grenouille, der im Paris des 17. Jahrhunderts als vermeintliche Totgeburt überlebt, eine erbärmliche Jugend fristet, die geprägt ist von seinem aussergewöhnlichen Geruchssinn, so dass seine Laufbahn als genialer Parfumeur durch alle Fährnise vorgezeichnet ist.

Zwanghaft verfolgt er das Ziel, den Duft junger Mädchen im Form ihres Destillates einzufangen und daraus das ultimative Liebesparfüm zu mischen, was ihm nur dann gelingt, wenn er die Mädchen ermordet, in grosse Tücher hüllt, die mit Fett bestrichen sind, so dass das Fett den Mädchengeruch aufnimmt, den er anschliessend in der Distillerie abzapfen kann.

Unser liebes Fett also als mörderische Trägersubstanz, ausgestattet mit der Macht, die wahre Essenz der Gerüche von Unschuld (man schreibt das 17. Jahrhundert) in sich aufzunehmen und, geläutert durch die reinigende macht des Feuers, wieder freizugeben… – Es handle sich, sagt Grenouille zu einem seiner ersten Opfer, um Tierfett. Nicht auszudenken, wozu allenfalls – nach greouille’scher Manier – unser eigenes Fett fähig wäre, so man es denn liesse bzw. seiner habhaft werden könnte. Es müsste, meine ich, für ein halbes Dutzend Jungfrauen reichen, wenn man nicht allzu verschwenderisch damit umginge.




24/9  Mundfüller DDS

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:39

Natürlich, es kommt aus Amerika. Und ich muss die Leserin um Entschuldigung bitten, die sich weniger Links zu englischen Websites gewünscht hat… aber das Ding mit Namen DDS wurde nun mal in USA erfunden und wird vielleicht einmal auch zu uns kommen.

Spontan erinnert es mich an jene kleinen Vogelpfeifchen aus Papier mit einer Metallzunge, die es früher in Tischbomben oder andern Party-Überraschungen gab: man konnte sie mit der Zunge gegen den Gaumen drücken und darüber hin blasen, und dann waren täuschend echte Trillerlaute zu vernehmen, die sich mit Mundöffnung und Wangenspannung melodisch modulieren liessen…

Das Ding, um das es hier geht, ist aus Plastic, wird nach Mass gefertigt, kostet so um die 500 Dollar. Das DDS System funktioniert offenbar ganz einfach: man klemmt es zwischen die oberen seitlichen Zahnreihen und dann füllt es einen Teil der Mundhöhle aus, so dass man beim Essen nur noch kleinere Mengen in den Mund nehmen und kauen kann. Dadurch wird man gezwungen, langsamer und in kleineren Bissen zu essen, man kann nicht mehr schlingen und das Essen in sich hinein schaufeln, sondern braucht automatisch länger, wodurch der Körper Zeit erhält, auf natürliche Weise sein Sättigungsgefühl zu aktivieren und zu spüren.

Also quasi eine mechanische Essbremse, ein technisches FdH-Programm. Und man kann diesen Gaumenblocker nach dem Essen wieder herausnehmen, abwaschen, in die Tasche stecken, bis zur nächsten Tafelrunde, wo man ihn sich kurz vorher wieder diskret reinschiebt… – Und wer weiss: Wenn das Prinzip Schule macht, kann es zum kultigen Ritual werden, wie einst das Tischgebet, indem man vor dem Essen kurz und meditativ innehält, der Hausherr blickt in die Runde und murmelt: Nehmt euer DDS… eins – zwei – und eingesetzt! Wohl bekomms, esst langsam, Freunde. Und die gepflegte Gastgeberin stellt neben das Gedeck ein kleines Schälchen mit lauwarmem Wasser (so wie wir es früher bei bestimmten Speisen, zu deren Verzehr man sich der Hände bedienen durfte, hatten, mit einem Zitronenschnitz), und er DDS-Träger lässt elegant sein Plasticteil hineingleiten, kurz bevor die Tafel aufgehoben wird… Das kann ja heiter werden.




21/9  Die SAPS ist eine Messe wert

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:36

Wir stehen wieder einmal mitten im Messe-Vorbereitungs-Stress. Das heisst: eigentlich ist er schon abgeschlossen, denn heute haben wir unseren Stand fix und fertig installiert und am Freitagvormittag ist Eröffnung.

Die Schweizerische Adipositas-Stiftung tritt gemeinsam mit der action d – Diabetes aktiv vorbeugen im Rahmen der Sonderschau „Rundum Gsund“ an der diesjährigen Züspa auf.

Die bisherigen Erfahrungen waren ja nicht unbedingt ermutigend. Wir haben festgestellt, dass gerade jene ZeitgenossInnen, die eigentlich an Informationen zum Thema Übergewicht interessiert sein müssten, nicht primär zu denen gehören, die solche Gesundheitssektoren in den Messen besuchen… und wenn sie sich schpn dorthin verirren, dann machen sie einen weiten Bogen um unseren Stand… So haben wir diesmal einen eher verspielten Ansatz gewählt.

„Hier dürfen Sie zuschlagen!“ steht über einer ganz besonderen Art von „Hau den Lukas“: auf sechs Tablaren sind Lebensmittel ausgestellt, in aufsteigender Rangordnung diejenigen, die weniger Kalorien und Fett enthalten. Und mit einem Hammer kann man einen Puck nach oben spicken, bis eine Glocke anschlägt… und es gibt einen kleinen Preis zu gewinnen.

Zudem kann man seinen BMI messen und seinen individuellen Tagesverbrauch an Kalorien bestimmen lassen. Dazu gibt es einen Diabetes-Risiko-Test und täglich einen Vortrag zum Thema Adipositas-Therapie… – Die nächsten zehn Tage gehören also voll dem Publikum. vielleicht sieht man sich ja.




20/9  Dicker wird sexy

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:09

Ich war jetzt zwar zehn Tage lang in spanischen Gefilden… aber von der hitzigen Model-Debatte habe ich nichts mitbekommen.

Da hat doch tatsächlich die spanische Regierung per Erlass verboten, dass zu magere Models an Modeschauen teilnehmen. Und dieses Verbot zieht nun offenbar weitere Kreise. Die Modebranche gerät in Aufruhr, die Trendsetter-Journalistinnen finden es gut und spenden Applaus… Die BBC zitiert eine Expertin mit der Aussage: „Die jungen Frauen brauchen Models als Vorbilder, die aussehen wir richtige Frauen und nicht wie Stabheuschrecken auf dem Laufsteg.“

Und von den Model-Agenturen hört man, sie probten den Aufstand… Jedenfalls ist es gut und war es an der Zeit, dass diese Debatte aufgenommen wurde. Sie passt zu der Kampagne der Kosmetiklinie „Dove“, die mit Insearaten und Events darauf hinwirken will, dass auch junge Frauen ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, die im und sogar leicht über dem Normalgewicht liegen. Mit einem „Handbuch“ werden Mütter und Töchter angesprochen und Aktionen sollen jungen Frauen mit Essstörungen helfen, ihr Problem zu überwinden.

Es geht nicht um Schwarz oder Weiss, um Dick oder Dünn… es geht um die Nüancierungen und darum, dass nicht verallgemeinert werden darf. So wenig wie jedes Model in der Branche automatisch anorektisch ist, so sehr müssen Menschen unterstützt und gefödert werden, deren Körpergewicht nach oben nicht dem entspricht, was gängige Ideale zur Norm verklären. Der Erlass aus Spanien markiert hoffentlich eine Trendwende.