23/11  Schwierige Regelung

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:31

Wenn es um mutige Versuche mit Vorschriften und Regelungen geht, ist England immer für eine Überraschung gut. So wurden letzte Woche von der Regulierungsbehörde im Kommunikationbereich, Ofcom, neue Richtlinien publiziert, um die Werbung einzuschränken für Nahrungsmittel und Getränke mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt, die sich an Kinder wendet.

Das Regelwerk ist kompliziert und zeigt all die Schwiereigkeiten auf, mit denen zu kämpfen hat, wer etwas einschränken will, das der Mensch in der einen oder andern Form zum Leben braucht.

Die Regelungen stützen sich dabei auf die in England verbindlichen Definitionen für die Bezeichnung der Lebensmittel ab, mit denen in einem Punkte-Raster von 1 bis 10 (tief bis hoch) die „Gefährlichkeit“ einzelner Produkte beschrieben wird, was die Kaloriendichte (auf 100 Gramm), den Fett-, Zucker- und Salzgehalt betrifft.

Aber das ist nicht einfach: es gibt Früchte, die von ihrem Zuckegehalt her durchaus in die „Gefahrenzone“ zu liegen kommen, von deren Verzehr aber nicht eigentlich abgeraten werden sollte, wenn er mit Mass erfolgt. – Das Die Regelungen für das TV-Werbeverbot in Programmen, die von Kindern gesehen werden, gehen nun in die Vernehmlassung und die Werbeindustrie setzt sich intensiv damit auseinander, drohen doch markante Einnahmen-Einbussen.

Wir, die wir uns hierzulande schwer tun mit der Vorstellung solcher staatlicher Massnamhen zum Schutz der Kinder, haben nun die Gelegenheit, zu beobachten, was in England abgeht, um dann die Lehren daraus für unsere eigenen Massnahmen zu ziehen. Denn dass Massnahmen getroffen werden müssen, das ist inzwischen denen, die sich der Verantwortung bewusst sind, klar geworden.




22/11  Virtuelles Training

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:26

Nach einer Stunde Aquafit ist der ganze Körper so wohlig durchgespült und man hat das angenehme Gefühl, jeden Muskel mindestens einmal betätigt zu haben, aber ohne dass die Abnützungserscheinungen auftreten, die mich im Alltag beim Treppensteigen, beim Aufstehen vom Stuhl und beim Sockenanziehen verfolgen….

Kaum ist man wieder zuhause am PC, so erwacht die Sehnsucht, es möchte doch eine spielerische Form der interaktiven Bildschirm-Betätigung geben, die dazu beiträgt, das körperliche Wohlbefinden zu steigern… – und siehe da: wie aufs Stichwort öffnet sich eine Website mit entsprechenden Angeboten: Videospiele, die helfen, Gewicht zu verlieren.

Was es da nicht alles gibt (jetzt mal abgesehen von den schon historischen Aerobic-Videos mit Jane Fonda und so, die eher im Museum zu suchen sind):
– ein Laufband mit Schiessanlage, bei dem man das Tempo der Verfolgungsjagd selber bestimmen kann
– eine Playstation, bei der man den Joystick mit Einsatz des ganzen Körpers betätigen muss
– der Entertrainer (den ich in diesem Blog schon früher mal vorgestellt habe)
– Dance Dance Revolution DDR, ein Pionier-Gerät, das eine Art Mittanz-Karaoke bietet (nach dem Muster: Simon sagt: alle Vögel fliegen…)
– das Eye Toy Kinetic, bei dem der Bildschirm die gymnastischen Bewegungen abbildet, die jemand macht
– das gute alte Tetris-Spiel, bei dem man aber das Einordnen der Teilchen mit einer Kraftmaschine steuern muss

Es gäbe also eine Fülle von Angeboten, wenn man sie nutzen möchte. Allerdings: eine Studie hat gezeigt, dass man z.B. mit dem DDR-Tanzspiel eine ganze Stunde pro Tag trainieren muss, um Gewicht zu verlieren… da könnte man sich ebensogut auf den simplen Hometrainer setzen und einen Krimi gucken.




21/11  Pommes?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:18

In Oel gebackene Kartoffelstäbchen als Kindernahrung Nummer eins… diesen Eindruck muss man gewinnen, wenn man in Restaurants die Menüs „für unsere Kleinen“ studiert, und der heutige Beitrag im Kassensturz hat sich konsequent an dieses Cliché gehalten.

Zm Auftakt und zum Abschluss eines Geschmackstests bezüglich verschiedener Sorten „Ofen Frites“ wurden Kinder gefilmt, die mit unglaublicher Lust sich in Ketchup getunkte Pommes einverleibten… Interessant und überraschend war der Bericht insofern, als dass beim anonymen Test die billigsten Produkte eindeutig am besten abschnitten: Aldi und M-Budget rangierten ganz vorne, was den Geschmack, den Geruch, die Textur, die ganze kulinarische Erscheinung der im Backofen aufgewärmten Kartoffelsticks betraf.

Bei den abgegebenen Urteilen handelte es sich – so weit ich die Test-Anlage verstanden habe – um subjektive Wahrnehmungen, Eindrücke und Wertungen… Aus meiner Sicht wäre es allerdings ebenso interessant und wichtig gewesen, auch noch einige Fakten sachlich festzustellen: gab es Unterschiede bezüglich des Fettgehalts? Gab es Feststellungen bezüglich der verschiedenen Arten an Fettsäuren? Gab es Unterschiede im Blick auf den Energie-Wert der einzelnen Produkte? (Der einzige Hinweis, der in eine solche Richtung zielte, war das vernichtende Urteil über die „light“-Pommes von coop… was natürlich ein Tiefschlag ist für alle, die ihren Fettkonsum unter Kontrolle halten möchten oder müssen…)

Vielleicht holen die Kollegen vom Kassensturz das Versäumte einmal noch nach.




20/11  Face from Space

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:31

Erinnern Sie sich noch an die Aufregung damals, als die erste Mars-Sonde (oder wars auf dem Mond?) bei einer Umkreisung des Planeten oder Trabanten plötzlich ein „Gesicht“ im Blickfeld der Kameras erspähte? Das Bild wurde zur Erde gefunkt und weckte gewaltige Spekulationen. Welche gigantischen Titanen hatten hier in der unwirtlichen Landschaft die Felsen dergestalt modelliert, dass sie ein menschliches Antliz formten, deutlich erkennbar, wie eine Mumie oder Totenmaske? Einige vermeinten, das Konterfei von Jesus zu erkennen, durch eine überirdische Macht auf den fernen Himmelskörpter transferiert… ein starkes Symbol für Gläubige.

Der Rausch währte nicht lange. Bald stellte sich heraus, dass es sich um eine optische Täuschung handelte, ein raffiniertes Spiel von Licht und Schatten, das aus einigen zufälligen Erhebungen im Terrain dem Betrachter die Umrisse eines Gesichtes vorgegaukelt hatte, je nach dem Stand des einfallenden Sonnenlichts. Von da an nahm man solche Erscheinungen mit mehr Gelassenheit zur Kenntnis.

Nun hat der Mensch selber ein solches Zeichen gesetzt. Die Hähnchenbräterei Kentucky Fried Chicken KFC malte ihr Firmenlogo, das Gesicht von Colonel Sanders, in riesengrossen Dimensionen in die Wüste von Nevada. Das Gesicht ist so gross, dass man es vom Weltraum aus sehen kann. Würden die Ausserirdischen demnächst vorbeifliegen, kämen sie nicht am hähnchenbackenden Obristen vorbei und müssten annehmen, dass wir hier unten alle gleich aussehen wie dieser fröhliche Opa mit Spitzbart und rotweisser Schürze.

Der nette Greis hält überdies einen Wettbewerb bereit: wer sich ganz nah ins Bild hineinzoomt, der kann an einer bestimmten Stelle ein Männlein erkennen, das eine Tafel hochhält, auf der drei Worte geschrieben stehen… Die drei Worte sind die „verborgene Botschaft“ des Obersten, und die ersten 10’000 Leute, die diese drei Worte an die Firma mailen, können einen Gutschein gewinnen… – Interessant, was die Fast-Food-Industrie alles anstellt, nur um hier in diesen Blog zu kommen!




19/11  Vom rechten Aberglauben

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:27

Übers Wochenede ist mir die Mutter nicht mehr aus dem Kopf gegangen, die am Freitag auf das SAPS-Beratungstelefon angerufen hat. Es ging um ihre Tochter. Diese sei schwer übergewichtig und sollte in ein begleitetes Programm aufgenommen werden. Mit dem Stoffwechsel stimme etwas nicht.

Ob das ein Arzt festgetellt habe, wollte meine Mitarbeiterin wissen. Nein, das könnten die ohnehin nicht feststellen, kam die Antwort. Man habe einen Bluttest machen lassen und dabei festgestellt, dass das Kind keine Kohlenhydrate vertrage. Deshalb habe man mehrere Wochen ganz darauf verzichtet. Dabei habe das Kind auch prächtig abgenommen. Aber dann seien alle Kilos wieder gekommen und jetzt sei das Mädchen schwerer als vorher. Deshalb müsse es nun in ein Gruppenprogramm, wo es die kohlenhydratfreie Diät weiterführen könne.

Wir haben ihr abgeraten, denn kein verantwortungsvoller Therapeut würde ein übergewichtiges Kind einer solch einseitigen Ernährung aussetzen. Vielmehr sei es wichtig, auch zu Hause auf eine fett- und kalorienbewusste, ausgewogene Kost zu achten. – Das komme nicht in Frage, meinte die Mutter, dieses Kind sei das einzige, das ein Stoffwechselproblem habe, die andern seien normalgewichtig und könnten essen, was sie wollten, daher falle es ihr nicht ein, für das eine Kind extra zu Kochen…

Manchmal könnte man verzweifeln. Es kommt einem vor wie zu Gotthelfs Zeiten, als von Irr- und Aberglauben verblendete Mütter ihre Kinder zu Tode quacksalbern liessen… am Schluss nimmt man wohl noch Zuflucht bei Fernheilern und Gesundbetern… und wenn alles nichts genützt hat, soll dann die Schulmedizin Schuld sein, dass das Kind nicht mehr abnimmt, nachdem man es mit falschen Kuren regelrecht verdorben hat. – Es ist gut, eine nationale Politik zu haben und ein Massnahmenpaket zu schnüren… aber dringend notwendig werden noch lange eine ganz elementare Aufklärung und Information bleiben.




18/11  Gesunder Menschenverstand

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:58

Zwischen dem Ess-Tempo und der Ess-Menge besteht ein Zusammenhang. Das hat uns eigentlich unsere Mutter schon mitzuteilen versucht, als sie jeweils sagte: Es nimmt der’s niemer ewägg!

Während meines Studiums habe ich dann allerdings an einer englischen Gesamtschule (Comprehensive School) die gegenteilige Erfahrung gemacht: Schüler und Lehrer sassen an Zehnertischen, das Essen wurde aufgetragen, die matschigen Kartoffeln, die unvermeidliche Pork-and-Kidney-Pie mit der undefinierbaren Gravey… und man wusste genau, wer seinen Teller nicht ratzekahl leergegessen hatte, bis der Nachschlag gebracht wurde, der hatte keine Chance, noch eine zweite Portion zu bekommen. Also löffelten die Kids und das Lehrpersonal gemeinsam um die Wette, kaum dass der Headmaster das letzte Wort seines Tischgebets gesprochen hatte.

Dieser Selbsterhaltungsschaufelreflex kam mir in den Sinn, als ich den Artikel in USA TODAY las. Eine Studie an der Universität von Rhode Island hatte mit einem Experiment herausgefunden, dass tatsächlich mehr Kalolrien zu sich nimmt, wer schneller isst.

30 normalgewichtige Studentinnen wurden im Esslabor vor eine grosse Platte mit Teigwaren gesetzt und aufgefordert, davon – so rasch wie möglich – so viel zu essen, bis sie ein Sättigungsgefühl verspürten. In einem zweiten Test wurden sie angehalten, sich beim Essen alle Zeit zu nehmen, dazwischen eine Pause einzulegen, miteinander zu reden und gründlich zu kauen…

Das verzehrte Essen wurde gewogen und in Kalorien umgerechnet. Beim schnellen Verzehr schlangen die Probandinnen in ca. 9 Minuten Teigwaren für 646 Kalorien hinunter; die Langsamessenden nahmen in 29 Minuten im Schnitt 579 Kalorien zu sich. – Differenz: 67 Kalorien. Das mag nicht als viel erscheinen, aber wenn sich dieser Vorgang täglich bis zu dreimal wiederholt, kommt ganz schön was zusammen.

Zudem fühlten sich die Schnellesserinnen eine Stunde nach der Mahlzeit weniger satt als ihre Kolleginnen mit dem langsamen Tempo. Und wer langsam ass, trank im Schnitt auch mehr als die Schnellen, was zur besseren Sättigung beitrug. – Interessant – das ist meine persönliche Schlussfolgerung – ist doch immer wieder, dass es in unserer evidenzbasierten Welt offenbar für alles und jedes eine Studie braucht, auch wenn der gesunde Menschenverstand auf dem direkten Weg zum gleichen Resultat gekommen wäre.




17/11  Die Charta gegen Adipositas

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:23

Ich war gespannt. Heute Morgen, beim DRS 1-Ratespiel Morgenstund hat Gold im Mund stand die letzte Frage im Zeichen der WHO-Konferenz in Istanbul: Wie lautet der Fachbegriff für Übergewicht? Und die Kandidatin beriet sich mit ihrem Team, nahm innerlich Anlauf und sagte dann mit erheblichem Selbstzweifel: Adi – – posi – tas?

Geht doch. Irgendwann einmal wird sich der Ausdruck durchgesetzt haben, und es steht nicht zu befürchten, dass er nicht mehr aktuell ist, wenn ihn dann einmal alle kennen. Aber ich habe mich doch gefreut, dass die Frau es gewusst hat. Man ist ja genügsam.

Dann packte mich die Neugierde. Was hat jetzt bei der Konferenz herausgeschaut? Wie haben die Minister nach ihren Gesprächen den Charta-Entwurf verändert? Wurde er am Ende entschärft, im Sinne des machbaren Kompromisses oder was? Also rein ins Internet und über die Website der WHO zur Übersicht, von dort auf die deutsche Version, sodann zur entsprechenden Pressemitteilung betr. Charta und schliesslich zur Charta selber.

Und ein schneller Quervergleich beim Überfliegen zeigt: die haben gar nicht so viel verändert. Und es ist – wenn schon – keine Verwässerung, sondern eher eine Präzisierung, eine verbindlichbere Formulierung… Also steht sie nun, die Charta, und wir wissen, was die Regierungen eigentlich tun müssten. Wir kennen die Vorsätze, die sich die Minister gefasst haben, und wir können ihre Taten daran messen. Und auch das, was sie unterlassen.

Ok, unser Gesundheitsminister, der sich so wenig in die Essgewohnheiten seiner Bürger einmischen will wie möglich, kann zwar sagen, dass nicht dabei gewesen sei… aber das rettet ihn nicht, denn die Charta gibt es auch auf Französisch. Und das müsste er verstehen.




16/11  Verfassungswidrig

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:36

Eigentlich wollte ich heute etwas über die junge Frau schreiben, die mit 21 Jahren gestorben ist, 174 cm gross und 40 Kilo schwer. Ein Model. Mit 13 war sie entdeckt worden und stand seither im Dienste der modischen Schönheit und der verordneten Magerkeit, bis zum Ende.

Aber dann hat mich am Nachmittag, gegen Abend wars schon, eine Aussage auf einem Podium elektrisiert, die es in sich hatte. Es war am Lachener Symposium Klinik Medizin, mit dem Themenschwerpunkt Übergewicht. Mehr als 200 interessierte Fachleute aus allen einschlägigen Fakultäten waren anwesend und in einer Reihe von engagierten Referaten wurde über die Krankheit selber und über aktuelle Erkenntnisse zu deren Therapie informiert.

Im Vordergrund standen die chirurgischen Eingriffe, Magenband und Magenbypass, man hörte von den erprobten und erfolgreichen Techniken, aber auch von den Risiken und den Einschränkungen. Und davon, dass es ganz konkrete gesetzliche Bestimmungen gibt, die erfüllt sein müssen, damit die Krankenkassen einen solchen Eingriff übernehmen. Eines der einschneidenden Kriterien ist das Alter: es kann ein Mensch noch so dick und krank sein… wenn er älter als 60 ist, wird er die Operation nicht bekommen. Basta. Wir haben das bis jetzt – gesetzesfürchtige Bürger wie wir sind – widerspruchslos zur Kenntnis genommen. Es ist Gesetz. Dann ist es halt so.

Und dann sass da auf den Podium der Chefarzt Innere Medizin am Spital Lachen, PD Dr. med. Franco Salomon. Und sprach die unmissverständnlichen Worte: Das mit der Altersgrenze bei 60 ist ein Skandal. Das ist übelste Diskriminierung und angesichts der stetig steigenden Lebenserwartung in keiner Weise akzeptabel. Es ist ein Verstoss gegen die Bundesverfassung, die ausdrücklich verlangt, dass kein Bürger diskriminiert werden darf.

In dieser Deutlichkeit habe ich das noch nie gehört. Ich habe mich selber ja auch schon mit dem Thema befasst, aber so kompromisslos war der Widerspruch zum gesunden Menschenverstand noch nicht formuliert worden. Ich habe die Botschaft aufgenommen. Das ist ein Thema, für das es sich zu kämpfen lohnt. Wir werden uns etwas einfallen lassen müssen.




15/11  Hier spricht nur der Automat!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 19:28

Das ist eine von Emils klassischen Glanznummern: Wie er als diensthabender Polizist den Telefonbeantworter „spielt“ und dann, als sein Gegenüber am andern Ende der Leitung den Trick durchschaut, trotzig darauf besteht: Nein, hier spricht nur der Automat!

Diese Cabaret-Episode kam mir in den Sinn, als ich eine Meldung in der Los Angeles Time sah: immer mehr Schnellimbiss-Buden haben den Bestellvorgang automatisiert. Sie stellen sog. Touch-Screen-Geräte auf, also Bildschirme, die man durch Berührung steuern kann, und die nehmen dann die Bestellungen der Kunden entgegen. Bringt das was?

Für mich ist ja die Bestellung im McDonald’s immer eine Nervenprobe. Ich bin froh, wenn ich vor mir eine Warteschlange habe, dann kann ich ohne Stress die abgebildeten Speisen studieren, meine Auswahl treffen, das Angebot in Gedanken mit der TV-Reklame vergleichen, die ich kürzlich gesehen habe, dabei ein paarmal die Namen memorieren, damit ich sie, wenn ich endlich drankomme, ohne zu Stocken zügig hersagen kann, denn ich will ja nicht als trotteliger Greis erscheinen… und wenn ich dann wirklich vor der Theke stehe, habe ich prompt einen Blackout, muss wieder hilfesuchend zur Affiche gucken, finde natürlich nicht, was ich eigentlich gewollt hätte, und sage dann einfach, was mir gerade einfällt… Kaum hat die junge Frau mit der Dächlikappe meine Bestellung eingetippt, weiss ich wieder, was es gewesen wäre, aber da rutscht das Päcklein schon hinten in die Vitrine und ich kanns nicht mehr korrigieren…

Für solche Leute wie mich muss es ideal sein, an einem Terminal in Ruhe die Auswahl treffen zu können, sich nicht darum kümmern zu müssen, wie man den Namen des Mexikanischen Special-Burgers korrekt ausspricht… Aber erstaunlicherweise hat eine Untersuchung gezeigt, dass es vor allem die Jungen sind, die auf diese anonyme Automaten-Bestellung stehen, Leute über 50 seien da deutlich zurückhaltender.

Auf jeden Fall sei die Sache extrem erfolgversprechend, der Umsatz – und damit die verzehrten Mengen – stiegen enorm an, da der Automat unfehlbar auf die günstigen Super-Schnäppchen hinweist und geduldig nochmal nachfragt, ob man nicht doch die grössere Portion Pommes möchte, und welche Mayo es denn sein dürfe… mit angenehm ausgeglichener, sympathischer Automatenstimme eben.




14/11  Die WHO tagt

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:42

WHO – drei magische Buchstaben im Gesundheitswesen: World Health Organisation / Weltgesundheits-Organisation. Wer wäre berufener, auf allerhöchster Ebene die notwendigen Massnahmen zu eregreifen, um die Übergewichts-Epidemie in den Griff zu bekommen?

Vom 15. bis zum 17. November findet in Istanbul die Europäische Ministerkonferenz der WHO zur Bekämpfung der Adipositas statt. Die Schweizer Delegation ist heute Vormittag von Kloten abgeflogen. Unser Innen- und Gesundheitsminister konnte nicht mit, man musste BAG-Chef Thomas Zeltner vorübergehend in den Rang eines Staatssekretärs befördern, damit er als Delegationsleiter und mit den andern auf Augenhöhe diskutieren kann.

Der Konferenz liegt eine Charta im Entwurf vor. Sie wurde in gründlicher Vorbereitungsarbeit entwickelt und enthält neben einer klaren Situationsanalyse auch ein Bündel von elf konkret beschriebenen Massnahmen, welche den Staat, die Privatwirtschaft, die Lebensmittelproduzenten, die Medien und den einzelnen Bürger nicht zu knapp in die Pflicht nehmen. Ein schöner Satz, den sich auch hierzulande sehr viele selbstgerechte Biedermenschen dick hinter die Ohren schreiben müssten, heisst: Die alleinige Schuldzuweisung an den Einzelnen für seine Adipositaserkrankung darf nicht akzeptiert werden.

Solche wichtige Feststellungen werden dann allerdings konterkariert durch Sätze wie: Entschlossenheit und Führungswille auf höchster politischer Ebene und ein starkes Engagement des gesamten Staates sind die Voraussetzungen für sektorübergreifende Mobilisierung und entsprechende Synergiekräfte. – Das klingt, als ob George W. Bush mit den letzten Reserven nochmals gegen den Terrorismus ins Feld ziehen wollte…

Man darf gespannt sein, was die Konferenz in den drei Tagen aus der überzeugenden und umfassenden Vorlage macht… und man möchte hoffen, dass mutige Entscheide zu einschneidenden Schritten getroffen werden… – Aber… Skepsis bleibt natürlich. Die Kräfte des Beharrens sind nicht zu unterschätzen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade dieser Tage in Grossbritannien ein Werbespot für Burger King den Weg in die Medien fand, bei dem es selbst dem gutmütigen Betrachter schlicht die Sprache verschlägt… oder wie ergeht es Ihnen?