20/9  Dicker wird sexy

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:09

Ich war jetzt zwar zehn Tage lang in spanischen Gefilden… aber von der hitzigen Model-Debatte habe ich nichts mitbekommen.

Da hat doch tatsächlich die spanische Regierung per Erlass verboten, dass zu magere Models an Modeschauen teilnehmen. Und dieses Verbot zieht nun offenbar weitere Kreise. Die Modebranche gerät in Aufruhr, die Trendsetter-Journalistinnen finden es gut und spenden Applaus… Die BBC zitiert eine Expertin mit der Aussage: „Die jungen Frauen brauchen Models als Vorbilder, die aussehen wir richtige Frauen und nicht wie Stabheuschrecken auf dem Laufsteg.“

Und von den Model-Agenturen hört man, sie probten den Aufstand… Jedenfalls ist es gut und war es an der Zeit, dass diese Debatte aufgenommen wurde. Sie passt zu der Kampagne der Kosmetiklinie „Dove“, die mit Insearaten und Events darauf hinwirken will, dass auch junge Frauen ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, die im und sogar leicht über dem Normalgewicht liegen. Mit einem „Handbuch“ werden Mütter und Töchter angesprochen und Aktionen sollen jungen Frauen mit Essstörungen helfen, ihr Problem zu überwinden.

Es geht nicht um Schwarz oder Weiss, um Dick oder Dünn… es geht um die Nüancierungen und darum, dass nicht verallgemeinert werden darf. So wenig wie jedes Model in der Branche automatisch anorektisch ist, so sehr müssen Menschen unterstützt und gefödert werden, deren Körpergewicht nach oben nicht dem entspricht, was gängige Ideale zur Norm verklären. Der Erlass aus Spanien markiert hoffentlich eine Trendwende.




7/9  Noch mehr Labelling

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:35

Die Ampel gibt zu reden. Soll man, kann man, will man überhaupt? In einer Sitzung, bei der es heute darum ging, die Prioritäten und die Stossrichtung für politische Aktionen zu definieren, mit denen man die Rahmenbedingungen für gesunde Ernährung und gesundheitsfördernde Bewegung verbessern könnte, steht der Punkt, dass es gewisse lenkende Vorgaben brauche, ganz oben auf der Liste.

Aber wenn das Stichwort „Ampel-Deklaration“ fällt, gehen die Meinungen auseinander. Ja, man sollte, man müsste so etwas einführen… Nein, das habe keine Chance, würde am Widerstand der Lebensmittelindustrie scheitern, sei politisch nicht durchsetzbar und in der Praxis schwer zu realisieren. – Sicher, es gibt Leute, die möchten der Schweiz ein isolationistisches Inseldasein bewahren… aber Europa rundherum ist nun mal eine Realität, und was in Europa in die Läden und auf die Tische kommt, wird über kurz oder lang auch bei uns zum Alltag gehören.

Soeben erreicht uns die Kunde, dass in England ein neues, „nicht-offizielles“ Labelling-System eingeführt wird, nachdem der Kampf zwischen der Regierungs-Ampel und dem Industrie-Gegenmodell schon entbrannt ist. – Nun hat zusätzlich die Detailhandels-Kette Hannaford Bros ein eigenes „System“ entwickelt: 27’000 Food-Artikel wurden mit einem Etikett versehen, das einen, zwei oder drei Sterne enthält.

Es wird nicht „gewarnt“, sondern es wird „ausgezeichnet“, wenn Qualität vorhanden ist. Die Anzahl der Sterne bedeutet gut, besser, am besten. – Wenn ein Produkt einen oder mehr Sterne aufweist, so bedeutet dies, dass es mehr Vitamine, Mineralien, Vollkorn enthält, und weniger gesättigte Fettsäuren, Transfette, Cholesterol, Salz und raffinierten Zucker.

Von den 27’000 Produkten haben bloss etwa ein Viertel einen oder mehr Sterne bekommen. – Drei Sterne haben z.B. Broccoli, Heidelbeeren, Artischocken und Vollkorn-Haferflöckli… – Solche Systeme dürfen nicht zu kompliziert sein. Und Grenzfälle gibt es immer. Wie würde man etwa ein Ei einstufen? Die Frage steht im Bericht über das System von Hannaford… und die gleiche Frage wurde auch heute Morgen in der Sitzung gestellt. – Wollen wir mit dem Ei oder mit dem Huhn beginnen?




4/9  Die Englische Ampel

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:37

Alle reden darüber, die Food-Konzerne fürchten sie… aber wie sieht sie aus?

England hat für die Information der Konsumentinnen und Konsumenten eine Ampel-Deklaration eingeführt: Rot – Orange – Grün. So einfach ist es. Und die Farben bedeuten: hoch – mittel – tief… bezogen auf den prozentualen Anteil der jeweiligen Substanz in 100 Gramm des entsprechenden Produkts. – Angegeben werden die Werte für Fett, Eiweiss, Kohlenhydrate, Salz.

Wenn es also auf der Packung rote Punkte hat, dann weiss der Konsument, dass er aufpassen muss. Nicht, dass er das Produkt überhaupt nicht kaufen und essen sollte, aber er realisiert, dass er „dosiert“ damit umgehen muss: Keine allzu grosse Menge. Orange geht gerade noch, das kann man bedenkenlos auch nehmen… und grün ist der Hinweis, dass man eine gesunde Wahl trifft. Natürlich enthalten die meisten Lebensmittel einen farbigen Punkte-Mix, denn es kommt am Schluss auf die Ausgewogenheit der Bilanz an.

Aber wenn man verschiedene Produkte miteinander vergleicht, dann sieht man sofort, dass dasjenige mit „mehr grün“ auf jeden Fall die „gesündere Wahl“ ist. – Die Engländer haben das rasch begriffen. Schon weinge Wochen nach der Einführung dieses Systems ist der Verkauf bestimmter Produkte um mehr als 40 Prozent zurückgegangen. Andere, mit mehr grünen Punkten, haben sofort zugelegt.

Die Lebensmittelindustrie in Grossbritannien ist in Aufruhr. Die fünf grössten Produzenten – Kellogg’s, Nestlé, Kraft, Danone und Pepsico – haben sich zusammengetan, um in einer gross angelegten Werbekampagne ihre eigene Deklaration zu propagieren und so die Vorschriften der Regierung zu unterlaufen. Die Lösung der Food-Produzenten informiert darüber, wie viel vom täglichen Bedarf der einzelnen Nahrungs-Bestandteile in einer Portion enthalten ist… (vom gleichen Prinzip geht auch die Deklaration bei McDonald’s aus, wir erinnern uns).

Dieses System aber, da sind sich die Beobachter einig, ist wesenltich „anspruchsvoller“ als die farbige Ampel. Es verlangt eine kognitive Anstrengung, man muss umrechnen, den Dreisatz können… erst durch die Berechnung wird die „Aussage“ überhaupt nachvollziehbar. Und was am meisten zu Buche schlägt: während man sogar einem kleinen Kinde den Farb-Code leicht erklären kann (es kennt seine Bedeutung von der Verkehrsampel her bereits), hat man mit dem prozentualen Tagesbedarfs-Anteil bei Kindern absolut keine Chance. – Und so muss denn das von der Industrie forcierte System zwangsläufig gerade dort versagen, wo es am dringendsten nötig ist bzw. wäre, rasch und wirkungsvoll eine Lenkungsmassnahme zu implantieren!

Die Food-Industrie in England beklagt sich über Tony Blair und wirft ihm und seinen Leuten vor, man würde die Industrie zum Sündenbock für die Adipositas-Epidemie stempeln… – So, wie sich ihr eigener „Code“ im Blick auf die Wirksamkeit bei Kindern auswirkt, wird die Sündenbock-Rolle offenbar durchaus aktiv gespielt. Die Frage bleibt, wie lange die Konsumenten sich das bieten lassen.




3/9  Salzburger Nockerln

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:20

Eine ebenso traditions- wie kalorienbehaftete Nach- bzw- Süss- bzw. Mehlspeise sind sie, die Nockerln, die den Namen der Stadt Salzburg tragen. Von jedem Speisezettel eines Menschen, der sein Gewicht unter Kontrolle bringen möchte, müssten sie daher rigorosestens verbannt sein.

Rezepte gibt es viele – aber ich habe noch keines gefunden, das fett- und kalorienbewusst gewesen wäre… nicht einmal im reichhaltigen Arsenal der eBalance-Informationen! So muss sich unsereins denn nach linienfreundlichen Alternativen umschauen, zumal im dritten Monat der „ketogenen“ Phase im Ernährungskonzept.

Da bietet sich derzeit in Winterthur eine genüssliche Leckerei dieses Namens an, allerdings kein Gaumenkitzel, sondern ein Augen- und Ohrenschmaus: die Operette gleichen Namens, auch bekannt unter „Saison in Salzburg“, wird von einer exzellenten Truppe gegeben im Casino-Theater daselbst. Es sind fast alles bekannte und beliebte InterpretInnen aus der hiesigen Show- und Künstlerszene und die Presse hat sich denn auch mit Lobesreden zur Première überboten, bei der sich alles einfand, was im öffentlichen Leben Rang und Namen hat.

Eine Besichtigung lohnt sich auf jeden Fall für verschleckte Fans von Süssem. Die Nachfrage ist gross und es empfiehlt sich, rasch zu buchen, im Online-Vorverkauf sind noch einige Tickets zu haben.

Linienbewussten Schleckermäulern in der Region Bern kann als Alternative allenfalls eine Vernissage empfohlen werden, bei der es allerdings nicht um eine klingende „Mehlspeis“ geht, sondern um die Vorführung von garantiert kalorienfreiem Eiskrem oder Glacé in Form von lebensecht und verzehrgerecht nachbeildeten Schmuckstücken… vor denen hier auch schon die Rede war.




30/8  Huhn und Ei

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:08

Heft 14 von Psychologie heute compact (2006) ist ganz dem Thema Essen und dessen Folgen gewidmet: Wie Sie ohne Reue geniessen, Ihr Gewicht halten und gesund bleiben…

Das sind so wieder die Versprechungen, die ich mag: ohne Reue geniessen… und dabei nicht zunehmen. Das Heft muss ich haben! Nützt’s dann nichts, spielt das auch keine Rolle, verkauft ist verkauft. Und den Dicken kann man alles andrehen.

Eines der vielen interessanten und anregenden Kapitel gilt einer Neuauflage des Buches des amerikanischen Herzspezialisten Glenn Gaesser: Big Fat Lies. Gaesser belegt darin seine These, dass Übergewicht an sich nicht krank mache, sondern dass falsches Verhalten, insbesondere fehlende Bewegung und „schlechte“ (minderwertige) Ernährung sowohl Übergewicht als auch die begleitenden Krankheiten bewirken.

Adipositas wäre demnach nicht die Ursache, sondern lediglich eine Begleiterscheinung von Diabetes, Herzproblemen, Bluthochdruck und anderen Zivilisationskrankheiten… Und viele dicke Menschen, die fit sind und sich bewegen, seien wesentlich gesünder als Dünne, die keine Bewegung haben und minderwertigen Food vertilgen. Die eigentlich Gefährdung gehe nicht vom Dicksein aus, sondern von den wiederholten Versuchen, abzunehmen.

Gaessers Theorie wird denn auch bestritten. Namhafte Wissenschafter widersprechen ihr und belegen das Gegenteil. Das Körperfett erzeuge Substanzen, von denen eine direkte Gefährdung ausgehe und die gesundheitliche Störungen aktiv auslösten. Auch Professor Stephan Rössner, der „Vater“ von eBalance, stimmt dem zu. Das Fettgewebe im Körper sei nicht einfach „tote Substanz“, sondern stelle das „grösste endokrinologische Organ des Körpers“ dar.

Was war nun zuerst? Und was hilft mir diese Diskussion? Sollten jene Recht behalten, die behaupten, Dicksein habe wenig Auswirkungen auf die Gesundheit und mache nicht krank, dann würden ihnen zahlreiche Betroffene widersprechen, die am eigenen Leib mit fortschreitendem Alter das Auftreten von verschiedenen Beschwerden erfahren mussten und müssen. Mein persönliches Fazit: Traue keinem dünnen Adipositas-Forscher, er kann nicht wissen, wovon er spricht.




27/8  Was ist noch normal?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:21

Norm – Normalität – normal.. laut Lexikon das, was „regelrecht“, „vorgeschrieben“, „allg. üblich“ ist. Was normal ist, gilt als von der Gesellschaft akzeptiert. Was nicht normal ist, nannte man früher „anomal“, eine „Anomalie“ ist eine Ausnahme, eine Abweichung von der Regel.

Warum dieser Exkurs? – Yvonne ist 15 Jahre alt. Sie ist 1.60 gross und wiegt 54 Kilo. Sie fühlt sich dick und übergewichtig. Sie hat einen BMI von 21. Das sei absolutes Normalgewicht, sagt man ihr. Darauf antwortet Yvonne: „Aber normal ist doch gar nicht mehr normal, oder?“ – So wie Schönheit letztlich im Auge des Betrachters liegt, so wird das als „normal“ empfunden, was den eigenen Vorstellungen entspricht, die sich am gesellschaftlichen Umfeld orientieren.

Man könnte Yvonne lange gut zureden: ihre Meinung würde sie nicht ändern, sie fühlt sich zu dick – also IST sie zu dick! Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man die „Vorbilder“ betrachtet, an denen sich junge Menschen heute orientieren (müssen). – Auch Vorurteile oder Verblendung können die Wahrnehmung trüben. Das belegt eine interessante Sudie aus Kanada: Eltern wurden befragt, ob sie ihre Kinder für übergewichtig halten.

Das Resultat ist verblüffend. Während die Messungen des Gesundheitsdienstes ergaben, dass 26 Prozent der kanadischen Kinder übergewichtig oder adipös sind, gaben lediglich 9 Prozent der Eltern an, dass ihre Kinder Übergewicht hätten. Was bedeutet, dass in zwei von drei Fällen das Gewichtsproblem des Kindes nicht als solches „erkannt“ und auch nicht entsprechend behandelt wird!

Was wiederum bedeutet, dass zwei Drittel der übergewichtigen Kinder (in Kanada) ohne eine verantwortungsvolle Begleitung weiterhin zunehmen und Gewicht zulegen werden. Die Studienleiterin Dr. Ruth Collins-Nakai zieht den besorgten Schluss, dass durch diese Selbst-Täuschung der Eltern die Kinder von der Realität ihrer Gewichtsprobleme abgeschirmt werden, was langfristig zu schweren Gesundheitsstörungen führen wird.

Dieser Befund wirft leider auch ein grelles Licht auf die Problematik der so gerne beschworenen „Selbstverantwortung“ der Menschen, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Doppelt dumm, dass die Kinder selber (noch) nichts dafür können.




24/8  ERBsen(er)zählung

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:17

ERBsen sind besondere Hülsenfrüchte. Grün und rund und knackig, wenn sie frisch sind… Aber das sind schon etrwas heikle Formulierungen, in diesem Zusammenhang.

Die drei grossen Buchstaben am Anfang des Wortes sind kein Druckfehler. ERB ist die Abkürzung für Ernährungsberatung. Und als ERBsen haben sich in ihrer Einladung die 20 Absolventinnen und der eine Absolvent des 36. Jahrgangs der Schule für Ernährungsberatung Zürich vorgestellt. Und ich war eingeladen, heute an der Diplomfeier zum Abschluss der dreijährigen Ausbildung eine kurze Rede zu halten.

Eine ausserordentliche Gelegenheit, die ich gerne und mit Freude wahrgenommen habe, um die jungen Menschen, die sich einem anspruchsvollen Beruf verschrieben haben, über einen wichtigen Aspekt ihrer künftigen Arbeit aus der Patienten-Perspektive zu informieren. Denn – das wissen wir von zahlreichen Schilderungen an unserem Beratungstelefon – für einen übergewichtigen Menschen, der einen grossen Teil seines Lebens mit dem Kampf gegen seine Kilos verbracht hat, kann die Begegnung mit einer Ernährungsberaterin absulut schicksalshaft sein.

Die Beratung wird bei Adipositas durch den Arzt verordnet und von der Krankenkasse übernommen. Auch wenn sie nur ein Element in der multidisziplinären Therapie darstellt, kommt ihr doch eine zentrale Bedeutung zu. Da ist es wichtig, dass die Betroffenen sich verstanden fühlen, dass sie Vertrauen fassen können, dass sie nicht mit erhobenem Zeigefinger „belehrt“ werden, sondern dass sie Motivation erfahren, Aufbau bei Rückschlägen, praktische Tipps und Empfehlungen für den Alltag. Das „Grundwissen“ haben sie sich im Lauf der Jahre im Umgang mit ihrer Krankheit selber angeeignet. Das Problem besteht darin, dass es ihnen nicht gelingt, dieses in der Praxis umzusetzen. Hier ist die ERB gefordert, sie braucht Fingerspitzengefühl und Hingabe, auch wenn es ihr die Übergewichtigen nicht immer leicht machen.

Das „Problem“ hat heute einen Stellenwert im öffentlichen Bewusstsein erlangt, der es leichter macht als früher, für Verständnis und Empathie zu werben. Wenn es mir gelungen ist, mit meinen Ausführungen ein wenig dazu beizutragen, dann bin ich zufrieden, dann sind wir auf dem Weg von der Wissensvermittlung zur hilfreichen Umsetzung ein schönes Stück voran gekommen.




21/8  Berühmte Gewichte

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:59

Wer regelmässig auf die Waage steigt, dem wird sich die Zahl der Kilos, die da angezeigt ist, mit der Zeit ins Gehirn brennen. Aber was sind schon Zahlen an sich, abstrakt genommen. Abgesehen von „schwer“ oder „leicht“: sie sind letztlich nur relativ. Und wenn die Waage nicht richtig eingestellt ist, wenn sie dauernd ein paar Kilos zuviel oder zuwenig anzeigt, so ändert das nichts daran, dass für den sich Wägenden in erster Linie die Veränderung wichtig ist: „schwerer“ oder „leichter“?

Um aus dieser Zahlenfalle herauszukommen hat die Gimmick-Firma ANGRY Waagen konstruiert mit ganz besonderen Anzeige-Skalen. Anstelle von blossen Zahlen in aufsteigender Reihenfolge sind die Namen von berühmten, realen oder fiktiven Persönlichkeiten aufgeführt. Am leichtesten ist das Jesuskind, dann folgt die Kuschelmonsterpuppe Gizmo, dann schon Oliver Twist (in zwei Altersklassen) und schliesslich Karate Kid… Am andern Ende der Gewichtsskala finden sich die gewichtige Seriendarstellerin Roseanne, Mr. ED (das sprechende Pferd), Hulk Hogan und King Kong. Schwerer geht nicht mehr.

Das Mittelfeld der Berühmtheiten-Skala ist im Bild leider nicht zu sehen. Und da wir uns mit Sicherheit weder mit dem Jesuskind noch mit King Kong vergleichen möchten, auch kein Pferd sind, kommt wohl Roseanne der Alltagswirklichkeit recht nahe. Sie hat mit ihrem herben Mutterwitz erfolgreich für die Akzeptanz von Übergewichtigen geworben…

Aber wenn ich mir eine mögliche Skalierung von Kate Moss über Claudia Schiffer und die Klitschko-Brüder zu Veronica Ferres bis zu Rainer Calmund vorstelle, dann bin ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, was mir ein solches interpersonelles Ranking bringen kann… Ich bin ich und niemand sonst. Und mein Bauch gehört mir… oder wie war das? – Gut, wenn ich jetzt selber so eine Referenz-Figur auf der Skala wäre… aber auch das bringt nur Ungmach, weil ich mir ja dann gewichtsmässig treu bleiben müsste und somit jede Motivation im Eimer wäre.

War wohl doch keine gute Idee, von der Firma ANGRY.




17/8  Staatskunde öffentlich

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:26

Heute Nachmittag war wieder ein Meeting unseres informellen Netzwerkes von PatientInnen-Organisationen, in dem wir uns mit der Frage beschäftigen, wie man gesundheitspolitische Anliegen am wirkungsvollsten in die Agenda des Berner Politbetriebs einbringen, kurz „Lobbying“ betreiben könnte.

Gastreferentin war die Aargauer SP-Nationalrätin Pascale Bruderer, studierte Politologin und u.a. Präsidentin der GELIKO, das ist die Schweizerische Gesundheitsligen-Konferenz, also der Zusammenschluss der grossen Organisationen im Dienste von Krankheiten bzw. der Gesundheit.

Es war ein spannender Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen von Kommissionen, Arbeitsgruppen, Fraktionen, Räten, Verwaltung… auf dem oft beschwerlichen und zeitraubenden Weg von einem „Anliegen“ über dessen Deponierung bis zur Erarbeitung einer Vorlage und schliesslich der Beschlussfassung über einen Gesetzesentwurf, bis hin zur Volksabstimmung… Eigentlich wüsste man „es“ ja, aber es war aufschlussreich, es „aus dem Innern des Nähkästchens“ zu hören.

Seit kurzem ist ja alles, was in der Bundesverwaltung geschieht, und was nicht ausdrücklich als „Geheim“ oder „Vertraulich“ deklariert ist, öffentlich und allen zugänglich. Ein Instrument im Dienste dieser Transparenz, die für parlamentarische Demokratien beispielhaft ist, ist der Internet-Auftritt unter der Adresse www.parlament.ch. Diese Website war den meisten von uns nicht bekannt, und sie ist schlicht genial als Quelle für Informationen und als Nachschlagwerk.

Da findet man auf der Homepage alle aktuellen Medienmitteilungen im Wortlaut, unter dem Kapitel Die Räte findet man z.B. den ganzen Nationalrat mit detaillierten Angaben zu jedem Mitglied, inkl. Voten und Abstimmungesverhalten. Man findet unter Kommissionen z.B. die „Kommisssionen für soziale Sicherheit und Gesundheit“ von Ständerat und Natoinalrat, also die direkten Ansprechpartner für unsere Anliegen…

Das sind nur einige Beispiele zur Instruktion. Nach dieser „Entdeckung“ waren wir uns einig: ab sofort wird „gesurft“ im Dienste der Gesundheit.




5/8  Erfolgskontrolle

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:20

WeightWatchers ist für viele DAS Gewichtskontroll-Programm schlechthin, so wie „Ovomaltine“ generell für ein Frühstücksgetränk auf Kakao-Basis steht.

Aber wie es Pionieren so geht: wenn sie in die Jahre kommen, verändert sich der Markt, nimmt die Konkurrenz zu, wird der Kampf ums Überleben härter. Dies hat das seit 40 Jahren weltweit etablierte Unternehmen, das in 30 Ländern tätig ist und jede Woche 48’000 Meetings mit abnehmwilligen Teilnehmerinnen durchführt, zu spüren bekommen, wie es in seinem jüngsten Erfolgsbericht über das zweite Quartal 2006 mitteilt: demzufolge ist der Ertrag – in Europa – deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Beobachter sprechen von einem Rückgang in dieser Zeit von 15% gegenüber dem Vorjahr, wie dies etwa The Independent für Grossbrittannien tut.

Erklärungen werden gleich mitgliefert: vor allem sei dieser Einbruch zurückzuführen auf die immer zahlreicheren Online-Angebote, die für jedermann günstig zugänglich seien (so wie eBalance), sodann auf die verstärkten Asnstrengungen der Regierungen, die Bevölkerung mit Informationen zu einer fett- und kalorienbewussten Lebensweise und zu einem besseren Bewegungsverhalten zu versorgen…

So unangenehm dies für das betroffene Unternehmen auch sein mag, es wäre zumindest eine indirekte Erfolgskontrolle für die Wirkung von staatlichen und privaten Kampagnen. Und diese haben ja eben erst begonnen, denn viel weiter als bei uns ist man in anderen Ländern auch noch nicht. Für WeightWatchers jedenfalls ist diese Situation eine Herausforderung und es wird interessant sein, zu beobachten, wie sich etwa in der Schweiz das Joint Venture mit coop auszahlt. Konkurrenz – sagt man gemeinhin – belebe das Geschäft. Im Interesse der Sache kann uns das nur recht sein.