29/9  Die Superdicken

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:24

Nein, gemeint sind nicht diese schokoladeumhüllten Schaumsüssigkeiten, denen der politisch korrekt sein wollende Mensch nicht mehr Mohrenkopf sagen darf und die von der Firma Dickmanns hergestellt werden.

Die Superdicken sind übergewichtige Menschen, die 200 und mehr Kilos wiegen. Die Sendung Focus TV auf Pro Sieben hat einige von ihnen in ihrem Alltag begleitet, unaufgeregt, sachlich, bei der Suche nach Kleidern, die gross genug sind, bei der Auswahl eines neuen Bettes, dessen Spezialmatratze bis 400 Kilos aushält und dennoch „weich wie eine Wolke“ bleibt, beim Versuch, sich in einer ganz gewöhnlichen Badewanne nass zu machen und beim Hausarzt, wo man die eigenen beiden Waagen mitnehmen muss, weil das Gerät in der Praxis nur bis 180 misst.

Eindrücklich der Bericht über Sylvia Strasser, eine – selber übergewichtige – Frau, die ein spezielles Reisebüro betreibt, das Ferien für Superdicke vermittelt und die alle Hotelangebote vorher persönlich testet: die Badezimmer und Duschen ausmisst, die Türbreiten, sich in die Liegestühle auf dem Balkon setzt, um herauszufinden, ob man sich darin wohlfühlt, ob die Betten hoch genug sind, so dass man nach dem Liegen wieder aufstehen kann.

Die Dicken werden zunehmend als interessante Konsumentengruppe erkannt und angesprochen. Noch fehlen systematisierte Angebote, wie sie in USA gang und gäbe sind. Aber die werden kommen. Tendenz zunehmend.




25/9  Von der Macht des Fettes

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:29

Mal eine andere Perspektive. Da hat man uns eingetrichtert und wir haben es allmählich, wenn auch ungern, begriffen, dass die gleiche Substanz, die wir mit uns herumtragen, und die unser Körper zu seinem Schatz und Notvorrat verklärt, so dass er sie hortet wo er doch gar nicht sollte, dass also diese gleiche Substanz es ist, die unser Essen so schmackhaft macht, die als Aromaträger unsere sensorischen Zellen wachküsst und den Appetit in uns wachsen lässt, so dass wir es uns schwer machen, sie zugleich zu hassen und auch zu lieben…

Fett also, als Medium für den Transport von Geschmack, von Aromen, von Düften, spielt eine ganz besondere Rolle im Film Das Parfüm nach dem Roman von Patrick Süskind. Es ist die schauervoll tragische Geschichte von Jean-Baptiste Grenouille, der im Paris des 17. Jahrhunderts als vermeintliche Totgeburt überlebt, eine erbärmliche Jugend fristet, die geprägt ist von seinem aussergewöhnlichen Geruchssinn, so dass seine Laufbahn als genialer Parfumeur durch alle Fährnise vorgezeichnet ist.

Zwanghaft verfolgt er das Ziel, den Duft junger Mädchen im Form ihres Destillates einzufangen und daraus das ultimative Liebesparfüm zu mischen, was ihm nur dann gelingt, wenn er die Mädchen ermordet, in grosse Tücher hüllt, die mit Fett bestrichen sind, so dass das Fett den Mädchengeruch aufnimmt, den er anschliessend in der Distillerie abzapfen kann.

Unser liebes Fett also als mörderische Trägersubstanz, ausgestattet mit der Macht, die wahre Essenz der Gerüche von Unschuld (man schreibt das 17. Jahrhundert) in sich aufzunehmen und, geläutert durch die reinigende macht des Feuers, wieder freizugeben… – Es handle sich, sagt Grenouille zu einem seiner ersten Opfer, um Tierfett. Nicht auszudenken, wozu allenfalls – nach greouille’scher Manier – unser eigenes Fett fähig wäre, so man es denn liesse bzw. seiner habhaft werden könnte. Es müsste, meine ich, für ein halbes Dutzend Jungfrauen reichen, wenn man nicht allzu verschwenderisch damit umginge.




24/9  Mundfüller DDS

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:39

Natürlich, es kommt aus Amerika. Und ich muss die Leserin um Entschuldigung bitten, die sich weniger Links zu englischen Websites gewünscht hat… aber das Ding mit Namen DDS wurde nun mal in USA erfunden und wird vielleicht einmal auch zu uns kommen.

Spontan erinnert es mich an jene kleinen Vogelpfeifchen aus Papier mit einer Metallzunge, die es früher in Tischbomben oder andern Party-Überraschungen gab: man konnte sie mit der Zunge gegen den Gaumen drücken und darüber hin blasen, und dann waren täuschend echte Trillerlaute zu vernehmen, die sich mit Mundöffnung und Wangenspannung melodisch modulieren liessen…

Das Ding, um das es hier geht, ist aus Plastic, wird nach Mass gefertigt, kostet so um die 500 Dollar. Das DDS System funktioniert offenbar ganz einfach: man klemmt es zwischen die oberen seitlichen Zahnreihen und dann füllt es einen Teil der Mundhöhle aus, so dass man beim Essen nur noch kleinere Mengen in den Mund nehmen und kauen kann. Dadurch wird man gezwungen, langsamer und in kleineren Bissen zu essen, man kann nicht mehr schlingen und das Essen in sich hinein schaufeln, sondern braucht automatisch länger, wodurch der Körper Zeit erhält, auf natürliche Weise sein Sättigungsgefühl zu aktivieren und zu spüren.

Also quasi eine mechanische Essbremse, ein technisches FdH-Programm. Und man kann diesen Gaumenblocker nach dem Essen wieder herausnehmen, abwaschen, in die Tasche stecken, bis zur nächsten Tafelrunde, wo man ihn sich kurz vorher wieder diskret reinschiebt… – Und wer weiss: Wenn das Prinzip Schule macht, kann es zum kultigen Ritual werden, wie einst das Tischgebet, indem man vor dem Essen kurz und meditativ innehält, der Hausherr blickt in die Runde und murmelt: Nehmt euer DDS… eins – zwei – und eingesetzt! Wohl bekomms, esst langsam, Freunde. Und die gepflegte Gastgeberin stellt neben das Gedeck ein kleines Schälchen mit lauwarmem Wasser (so wie wir es früher bei bestimmten Speisen, zu deren Verzehr man sich der Hände bedienen durfte, hatten, mit einem Zitronenschnitz), und er DDS-Träger lässt elegant sein Plasticteil hineingleiten, kurz bevor die Tafel aufgehoben wird… Das kann ja heiter werden.




21/9  Die SAPS ist eine Messe wert

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:36

Wir stehen wieder einmal mitten im Messe-Vorbereitungs-Stress. Das heisst: eigentlich ist er schon abgeschlossen, denn heute haben wir unseren Stand fix und fertig installiert und am Freitagvormittag ist Eröffnung.

Die Schweizerische Adipositas-Stiftung tritt gemeinsam mit der action d – Diabetes aktiv vorbeugen im Rahmen der Sonderschau „Rundum Gsund“ an der diesjährigen Züspa auf.

Die bisherigen Erfahrungen waren ja nicht unbedingt ermutigend. Wir haben festgestellt, dass gerade jene ZeitgenossInnen, die eigentlich an Informationen zum Thema Übergewicht interessiert sein müssten, nicht primär zu denen gehören, die solche Gesundheitssektoren in den Messen besuchen… und wenn sie sich schpn dorthin verirren, dann machen sie einen weiten Bogen um unseren Stand… So haben wir diesmal einen eher verspielten Ansatz gewählt.

„Hier dürfen Sie zuschlagen!“ steht über einer ganz besonderen Art von „Hau den Lukas“: auf sechs Tablaren sind Lebensmittel ausgestellt, in aufsteigender Rangordnung diejenigen, die weniger Kalorien und Fett enthalten. Und mit einem Hammer kann man einen Puck nach oben spicken, bis eine Glocke anschlägt… und es gibt einen kleinen Preis zu gewinnen.

Zudem kann man seinen BMI messen und seinen individuellen Tagesverbrauch an Kalorien bestimmen lassen. Dazu gibt es einen Diabetes-Risiko-Test und täglich einen Vortrag zum Thema Adipositas-Therapie… – Die nächsten zehn Tage gehören also voll dem Publikum. vielleicht sieht man sich ja.




20/9  Dicker wird sexy

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:09

Ich war jetzt zwar zehn Tage lang in spanischen Gefilden… aber von der hitzigen Model-Debatte habe ich nichts mitbekommen.

Da hat doch tatsächlich die spanische Regierung per Erlass verboten, dass zu magere Models an Modeschauen teilnehmen. Und dieses Verbot zieht nun offenbar weitere Kreise. Die Modebranche gerät in Aufruhr, die Trendsetter-Journalistinnen finden es gut und spenden Applaus… Die BBC zitiert eine Expertin mit der Aussage: „Die jungen Frauen brauchen Models als Vorbilder, die aussehen wir richtige Frauen und nicht wie Stabheuschrecken auf dem Laufsteg.“

Und von den Model-Agenturen hört man, sie probten den Aufstand… Jedenfalls ist es gut und war es an der Zeit, dass diese Debatte aufgenommen wurde. Sie passt zu der Kampagne der Kosmetiklinie „Dove“, die mit Insearaten und Events darauf hinwirken will, dass auch junge Frauen ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, die im und sogar leicht über dem Normalgewicht liegen. Mit einem „Handbuch“ werden Mütter und Töchter angesprochen und Aktionen sollen jungen Frauen mit Essstörungen helfen, ihr Problem zu überwinden.

Es geht nicht um Schwarz oder Weiss, um Dick oder Dünn… es geht um die Nüancierungen und darum, dass nicht verallgemeinert werden darf. So wenig wie jedes Model in der Branche automatisch anorektisch ist, so sehr müssen Menschen unterstützt und gefödert werden, deren Körpergewicht nach oben nicht dem entspricht, was gängige Ideale zur Norm verklären. Der Erlass aus Spanien markiert hoffentlich eine Trendwende.




7/9  Noch mehr Labelling

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:35

Die Ampel gibt zu reden. Soll man, kann man, will man überhaupt? In einer Sitzung, bei der es heute darum ging, die Prioritäten und die Stossrichtung für politische Aktionen zu definieren, mit denen man die Rahmenbedingungen für gesunde Ernährung und gesundheitsfördernde Bewegung verbessern könnte, steht der Punkt, dass es gewisse lenkende Vorgaben brauche, ganz oben auf der Liste.

Aber wenn das Stichwort „Ampel-Deklaration“ fällt, gehen die Meinungen auseinander. Ja, man sollte, man müsste so etwas einführen… Nein, das habe keine Chance, würde am Widerstand der Lebensmittelindustrie scheitern, sei politisch nicht durchsetzbar und in der Praxis schwer zu realisieren. – Sicher, es gibt Leute, die möchten der Schweiz ein isolationistisches Inseldasein bewahren… aber Europa rundherum ist nun mal eine Realität, und was in Europa in die Läden und auf die Tische kommt, wird über kurz oder lang auch bei uns zum Alltag gehören.

Soeben erreicht uns die Kunde, dass in England ein neues, „nicht-offizielles“ Labelling-System eingeführt wird, nachdem der Kampf zwischen der Regierungs-Ampel und dem Industrie-Gegenmodell schon entbrannt ist. – Nun hat zusätzlich die Detailhandels-Kette Hannaford Bros ein eigenes „System“ entwickelt: 27’000 Food-Artikel wurden mit einem Etikett versehen, das einen, zwei oder drei Sterne enthält.

Es wird nicht „gewarnt“, sondern es wird „ausgezeichnet“, wenn Qualität vorhanden ist. Die Anzahl der Sterne bedeutet gut, besser, am besten. – Wenn ein Produkt einen oder mehr Sterne aufweist, so bedeutet dies, dass es mehr Vitamine, Mineralien, Vollkorn enthält, und weniger gesättigte Fettsäuren, Transfette, Cholesterol, Salz und raffinierten Zucker.

Von den 27’000 Produkten haben bloss etwa ein Viertel einen oder mehr Sterne bekommen. – Drei Sterne haben z.B. Broccoli, Heidelbeeren, Artischocken und Vollkorn-Haferflöckli… – Solche Systeme dürfen nicht zu kompliziert sein. Und Grenzfälle gibt es immer. Wie würde man etwa ein Ei einstufen? Die Frage steht im Bericht über das System von Hannaford… und die gleiche Frage wurde auch heute Morgen in der Sitzung gestellt. – Wollen wir mit dem Ei oder mit dem Huhn beginnen?




4/9  Die Englische Ampel

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:37

Alle reden darüber, die Food-Konzerne fürchten sie… aber wie sieht sie aus?

England hat für die Information der Konsumentinnen und Konsumenten eine Ampel-Deklaration eingeführt: Rot – Orange – Grün. So einfach ist es. Und die Farben bedeuten: hoch – mittel – tief… bezogen auf den prozentualen Anteil der jeweiligen Substanz in 100 Gramm des entsprechenden Produkts. – Angegeben werden die Werte für Fett, Eiweiss, Kohlenhydrate, Salz.

Wenn es also auf der Packung rote Punkte hat, dann weiss der Konsument, dass er aufpassen muss. Nicht, dass er das Produkt überhaupt nicht kaufen und essen sollte, aber er realisiert, dass er „dosiert“ damit umgehen muss: Keine allzu grosse Menge. Orange geht gerade noch, das kann man bedenkenlos auch nehmen… und grün ist der Hinweis, dass man eine gesunde Wahl trifft. Natürlich enthalten die meisten Lebensmittel einen farbigen Punkte-Mix, denn es kommt am Schluss auf die Ausgewogenheit der Bilanz an.

Aber wenn man verschiedene Produkte miteinander vergleicht, dann sieht man sofort, dass dasjenige mit „mehr grün“ auf jeden Fall die „gesündere Wahl“ ist. – Die Engländer haben das rasch begriffen. Schon weinge Wochen nach der Einführung dieses Systems ist der Verkauf bestimmter Produkte um mehr als 40 Prozent zurückgegangen. Andere, mit mehr grünen Punkten, haben sofort zugelegt.

Die Lebensmittelindustrie in Grossbritannien ist in Aufruhr. Die fünf grössten Produzenten – Kellogg’s, Nestlé, Kraft, Danone und Pepsico – haben sich zusammengetan, um in einer gross angelegten Werbekampagne ihre eigene Deklaration zu propagieren und so die Vorschriften der Regierung zu unterlaufen. Die Lösung der Food-Produzenten informiert darüber, wie viel vom täglichen Bedarf der einzelnen Nahrungs-Bestandteile in einer Portion enthalten ist… (vom gleichen Prinzip geht auch die Deklaration bei McDonald’s aus, wir erinnern uns).

Dieses System aber, da sind sich die Beobachter einig, ist wesenltich „anspruchsvoller“ als die farbige Ampel. Es verlangt eine kognitive Anstrengung, man muss umrechnen, den Dreisatz können… erst durch die Berechnung wird die „Aussage“ überhaupt nachvollziehbar. Und was am meisten zu Buche schlägt: während man sogar einem kleinen Kinde den Farb-Code leicht erklären kann (es kennt seine Bedeutung von der Verkehrsampel her bereits), hat man mit dem prozentualen Tagesbedarfs-Anteil bei Kindern absolut keine Chance. – Und so muss denn das von der Industrie forcierte System zwangsläufig gerade dort versagen, wo es am dringendsten nötig ist bzw. wäre, rasch und wirkungsvoll eine Lenkungsmassnahme zu implantieren!

Die Food-Industrie in England beklagt sich über Tony Blair und wirft ihm und seinen Leuten vor, man würde die Industrie zum Sündenbock für die Adipositas-Epidemie stempeln… – So, wie sich ihr eigener „Code“ im Blick auf die Wirksamkeit bei Kindern auswirkt, wird die Sündenbock-Rolle offenbar durchaus aktiv gespielt. Die Frage bleibt, wie lange die Konsumenten sich das bieten lassen.




3/9  Salzburger Nockerln

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:20

Eine ebenso traditions- wie kalorienbehaftete Nach- bzw- Süss- bzw. Mehlspeise sind sie, die Nockerln, die den Namen der Stadt Salzburg tragen. Von jedem Speisezettel eines Menschen, der sein Gewicht unter Kontrolle bringen möchte, müssten sie daher rigorosestens verbannt sein.

Rezepte gibt es viele – aber ich habe noch keines gefunden, das fett- und kalorienbewusst gewesen wäre… nicht einmal im reichhaltigen Arsenal der eBalance-Informationen! So muss sich unsereins denn nach linienfreundlichen Alternativen umschauen, zumal im dritten Monat der „ketogenen“ Phase im Ernährungskonzept.

Da bietet sich derzeit in Winterthur eine genüssliche Leckerei dieses Namens an, allerdings kein Gaumenkitzel, sondern ein Augen- und Ohrenschmaus: die Operette gleichen Namens, auch bekannt unter „Saison in Salzburg“, wird von einer exzellenten Truppe gegeben im Casino-Theater daselbst. Es sind fast alles bekannte und beliebte InterpretInnen aus der hiesigen Show- und Künstlerszene und die Presse hat sich denn auch mit Lobesreden zur Première überboten, bei der sich alles einfand, was im öffentlichen Leben Rang und Namen hat.

Eine Besichtigung lohnt sich auf jeden Fall für verschleckte Fans von Süssem. Die Nachfrage ist gross und es empfiehlt sich, rasch zu buchen, im Online-Vorverkauf sind noch einige Tickets zu haben.

Linienbewussten Schleckermäulern in der Region Bern kann als Alternative allenfalls eine Vernissage empfohlen werden, bei der es allerdings nicht um eine klingende „Mehlspeis“ geht, sondern um die Vorführung von garantiert kalorienfreiem Eiskrem oder Glacé in Form von lebensecht und verzehrgerecht nachbeildeten Schmuckstücken… vor denen hier auch schon die Rede war.




30/8  Huhn und Ei

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:08

Heft 14 von Psychologie heute compact (2006) ist ganz dem Thema Essen und dessen Folgen gewidmet: Wie Sie ohne Reue geniessen, Ihr Gewicht halten und gesund bleiben…

Das sind so wieder die Versprechungen, die ich mag: ohne Reue geniessen… und dabei nicht zunehmen. Das Heft muss ich haben! Nützt’s dann nichts, spielt das auch keine Rolle, verkauft ist verkauft. Und den Dicken kann man alles andrehen.

Eines der vielen interessanten und anregenden Kapitel gilt einer Neuauflage des Buches des amerikanischen Herzspezialisten Glenn Gaesser: Big Fat Lies. Gaesser belegt darin seine These, dass Übergewicht an sich nicht krank mache, sondern dass falsches Verhalten, insbesondere fehlende Bewegung und „schlechte“ (minderwertige) Ernährung sowohl Übergewicht als auch die begleitenden Krankheiten bewirken.

Adipositas wäre demnach nicht die Ursache, sondern lediglich eine Begleiterscheinung von Diabetes, Herzproblemen, Bluthochdruck und anderen Zivilisationskrankheiten… Und viele dicke Menschen, die fit sind und sich bewegen, seien wesentlich gesünder als Dünne, die keine Bewegung haben und minderwertigen Food vertilgen. Die eigentlich Gefährdung gehe nicht vom Dicksein aus, sondern von den wiederholten Versuchen, abzunehmen.

Gaessers Theorie wird denn auch bestritten. Namhafte Wissenschafter widersprechen ihr und belegen das Gegenteil. Das Körperfett erzeuge Substanzen, von denen eine direkte Gefährdung ausgehe und die gesundheitliche Störungen aktiv auslösten. Auch Professor Stephan Rössner, der „Vater“ von eBalance, stimmt dem zu. Das Fettgewebe im Körper sei nicht einfach „tote Substanz“, sondern stelle das „grösste endokrinologische Organ des Körpers“ dar.

Was war nun zuerst? Und was hilft mir diese Diskussion? Sollten jene Recht behalten, die behaupten, Dicksein habe wenig Auswirkungen auf die Gesundheit und mache nicht krank, dann würden ihnen zahlreiche Betroffene widersprechen, die am eigenen Leib mit fortschreitendem Alter das Auftreten von verschiedenen Beschwerden erfahren mussten und müssen. Mein persönliches Fazit: Traue keinem dünnen Adipositas-Forscher, er kann nicht wissen, wovon er spricht.




27/8  Was ist noch normal?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:21

Norm – Normalität – normal.. laut Lexikon das, was „regelrecht“, „vorgeschrieben“, „allg. üblich“ ist. Was normal ist, gilt als von der Gesellschaft akzeptiert. Was nicht normal ist, nannte man früher „anomal“, eine „Anomalie“ ist eine Ausnahme, eine Abweichung von der Regel.

Warum dieser Exkurs? – Yvonne ist 15 Jahre alt. Sie ist 1.60 gross und wiegt 54 Kilo. Sie fühlt sich dick und übergewichtig. Sie hat einen BMI von 21. Das sei absolutes Normalgewicht, sagt man ihr. Darauf antwortet Yvonne: „Aber normal ist doch gar nicht mehr normal, oder?“ – So wie Schönheit letztlich im Auge des Betrachters liegt, so wird das als „normal“ empfunden, was den eigenen Vorstellungen entspricht, die sich am gesellschaftlichen Umfeld orientieren.

Man könnte Yvonne lange gut zureden: ihre Meinung würde sie nicht ändern, sie fühlt sich zu dick – also IST sie zu dick! Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man die „Vorbilder“ betrachtet, an denen sich junge Menschen heute orientieren (müssen). – Auch Vorurteile oder Verblendung können die Wahrnehmung trüben. Das belegt eine interessante Sudie aus Kanada: Eltern wurden befragt, ob sie ihre Kinder für übergewichtig halten.

Das Resultat ist verblüffend. Während die Messungen des Gesundheitsdienstes ergaben, dass 26 Prozent der kanadischen Kinder übergewichtig oder adipös sind, gaben lediglich 9 Prozent der Eltern an, dass ihre Kinder Übergewicht hätten. Was bedeutet, dass in zwei von drei Fällen das Gewichtsproblem des Kindes nicht als solches „erkannt“ und auch nicht entsprechend behandelt wird!

Was wiederum bedeutet, dass zwei Drittel der übergewichtigen Kinder (in Kanada) ohne eine verantwortungsvolle Begleitung weiterhin zunehmen und Gewicht zulegen werden. Die Studienleiterin Dr. Ruth Collins-Nakai zieht den besorgten Schluss, dass durch diese Selbst-Täuschung der Eltern die Kinder von der Realität ihrer Gewichtsprobleme abgeschirmt werden, was langfristig zu schweren Gesundheitsstörungen führen wird.

Dieser Befund wirft leider auch ein grelles Licht auf die Problematik der so gerne beschworenen „Selbstverantwortung“ der Menschen, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Doppelt dumm, dass die Kinder selber (noch) nichts dafür können.