6/1  Schmauen Sie?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:40

„Nume nid gschprängt!“ – Das ist Berndeutsch. Nicht meine „direkte“ Muttersprache, denn meine Mutter stammte aus Zürich und hat (gottlob!) zeit ihres Lebens standhaft darauf verzichtet, einen ihr fremden Dialekt imitieren zu wollen. Aber es ist mein sprachliches Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin und die erste Hälfte meines Lebens verbracht habe. Drum bin ich dem Idiom auch treu geblieben.

Trendmässig müsste man die drei Worte übersetzen: „Bloss keine Hektik!“ (Oder auch: „Kein Stress, Mann, ey!“). Und wenn sich das aufs Essen beziehen soll, dann eröffnen sich neue Perspektiven. Gerade nachdem nun die diversen Dreikönigskuchen verspeist sind, die „einfachen“, luftig-leichten, und die hochkomplexen aus der Premium-Confiserie, die gugelhupfig-kompakt sind und einen Haselnuss-Püree-Boden haben…

Vielleicht hat die Gewichstszunahme, der wir uns über die Festtage mutwillig ausgesetzt haben, auch etwas zu tun mit dem Tempo, in dem wir uns übers Essen hergemacht haben: Je schneller wir essen, desto grösssere Mengen bringen wir vom Tisch. Das Motto müsste heissen: „Langsam is(s)t weniger!“

Dafür gibt es zwei unterschiedliche Formeln: Sich selber genussvoll mit erlesenen Speisen verwöhnen, dem sagt man „Slow Food“. Das ist eine internationale Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Menschen wieder zu sensibilisieren für echte, natürliche und auf tarditionelle Weise zubereitete Speisen, kein Fast-Food, kein „Techno-Frass“, keine emulgierten, stabilisierten und sterilisierten Lebensmitel, die ja gar nicht mehr leben und daher eigentlich „Gestorbenmittel“ heissen müssten… Der Präsident der Schweizer Slow-Food-Fraktion lebt in Zürich, ist ein begnadeter Koch, Gourmet und Weinkenner, und wer sich vornimmt, im neuen Jahr an sich weniger, aber immer noch gut zu essen, dem empfehle ich, diese Philosophie zu studieren.

Die andere Formel heisst „Schmauen“. Das ist nicht Berndeutsch und auch kein Druckfehler, sondern eine Wort-Kombination aus Schmecken und Kauen. Ältere Semester kennen die Technik unter dem Stichwort „Fletschern“: Man nimmt einen kleinen Bissen Nahrung in den Mund, speichelt ihn ein und kaut ihn so lange und gründlich, bis daraus ein feines Breilein, eine Flüssigkeit geworden ist, die nicht nur leichter verdaut werden kann, sondern auch viel rascher sättigt.

Magenband-TrägerInnen kennen diese Praxis auch. Sie ist verblüffend und eröffnet überraschende geschmackliche Perspektiven. Wenn man es einmal probewise versucht, ist man fasziniert. Nur: leider geht es damit wie mit vielen guten Vorsätzen: Man fasst sie, praktiziert sie testweise – und kommt dann irgendwann, früher oder später, doch wieder davon ab. – Versuchen wirs trotzdem mal?




5/1  Der vierte König

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:56

Noch im alten Jahr hat mich die eBalance-Redaktion angefragt, ob ich in meinem Bericht für den 6. Januar etwas zum Thema „Dreikönigskuchen“ schreiben könnte, dann müsste man sich im kulinarischen Teil nicht so ausführlich damit befassen.

Da ich als freundlicher Mensch natürlich zugesagt und den Auftrag ernst genommen hatte, machte ich mir so den einen oder anderen Gedanken und war dann heute etwas überrascht, als mir auf der eBalance-Homepage ein farbenfohes, gekröntes Backwerk entgegenstrahlte… auch wenn sich dahinter noch die diskrete Offerte versteckte, man wolle mich in der Kunst unterweisen, ebendieses Gebäck mit etwas weniger Kalorien selber herzustellen.

Das ist ein schwacher Trost! Denn auf meinen eigenen Königskuchen hat die Welt nicht gewartet. Im Gegenteil. Seit Tagen schon winken die überzuckerten Teigklopse aus allen Gazetten, lockt vielfältig die Möglichkeit, für einen Tag sich dem Prinzip der Monarchie zu verschreiben und kündigen Bürokolleginnen an, sie würden dann am Freitag noch beim Confiseur vorbeigehen…

Und es werden Erinnerungen wach, an innerfamiliäre Dramen, wenn sich kindliche Royalitäts-Sehnsüchte nicht erfüllten oder wenn das Regenten-Amt nur nachlässig verwaltet wurde.

Dabei gibt es diesen Brauch hierzulande so richtig erst wieder seit den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts, als findige Bäckersleute ihn aus der mittelalterlichen Versenkung holten, um das Geschäft nach den Festtagen noch etwas in Schwung zu halten. – Im geschichtlichen Dunkel verschwimmen die Ursprünge. Schon im alten Rom wurden durch das Los für kurze Zeit Könige bestimmt, in einem Fest zu Ehren des Saturn. Dieser Brauch verschmolz mit anderen und insbesondere mit der Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland, die Magier oder Könige waren. Im Mittelalter verlor sich die Tradition, bis sie vor einem halben Jahrundert wieder belebt wurde.

Dabei ist es nicht einmal sicher, ob die Könige Kaspar, Melchior und Balthasar effektiv zu dritt waren. Diese Dreizahl ist eine spätere kirchliche Konstruktion inklusive Heiligsprechung. – Mir ist die „Legende vom vierten König“ sympathisch, wie Edzard Schaper sie einst beschrieben hat. Die Geschichte vom vierten, gemeinhin nicht bekannten König, der auf dem Weg nach Bethlehem seine ganzen Reichtümer an Arme und Bedürftige verschenkt hat, bis er zuletzt seine eigene Freiheit für einen Galeerendienst opferte, um dann 30 Jahre später mit dem erwachsenen Jesus zusammen zu treffen, den er einst in der Krippe verpasst hat.

Ein vielschichtiges Symbol, das man im Hinterkopf behalten kann, wenn man, vorsichtig tastend, in das süsse Teigbällchen beisst, mit der diffusen Hoffnung, man könnte ihn eventuell selber sein, diesen „vierten“ König für den einen Tag.




4/1  Sind wir eitler?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 13:05

„Eitle Männer: Jeder Zwölfte steht täglich auf die Waage“ – Mit dieser Schlagzeile konfrontiert mich die Redaktion von 20 minuten in der S-Bahn quasi auf nüchternen Magen.

Es geht um eine Umfrage des Link-Instituts, das dieses im Auftrag der Coop-Zeitung bei gut 500 Personen durchgeführt hat: 9 Prozent aller SchweizerInnen steigen demnach täglich auf die Waage, um ihr Gewicht zu kontrollieren, 19 Prozent tun dies einmal pro Woche, Männlein wie Weiblein etwa gleich häufig.

Und dann wird gerätselt, was uns diese Werte sagen wollen… Der Schluss, dass (vor allem) die Männer es aus Eitelkeit täten, scheint mir reichlich an den Haaren herbei gezogen. Der statistische Befund überrascht mich eher in der anderen Richtung: Wenn man davon ausgeht, dass rund 40 Prozent der Bevölkerung „übergewichtig“ sind und demzufolge ein Interesse daran haben müssten, zu wissen, wie es um sie steht, dann sind die 9 Prozent der sich täglich Wiegenden bloss ein knappes Viertel dieses Potenzials!

Daraus wäre zu folgern, dass drei Viertel der Übergewichtigen sich um ihr wahres Gewicht foutieren bzw. dass bloss die Hälfte von ihnen sich einmal pro Woche wiegt. Und da eBalance-Blog-LeserInnen mehr wissen als andere (siehe meinen
Eintrag vom 7. Dezember 2005), ist uns auch klar, dass es für eine Gewichtsreduktion grundsätzlich förderlich ist, wenn man den Verlauf der Kurve täglich überprüft und so rechtzeitig die notwendigen Massnahmen (im Sinne des Mass-Haltens) ergreifen kann.

Dass Männer häufig auf die Waage klettern, komme – so mutmasst der 20minuten-Autor – daher, dass „Frauen heutzutage auf Waschbrettbäuche stehen“ würden… Auch hier, meine ich, unterliegt der junge Mann einem Irrtum. Der Waschbrett-Befund lässt sich mit Sicherheit anders überprüfen als mittels einer Gewichtskontrolle. Denke ich als einer, der dieses Phänomen (leider!) nur noch aus der Herrenunterwäschewerbung kennt.




3/1  Zischtigs Club

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:36

„Volkskrankheit Übergewicht“ als nachfesttägliches Diskussionsthema im „Club“ auf SF 1: ein Schüler, der in der Alpinen Kinderklinik Davos sein Ess- und Bewegungsverhalten unter Kontrolle gebracht und zu einem „normalen“ Gewicht und neuer Lebensqualität gefunden hat, der Chefarzt dieser auf übergewichtige Jugendliche spezialisierten Klinik, eine Ärztin, die mit einem Magenbypass erst in späteren Jahren ihr Übergewicht reduzieren konnte, ein auf Adipositas-Chirurgie spezialisierter Arzt, eine Ernährungspsychologin mit gewichtiger Vergangenheit und eine Betroffene, die alle Höhen und Tiefen einer Übergewichts-Karriere mit dem eigenen Leib durchlebt hat…

Eine Runde mir hoher Kompetenz aus persönlicher Erfahrung, die über den täglichen „Kampf um jedes Gramm“ reflektiert, den jene auszufechten haben, welche dank einer genetischen Voraussetzung (40 Prozent der Adipösen haben – so Chefarzt Bruno Knöpfli – diese genetische Veranlagung) quasi „reflexartig“ jede überschüssige oder nicht verbrauchte Energie in Form von Fett abspeichern.

Ein Sonderfall sind Menschen, die von einem klaren und messbaren genetischen „Defekt“ betroffen sind, was ihren Stoffwechsel betrifft, und bei denen eine psychologische Beratung und eine Kalorienreduktion nicht die „Lösung“ bringen können. Hier gilt die Erkenntnis, dass Adipositas eine unheilbare, chronische Krankheit ist, die auch durch einen chirurgischen Eingriff (Magenband oder Magen-Bypass) nicht „geheilt“ werden kann, sondern mit der man zu leben lernen muss, wobei die Operation eine wirksame und erprobte Unterstützung darstellt.

Mit deutlichen Worten stellt der Viszeralchirurg Rudolf Steffen diesen Sachverhalt klar: Um auf Dauer einen massiven Gewichtsverlust halten zu können, der zur Heilung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes beiträgt, bietet die bariatrische Chirurgie bisher die sicherste Hilfe an. – Fragen zum politischen und gesellschaftlichen Umfeld wie Werbung für Dickmacher und unreflektiertes Konsumverhalten konnten in der Runde nur noch kurz gestreift werden. Aber mit erstaunlicher Einmütigkeit traten die Experten für mehr Aufklärung, klare Regelungen und Verbote ein. Es lohnt sich für Interessierte, die Zweitausstrahlungen auf SF info und auf SF zwei (am 7. Januar) zu verfolgen.




2/1  Der sogenannte Bärzelistag

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 20:37

Woher er seinen Namen hat, der 2. Januar, ist nicht ganz klar. Laut offiziellen Quellen gebe es keinen direkt nachweisbaren Bezug zu einem oder einer Heiligen namens Berchtold oder Berta… Etymologisch, meinen die Experten, käme der Ausdruck von Begriffen wir „Bächtele“ oder „Berchten“, was so viel heisst wie „heischen, verkleidet umgehen und schmausen“; dazu gibt es einen Hinweis auf die altgermanische Dämonin „Perchta“, die zu Wotans (Odins) „Wildem Heer“ gehört habe, das in den Rauhnächten sein Unwesen trieb und Eingang in verschiedene Neujahrsbräuche gefunden hat: Schrecklich vermummte Gestalten toben durch die Nacht und müssen mit Gaben, die sie fordern, besänftigt werden.

Ich könnte mir vorstellen, dass eine dieser Gestalten, die nur mit Schmausen besänftigt werden können, mein Appetit ist… Und so haben wir ihm heute nochmals gehuldigt. – Wie man die Kalorien wieder los wird, dafür gibt es verschiedene Rezepte. Auf eBalance hat es eine Auswahl von Informationen darüber, welche Tätigkeit wieviele Kalorien verbraucht. Details sieht man unter der Rubrik „Kleine Sünden“.

Allen, die mehr darüber wissen wollen, sei eine äusserst nützliche Website empfohlen, die z.B. Aufschluss darüber gibt, wieviele Kalorien benötigt werden für „Maniküre oder Pediküre die von jemand anderes durchgeführt wird“. – Ich fürchte, meine Finger- und Zehennägel können nicht schnell genug nachwachsen, als dass ich mit dieser Form von Aktivität die super Spaghettata wieder wegbringe, die uns Conny heute zum Abschluss der Neujahrsfestivitäten kreiert hat!




1/1  Ein fulminanter Start

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 23:36

Das ist die Beschreibung des ersten kulinarischen Abenteuers im neuen Jahr, das die eBalance-Norm sprengt und von dem die Zungenzellen noch eine Weile zehren müssen, wenn Normalhans wieder Küchenmeister ist. Aber der Neujahrstag gehört noch in den gesetzlosen Festtagsblock.

Neffe Guido hatte sich anerboten, ein Siedfleisch zu präparieren. Anderthalb Kilo magerstes Rind wanderten nach dem Mittagessen in den Topf, begleitet von allerlei erlesenem Gemüse und Gewürzen, und köchelte den ganzen Nachmittag vor sich hin. Nach sechs Stunden waren die Fasern so mürbe, weich und zart, dass sie beim blossen Betrachten sich schon zu teilen schienen. Brühe und Gemüsestücke hatten den würzigen Geschmack aufgenommen und zerschmolzen auf der Zunge, Raum lassend für den aufregenden Nachgeschmack einer selbstgemachten Sauce aus Mascarpone, Peperoncoini, Knoblauch und weiteren Gewürzen, nach Intuition aus dem Regal gepflückt… In dieser Disziplin erwies sich Conny, Guidos Partnerin, als eine wahre Meisterin.

Und nicht minder meisterlich war Connys Mousse au Chocolat, die zur Nachspeise gereicht wurde, ein leichtes Mélange aus geschmolzenen Schokotafeln, Rahm und Orangenschale… Auch dies natürlich eine Herausforderung für den eBalance-Kalorienrechner, aber gleichzeitig zum Beginn des neuen Jahres ein überaus gelungener Test, dass die Geschmacksempfindung noch intakt ist und dass die Genussfähigkeit erfolgreich geeicht werden konnte. Jetzt kann 2006 beginnen.




31/12  Hauptsache gesund!

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 16:20

In seiner heutigen Silvester-Ausgabe lässt der TagesAnzeiger in der Rubrik „Savoir-Vivre“ einige Blicke auf zukuntsträchtige Trends werfen. Einer der Trend-Spotter ist Stephan Sigrist vom Gottlieb Duttweiler Institut. Sein Thema: „Health Food“.

Worum geht es? Nach „Functional Food“ und „Comfort Food“ jetzt also Lebensmittel, die durch besondere Zusätze und/oder Aufbereitung unserer Gesundheit speziell förderlich sein sollen. – Was ist denn das für eine Verkehrung von Ursache und Wirkung? Unsere Vorfahren wussten noch, welche Esswaren in welcher Kombination den Körper gesund und die Seele bei guter Laune hielten. („Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen“ war mal ein ehrenwertes Sprichwort, das wohl daher kam, dass es zuviele Menschen gab, die in ihrem Leben nicht genügend Nährstoffe erhielten, um bei körperlicher Gesundheit zu bleiben.)

Das „Kräuterweiblein“ wusste um die Kräfte der Apotheke aus der Natur und manches Rezept, das der Volksgesundheit diente, beruhte auf völlig natürlichen Wirkstoffen (denen heute dank Pascal C. sogar die Kassenfähigkeit aberkannt wird). – Weshalb also braucht es diesen neuen Trend? Weil die Menschen sich nur noch etwas Gesundes tun, wenn es ihnen vorher markenwirksam mit einer aufwändigen Kampagne in die Hirne gebläut worden ist?

Die Gastronomie – sagt Sigrist – werde nicht darum herum kommen, sich den „steigenden Gesundheitsansprüchen“ ihrer Klientel zu stellen. Das Londoner Restaurant „Heartstone“ am 106 Parkway, Camden, NW1, sei in dieser Hinsicht richtungsweisend, der Gast werde dort einem Fitness-, Allergie- und Gesundheitstest unterzogen, ehe man ihm eine individuell auf seine Bedürfnisse abgestimmte Mahlzeit zubereite… (Ein vergleichbares Projekt wird auch in der Schweiz evaluiert, dort geht es darum, Leute, die in Restaurants bestimmte Speisen meiden wollen oder müssen, mit einer Karte auszurüsten, auf der ihre persönlichen Merkmale gespeichert sind; beim Besuch eines entsprechenden Lokals „checken“ sie sich ein und erhalten automatisch die Angebote signalisiert, die für sie keine schädlichen Konsequenzen haben.)

Alles kann, das wusste bekanntlich schon Paracelsus, positive wie negative Auswirkungen haben. „Die Menge macht das Gift“. Ein Genussmittel, im Übermass genossen, wird zum Schadstoff. Die Frage nach dem richtigen Mass ist die wichtigste überhaupt. Wir verlieren sie in einer Zeit, die ohnehin zu Unmässigkeiten neigt, zu oft aus den Augen.

Deshalb wünsche ich allen Blog-Leserinnen jund -Lesern für 2006 von Herzen ein gutes Gefühl für das richtige Mass in den Dingen, die für sie wichtig sind. – Happy New Year, And Good Food!




30/12  Warum eigentlich kein Bonus?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:59

Als Honorar für ein Referat vor der regionalen Offiziersgesellschaft hatte ich vor einiger Zeit einen Gutschein bekommen, einzulösen in einem der besten Speiserestaurants am Ort. Heute Abend war der Zeitpunkt gekommen, das Lokal keineswegs überfüllt (man sammelt offenbar Kräfte und Mittel für die morgige Silvestersause) und die Menükarte exquisit.

Den Festtagsüberfluss vor dem inneren Auge, das diskret in Richtung Waage schielt, halten wir Ausschau nach einer kalorienmässig verantwortbaren Nahrung. Was könnte sich da besser anbieten als ein kleines Hummersüppchen (vom Chef persönlich empfohlen) und eine Portion Beefsteak Tatar. Die Bedienung ist zuvorkommend, die Ambiance gediegen, man blickt vom ersten Stock aus auf die grosse Einkaufsstrasse und sieht das idyllische Schneegestöber, das sich mit einer Weihnachtsbeleuchtung verwirbelt, wie sie früher ähnlich auch in der Zürcher Bahnhofstrasse gehangen hatte, als Weihnacht dort noch Weihnacht war.

Ein rundum gelungenes Abendessen also, das der Kellner mit einer einfachen Frage zu einer neue Dimension erweitern möchte, indem er sagt: „Darf ich Ihnen noch die Dessertkarte bringen?“ Er darf.

Dann beginnt die Qual der Wahl. Vom hausgemachten Caramel-Köpfli über die Panna Cotta, das Halbgefrorene mit Zimt und Pflaume, die in Rotwein gedünstete Feige auf Marsala-Sabayone, den Sorbet-Teller mit der Früchte-Auswahl, die Mousse au Chocolat Maison… bis zur Crema Catalàna, meiner Leibspeise, an der ich unter normalen Umständen nicht ungeschoren vorbeikomme (oder sie nicht an mir).

Aber heute zögere ich. Eigentlich muss ich sie haben. Was solls? Es ist nur einmal pro Jahr Jahresende und das Lokal ist wirklich prima und darauf soll es mir jetzt auch nicht mehr ankommen… Aber als dann die Bedienung am Tisch steht, erwartungsvoll den Stift gezückt, da sage ich rasch, ehe ich es mir nochmals anders überlege: „Nur einen Espresso, bitte!“

Und während ich auf den Kaffee warte, ein wenig stolz auf mich selber, frage ich mich, weshalb es bei eBalance eigentlich nicht eine Möglichkeit gibt, solche Verzichts-Entscheide in Form eines „Bonus“ am jeweiligen Kalorien-Total eines Tages in Abzug zu bringen… oder wenigstens einem „moralischen“ Konto gutzuschreiben?




29/12  Vermisst wird…

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 21:46

Ein an sich ereignisloser Tag war das, Musse pur, Lektüre, TV… Am Mittag eine Randensuppe nach eBalance gekocht, obwohl diese für das heutige Menü gar nicht vorgesehen war, aber die Randen waren da und wollten zubereitet sein, man kann mit den Vorgaben ja auch etwas lockerer umgehen.

Dann am späteren Nachmittag die Fahrt zur nächstgelegenen Möglichkeit für Einkäufe. Für einmal solls der Denner sein, da war ich schon länger nicht mehr und man findet praktischen Parkplatz. Um diese Zeit ohnehin, ganze drei Fahrzeuge stehen draussen im Schnee, der jetzt wieder in dichteren Flocken auf die Autoscheiben fällt.

Das Personal, zahlreicher als die Kunden, ist auf Freundlichkeit geschult, grüsst und ist hilfreich beim Einpacken an der Kasse, sogar eine Tasse Kaffee wird mir angeboten, perfekter Service!

Allerdings meine ich beim Stöbern durch die Regale festgestellt zu haben, dass im Denner-Sortiment die breite Palette der „light“-Produkte, mit denen sich andere Grossverteiler in einem permanenten Wettkampf gegenseitig zu übertrumpfen versuchen, praktisch nicht stattfindet! Wohl habe ich von Dr. Oetker zwei „Light-Crèmes“ gefunden und bei den Frühstücksflocken die „Fitness“-Flakes von Nestlé… wobei: wenn man deren Kaloriendichte betrachtet, hat die Fitness bald ein Ende.

Nein, was praktisch nicht auffindbar ist, das sind Angebote an fettreduzierten Molkereiprodukten und Fleischerwaren. Kein Magerjoghurt, kein viertelfetter Käse, kein gar nichts in dieser Richtung. Was mir vor zwei Monaten an der Aldi-Reklame aufgefallen ist, das stelle ich nun auch in den Denner-Regalen fest. Woran mag das liegen? Der Anteil der kalorien- und fettbewussten KäuferInnen wächst, die Industrie zieht nach und kreiert Angebote, Denner hat Pick-Pay aufgekauft und die Anzahl der Filialen erweitert… aber dieses ganze Segment wird ausgeblendet.

Während coop und Migros bei der Deklaration des Fettgehaltes ihrer Fleischprodukte offensichtlich zurückfahren, böte sich hier für Denner eine einmalige Chance, tiefe Preise mit guter Info-Leistung und Qualität zu verbinden… Vielleicht lohnt es sich, hier von der SAPS aus dran zu bleiben, im nächsten Jahr.




28/12  Wo bleibt die magische Diät?

Kategorie: Allgemein    Von Heinrich von Grünigen um 22:02

Jetzt ist es zauberhaft, im Winter auf dem Land zu sein. Das Thermometer sinkt gegen minus zehn, die Luft ist klar und ein feinstes Schneegestöber wirbelt vor der dunklen Silhouette des nahen Waldes durch das Blickfeld… und ich finde in den Tagen des Müssiggangs und des Faulenzens endlich Zeit, mit der begonnenen Lektüre fortzufahnen.

Hundert Seiten sind gelesen, fünfhundert liegen noch vor mir: Harry Potter and the Half-Blood Prince“. – Es ist eine spezielle Art von literarischer Magie, auf die man sich einlässt. Zuerst braucht es einige Zeit und auch Anstrengung, bis man sich wieder eingelesen hat in die Geschichte und ihren Erzählfluss, bis die vielen bizarren Figuren und Charaktere wieder Gestalt angenommen haben und ihre Lebensläufe aus den fünf vorangegangenen Büchern sich erneut zu einem plastischen Ganzen gefügt haben. Aber plötzlich – und das ist in der Regel so nach hundert Seiten – kommt Dynamik in die Geschichte und reisst ihre Leserschaft mit sich fort, ob gross oder klein, in einem fulminanten Strom unwirklicher und doch plastisch dramatischer Ereignisse, so dass man das Buch nicht mehr weglegen mag.

Ein Gedanke hat ich mir in diesen Tagen beschlichen, und da haben die – sehr kongenialen – Verfilmungen, die ich bisher gesehen habe, ihren Teil dazu beigetragen: Wenn man das junge Zauberervolk so sieht, das die wunderliche Schule von Hogwarts bevölkert, dann entspricht der Anteil an übergewichtigen Jugendlichen keineswegs der statistischen Wahrscheinlichkeit, wie sie auch für die magische Welt gelten müsste. Zwar gibt es einige Exemplare, die den vertrauten Clichés Genüge tun: Sie sind dauernd auf Süssigkeiten versessen, dümmlich und faul und lassen sich manipulieren… Aber wenn man bedenkt, mit welchem kulinarischen Überfluss die jungen Studierenden im grossen Speisesaal ihrer Schule Tag für Tag überschüttet werden, wie sich auf einen Wink mit dem Zauberstab riesige Schüsseln mit knusprigen Pouletschenkeln und Berge von Törtchen von oben auf die Tische senken, wie grosse Krüge mit Fruchtsaft durch die Luft schweben und die Becher auffüllen… es ist ein Schlemmerland, wie man es sich verführerischer nicht wünschen und vorstellen könnte, und die Kids hauen rein und bedienen sich nach Herzenslust, als hätten sie in ihrer ganzen Zauberlehre nie etwas von vernünftiger Ernährung gehört.

Vielleicht sind Zauberleute am Ende doch mit einem speziellen Sensorium ausgestattet, das sie befähigt, unbewusst und ohne besondere Anleitung das Richtige zu tun. Und die paar dicklichen, die bemitleidenswert aus ihrer zu knappen Wäsche gucken, sind die schlechten Beispiele, an denen sich die Fangemeinde ja kein Vorbild nehmen soll… – Schade. Der allerletzte Band bleibt wohl ungeschrieben: „Harry Potter and the Magic Diet“.